Schüler mit Migrationshintergrund an Sonderschulen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
21 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Der Status der Migranten in Deutschland
1.1. Häufigkeit und Herkunft von Kindern mit Migrationshintergrund
1.2. Verteilung in Deutschland
1.3. Verteilung in Berlin
1.4. Häufigkeiten und Verteilung nach Schulart

2. Ursachen
2.1. Ökonomische und soziale Ursachen
2.2. Spracherwerb und Sprachvermögen als Ursache

3. Zusammenhang von Lernbehinderung und der Sprache bei Kindern mit Migrationshintergrund
3.1. Die Interpendenzhypothese
3.2. Die Schwellenniveauhypothese
3.3. Die Relevanz der Muttersprache in Bezug auf den affektiven Bereich

4. Fazit

5. Literatur

5.1. Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit wird im Rahmen des Hauptseminars „Bildungserfolg bei Schülern mit Migrationshintergrund“ geschrieben.

Ziel ist es zu beschreiben und Erklärungsversuche abzugeben warum Schüler mit Migrationhintergrund so häufig an Sonderschulen, hierbei im Speziellen die Sonderschule für Lernbehinderte zu finden sind.

Die Arbeit gliedert sich in folgende Punkte. Im ersten Punkt werde ich die Begriffe Ausländer (Schüler nichtdeutscher Herkunft) und Schüler mit Migrationshintergrund erklären. Des Weiteren werde ich näher auf die Herkunftsländer und die Verteilung von Schülern mit Migrationshintergrund in Deutschland und dabei im speziellen in Berlin eingehen. Hierbei werde ich auch die Verteilung auf die einzelnen Schulformen näher beschreiben.

Im zweiten Punkt versuche ich mögliche Ursachen für das „Schulversagen“ zu finden und diese zu erläutern. Hierbei werde ich näher auf den Spracherwerb und das Sprachvermögen und die besonderen Schwierigkeiten für Schüler nichtdeutscher Herkunft eingehen.

Im dritten Punkt beschreibe ich den Zusammenhang von Lernbehinderung und der Sprache bei Kindern mit Migrationshintergrund näher, indem ich die Interpendenzhypothese und Schwellenniveauhypothese näher erläutere.

Die Arbeit werde ich mit einem Fazit abschließen.

1. Der Status der Migranten in Deutschland

Migration (von lat.: migratio: Wanderung) bedeutet im weitesten Sinne einen längerfristigen Wohnortswechsel eines Menschen[1].

Die folgende Abbildung zeigt mögliche Zuwanderungsformen, auf die aber im Rahmen dieser Arbeit nicht näher drauf eingegangen werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Statistisch werden „Deutsche“ und „Ausländer“ unterschieden. „Deutsche“ im Sinne des Grundgesetzes sind deutsche Staatsbürger, „Ausländer“ sind Bürger eines anderen Staates, die in Deutschland leben. Das Merkmal Staatsangehörigkeit ist rechtlich und politisch bedeutend, pädagogisch aber an sich irrelevant. Pädagogen unterscheiden nicht nach Personalausweisen. Daher wird in der Erziehungswissenschaft von „Kindern mit Migrationshintergrund“ gesprochen, die wie Aussiedler oder Eingebürgerte auch deutsche Staatsbürger sein können. Merkmale dieser Gruppe sind, dass Mutter und/oder Vater im Ausland geboren wurden, bzw. dass in der Familie eine andere als die deutsche Sprache gesprochen wird. Seit dem 1.1.2000 wurde ein neues Staatsangehörigkeitsrecht in Deutschland verabschiedet. Das besagt, dass Kinder, die in der Bundesrepublik Deutschland geboren werden und deren Eltern einen festen Aufenthaltstatus haben die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Aus diesem Grund werden bei den Einschulungen in die erste Klasse ab dem kommenden Schuljahr 2006/07 deutlich weniger Kinder ohne deutsche Staatsbürgerschaft in den Statistiken erscheinen.

1.1. Häufigkeit und Herkunft von Kindern mit Migrationshintergrund

Die Anzahl der Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft beträgt seit mehreren Jahren cirka 7 bis 7,5 Millionen Menschen. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist deutlich höher.

Die größte Gruppe der Migranten sind Türken mit 1 764 318 Menschen, gefolgt von Italienern mit 548 194 Migranten, Einwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien mit 381 563 und 315 989 griechischen Migranten[2]. Dies entspricht auch dem statistischen Zahlenmaterial zum Schulbesuch von Migrantenkindern. Demnach sind die türkischen Kinder mit 60% am stärksten vertreten. 18% stammen aus Jugoslawien, cirka 12% aus Italien und 6% aus Griechenland[3].

Abbildung 2: Aufteilung der ausländischen Schülerschaft nach Herkunft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2. Verteilung Berlin

Die Einwohnerzahl von Berlin beträgt derzeit rund 3,38 Millionen, davon sind fast 500.000 Personen nichtdeutscher Herkunft, ihr Anteil an der Berliner Bevölkerung liegt damit bei 13,2%. Insgesamt haben wir in Berlin 348.148 Schülerinnen und Schüler, von denen 56.071 nichtdeutscher Herkunft sind; dies entspricht einem Anteil von 16,1%[4].

Abbildung 3: Anteil von Schülern nichtdeutscher Herkunft in den Bezirken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Projektkonzeption Migrakids

1.3. Verteilung nach Schulform

Die internationalen Schulleistungsvergleichsstudien PISA[5] und IGLU[6] haben gezeigt, dass der sozioökonomische Hintergrund des Elternhauses die Leistungen der Schüler in Deutschland stärker beeinflusst als in jedem anderen Land der OECD[7]. Bei denselben kognitiven Voraussetzungen bzw. fachlichen Leistungen werden Schüler aus den unteren sozialen Schichten, zu denen oft auch Migranten gehören, deutlich benachteiligt.

Um diese These zu bestätigen werden im folgenden Abschnitt die Verteilung der Schülerschaft auf die Schulformen nach Deutschen, Aussiedlern und Schülern mit Migrationshintergrund dargestellt.

Die Bildungschancen sind ungleich verteilt. 44 Prozent der deutschen Schüler in der Sekundarstufe besuchen ein Gymnasium. Bei den Schülern mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit sind es nur 17 Prozent. Unter den deutschen Staatsangehörigen mit Migrationshintergrund, den „Aussiedlern“ aus Osteuropa und Republiken der ehemaligen Sowjetunion lernen nur 14 Prozent an der höchsten Schulform.

An der Realschule lernen 25% der deutschen und 19% der ausländischen Schülerschaft. Unter den Aussiedlern werden 26% unterrichtet.

Am häufigsten werden Schüler mit Migrationshintergrund an den Hauptschulen unterrichtet. 40% von ihnen besuchen die Regelschulform mit dem niedrigsten Anspruchsniveau. Unter den Aussiedlern sind es sogar 43%, während „nur“ 16% der Deutschen an Hauptschulen beschult werden.

An der Sonderschule für Lernbehinderte lernen 8% der ausländischen Schülerschaft, bei den Deutschen sind es 4,2%. Da es keine Angaben für Aussiedler gibt, ist zu vermuten, dass diese bei den 4,2% der deutschen Schüler zu finden sind.[8]

Die folgenden drei Graphiken sind nach Deutschen, Aussiedler und Ausländer aufgeteilt und zeigen die von der jeweiligen Gruppe besuchten Schulformen.

Abbildung 4: Verteilung der deutschen Schülerschaft nach Schularten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Verteilung der ausländischen Schülerschaft nach Schularten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Verteilung der Aussiedler nach Schularten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kinder, deren Familien als Flüchtlinge aus Albanien, Serbien-Montenegro und dem Libanon nach Deutschland einwandern, werden mehr als doppelt so oft an Sonderschulen für Lernbehinderte erzogen, als andere Kinder mit Migrationshintergrund[9]. Der Anteil der Kinder mit türkischer Staatsangehörigkeit, zu denen mehr als die Hälfte aller ausländischen Schülerinnen und Schüler gehören, ist zwar höher, als der Anteil deutscher Kinder, aber niedriger als der Anteil der Ausländer insgesamt.[10] Statistisch stellt sich so eine Verbindung zwischen Lernbehinderung an deutschen Schulen und Migration aus „unsicheren“ Herkunftsländern bzw. „unsicheren“ Aufenthaltstiteln in Deutschland her. Auch die Nachkommen der Arbeitsmigranten, die oft in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, gehen zahlreicher an die Sonderschulform als Deutsche.

[...]


[1] www.wikipedia.org, Stand 15.03.2006

[2] www.statistisches-bundesamt.de, Stand 15.03.2006

[3] Vgl.: Herrmann, H.: Ausländische Jugendliche in Schule, Ausbildung und Beruf. S. 8f

[4] Projektkonzeption Migrakids

[5] Programm for International Student Assessment (PISA) hat zum Ziel alltagsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten der 15-jährigen Schüler zu messen

[6] Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung. In dieser Studie werden Lesefähigkeit bzw. das Leseverständnis von Viertklässlern verglichen.

[7] Organisation for Economic Co-operation and Development

[8] Deimann, A.: Kinder mit Migrationshintergrund an Schulen für Lernbehinderte in Nordrhein – Westfalen. Landeszentrum für Zuwanderung NRW. 2004

[9] Deimann, A.: Kinder mit Migrationshintergrund an Schulen für Lernbehinderte in Nordrhein – Westfalen. Landeszentrum für Zuwanderung NRW. 2004

[10] Deimann, A.: Kinder mit Migrationshintergrund an Schulen für Lernbehinderte in Nordrhein – Westfalen. Landeszentrum für Zuwanderung NRW. 2004

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schüler mit Migrationshintergrund an Sonderschulen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V67860
ISBN (eBook)
9783638605533
ISBN (Buch)
9783640336197
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schüler, Migrationshintergrund, Sonderschulen
Arbeit zitieren
Melanie Friedemann (Autor), 2006, Schüler mit Migrationshintergrund an Sonderschulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67860

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