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Der private Krieg im Spiegelbild der Theorie der neuen Kriege

Title: Der private Krieg im Spiegelbild der Theorie der neuen Kriege

Seminar Paper , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Markus Wagner (Author)

Politics - Topic: Peace and Conflict, Security
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Mit dem Ende des Ost-West Konflikts und dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts Anfang der 1990er Jahre hatte sich die Erwartung verbreitet, dass Kriege und auch Kriegsdrohungen von nun an der Vergangenheit gehören würden. Es sah eine Zeit lang danach aus, als ob der Gesellschaftstheoretiker Immanuel Kant in seiner 1795 verfassten Schrift „Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“ damit recht behalten würde, dass „es […] der H a n d e l s g e i st [ist], der mit dem Kriege nicht zusammen bestehen kann, und der früher oder später sich jedes Volks bemächtigt.“ (Kant 1795. erster Zusatz) Aber diese Erwartung trog und bewahrheitete sich bis jetzt nicht. Was allerdings zu Ende ging war die lange währende Ära der klassischen zwischenstaatlichen Kriege, die spätestens seit dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648 eingeläutet wurde und die bis ins 20. Jahrhundert hinein bestand. Schon im 1625 erschienenen Werk „Libri tres de belli ac pacis“ von Hugo Grotius wird der Staat bereits als Monopolist der Entscheidung über Krieg und Frieden gesehen. (Münkler 2001: 226) Vor allen Dingen der politische und wirtschaftliche Schaden, den zwischenstaatliche Kriege verursachen, hat dazu geführt, dass hoch entwickelte Industriestaaten vor der Führung von Kriegen zurückschrecken, weil der denkbare Ertrag geringer ist als der sicher einzukalkulierende Schaden. (Münkler 2002a: 128) Und somit wurden vor allen Dingen in Europa nach dem zweiten Weltkrieg durch die Europäische Integration, die Gründung der KSZE und die Einbindung Europas in die NATO der Grundstein für ein friedliches Miteinander gelegt, in dem Krieg kein Gegenstand europäischer Politik mehr darstellt. Doch unbemerkt dieser politischen Erwägungen Europas zeigten sich auf der ganzen Welt, ja selbst an der östlichen Grenze Europas, dem Balkan, schwelende Krisenherde die den europäischen Bemühungen - „nie wieder Krieg“- entgegenlaufen und ganz neue Kriegsformen, nämlich die „privatisierten Kriege“ hervorbrachten. Beispiele hierfür waren die Kriege in Somalia und Ruanda, sowie der Bosnienkrieg in denen nicht nur zwischenstaatliche Akteure beteiligt waren, sondern mehr und mehr auch Partisanen, Warlords, Kindersoldaten, Söldner, private Militärunternehmen und auch andere Formen der privaten Kriegsführung beteiligt waren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abgrenzung: Staatenkrieg – Bürgerkrieg – Privater Krieg

2.1 Staatenkrieg

2.2 Bürgerkrieg

2.3 Privater Krieg

3. Privater Krieg

3.1 Die Ausgangsbedingungen für die Entstehung von privaten Kriegen

3.1.1 Internationales Umfeld

3.1.2 Wirtschaftliches Umfeld

3.1.3 Soziokulturelles Umfeld

3.1.4 Politisches Umfeld

3.2 Akteure des privaten Kriegs

3.2.1 Kriegsherren (Warlords)

3.2.2 Kindersoldaten

3.2.3 Söldnertum (Private Militärfirmen)

3.2.4 Terroristen

3.2.5 Organisierte Kriminalität

3.3 Kennzeichen von privaten Kriegen

4. Der private Krieg in der Theorie der „neuen Kriege“

5. Die Zukunft der Kriege

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Kriegsführung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, hin zu sogenannten „privatisierten Kriegen“. Ziel ist es, die Charakteristika, Akteure und Ursachen dieses Phänomens zu analysieren und es in den theoretischen Rahmen der „neuen Kriege“ einzuordnen, um daraus Prognosen für zukünftige globale Sicherheitsentwicklungen abzuleiten.

  • Wandel von zwischenstaatlichen Kriegen zu privaten Konflikten
  • Analyse der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen
  • Systematische Untersuchung der Akteure (Warlords, Kindersoldaten, Söldnerfirmen, Terroristen, organisierte Kriminalität)
  • Einordnung in die Theorie der „neuen Kriege“ von Münkler und Kaldor
  • Diskussion zukünftiger Lösungsansätze und Kriegsszenarien

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Kriegsherren (Warlords)

Das Auftreten von Kriegsherren oder sogenannten „Warlords“ ist keineswegs ein neues Phänomen der neuen Kriege sondern er gehört zu den „wiederauferstandenen Figuren der Kriegsgeschichte“ (Herberg-Rothe 2003: 72) Schon während des dreißigjährigen Krieges waren Kriegsherren die einflussreichsten und entscheidenden politischen Figuren. Unter diesem Begriff wird eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure subsumiert, die von reinen „Gewaltunternehmern“ über Bandeführer bis zu lokalen Herrschen mit eigenen kleinen Kriegsfürstentümern reichen.

Heute treten sie dort auf, wo die staatliche Ordnung infolge eines Bürgerkriegs oder der Unfähigkeit eines Staates, sein Gewaltmonopol effektiv auszuüben, weitgehend zusammengebrochen ist. (Mair 2002: 10) Sie kontrollieren in der Regel ein bestimmtes Gebiet innerhalb dessen eine Minimale Ordnung besteht, die auf Gewalt basiert, aber eine Fortdauer dieser Ordnung ermöglicht und reklamieren somit die wichtigsten Attribute von Staatlichkeit für sich. Nicht aber um den Prozess der Staatsbildung heranzutreiben sondern um die sich daraus ergebenden Vorteile für sich selbst zu nutzen und internationale Anerkennung zu erlangen.

Warlordkonfigurationen unterscheiden sich von klassischen Bürgerkriegen dadurch, dass sie den „Gebrauch der Gewalt als Mittel zur Regulierung von Märkten sowie die Transformation von Gewalt zur Ware bzw. Dienstleistung“ (Münkler 2002a: 34) benutzen. Ziel der Warlords ist es, mit der Androhung und Ausübung von Gewalt, aus dieser wirtschaftlichen und politischen Unordnung maximalen Gewinn zu erzielen. Dabei stammen ihre Einnahmen aus der Kontrolle und dem Verkauf von wertvollen mineralischen (Diamanten, Gold, Erze usw.) und agrarischen (Drogen, Edelhölzer, seltene Tiere) Rohstoffen, aus der Plünderung von Geldvermögen und Hilfsgütern sowie der Kontrolle von Handelswegen und Märkten. (Paes/Aust 2003: 1230)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung des Übergangs von klassischen zwischenstaatlichen Kriegen zu privatisierten Konflikten nach dem Ost-West-Konflikt und Definition des Untersuchungsgegenstands.

2. Abgrenzung: Staatenkrieg – Bürgerkrieg – Privater Krieg: Begriffsdefinitionen und Abgrenzung der verschiedenen Kriegsformen voneinander sowie deren idealtypische Analyse.

3. Privater Krieg: Detaillierte Analyse der Ursachen, der vielfältigen Akteure wie Warlords oder Söldnerfirmen sowie der generellen Kennzeichen privatisierter Konflikte.

4. Der private Krieg in der Theorie der „neuen Kriege“: Theoretische Einordnung der privatisierten Gewalt in die von Münkler und Kaldor geprägte Debatte über den Wandel des Kriegsbildes.

5. Die Zukunft der Kriege: Diskussion über zukünftige Entwicklungstendenzen, mögliche Gegenstrategien des Westens und die Rolle technologischer Innovationen.

Schlüsselwörter

privatisierte Kriege, neue Kriege, Gewaltmonopol, Warlords, Kindersoldaten, Söldnerfirmen, Terrorismus, organisierte Kriminalität, Staatszerfall, Globalisierung, Asymmetrische Konflikte, private Gewalt, Gewaltmärkte, Sicherheitssektor.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Übergang von klassischen zwischenstaatlichen Kriegen zu „privatisierten Kriegen“ seit den 1990er Jahren und die damit einhergehende Entstaatlichung des Gewaltmonopols.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die ökonomischen, politischen und sozialen Ursachen privatisierter Gewalt, die verschiedenen Akteure des modernen Krieges sowie die theoretische Fundierung der sogenannten „neuen Kriege“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das Phänomen des privaten Krieges umfassend zu charakterisieren, seine Akteure zu definieren und daraus Schlüsse für die zukünftige Entwicklung globaler Konflikte zu ziehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis vorhandener Theorien (insbesondere Münkler und Kaldor) und wertet aktuelle Studien sowie empirische Daten zur weltweiten Kriegsentwicklung aus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse, eine detaillierte Vorstellung der neuen Gewaltakteure und deren Einordnung in die Theorie der neuen Kriege.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Privatisierung des Krieges, Staatszerfall, Gewaltmärkte und neue Akteure beschreiben.

Wie unterscheiden sich Warlords von regulären Militärs?

Warlords streben nicht nach staatlicher Ordnung, sondern nutzen Gewalt als Mittel zur persönlichen Bereicherung und Marktkontrolle; sie haben kein Interesse an einer dauerhaften Beendigung des Konflikts.

Warum gelten Söldnerfirmen als ein neues Phänomen?

Obwohl Söldnertum alt ist, haben sich moderne private Militärfirmen zu professionellen, global vernetzten Wirtschaftsunternehmen entwickelt, die institutionell agieren und einen direkten Einfluss auf globale Interventionsstrategien ausüben.

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Details

Title
Der private Krieg im Spiegelbild der Theorie der neuen Kriege
College
University of Würzburg  (Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung)
Course
Kriege im Spiegelbild politischer Theorie
Grade
1,7
Author
Markus Wagner (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V67862
ISBN (eBook)
9783638605540
ISBN (Book)
9783656798507
Language
German
Tags
Krieg Spiegelbild Theorie Kriege Spiegelbild Theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Wagner (Author), 2006, Der private Krieg im Spiegelbild der Theorie der neuen Kriege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67862
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