Zum Leben Albrechts III., dem König von Schweden und Herzog von Mecklenburg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
19 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografische Angaben zur Person

3. Wie wurde Albrecht III. König von Schweden ?

4. Seine schwedische Herrschaft

5. Der Verlust Schwedens
5.1. Die Vitalienbrüder

6. Mecklenburger Zustände während und nach der Gefangenschaft Albrechts III
6.1. Bis zu seiner Freilassung 1395
6.2. Innenpolitische Probleme
6.3. Der letzte Versuch eines mecklenburgischen Königs in Schweden
6.4. Ausklang seines Lebens

7. Schweden nach Albrecht III

8. Albrecht III. in der Geschichtsschreibung

9. Schlusswort

10. Anhang

11. Literatur und Quellenangabe

1. Einleitung

Die Geschichte Mecklenburgs erschien mir immer als sehr linear. Zugegeben, die Geschichte des Fürstentums, und später ab den 8. Juli 1348[1] des Herzogtums Mecklenburg hatte eine Besonderheit. Sie begründete sich offiziell auf slawische Vorfahren. Damit war es das einzige Herrschaftsgebiet im H.R.R.D.N., das nicht darauf pochte von deutschen Vorfahren begründet worden zu sein.

Beim tieferen Studium der Geschichte merkte ich weitere ungewöhnliche Facetten. Eine davon war die Person Albrecht III. Herzog von Mecklenburg und König von Schweden. Diese außergewöhnliche Konstellation eines Herzogshauses und eines Königsstuhl, vereint in einer Person, war es wert näher untersucht zu werden.

In dieser Arbeit versuche ich mehrere Seiten Albrecht III. anzureißen. Dieses „anreißen“ dient dazu, von vornherein die Basis dieser Arbeit klarzustellen: Es ist keine tiefgründige Befassung eines Themas, sondern der Versuch ein außergewöhnliches Leben im späten Mittelalter aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten.

2. Biografische Angaben zur Person

Die Ahnen Albrechts III. entstammen zum Teil den nordischen Königshäusern. Seine Mutter Euphemia war die Halbschwester von König Magnus Erikson von Schweden. Dem schwedischen Adel widerstrebte es später offen diese Verwandtschaft anzuerkennen: Magnus Mutter Ingeborg betrieb eine eigene dynastische Politik, auch nachdem Magnus schon unter einer adligen Vormundschaft regierte.[2]

Sein Vater war der bekannte Herzog Albrecht II. von Mecklenburg, der zu Recht den Titel „Albrecht der Große“ trägt, obwohl dieses Thema nicht Bestandteil dieser Arbeit werden soll.

Albrecht III. wurde zwischen 1338 und 1340[3] geboren. Diese Varianz ist darin zu begründen, dass keinerlei urkundliche Aufzeichnungen über seine Geburt existieren. Erst durch die Verlobung am 13. Oktober 1352[4] mit seiner ersten Gemahlin Ricardis, Tochter Otto I., Graf von Schwerin, fand Albrecht III. Erwähnung in einer genau datierten Urkunde. Diese Hochzeit diente nach der Meinung einiger Historiker[5] nur dem Zweck, die Grafschaft in Besitz zu nehmen, stattdessen erhielt Albrecht Boitzenburg als Mitgift. Erst 1358 wurde die Übernahme Schwerins mithilfe von 20.000 lübischen Silber möglich. Zur Vorgeschichte sei kurz angemerkt, dass die Grafschaft im 12. Jahrhundert zu dem Herzogtum Mecklenburg gehörte und erst 1166 von Heinrich den Löwen ausgegliedert und zu einer Grafschaft ernannt wurde.

W. Karge spricht anders lautend von alleinigen Gewaltanwendungen, die zur Übernahme Schwerins durch seinen Vater Albrecht II. geführt haben sollen.[6] Ernst Boll begründet die Herrschaft über die Grafschaft Schwerin mit beiden Argumenten: Der zu Schwerin residierende Graf Otto starb und nachdem Albrecht II. einen „harten Kampf“ (Boll) mit dessen Bruder Nicolaus führen musste, konnte er ihm den Anspruch auf die Grafschaft durch 20.000 Silber abkaufen.[7]

Ricardis starb zwischen 1377 und 1380. Als zweite Frau wählte Albrecht III. Agnes, die Tochter des Herzogs Magnus II. von Braunschweig-Lüneburg, welche in dem Zeitraum zwischen 1430 und 1434 starb.[8] Aus beiden Ehen ging jeweils ein Sohn hervor, zum einen Erich von Gotland und Albrecht V. Es ist anzunehmen, dass Erich von Gotland[9] noch zwei Schwestern gehabt haben muss.

Die Regierungszeit Albrechts III. ist ungewöhnlich gegliedert. In den Jahren von 1385-1388 und in den Jahren 1395-1412 führte er als Herzog von Mecklenburg-Schwerin die Regierungsgeschäfte des Landes. In den Jahren 1364 bis 1389 war er in Schweden zugegen und führte somit auch den Titel „König von Schweden“, was wiederum eine absolute Ausnahme in der mecklenburgischen Geschichte darstellt.

Am 31. März 1412 starb Albrecht III. in der Nähe von Gadebusch, wo er ebenfalls in der Königskapelle beigesetzt wurde.

3. Wie wurde Albrecht III. König von Schweden ?

Wie wird ein mecklenburgischer Herzog König von Schweden? Um diese Frage beantworten zu können, muss zum einen die Vorgeschichte in den beiden nordischen Königshäusern Dänemark und Schweden beleuchtet werden und zum anderen muss man die Geschichte seines Vaters Albrecht II. bezüglich diesem Machtbereiches charakterisieren.

Durch den Frieden von Stralsund am 24. Mai 1371 war es der Kölner Konföderation gelungen ihren ehemaligen Feind Waldemar IV. zu besiegen. Der Friedensvertrag sah vor, dass die Nachfolge Waldemars von der Zustimmung der Hanse, die das Hauptgewicht der bis 1385 noch existierenden Konföderation bildete, abhängig war. Man entschied sich 1376, nach dem Tode Waldemars, gegen die Mecklenburger, die sich auch zur Wahl stellten, für Olav IV. unter der Vormundschaft Margareta, der Tochter des verstorbenen Königs.

Die Bande zwischen den Königshäusern Norwegen und Dänemark wurden schon ein Jahrzehnt früher durch die Ehe Hakons mit Margareta besiegelt. Waldemar und Hakon betrieben eine antihansische Politik, was die Feindschaft zwischen Dänemark, Norwegen und der Hanse vertiefte. Im Jahre 1380 errang Olav V. unter Margaretas Regentschaft durch den Tod Hakons von Norwegen die norwegische Krone.[10] Sieben Jahre später wurde Margareta Königin von Dänemark. Im gleichen Jahr stirbt Olav V., woraufhin Margareta das Königshaus Norwegen für aufgelöst erklärt und sich als alleinige Herrscherin von Dänemark und Norwegen darstellt.

In Schweden entstand in den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts ein Konflikt zwischen der königlichen Zentralgewalt in Stockholm und den Partikulargewalten, sprich den Ständen.

Durch erhöhte Kriegstätigkeit, unter anderem gegen die Russen an der finnisch-russischen Grenze, war Magnus von Schweden gezwungen die Steuern zu erhöhen und Verpfändungen voranzutreiben.[11]

Währenddessen unterstützten die Mecklenburger die zahlreiche deutsche Bevölkerung von Stockholm. In der Hansestadt lebten zeitweilig bis zu 40 Prozent deutsche Einwanderer. Als sich der Konflikt zwischen Adel und König 1355 weiter verschärfte, bat der schwedische Adel die Mecklenburger um militärische Hilfe gegen den eigenen König. Als Gegenleistung sollte es den Mecklenburgern freigestellt sein, einen König aus den eigenen Reihen zu ernennen. Albrecht II., der Vater des späteren Königs, ließ dieses Angebot nicht vorüberziehen und stürzte seinen Schwager[12] vom Thron. Ein Argument für diesen Verwandtschaftsverrat lag sicherlich in der Nichtakzeptanz Euphemias von Seiten des schwedischen Adels.[13]

Um nicht ein weiteres Mal den eigenen König vertreiben zu müssen, sicherte sich der schwedische Adel durch mehrere Verträge weitreichende Zugeständnisse von Albrecht III., noch bevor dieser überhaupt gegen seinen Onkel in die Schlacht zog.

Am 10. November 1363 landete die Flotte der Mecklenburger und deren Verbündeten – dazu zählte die schwedische Adelsopposition, Magnus älterer Sohn Erik, einige Privatmänner, die sich finanziellen Nutzen aus dem Königswechsel versprachen und die Hansestädte Rostock und Wismar[14] – in der Nähe von Kalmar. Der Graf Heinrich von Kalmar gehörte seit einem Unterstützungsvertrag im Jahre 1356 zu seinen Verbündeten und ließ so die Flotte einlaufen. König Magnus ging währenddessen davon aus, dass Albrecht III. von Süden her – über Kalmar als Landungshafen – Schweden erobern will. Diese Täuschung funktionierte. Als die Flotte nach Stockholm weiterreiste trafen sie auf sehr wenig Widerstand. Am 30. November legte der Stockholmer Rat den Treueid ab und schon drei Monate später wurde die Krönung inoffiziell vollzogen. Albrecht setzte Hakon – den Gemahl Margaretas von Dänemark – und Magnus ab, wobei erstgenannter von Waldemar zu Dänemark weiterhin unterstützt wurde und sich in den westschwedischen Grenzgebieten, sowie in Norwegen halten konnte.[15]

Der Kampf zwischen Albrecht III. und König Magnus war auch noch nach der Krönung nicht entschieden. Erst die Schlacht bei Enköping beendet die Herrschaft des Folkinger - Geschlechtes in Schweden im 14. Jahrhundert. Magnus Erikson wurde gefangen und erst 1371 – er verzichtete beim Eid auf die schwedische Krone – wieder freigelassen.[16]

Obwohl Albrecht III. das Recht erhielt Magnus sein Wappen – den Löwen – weiterzuführen, setzt er ein neues Zeichen ein: Die drei schwedischen Kronen. Pläne, den Stierkopf einzusetzen, hätten die schwedischen Stände zu sehr verärgert.[17]

Auf die Quellen bezogen, gab es bis 1356 keinerlei Anzeichen, ob Albrecht II. seinen Sohn auf den zukünftigen Thron in Stockholm setzen wollte. Erst die Belehnung von Albrecht II. und seinem älteren Bruder von Seiten des Grafen Heinrich von Kalmar machte deutlich, dass die Mecklenburger Interesse am Schwedischen Thron hatten.

[...]


[1] Ernst Boll, Geschichte Mecklenburgs, S.132

[2] Theodor Schieder, Handbuch der europäischen Geschichte, Band 2, München 1987, S. 908

[3] Vgl. Nordmann S. 54: Die Historiker Fromm und Oelgarte waren der Meinung, dass Albrecht im Jahre 1338 das Licht der Welt erblickte. Gründe dafür wären u. a. die Eheschließung Albrecht II. 1336 und die Geburt seines älteren Bruders Heinrich im darauf folgendem Jahr.

[4] Vgl. Nordmann S. 57: Wann seine Trauung gewesen war bleibt unklar. Nordmann geht von zwei möglichen Terminen aus: 1359, nach der endgültigen Erwerbung Schwerins oder 1363, nach seinem ersten selbstständigen politischen Auftreten in Kalmar.

[5] Nordmann, Albrecht III., Helsinki 1938, S. 58

[6] Wolf Karge, Die Geschichte Mecklenburgs, Rostock 2000, S. 43

[7] Ernst Boll, Geschichte Mecklenburgs, S. 134

[8] Vgl. Nordmann, S. 251 f., Am 15. Februar 1396, vier Monate nach seiner Freilassung aus der dänischen Gefangenschaft, heiratete Albrecht die gut 20 Jahre jüngere Agnes von Braunschweig-Lüneburg. Die Gründe für diese Ehe waren weitestgehend politischer Natur.

[9] Vgl. Nordmann, S. 257: Erstmalig wurde er von dem Historiker Hermann von der Halle so benannt, als dieser seinen Versuch beschrieb die von seinem Vater verlorene Macht in Schweden von Gotland aus wiederzugewinnen. Weiteres siehe Kapitel 6.3.

[10] Theodor Schieder, Handbuch der europäischen Geschichte, Band 2, München 1987, S. 910

[11] Theodor Schieder, Handbuch der europäischen Geschichte, Band 2, München 1987, S. 499

[12] Siehe „Biografische Angaben“

[13] Siehe „Biografische Angaben“ und Schieder, Band 2, S. 909

[14] Theodor Schieder, Handbuch der europäischen Geschichte, Band 2, München 1987, S. 910

[15] Schieder, Band 2, S.910

[16] Ernst Boll, Geschichte Mecklenburgs, S. 135

[17] Siehe Anhang 1

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zum Leben Albrechts III., dem König von Schweden und Herzog von Mecklenburg
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Mecklenburgische Fürsten im Mittelalter und der frühen Neuzeit
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V6792
ISBN (eBook)
9783638142847
ISBN (Buch)
9783638746205
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beleuchtet das Leben eines jungen Herzogs, vom Vater auf den schwedischen Thron gebracht und von Margareta von Dänemark wieder vertrieben. Es ist gleichzeitig eine Vorgeschichte der Kalmarer Union.
Schlagworte
Margareta, Mecklenburg, Albrecht, Schweden
Arbeit zitieren
Matthias Widner (Autor), 2002, Zum Leben Albrechts III., dem König von Schweden und Herzog von Mecklenburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6792

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