Entlang der Deutungen Nietzsches wollen wir uns auf den Weg machen, die wirkmächtigen Zuflüsterungen der abendländischen Philosophiegeschichte näher zu betrachten, die unser Vorverständnis und Denken ganz eigentlich bedingen. Wir wollen eintreten in jenen Dialog, der die fraglose Selbstverständlichkeit der abendländischen Metaphysik aufbricht und hinterfragt. Auf diesem Wege wollen wir einige grundlegende Gedanken Friedrich Nietzsches, wie: „die ewige Wiederkehr des Gleichen“, „der Tod Gottes“, „der Übermensch“, „der Wille zur Macht“ und „Amor fati“ eingehender betrachten, um so einem Verständnis seiner Nihilismus-Auffassung näher zu kommen. Es wird indes deutlich werden, dass sich im Denken Nietzsches neben der Verkündigung vom Tode Gottes und dem daraus hervorgehenden Nihilismus auch Ansätze zur Überwindung des Nihilismus finden, die es, im Anblick dieser „Ehrfurcht gebietenden Katastrophe“, fortzuschreiben gilt. Eine Aufgabe des abendländischen Denkens wird es schließlich sein, Lebenslehren zu finden, welche die Heraufkunft einer neuen Kultur begünstigen, oder mit Nietzsche gesprochen, nach dem Zerbrechen der alten Tafeln neue Tafeln zu beschreiben. Auf der Suche nach Möglichkeiten zur Überwindung des Nihilismus deutet Nietzsche selbst nach Indien, namentlich zur Lehre des Buddhismus.
Inhaltsverzeichnis
E I N L E I T U N G
1. Nihilismus – Versuch einer Analyse
1.1 Das Licht der Vernunft – Der Schatten des Nihilismus
1.1.1 Vom „ersten Anfang“ der Metaphysik
1.2 Metaphysik – als Rache am Sein
1.3 Nihilismus – als Entwertung der obersten Werte
2. Ansätze zur Überwindung des Nihilismus
2.1 Das asketische Ideal
2.2 Eine neue Moral
2.3 Die ewige Wiederkehr des Gleichen
2.4 Vom Tode Gottes zu einem neuen religiösen Bewusstsein...
2.5 Amor fati – das dionysische Jasagen zum Leben
S C H L U S S B E T R A C H T U N G U N D A U S B L I C K
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Nihilismus als ein zentrales Phänomen der abendländischen Philosophiegeschichte mit dem Fokus auf Friedrich Nietzsche. Ziel ist es, die Ursachen dieses Nihilismus in der Metaphysik sowie in der christlichen Moral zu analysieren und mögliche Wege zu dessen Überwindung aufzuzeigen, wobei ergänzend buddhistische Perspektiven in den Dialog einbezogen werden.
- Die Genealogie des metaphysisch-christlichen Denkens
- Die Analyse des Nihilismus als Entwertung der obersten Werte
- Die Konzepte des „letzten Menschen“ und des „Übermenschen“
- Die Auseinandersetzung mit der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“
- Die Lebensauffassung des „Amor fati“ als dionysisches Jasagen
Auszug aus dem Buch
1. Nihilismus – Versuch einer Analyse
„Der Nihilismus steht vor der Tür: Woher kommt uns dieser unheimlichste aller Gäste?“5 Für Nietzsche deuten die Zeichen und Spuren dieses kommenden Geschicks allesamt darauf hin, dass die Ankunft des „unheimlichsten aller Gäste“ mit der Geschichte der abendländischen Metaphysik in Zusammenhang steht und folglich mit der okzidentalen Vernunftgeschichte. Eine Denkgeschichte, die sich im Glanz der europäischen Aufklärung auf glorreiche Weise vollendet hat und ihren weltumspannenden Siegeszug seither ununterbrochen fortsetzt. Ein Siegeszug, indem sich alles unter die unbedingte Herrschaft und Anerkennung der Vernunft zu beugen hat.
Diesem Siegeszug der Vernunft setzt Nietzsche in seinem Aufsatz Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne eine Geschichte entgegen, die die Hybris des Denkens höhnisch zur Entlarvung bringt, indem er die misliche Lage von denkenden Wesen angesichts des unendlichen und kontingenten Weltraums wie folgt beschreibt: „In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogenste Minute der ‚Weltgeschichte‘: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mußten sterben. – So könnte Jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur auswirkt; es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben."6 An anderer Stelle kommentiert Nietzsche den raschen Tod der klugen Tiere mit deutlichen Worten: "Es war auch an der Zeit: denn ob sie schon viel erkannt zu haben, sich brüsteten, waren sie doch zuletzt, zu großer Verdrossenheit, dahinter gekommen, daß sie alles falsch erkannt hatten. Sie starben und fluchten im Sterben der Wahrheit. Das war die Art dieser verzweifelten Thiere, die das Erkennen erfunden hatten."7
Zusammenfassung der Kapitel
E I N L E I T U N G: Einführung in die Thematik der Heraufkunft des Nihilismus, dessen Bedeutung für die europäische Kultur und die Zielsetzung der Arbeit.
1. Nihilismus – Versuch einer Analyse: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen abendländischer Metaphysik, Vernunftgeschichte und dem Aufkommen des Nihilismus als Entwertung der Welt.
2. Ansätze zur Überwindung des Nihilismus: Darstellung von Nietzsches Konzepten wie dem Übermenschen, der ewigen Wiederkehr und Amor fati als Antwort auf die nihilistische Krise.
S C H L U S S B E T R A C H T U N G U N D A U S B L I C K: Zusammenfassung der Analyseergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit einer Bewusstseinsentwicklung über das materielle Denken hinaus.
Schlüsselwörter
Nihilismus, Nietzsche, Metaphysik, Christentum, Wille zur Macht, Übermensch, Ewige Wiederkehr, Amor fati, Sklavenmoral, Herrenmoral, Sinnlosigkeit, Buddhismus, Vernunft, Dasein, Postmoderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Nihilismus, insbesondere als Symptom der abendländischen Metaphysik und christlichen Moral, und untersucht Wege zu dessen Überwindung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Genealogie des metaphysischen Denkens, die Entwertung oberster Werte, die Konzepte des Übermenschen, der ewigen Wiederkehr und das dionysische Jasagen zum Leben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Nietzsches Diagnose des Nihilismus verstehend nachzuvollziehen und den „Sprung“ zu einem neuen, lebensbejahenden Bewusstsein zu skizzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die phänomenologische und philosophische Analyse, primär gestützt auf die Texte Friedrich Nietzsches, ergänzt durch Heideggers Ansätze sowie komparative Anmerkungen zum Buddhismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Entstehungsbedingungen des Nihilismus aus der Metaphysik analysiert und anschließend konkrete Ansätze wie das asketische Ideal und die Umwertung der Moral untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Nihilismus, Metaphysik, Wille zur Macht, Übermensch, ewige Wiederkehr, Amor fati und die Wechselbeziehung zwischen westlichem und östlichem Denken.
Was versteht Nietzsche unter dem „letzten Menschen“?
Der „letzte Mensch“ bezeichnet für Nietzsche einen Typus, der auf jegliche Selbstüberschreitung verzichtet und sich mit der bloßen Befriedigung seiner triebhaften Bedürfnisse und einem komfortablen Dasein begnügt.
In welchem Verhältnis steht der Buddhismus zur Analyse von Nietzsche?
Die Arbeit betrachtet den Buddhismus nicht als Zielpunkt, sondern als inspirierende Vergleichsebene, die hilft, das eigene abendländische Denken durch die Gemeinsamkeiten in der Leidensanalyse besser zu verstehen.
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- Klaus Itta (Author), 2006, Nihilismus - Eine okzidentale Krankheit? Zur Genealogie des metaphysisch-christlichen Denkens und Anmerkungen zur buddhistischen Philosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67940