Die Bedeutung des Einkaufs nimmt immer mehr zu. Der Trend in Industrieunternehmen geht hin zur Konzentration auf Kernkompetenzen und dem Outsourcing von vorgelagerten Wertschöpfungsstufen. Hierbei ist aber zu bemerken, dass in Deutschland dieser Trend ein bisschen „verschlafen“ wurde, und die Fertigungstiefe in deutschen Industrieunternehmen im internationalen Vergleich noch sehr hoch ist. Aber gerade dies hat zur Folge, dass hier noch sehr viel Potential zur Optimierung des Einkaufs vorliegt, das genutzt werden kann.
Vor allem das Global Sourcing bietet Unternehmen die Möglichkeit ihre Einkaufskosten zu senken. In Sachen Produktqualität, Mitarbeiterqualifikation und Produktivität erreichen Niedriglohnstandorte immer häufiger westliches Niveau und ermöglichen Unternehmen Vor- oder Komplettmontagen auch von komplexen Produkten in diese Länder zu verlagern. Die Implementierung des Lead Buyer Konzeptes (LBK) stellt eine Maßnahme dar, wie man in einem großen Unternehmen oder in Konzernen im Einkauf Einsparungen realisieren kann. Sei es nun in Form von Einsparungen im Einkauf oder bei den Beschaffungskosten. Das LBK ist ein junges Konzept. In der Literatur erscheint es erst ab dem Jahr 2000. Dabei ist es weniger in der theoretischen Betriebswirtschaftslehre verankert, sondern vor allem in Berichten aus der Praxis zu finden. In der wissenschaftlichen Literatur wird das Konzept überwiegend anhand von großen Unternehmen oder Konzernen. Dies ist auch der Grund, dass es verschiedene Bezeichnungen dafür gibt, welche sich aber inhaltlich nicht abheben. Zu nennen wäre hier zum Beispiel der Mandatseinkauf und der Commodity Manager. Das LBK ist Teil des Materialgruppenmanagement (MGM), wo der Lead Buyer die Rolle des Team-Leiters der MGM-Teams einnimmt. Es ist ein Trend in Unternehmen zu erkennen, der sich in Richtung Lead Buyer Organisation bewegt. Viele namhafte Unternehmen nutzen bereits diese neue Einkaufsorganisation oder führen sie gerade ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Im Einkauf liegt Gewinn
2 Das Lead Buyer Konzept
2.1 Definition
2.2 Ziele und Voraussetzungen
2.3 Aufgaben eines Lead Buyers
2.4 Potentiale des LBKs
3 Die organisatorische Veränderung im Unternehmen durch das LBK
3.1 Zentraler vs. dezentraler Einkauf
3.2 Matrixorganisation
3.3 Vertikaler Organisationsaufbau
3.4 Virtuelle Organisation
4 Die besondere Bedeutung der Information beim LBK
4.1 Informationen als Grundvoraussetzung
4.1.1 Informationen zwischen Lead Buyer und den Business Units
4.1.2 Informationsbeschaffung der Lead Buyer
4.1.3 Controlling
4.2 Einsatz von Informationstechnologie
5 Das LBK in der Praxis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Lead Buyer Konzept (LBK) als strategisches Instrument zur Effizienzsteigerung im Einkauf. Ziel ist es, einen theoretischen Rahmen für die Einführung dieses Konzepts in großen Unternehmen zu schaffen und aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Bündelung von Beschaffungsvolumina und Wissenskonzentration nachhaltige Wettbewerbsvorteile erzielt werden können.
- Strukturwandel von traditionellen zu hybriden Einkaufsorganisationen
- Rollenprofil, Aufgaben und Anforderungen an einen Lead Buyer
- Implementierung von Matrix- und virtuellen Organisationsformen im Einkauf
- Bedeutung von Informationssystemen und Datenkonsolidierung für das Management
- Realisierung von Einsparpotentialen durch Standardisierung und Global Sourcing
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition
Das LBK stellt eine „Synthese aus zentraler und dezentraler [Einkaufs-] Organisation“ dar und nutzt die jeweiligen Vorteile dieser Formen.
Dabei ist der Lead Buyer zentral für die strategische Beschaffung einer bestimmten Materialgruppe im gesamten Unternehmen zuständig, wohingegen er selbst in einer lokalen Einkauforganisation integriert ist. Zu beachten ist, dass der Lead Buyer einer Materialgruppe ein Einkäufer der Business Unit (BU) werden sollte, die das größte Einkaufsvolumen in dieser Gruppe aufweist. Der Vorteil dabei ist, dass dieser Geschäftsbereich das nötige Wissen und größte Erfahrung in der Materialgruppe (MG) und den Markt besitzt.
Der dezentrale Charakter des Konzeptes stellt die operative Beschaffung dar. Die sog. Local Buyer kaufen das benötigte Material bei dem Lieferanten ein, mit welchem der für die Materialgruppe verantwortliche Lead Buyer einen Rahmenvertrag abgeschlossen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Im Einkauf liegt Gewinn: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Bedeutung des Einkaufs als Hebel zur Renditesteigerung und identifiziert das Lead Buyer Konzept als Instrument zur Realisierung von Einsparpotentialen.
2 Das Lead Buyer Konzept: Hier wird das Konzept definiert, die notwendigen Voraussetzungen für die Einführung beschrieben sowie die Aufgaben und Potentiale des Lead Buyers detailliert herausgearbeitet.
3 Die organisatorische Veränderung im Unternehmen durch das LBK: Dieses Kapitel analysiert die notwendigen strukturellen Anpassungen, insbesondere den Übergang zu hybriden, virtuellen und Matrix-Organisationsformen im Beschaffungsmanagement.
4 Die besondere Bedeutung der Information beim LBK: Der Fokus liegt hier auf der kritischen Rolle von Informationsflüssen, der zentralen Datenhaltung sowie dem Einsatz von IT-Systemen für eine erfolgreiche strategische Steuerung der Beschaffung.
5 Das LBK in der Praxis: Das Fazit fasst die Bedeutung des Konzepts für die Zukunft der Unternehmensorganisation zusammen und reflektiert über Herausforderungen bei der Implementierung sowie die Notwendigkeit weiterer theoretischer Abhandlungen.
Schlüsselwörter
Lead Buyer Konzept, Beschaffungsmanagement, Materialgruppenmanagement, Global Sourcing, Einkaufsorganisation, Kosteneinsparung, Beschaffungskosten, Virtuelle Organisation, Matrixorganisation, Strategische Beschaffung, Bedarfsbündelung, Informationstechnologie, Lieferantenmanagement, Best-Buy-Vergleich, Business Units.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und praktischen Umsetzung des sogenannten Lead Buyer Konzepts in Industrieunternehmen, um durch neue Organisationsformen im Einkauf Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen das Materialgruppenmanagement, die hybride Einkaufsorganisation, die Gestaltung von Informationssystemen im Einkauf sowie die strategische Lieferantensteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Erarbeitung eines Rahmens für die Einführung des Lead Buyer Konzepts, um Einkaufskosten und Prozessaufwände durch Bündelungseffekte und Wissenstransfer nachhaltig zu senken.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen mit aktuellen Berichten und Fallbeispielen aus der Unternehmenspraxis bündelt und systematisiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die organisatorischen Veränderungen (Matrix- und virtuelle Strukturen) sowie die unabdingbare Notwendigkeit von Informationssystemen, um den Lead Buyer als zentralen strategischen Akteur zu etablieren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Kernbegriffe sind Lead Buyer Konzept (LBK), Materialgruppenmanagement, strategische Beschaffung, Kosteneinsparung und hybride Einkaufsorganisation.
Warum spielt das Informationsmanagement eine so entscheidende Rolle beim Lead Buyer Konzept?
Da der Lead Buyer strategisch für das gesamte Unternehmen agiert, während die operativen Einkäufer dezentral verteilt sind, ist ein unternehmensweites, digitales System essenziell, um Transparenz über Lieferanten, Preise und Bedarfe zu schaffen.
Wie werden die Kosten der Lead Buyer Tätigkeit im Unternehmen verteilt?
In der Literatur gibt es hierzu keine einheitliche Regelung. Der Autor schlägt vor, die Kosten entweder als Gebühr proportional zur beschafften Warenmenge auf die Business Units umzulegen oder diese zentral durch die Konzernmutter zu tragen.
- Quote paper
- Jochen Ruf (Author), 2005, Das Lead Buyer Konzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67957