Historische Entwicklungen, Kriege, politische Entscheidungen und andererseits ökonomische Prozesse und Errungenschaften beeinflussen nachhaltig internationale Beziehungen. Die daraus resultierenden Veränderungen sind besonders im vergangenen Jahrhundert besonders spürbar gewesen. Mit Hilfe beispielhafter Geschehnisse in dieser Zeit möchte ich auf die aktuellen Herausforderungen denen wir gegenüberstehen hinweisen. Ziel meiner Arbeit ist es einerseits, die Notwendigkeit eines Umdenkens aufgrund dieser Herausforderungen hervorzuheben, andererseits möchte ich auch die damit verbundenen Risiken verdeutlichen. In diesem Zusammenhang werde ich auch auf die sich verändernde Rolle Internationaler Organisationen im internationalen Politikgeschehen eingehen. Um die Verwendung der Begrifflichkeiten zu vereinheitlichen werde ich im am Anfang der Arbeit Definitionen geben und jeweils kurze historische Entwicklungen beschreiben. In Kapitel drei werde ich die Auswirkungen der eingangs erwähnten Veränderungen auf die Nationalstaaten aufzeigen. Anhand der Globalisierung, Deregulierung und des Trends zu multinationalen Konzernen werde ich besonders auf die Handlungsspielräume der Staaten eingehen. Das vierte Kapitel beschreibt die Entstehung des Völkerbundes, seinen Niedergang und die Entstehung der umfassendsten internationalen Organisation, den Vereinten Nationen. Im zweiten Teil des vierten Kapitels werde ich die quantitative Entwicklung der internationalen Organisationen nach dem Zweiten Weltkrieg beschreiben. Auf Basis der vorangegangenen Abschnitte werde ich im letzten Kapitel die gewonnenen Erkenntnisse zusammenführen und eine zunehmende Bedeutung Internationaler Organisationen innerhalb einer Global Governance kritisch beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Global Governance
2.2 Internationale Organisationen
3. Global Governance – Nationalstaaten im Wandel
3.1 Globalisierung
3.2 Deregulierung
3.3 Multinationale Konzerne
4. Die Entwicklung der IOs seit dem 2.Weltkrieg
4.1 Vom Völkerbund zur UN
4.2 Quantitative Veränderung der IOs
5 IOs und Global Governance – Eine kritische Betrachtung
5.1 Überblick
5.2 Principal-Agent-Problem
5.3 Individuelle Nutzenmaximierung
5.4 Agenda-Setting
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die sich wandelnde Rolle internationaler Organisationen im Kontext von Global Governance und analysiert kritisch, inwiefern diese Institutionen durch ökonomische Anreizstrukturen beeinflusst werden und welche Auswirkungen dies auf die Handlungsspielräume von Nationalstaaten hat.
- Theoretische Fundierung von Global Governance und internationalen Organisationen
- Einfluss der Globalisierung und Deregulierung auf Nationalstaaten
- Historische Entwicklung von Völkerbund und Vereinten Nationen
- Kritische Analyse mittels Public-Choice-Theorie
- Problematiken wie das Principal-Agent-Verhältnis und Agenda-Setting
Auszug aus dem Buch
3.3 Multinationale Konzerne
Die in den vorangegangenen Abschnitten beschriebene Einschränkung der möglichen Einflussnahme von Nationalstaaten auf wirtschaftspolitische Entscheidungen wird auch am Beispiel von multinationalen Unternehmen (MNK) deutlich. Die gesunkenen Transport- und Kommunikationskosten gepaart mit einer erhöhten Mobilität des Faktors Kapital führen zu einem verschärften Wettbewerb um Direktinvestitionen. Die Unternehmen sind in der Lage, ihre Standortwahl nach Kriterien wie Absatz- und Beschaffungsmöglichkeiten, aber auch nach möglichst geringen Belastungen durch Besteuerung und Lohnkosten zu treffen. Da die Staaten weltweit auf Investitionen angewiesen sind, besteht die Gefahr, dass Sozial- und Umweltstandards aufgegeben, beziehungsweise in Schwellen- und Entwicklungsländern erst gar nicht etabliert werden. Multinationale Konzerne wären also in der Lage ihre Interessen, die möglicherweise kollektiv irrational und schädlich sind, gegenüber einzelnen Nationalstaaten durchzusetzen. Doch nicht nur die eigentliche Standortwahl stellt die Länder vor eine Herausforderung. Durch die weltweite Liberalisierung und den Abbau von Handelsschranken entstehen völlig neue Märkte. Eine regionale Abgrenzung in Kategorien wie national oder international ist in vielen Branchen nicht mehr möglich. Dies bedeutet auch für die Unternehmen eine Zunahme des Wettbewerbs und dass vormals hohe Marktanteile durch die Öffnung der Märkte international stark schrumpfen können. Als Reaktion der betroffenen Branchen ist eine zunehmende Zahl an Fusionen zu verzeichnen. Dabei ist festzustellen, dass die Zusammenschlüsse von internationalen Unternehmen stark angestiegen sind. Ebenso bemerkenswert ist die Zunahme von Fusionen von Unternehmen gleicher Größe. Diese Reaktion der Konzerne auf internationale Wettbewerbszunahme stellt nicht nur die nationalstaatliche Wettbewerbspolitik vor eine große Herausforderung, sie ist auch bei einigen Verfechtern der Marktwirtschaft umstritten. So führt diese konsequent auf Wachstum ausgerichtete Strategie zu einer Ballung von Kapital, wie sie bis dahin unbekannt war. Dieses geballte Kapital hat eine ökonomische Macht zur Folge, die sich nicht nur in der großen Anzahl von abhängigen Beschäftigten bemerkbar macht, sonder auch durch reale politische Einflussmöglichkeiten. Manche Kritiker sehen in diesen Megafusionen bereits den Sieg des Kapitals über die tatsächliche Macht der demokratischen Regierungen. Selbst wenn man nicht ganz so weit gehen möchte, sind die Gefahren der Oligopoli- und Monopolisierung nicht zu unterschätzen. Wenn horizontale Fusionen zu einer Konzentration von Marktmacht führen, ist damit auch immer die Gefahr von Wohlfahrtsverlusten verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Zielsetzung sowie des methodischen Aufbaus der Untersuchung zur Rolle internationaler Organisationen.
2 Definitionen: Erläuterung der zentralen Begriffe Global Governance und Internationale Organisationen sowie deren theoretische und historische Verankerung.
3. Global Governance – Nationalstaaten im Wandel: Analyse der Herausforderungen durch Globalisierung, Deregulierung und den Aufstieg multinationaler Konzerne für den Nationalstaat.
4. Die Entwicklung der IOs seit dem 2.Weltkrieg: Darstellung der Entstehung des Völkerbundes sowie der Vereinten Nationen inklusive der quantitativen Zunahme internationaler Institutionen.
5 IOs und Global Governance – Eine kritische Betrachtung: Kritische Untersuchung von IOs mittels Public-Choice-Ansätzen, Fokus auf Principal-Agent-Problematik, Nutzenmaximierung und Agenda-Setting.
6 Fazit: Zusammenführende Einschätzung zur Bedeutung von IOs und Forderung nach mehr Transparenz zur Stärkung der Bürgeridentifikation.
Schlüsselwörter
Global Governance, Internationale Organisationen, Nationalstaat, Globalisierung, Deregulierung, Multinationale Konzerne, Völkerbund, Vereinte Nationen, Public-Choice-Theorie, Principal-Agent-Problem, Agenda-Setting, Politische Ökonomie, Souveränitätsverlust, Internationale Kooperation, Wohlfahrtsverlust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Ökonomie internationaler Organisationen (IOs) und deren wachsender Bedeutung im Rahmen von Global Governance.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Globalisierung, der Veränderung staatlicher Handlungsspielräume, der historischen Genese der UN sowie der kritischen Analyse internationaler Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Notwendigkeit eines Umdenkens in der internationalen Zusammenarbeit aufzuzeigen und die mit dem Machtzuwachs internationaler Organisationen verbundenen Risiken zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet insbesondere die Public-Choice-Analyse bzw. die Neue Politische Ökonomie, um Akteure innerhalb internationaler Organisationen ökonomisch zu betrachten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Wandel der Nationalstaaten, die historische Entwicklung der IOs nach dem Zweiten Weltkrieg und beleuchtet kritisch deren interne Machtstrukturen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Zentrale Begriffe sind Global Governance, das Principal-Agent-Problem, Agenda-Setting, individuelle Nutzenmaximierung sowie die Transformation des Nationalstaats.
Warum ist die Public-Choice-Theorie besonders für IOs aufschlussreich?
Sie ermöglicht eine individuelle Betrachtung der Akteure (Bürokraten, Diplomaten) anstatt die Organisation als anonymes Ganzes zu sehen, was besonders dort relevant ist, wo eine demokratische Kontrolle durch Wähler fehlt.
Welche Rolle spielt die räumliche Distanz in der Argumentation des Autors?
Die räumliche Distanz zwischen Wählern und den in internationalen Organisationen handelnden Personen erschwert den Informationsfluss und schwächt die demokratische Kontrolle.
Welche Rolle spielen multinationale Konzerne bei der Erosion nationaler Handlungsspielräume?
Durch ihre Standortmobilität können sie nationale Standards (Sozial- und Umweltstandards) unterlaufen, was die politische Gestaltungsfreiheit der Staaten unter Druck setzt.
Welche Empfehlung gibt der Autor im Fazit?
Er fordert eine Erhöhung der Transparenz internationaler Organisationen und eine Verbesserung des Kommunikationsflusses zwischen Bürgern und diesen Institutionen.
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- Christian Kerwel (Author), 2005, Global Governance und die Rolle internationaler Organisationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68028