1. Einleitung
Die Hausarbeit befaßt sich unter Anwendung der kognitionspsychologischen Prototypentheorie von Eleanor Rosch mit Wortbedeutungen von polysemen Wörtern, speziell Adjektiven, und zeigt dabei, daß es durch einen Bedeutungswandel auch zu einer Änderung der Funktion der Wörter kommen kann. Zuerst wird dabei eine Einführung über die wichtigsten Ziele und Aussagen der Prototypentheorie dargelegt. Hierbei soll speziell der Begriff des Prototypen Gegenstand der Betrachtung sein, da er die Grundlage für die Auffassung der Kategorisierung von Wörtern und ihren Bedeutungen in dieser Theorie bildet. Anschließend soll kurz aufgezeigt werden, welche Funktionen das Vorhandensein von Prototypen besitzt, um dadurch deren Funktion für den Menschen zu verdeutlichen.
In nächsten Abschnitt soll in einer kurzen Betrachtung die Basisebene näher untersucht werden, um zu zeigen, daß es neben der Kategorie der Prototypen auch eine Basiskategorie gibt, die ebenfalls für die Kategorisierung und damit für eine Einteilung in Relevanzen von Wortbedeutungen verantwortlich ist. Daraufhin wird das Problem der Polysemie verdeutlicht. Zunächst erfolgt hierbei eine Erklärung des Begriffes, um im Anschluß daran die Problematik der polysemen Wortbedeutung aufzuzeigen und darzustellen, daß die Prototypentheorie hier vor einer noch ungelösten Frage steht.
Im weiteren folgt an ausgewählten Beispielen eine Darstellung von verschiedenen Bedeutungen und Funktionen von Adjektiven. Spezielles Augenmerk wird dabei auf negativ konnotierte Adjektive gelegt, die in Verbindung mit positiv konnotierten Adjektiven eine emphatische Funktion einnehmen und somit einer positiven Verstärkung dienen. Anschließend sollen verschiedene Ansätze mögliche Erklärungen für dieses Phänomen wiedergeben. Dabei wird noch einmal das Problem der Anwendung der Prototypentheorie vertieft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Prototypentheorie
2.1 Eine Einführung
2.2 Die Funktionen der Prototypen(theorie)
2.3 Die Basisebene
3. Die Polysemie
3.1. Die Adjektive
4. Schlußbemerkung
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht auf Basis der kognitionspsychologischen Prototypentheorie nach Eleanor Rosch die Wortbedeutungen polysemer Adjektive und analysiert, wie durch einen Bedeutungswandel auch eine Änderung der funktionalen Verwendung dieser Wörter eintreten kann. Die Forschungsfrage fokussiert dabei insbesondere auf die Problematik der Kategorisierung mehrdeutiger Begriffe und die Rolle von Intensivpartikeln.
- Grundlagen der kognitionspsychologischen Prototypentheorie.
- Strukturierung mentaler Konzepte und Bedeutung von Prototypen.
- Die Rolle der Basisebene bei der Kategorisierung.
- Funktions- und Bedeutungswandel von Adjektiven im Kontext der Polysemie.
- Emphatische Verwendung von ehemals negativ konnotierten Adjektiven.
Auszug aus dem Buch
3. Die Polysemie
Ein Problem bei der Unterscheidbarkeit und Zuordnung von Wörtern bzw. deren Bedeutungen zu Kategorien stellt der Bereich der Polysemie dar, ein Problem, das die Prototypentheorie zwar erhellen, nicht aber lösen konnte. Polysemie liegt vor, wenn ein Ausdruck, also eine lexikalische Einheit, „zwei oder mehrere Bedeutungen besitzt, die alle etwas miteinander gemeinsam haben und sich meist aus einer Grundbedeutung ableiten lassen“ (Bußmann 1990: 593). Hierbei ist nicht klar, ob es sich um eine einzige Kategorie oder einen einzigen Prototypen oder um mehrere Kategorien handelt, d.h. stellt das Wort mit seinen Bedeutungsvarianten, die auf die gleiche Wurzel zurückzuführen sind, eine Kategorie dar oder teilt man diese nach den verschiedenen Bedeutungen des Wortes ein (Kleiber 1998: 8).
Diese Überlegung, daß Wörter mehr als eine Bedeutung besitzen, stellt den Ausgangspunkt der lexikalen Semantik dar, die ihre praktische Anwendung in der Lexikographie, dem Erstellen von Wörterbüchern, findet. Doch durch Wörterbücher, die eine lineare, überschneidungsfreie Abfolge von Bedeutungen eines Wortes in einer bestimmten Reihenfolge geben, wird das Denken gefördert, daß Wortbedeutungen nach ihrem referentiellen Anwendungsgebiet hin scharf getrennt sind (Geeraerts 1989: 63). Nun sind aber auch Wortbedeutungen prototypisch aufgeteilt und gerade bei der Polysemie besteht das Problem, daß sich verschiedene Bedeutungen eines Wortes überschneiden können und dabei ein Prototyp auch nicht immer eindeutig bestimmbar ist (Aitchison 1997: 77). Dabei kann man davon ausgehen, daß eine Wortform durchschnittlich 3-4 verschiedene Bedeutungen besitzt und somit polysem ist (Dirven/Verspoor 1999: 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Anwendung der Prototypentheorie auf polyseme Adjektive und stellt die Zielsetzung dar, Funktionswandel von Begriffen durch kognitive Kategorisierung zu erklären.
2. Die Prototypentheorie: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Theorie, die Funktion von Prototypen als kognitive Vergleichsgrößen und die Bedeutung der Basisebene für die Strukturierung von Wissen.
3. Die Polysemie: Hier wird die Problematik der Mehrdeutigkeit von Wörtern diskutiert und speziell der Funktionswandel von Adjektiven als Intensivierungsmittel in verschiedenen Sprachen analysiert.
4. Schlußbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass die Prototypentheorie zwar hilft, die semantische Flexibilität zu verstehen, die Kategorisierung bei echter Mehrdeutigkeit jedoch eine offene Forschungsfrage bleibt.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten linguistischen und psychologischen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Prototypentheorie, Polysemie, Adjektive, Bedeutungswandel, Kategorisierung, Familienähnlichkeit, Basisebene, Intensivpartikel, kognitive Semantik, Sprachwissenschaft, Lexikologie, Emphase, kognitive Modelle, Wortbedeutung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die kognitionspsychologische Prototypentheorie auf die Wortbedeutungen polysemer Adjektive angewendet werden kann und welche Rolle dabei der Bedeutungswandel spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Prototypentheorie, die kognitive Kategorisierung von Wörtern, das Konzept der Basisebene sowie die semantische und funktionale Ambiguität von Adjektiven.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob die Prototypentheorie ausreicht, um die Strukturierung und den Funktionswandel von polysemen Wörtern – speziell von Adjektiven, die als Intensivierer dienen – zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis linguistischer Fachliteratur durchgeführt, die Konzepte wie die "Semantik des Mehr oder Weniger" und den Vergleich mit prototypischen mentalen Modellen nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Prototypen, der Rolle der Basisebene und einer detaillierten Untersuchung von Adjektiven, die eine emphatische Funktion zur Verstärkung positiver Aussagen einnehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Prototypentheorie, Polysemie, Bedeutungswandel, Kategorisierung, kognitive Semantik und Emphase.
Warum werden negativ konnotierte Adjektive plötzlich positiv verwendet?
Die Arbeit führt an, dass negative Empfindungen einen stärkeren Signalwert besitzen und daher effektiver als Verstärkungsmittel für positive Sachverhalte in der alltäglichen Kommunikation genutzt werden können.
Kann die Prototypentheorie das Problem der Polysemie vollständig lösen?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Theorie zwar zur Erhellung beiträgt, jedoch keine Strukturierung für echte Mehrdeutigkeit bietet, da die Kategorisierung hierbei ungeklärt bleibt.
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- Hanka Loos (Author), 2002, Anwendung der Prototypentheorie auf Wortbedeutungen polysemer Adjektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68040