In der vorliegenden Bachelor-Arbeit geht es um Berufsbild und Tätigkeit des Filmproduzenten. Die Thematik wird anhand der Herstellung des Kurzfilms „BumBum“ untersucht.
Es gibt wohl nur wenige Dinge, bei deren Herstellung eine solche Vielfalt an Fähigkeiten und Talenten zusammenkommen muss wie beim Film. Die ganze Skala ist erforderlich, vom Kreativ-Künstlerischen über das Psychologische, Technische, bis hin zum Administrativ-Finanziellen. Jeder Film ist ein Unikat, sowohl was seinen Inhalt anbelangt, als auch die „Zusammensetzung“ der Menschen, die ihn herstellen, vor und hinter der Kamera. Die Herstellung eines Films ist ein komplexer, interaktiver Prozess, in dem praktisch jedes Teil des Netzwerks indirekt oder direkt mit allen anderen Teilen in Wechselwirkung steht. Ein solches System kann sich nur dann auf ein gemeinsa-mes Ziel zubewegen, wenn es eine Übereinkunft über das Ziel gibt, einerseits, und andererseits jedes Mitglied des Netzwerks über ein (Grund)Wissen hinsichtlich der Prozesse verfügt, die die Basis der Filmherstellung bilden. Der Produzent ist die organisatorische Einheit an der Spitze, die alles zusammenhält.
Folgende Phasen der Herstellung eines Films sind in der Untersuchung relevant:
Die Stoff- und Projektentwicklung (Development)
Finanzierung & Besetzung (Packaging)
Vorproduktion (Preproduction)
Beim Spielfilmproduzenten ist der Startpunkt der eigentlichen Produktion die Sicherstellung ihrer Finanzierung. Nun werden erste konkrete Schritte in Richtung Realisierung unternommen: der organisatorische, technische und künstlerische Stab des Teams wird zusammengestellt, Verträge werden ausgefertigt, die Rollen besetzt.
Sukzessive nehmen die verschiedenen Abteilungen Produktion, Regie, Ausstattung, Kostüm und Maske ihre Arbeit auf. Der abstrakte erste Drehplan und die oft noch reichlich abstrakte Kalkulation werden nun langsam mit konkreten Daten aufgefüllt, was meist zu Modifikationen und Korrekturen führt. Bis zum Drehbeginn wird eine ständige Wechselwirkung zwischen künstlerischen Vorstellungen und kalkulatorischen Vorgaben sowie tatsächlichen Fakten stattfinden: So kann zum Beispiel der Drehplan völlig umgestellt werden, weil ein bestimmter Schauspieler nur an gewissen Daten zur Verfügung steht, oder ein Schauspieler wird nicht besetzt, weil seine freien Daten mit dem bestehenden Drehplan nicht in Einklang zu bringen sind.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort
1. Der Produzent
1.1. Führungsfigur Produzent
1.2. Die tausend Gestalten des Produzenten
1.3. Der Produzent: Berufsrealität in Deutschland
1.4. Die Sonderstellung des Produzenten bei „Bum-Bum“
2. Developing
2.1. Der Stoff: Eine Kurzgeschichte als Vorlage
2.2. Wie kommt der Produzent zum Stoff?
2.3. Autorenrechte
2.4. Drehbucharbeit
2.4.1. Erste Gedanken zur Hauptfigur und zum Plot
2.4.2. Zielgruppe & Unique Selling Point
2.4.3. Arbeit mit der Vorlage: Adaption
2.4.4. Recherche
2.4.5. Arbeit am Buch als kontinuierlicher Prozess
2.5. Rechtliche Fragen im Stadium der Drehbucharbeit
2.5.1. Persönlichkeits- & Markenrechte von Boris Becker
2.5.2. Archivrechte Fremdmaterial
3. Packaging
3.1. Bestandteile des Packaging
3.2. Die Kalkulation
3.2.1. Elemente der Kalkulation
3.2.2. Auszüge
3.2.3. Drehplan
3.2.4. Herstellungsplan
3.2.5. Kostenfindung am Beispiel des Aufnahmeformats
3.2.6. Kalkulieren in SESAM
3.3. Finanzierung
3.3.1. Finanzierung eines Kurzfilms
3.3.2. Filmförderungen
3.3.3. Sender
3.3.4. Beistellungen & Sponsoring
3.3.5. Finanzierungsplan
3.4. Schauspieler
3.5. Stab
3.6. Co-Produktionsvertrag mit Pipeline Filmproduktion
3.7. Die Arbeit des Produktionsleiters
3.8. goodloufilm und Pipeline Filmproduktion
4. Preproduction
4.1. Arbeitsschritte der Preproduction
4.1.1. Motivsuche & Drehgenehmigungen
4.1.2. Arbeitsverträge & -genehmigungen
4.1.3. Technikleihe
4.1.4. Szenenbild, Maske & Kostüm
4.1.5. Stabliste, Dispo & andere Dokumente
4.1.6. Pressearbeit
4.2. Der Produzent beim Dreh
4.3. Nachdreh
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Funktion und Tätigkeit des Produzenten bei der Vorbereitung eines Spielfilms, konkret am Beispiel des Kurzfilms „Bum-Bum“. Dabei wird untersucht, wie kreative, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte in den Phasen der Stoffentwicklung, Finanzierung und Produktion ineinandergreifen.
- Die Rolle des Produzenten als Gesamtverantwortlicher und Leitwolf eines Filmprojekts.
- Die Herausforderungen der Stoffentwicklung und Drehbuchadaption bei Kurzfilmen.
- Methodiken der Kalkulation, Finanzierung (inkl. Förderung) und des Packagings.
- Umgang mit rechtlichen Hürden, insbesondere Persönlichkeits- und Markenrechten bei zeitgeschichtlichen Stoffen.
- Der praktische Produktionsablauf und die Bedeutung von Organisation und Delegieren.
Auszug aus dem Buch
2.4.1. Erste Gedanken zur Hauptfigur und zum Plot
Die achtziger Jahre. Das „Rundum-Wohlfühl-Paket“ der Bundesrepublik Deutschland. Bei der Adaption der Kurzgeschichte haben sich die beiden Autoren nicht weniger vorgenommen, als die Zeit atmosphärisch auferstehen zu lassen, in der Deutschland noch kein „Sanierungsfall“ war. Vor dem Hintergrund der noch jungen Zeitgeschichte wollen sie von einem kleinen Jungen erzählen, der sein Idol verehrt. Auch die Autoren waren damals noch Kinder. Sie würden diese Zeit glorifizieren – das ist ihnen bewusst, als sie anfangen; und Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmung.
Um trotzdem nicht übers Ziel hinauszuschießen und keine selbstverliebte, sondern allgemeingültige und authentische Geschichte zu erzählen, ist zum einen ausgiebige Recherche nötig, zum anderen Kenntnisse der Drehbucharbeit. Richtig angewandtes Drehbuch Handwerk hilft u.a. bei der „emotionalen Stimmigkeit“ der Geschichte, die es zu erzeugen gilt. A und O ist es, eine Hauptfigur MICHI zu erschaffen, mit der sich der Zuschauer identifizieren kann, einen „emotionalen Träger“. „Ein Film hat Erfolg, wenn er dem Publikum eine Möglichkeit zur Einfühlung bietet. Empathie ist der Wächter am Tor zu den Gefühlen des Publikums.“
Gängige Literatur zur Technik des Drehbuchschreibens empfiehlt schrittweises Vorgehen von der Synopsis (wenige Zeilen), über das Exposé (ca. ein bis fünf Seiten), das Treatment (ca. zehn bis 25 Seiten), bis hin zum Drehbuch in seinen verschiedenen Fassungen. Dies gilt besonders für Langfilme, deren Drehbücher etwa 120 Seiten aufweisen. Aufgrund seiner Kürze kann das Kurzfilm-Drehbuch (hier: 25 Seiten) diese für eine fundierte Stoffentwicklung durchaus empfehlenswerten Stadien komprimieren und überspringen. Ganz am Anfang sollte jedoch, wie auch bei „Bum-Bum“, die Synopsis stehen. In wenigen Zeilen machen darin die Autoren potentiellen Adressaten (und v.a. auch sich selbst) deutlich, um was es in der Geschichte geht. Für die Synopsis sind (wie z.B. auch für Journalisten) die „Sechs Ws“ einer Geschichte wichtig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Produzent: Definition der Rolle als Gesamtverantwortlicher und kreative sowie wirtschaftliche Schnittstelle der Filmproduktion.
2. Developing: Darstellung der Stoffentwicklung, von der Adaption einer Kurzgeschichte bis hin zur rechtlichen Absicherung und Drehbucharbeit.
3. Packaging: Erläuterung der organisatorischen und finanziellen Vorbereitung eines Projekts, einschließlich Kalkulation, Finanzierungsplanung und Aufbau eines aussagekräftigen Pakets für Investoren.
4. Preproduction: Detaillierte Beschreibung der praktischen Schritte zur Vorbereitung des Drehs, wie Motivsuche, Vertragswesen und logistische Koordination.
5. Fazit und Ausblick: Resümee über die Notwendigkeit von Organisationstalent und Sozialkompetenz des Produzenten sowie ein Appell für eine neue Mentalität in der Filmbranche.
Schlüsselwörter
Filmproduktion, Produzent, Drehbuch, Stoffentwicklung, Finanzierung, Kalkulation, Filmförderung, Kurzfilm, Packaging, Rechteklärung, Markenrecht, Boris Becker, Preproduction, Regie, Filmmanagement
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die vielschichtigen Aufgaben eines Produzenten bei einem Kurzfilmprojekt, wobei insbesondere die Verzahnung von kreativer Vision und wirtschaftlicher Realität im Vordergrund steht.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Werk?
Die zentralen Felder sind die Stoffentwicklung, die rechtliche Klärung von Persönlichkeitsrechten, die Erstellung einer professionellen Kalkulation sowie die strategische Finanzierung und das Packaging.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht den Sinn des Berufsbildes „Produzent“ und dokumentiert die praktischen Herausforderungen sowie die unverzichtbaren Erfahrungen bei der Vorbereitung eines professionellen Kurzfilms.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich primär um eine fallstudienbasierte Arbeit, die theoretische Erkenntnisse aus der Fachliteratur mit der praktischen Dokumentation des Projekts „Bum-Bum“ verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen der Filmherstellung: Developing, Packaging und Preproduction, ergänzt durch spezifische Analysen zu Kalkulation und Finanzierung.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument am besten?
Produktionsmanagement, Filmfinanzierung, Stoffentwicklung, Drehbuch, Praxisbericht, Filmrecht.
Welche rechtliche Hürde war für das Projekt besonders signifikant?
Die Klärung der Persönlichkeits- und Markenrechte in Bezug auf Boris Becker war aufgrund der fiktionalen Handlung und der Bekanntheit der Person besonders komplex und zeitintensiv.
Warum spielt die Kalkulation eine so zentrale Rolle?
Die Kalkulation dient als „finanzielles Korsett“ und Grundlage für das gesamte Projekt; sie entscheidet über die Machbarkeit und beeinflusst maßgeblich das Budget und die künstlerische Umsetzung.
- Quote paper
- Marcus Schuster (Author), 2006, Funktion und Tätigkeit des Filmproduzenten bei der Vorproduktion eines Spielfilms (am Bsp. des Kurzfilms "Bum-Bum"), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68041