„In meinem 6. Konsulat habe ich im Auftrag des Senats 82 Göttertempel in der Stadt wiederhergestellt und dabei keinen ausgelassen, der zu dieser Zeit einer Erneuerung bedurfte“.
Mit diesen Worten rühmt sich Kaiser Augustus für seine Bemühungen um die Sanierung der alten stadtrömischen Kultbauten im Jahr 28 v. Chr. Schon seit der späten Republik sprach man von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen, denn die Wirren der Bürgerkriege und die damit verbundene Identitätskrise ließ bei vielen Römern den Wunsch laut werden, die Religion der Vorfahren wieder aufleben zu lassen. Doch erst nachdem der junge Octavian und spätere Augustus durch den Sieg über Marcus Antonius im Jahre 31 v. Chr. die Machtverhältnisse zu seinen Gunsten entscheiden konnte und zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Ruhe und Frieden in das zersplitterte Rom brachte, konnte ein systematisches Restaurierungsprogramm Wirklichkeit werden.
Neben der Erneuerung der alten Tempel entstanden zahlreiche Neubauten, die in Pracht und Größe die traditionellen Tempel aus Tuff und Holz weit übertrafen. Aurea templa- goldene Tempel- wurden sie genannt und vor allem bei den Kultbauten für die persönlichen Götter des Princeps– Apollo, Mars Ultor und Venus – in den aufwendigsten Formen verwirklicht.
Wie genau sich die Pracht der neuen Tempel im einzelnen gestaltete, soll in dieser Arbeit anhand zweier frühaugusteischer Apollo-Tempel erläutert werden. Es handelt sich zum einen um das Apollo-Heiligtum auf dem Palatin und zum anderen um den Apollotempel des G. Sosius, der ihn anstelle des älteren Apollo-Medicus-Tempel auf dem Marsfeld wieder neu errichten ließ. Leider ergaben sich in der Forschung einige Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion der Bauten, da bei beiden Tempeln, insbesondere beim Apollo-Palatinus-Tempel, die Überreste eher spärlich ausgefallen sind. Vor allem bei der statuarischen Ausstattung führte das zu unterschiedlichen Lösungsansätzen.
In dieser Arbeit soll zunächst ein grober Überblick über die gefundenen Reste der Tempel gegeben werden und die daraus entstandenen Rekonstruktionsmöglichkeiten vorgestellt werden. Dabei sollen besondere Elemente frühaugusteischer Tempelkunst aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Apollo- Palatinus- Tempel
2.1. Konzeption und Architekturrekonstruktion
2.2. Ausstattung
3. Der Apollo- Sosianus- Tempel
3.1. Grundriss und Architektur
3.2. Architektur- Dekoration und figürliche Ausstattung
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die architektonische und künstlerische Gestaltung zweier bedeutender frühaugusteischer Apollo-Tempel in Rom – den Apollo-Palatinus-Tempel und den Apollo-Sosianus-Tempel – unter Berücksichtigung ihrer politischen Symbolik im Kontext der augusteischen Restaurierungspolitik.
- Analyse der Rekonstruktionsmöglichkeiten der Tempelanlagen anhand archäologischer Funde.
- Untersuchung der politischen Sinnbezüge und der Herrschaftslegitimation durch Tempelbauten.
- Darstellung der Kombination von archaischen und klassischen Stilformen im augusteischen Dekor.
- Vergleich der Tempelausstattungen als Ausdruck der kaiserlichen Ideologie und "Pietas".
- Einordnung der figürlichen Reliefs und Statuen in den historischen Kontext der Schlacht von Aktium.
Auszug aus dem Buch
2.1. Konzeption und Architekturrekonstruktion
Nach dem Sieg von Naucholos über Sextus Pompeius im Jahre 36 v. Chr. gelobte Octavian, seinem Schutzgott Apollo einen Tempel zu errichten. Laut Sueton soll Apollo selbst den Ort des Tempels bestimmt haben, indem er einen Blitz neben das Haus des Princeps gerichtet hat. Ocatvian hatte also vor, seine domus so eng mit dem Tempel zu verbinden, wie es sich zuvor in Rom keiner gewagt hatte. Vergleichbar wäre ein solches Konzept eher mit hellenistischen Königsresidenzen wie auf dem Burgberg von Pergamon. In diesem Sinne hätte Octavian sehr hoch gegriffen und einen autokratischen Herrschaftsanspruch deutlich werden lassen. Ein weiterer Sinnbezug kommt hinzu, wenn man bedenkt, dass die Wohnanlage mit dem Tempel in großer Nähe zur Romulushütte lag. Octavian, der sich selbst oft als Neubegründer der Stadt bezeichnen ließ, wollte sich dadurch mit dem sagenhaften Begründer Roms gleichstellen. Außergewöhnlich ist auch der Bauplatz des Tempels innerhalb des heiligen Bezirkes Roms – dem pomerium. Kultbauten anlässlich eines Sieges oder Triumphes römischer nobiles wurden seit der Mitte des 2. Jhrdts. v. Chr. immer außerhalb des pomeriums errichtet. Vor allem das Marsfeld war Standort vieler repräsentativer Tempel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die augusteische Tempelrestaurierung als Ausdruck einer religiösen und politischen Erneuerung nach den Wirren der Bürgerkriege.
2. Der Apollo- Palatinus- Tempel: Dieses Kapitel widmet sich der architektonischen Konzeption und der Ausstattung des palatinischen Heiligtums, das eng mit dem privaten Wohnhaus des Augustus verknüpft war.
3. Der Apollo- Sosianus- Tempel: Die Untersuchung befasst sich mit der Architektur und dem aufwendigen Baudekor des auf dem Marsfeld errichteten Tempels, dessen Gestaltung den Sieg Octavians über Ägypten reflektiert.
4. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Verbindung von römisch-italischen Bautraditionen mit klassisch-griechischen Stilelementen als Ausdruck des augusteischen Programms der "Pietas" zusammen.
Schlüsselwörter
Augustus, Apollo-Palatinus, Apollo-Sosianus, Rom, Augusteische Zeit, Tempelbau, Architektur, Klassik, Archaischer Stil, Politische Symbolik, Schlacht von Aktium, Kultbauten, Marmor, Reliefs, Statuenausstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der architektonischen und ikonographischen Erschließung der beiden bedeutendsten Apollo-Tempel unter Augustus, um deren Rolle in der kaiserlichen Propaganda zu verdeutlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Baugeschichte, die architektonische Gestaltung, die Ausstattung mit Reliefs und Statuen sowie die politische Bedeutung der Tempel als Symbole augusteischer Herrschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Augustus durch die gezielte Wahl von Baustilen und künstlerischen Programmen eine neue kulturelle Identität in Rom schuf.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt die archäologische Stilanalyse und den Abgleich mit antiken schriftlichen Quellen (z.B. Properz, Sueton, Ovid), um Rekonstruktionsansätze zu begründen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der baulichen Überreste, der Ausstattungselemente wie Campana-Platten und Statuen sowie der architektonischen Dekoration beider Tempel.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie "Augusteische Reform", "Attizismus", "Pietas", "Stilmix" und "Herrschaftslegitimation" sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Welche besondere Bedeutung hat der Baitylos in diesem Kontext?
Der Baitylos fungiert als spezifisches Kultsymbol, das Augustus durch die Verzierung mit apollinischen Attributen in das augusteische Bildprogramm integrierte.
Wie wird der Triumph über Ägypten im Dekor des Apollo-Sosianus-Tempels thematisiert?
Durch die Darstellung von Schlangen (Uräus) an den Kapitellen und das Figurenfries, welches einen Triumphzug zeigt, wird der Sieg über Kleopatra und Marcus Antonius symbolisch verarbeitet.
- Quote paper
- Corina Winkler (Author), 2005, Aurea templa: Der Apollo-Palatinus- und der Apollo-Sosianus-Tempel in Rom, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68058