Rezension zu Geoff Eley: Deutscher Sonderweg und englisches Vorbild


Rezension / Literaturbericht, 2005

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thema: Worum geht es?

2. Geoff Eley: Deutscher Sonderweg und englisches Vorbild. Rezension
2.1 Grundthese
2.2 Entwicklung der Unterthesen

3. Prüfung der Konsistenz der Argumentation

4. Kritik

5. Schlussbemerkung und Zusammenfassung

Literatur

1. Thema: Worum geht es?

Eleys stört sich an dem Begriff „ deutscher Sonderweg“, und was dieser beinhaltet. Er hinterfragt den Maßstab, an dem die Entwicklung Deutschlands ab 1848 gemessen und aufgrund dessen ihr die Färbung „falsch“ angehängt wird. Er möchte erklären, wie es dazu kam, dass dem Kaiserreich historisch nur eine bescheidene Zwischenrolle in der Entwicklung Deutschlands zugebilligt wird, und belegen, dass dem nicht so ist.

2. Geoff Eley: Deutscher Sonderweg und englisches Vorbild. Rezension.

2.1 Grundthese

Die allgemein gültige Erklärung, die unterentwickelte und schwache Bourgeoise in Deutschland trüge die Verantwortung dafür, dass die vorindustriellen, autoritären Strukturen im Kaiserreich gefestigt werden konnten und somit der Weg bereitet wurde für die Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft ab 1933, zweifelt er massiv an. Denn folge man dieser Logik, so postuliere man eine Verbindung, wenn nicht sogar eine Bedingtheit, zwischen vorherrschenden gesellschaftlichen Strukturen und dem politischen System. Weiter unterstelle man, ein starkes, politisch aufgeklärtes Bürgertum komme nicht umhin, liberale Gedanken zu entwickeln, die zwangsläufig in dem Wunsch münden, einen liberal-demokratischen Staat zu errichten. Da man sich gemeinhin unter Historikern einig war, in Deutschland habe nach der Revolution 1848, im Vergleich zu Frankreich und England, eine gesellschaftliche und politische „Modernisierung“ in Richtung Demokratisierung nicht stattgefunden, sprach man von einer gescheiterten Revolution, deren Schuldiger ein unemanzipiertes Bürgertum war. Eley bezeichnet diese Kausalkette - Bourgeoise = Liberalismus = Demokratie - die nach seiner Meinung aufgrund falscher Geschichtsinterpretation und ungeachtet der gesellschaftlichen Bedingungen konstruiert wurde, schlicht als falsch. Man dürfe die Entwicklung einer Gesellschaft nicht allein daran messen, inwieweit sein Bürgertum liberale Gedanken in demokratische Strukturen umsetzt, geschweige denn die Kriterien für „liberal“ aus heutiger Sicht definieren, und die ökonomischen Bedingungen völlig außer Acht lassen.

2.2 Entwicklung der Unterthesen

Im Folgenden werden die Thesen Eleys dargestellt, aus denen er seine oben referierte Grundthese formuliert. Die Überschrift entspricht dabei einer zugespitzten, zur allgemeinen Auffassung konträren, Formulierung.

1. Es gab eine erfolgreiche „bürgerliche Revolution“!

Das dem deutschen Volk eine bürgerliche Revolution abgesprochen wird, ist nach Eley die Folge falscher Annahmen: zum einen hinterfragt er, warum die englische Revolution und ihre Errungenschaften vielfältig als Maßstab für die deutsche herangezogen werden. Seiner Aussage folgend, werden die repressiven Möglichkeiten des britischen Staates unterschätzt und gleichzeitig die politischen Veränderungen überschätzt.

Zum anderen werde postuliert, dass eine erfolgreiche „bürgerliche Revolution“ immer mit heftigen militärischen Kämpfen zwischen einem aufbegehrenden Bürgertum und der herrschenden aristokratischen Klasse einhergehe, wobei das Bürgertum als Sieger hervorgehe und die politischen Verhältnisse nach demokratischen Prinzipien neu ordne. Damit sei Demokratisierung das oberste Ziel jeder „bürgerlichen Revolution“, das man zur Not mit kämpferischen Mitteln zu erreichen versuche. Laut Eley ist weder die französische noch die englische Revolution nach einem solchen blutigen Schema verlaufen.

Er definiert eine bürgerliche Revolution als Veränderung gesellschaftlicher und politischer Strukturen, welche die Entwicklung des Industriekapitalismus und wirtschaftliche Expansion ermöglichen. Folge man dieser Definition, dürfe man Deutschland „seine“ Revolution nicht absprechen.

2. Das deutsche Bürgertum war nicht schwach!

Die allgemeine Auffassung, das deutsche Bürgertum sei schwach und unfähig gewesen, da es der Demokratie nicht auf den richtigen Weg helfen konnte, ist nach Eley irrig und das Resultat einer falschgesetzten Kausalbeziehung, nämlich: ein starkes Bürgertum entwickle zur richtigen Zeit liberale Bestrebungen, welche in der Demokratisierung der Gesellschaft gipfeln. Da im Kaiserreich nach der Revolution 1848 augenscheinlich autoritäre Machtstrukturen weiterhin vorherrschten, bedeutete dies für viele Historiker, dass die Bourgeoise versagt hat, da es ihr nicht gelang, die Macht zu ergreifen und die Demokratie einzuführen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Rezension zu Geoff Eley: Deutscher Sonderweg und englisches Vorbild
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
8
Katalognummer
V68061
ISBN (eBook)
9783638606295
Dateigröße
346 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit ohne Sekundärliteratur
Schlagworte
Rezension, Geoff, Eley, Deutscher, Sonderweg, Vorbild
Arbeit zitieren
Ulrike Klöss (Autor:in), 2005, Rezension zu Geoff Eley: Deutscher Sonderweg und englisches Vorbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68061

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