Im Focus dieser Arbeit steht die Lebensqualität von Heimbewohnern mit psychischen Störungen und deren maßgebliche Beeinflussung durch die Beziehungs- und Kommunikationsqualität zwischen Pflegepersonen und Heimbewohnern. In diesem Zusammenhang soll analysiert werden, inwieweit das Paradigma der ganzheitlichen Pflege und das Instrument des Pflegeprozesses die Interaktion zwischen Bewohnern und Pflegekräften bestimmt und wie dadurch die Lebensqualität der Heimbewohner beeinflusst wird. In dieser Arbeit erfolgt eine Reflektion der Fragestellung anhand der gesichteten Literatur und auf der Basis eigener berufspraktischer Erfahrungen mit der Thematik. Im ersten Teil der Arbeit (Kapitel 2) wird der Begriff Lebensqualität anhand der gesichteten Literatur definiert und es werden Messinstrumente vorgestellt; insbesondere geht es in diesem Kapitel auch um die Beeinflussung von Lebensqualität durch Pflegequalität. In Kapitel 3 werden Begriff und Historie der ganzheitlichen Pflege erläutert, bevor dann in Kapitel 4 das Instrument des Pflegeprozesses vorgestellt wird. Das fünfte Kapitel befasst sich mit den Auswirkungen von Pflegeprozess und Ganzheitlichkeit auf die Lebensqualität von Heimbewohnern mit psychischen Störungen. In den entsprechenden Unterkapiteln werden gesetzliche Grundlagen der stationären Pflege und darüber hinaus kritische Ansätze zur stationären Pflege dargestellt. Kapitel 5.2 beschreibt zunächst die Merkmale von Heimbewohnern mit psychischen Störungen. In den Folgekapiteln werden die Störungsbilder und die Häufigkeit ihres Auftretens beschrieben. Abgeschlossen wird Kapitel 5 mit einer Analyse von Pflegeprozess und Ganzheitlichkeit im Hinblick auf die Lebensqualität von Heimbewohnern mit psychischen Störungen, wobei deren besonderer Pflege- und Betreuungsbedarf berücksichtigt wird. Die Arbeit schließt mit der Zusammenfassung der Ergebnisse in Form eines Resümees; die Bedeutung der skizzierten Überle- gungen für den Heimalltag wird dabei abschließend dargestellt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Themeneinführung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Lebensqualität
2.1 Definitionen
2.2 Messen von Lebensqualität und Instrumente der Messung
2.2.1 Short-Form-36 Health-Survey
2.2.2 Dementia Care Mapping
2.3 Lebensqualität und Pflegequalität
3. Ganzheitliche Pflege
3.1 Historie eines Begriffes
3.2 Ganzheitliche Pflege = gute Pflege?
4. Der Pflegeprozess als Mittel zur Sicherung ganzheitlicher Pflege?
4.1 Darstellung des Pflegeprozesses
4.2 Professionalität und Situationsverstehen
4.3 Systemischer Ansatz
4.4 Kritik an der praktischen Anwendung des Pflegeprozesses
5. Auswirkungen von Pflegeprozess und Ganzheitlichkeit auf die Lebensqualität von Heimbewohnern mit psychischen Störungen – Schlussfolgerungen
5.1 Heime in Deutschland
5.1.1 Gesetzliche Grundlagen
5.1.2 Heime als totale Institutionen?
5.1.3 Enquête zur Abschaffung der Heime
5.2 Heimbewohner mit psychischen Störungen
5.2.1 Zahlen
5.2.2 Beschreibung der Störungsbilder
5.2.3 Versuch einer Analyse anhand des besonderen Bedarfs von Heimbewohnern mit psychischen Störungen
6. Resümee/Bedeutung der skizzierten Überlegungen für den Heimalltag
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den Einfluss des Paradigmas der ganzheitlichen Pflege und des Pflegeprozess-Instruments auf die Lebensqualität von Heimbewohnern mit psychischen Störungen, wobei die Beziehungs- und Kommunikationsqualität zwischen Pflegekräften und Bewohnern im Mittelpunkt steht.
- Lebensqualität und Messinstrumente im pflegerischen Kontext
- Kritische Analyse des ganzheitlichen Pflegeansatzes
- Strukturanalyse und Kritik des Pflegeprozessmodells
- Besondere Anforderungen an die Betreuung psychisch kranker Heimbewohner
- Integration systemischer Beratung und reflexiver Pflegepraxis zur Verbesserung der Interaktionsqualität
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Short-Form-36 Health-Survey
Die Messinstrumente zur Erfassung gesundheitsbezogener Lebensqualität lassen sich nach Kirchberger (2000, S. 73) in 2 Gruppen einteilen: 1. Verfahren, die die gesundheitsbezogene Lebensqualität krankheitsübergreifend als so genannte „generic instruments“ erfassen, 2. Verfahren, die diese krankheitspezifisch erfassen.
Der Short-Form-36 Health-Survey (SF-36 Fragebogen zum Gesundheitszustand) ist ein krankheitsübergreifendes Standardinstrument zur Erfassung der subjektiven Einschätzung gesundheitsbezogener Lebensqualität (HRQOL = Health Related Quality of Life). Er stammt aus dem angloamerikanischen Raum und wurde - wie einige andere Messinstrumente auch – in seiner Anwendungsmöglichkeit auf andere Kulturkreise geprüft und entsprechend modifiziert. Er gilt als international führendes und sehr weit verbreitetes Instrument und hebt sich unter anderem durch die Vielfalt seiner Einsatzmöglichkeiten und seine psychometrische Qualität hervor (Kirchberger, 2000, S. 73).
Radoschewski und Bellach (1999, S. 171) betonen die hohe Sensitivität und damit die Eignung dieses Testverfahrens bei älteren chronisch Erkrankten. Das Verfahren blickt auf eine über 20-jährige Entwicklungsgeschichte zurück und beruht auf einer Reihe empirischer Testverfahren. Der Test wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt, wobei für 12 Länder auch Bevölkerungsnormen vorliegen (Kirchberger, 2000, S. 75).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik psychischer Erkrankungen in Heimen und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Lebensqualität durch Pflegeprozesse.
2. Lebensqualität: Definition und Konzepte der Lebensqualität sowie Vorstellung gängiger Messinstrumente und deren Anwendbarkeit im Heimkontext.
3. Ganzheitliche Pflege: Historische Entwicklung des ganzheitlichen Ansatzes und kritische Auseinandersetzung mit der Holismus-Idee in der Pflege.
4. Der Pflegeprozess als Mittel zur Sicherung ganzheitlicher Pflege?: Analyse des Pflegeprozesses als systemisches Instrument, dessen theoretische Grundlagen und Kritik an der starren, algorithmischen Anwendung in der Praxis.
5. Auswirkungen von Pflegeprozess und Ganzheitlichkeit auf die Lebensqualität von Heimbewohnern mit psychischen Störungen – Schlussfolgerungen: Untersuchung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, der Heimstruktur als "totale Institution" und der speziellen Bedürfnisse psychisch kranker Bewohner.
6. Resümee/Bedeutung der skizzierten Überlegungen für den Heimalltag: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse mit Empfehlungen für eine reflexive Pflegepraxis statt starrer Prozessmodelle.
Schlüsselwörter
Lebensqualität, Ganzheitliche Pflege, Pflegeprozess, Heimbewohner, Psychische Störungen, Pflegequalität, Interaktionsqualität, Total Institution, Systemische Beratung, Reflexive Pflegepraxis, Dementia Care Mapping, SF-36, Autonomie, Kommunikationskultur, Altenpflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebensqualität von Heimbewohnern, die an psychischen Störungen leiden, und hinterfragt kritisch, ob etablierte Pflegekonzepte wie die "ganzheitliche Pflege" und der "Pflegeprozess" tatsächlich zu einer Verbesserung dieser Lebensqualität beitragen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen das Konzept der Lebensqualität, die theoretischen und praktischen Grundlagen der ganzheitlichen Pflege, der Aufbau und die Kritik des Pflegeprozesses sowie die besonderen Bedürfnisse von Heimbewohnern mit psychischen Erkrankungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie das Paradigma der ganzheitlichen Pflege und das Instrument des Pflegeprozesses die Interaktion zwischen Pflegepersonen und Heimbewohnern mit psychischen Störungen bestimmen und wie dadurch deren Lebensqualität beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die durch die Reflektion eigener berufspraktischer Erfahrungen ergänzt wird, um die theoretischen Konzepte auf ihre praktische Umsetzbarkeit hin zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Lebensqualität, die historische und kritische Betrachtung des Ganzheitsbegriffs, die Analyse des Pflegeprozesses und die spezifische Anwendung dieser Themen auf den Heimalltag von Menschen mit psychischen Störungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Lebensqualität, Ganzheitliche Pflege, Pflegeprozess, Heimbewohner mit psychischen Störungen und Interaktionsqualität.
Warum wird das Konzept der "totalen Institution" im Zusammenhang mit Heimen erwähnt?
Der Autor nutzt diesen Begriff, um die Gefahr der Entpersönlichung und Fremdbestimmung in Pflegeheimen zu verdeutlichen, in denen standardisierte Routinen die individuellen Bedürfnisse der Bewohner verdrängen können.
Welche Alternative zum klassischen Pflegeprozess schlägt der Autor vor?
Der Autor empfiehlt insbesondere das Modell der "reflexiven Pflegepraxis" nach Johns, welches den Fokus auf Selbstreflexion, Supervision und eine narrative Dokumentation legt, statt den Pflegenden auf einen starren Handlungsalgorithmus zu reduzieren.
- Quote paper
- Diplom Pflegewirt (FH) Bernhard Fleer (Author), 2004, Lebensqualität von Heimbewohnern mit psychischen Störungen - Wie wird sie beeinflusst vom Paradigma der ganzheitlichen Pflege und dem Pflegeprozess? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68065