Die Emotionstheorie von Charles Darwin


Referat (Ausarbeitung), 2007

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Definition von Emotion

Äußerung von Emotionen

Entstehung von Emotionen

Darwins Forschungsmethoden
Methode 1 Intrakulturelle Beurteilung des Emotionsausdrucks
Methode 2 Interkultureller Vergleich des Emotionsausdrucks
Methode 3 Beobachtung des Emotionsausdrucks von Kindern
Methode 4 Vergleich des Emotionsausdrucks von Menschen und Tieren
Methode 5 Beobachtung des Emotionsausdrucks von Blindgeborenen
Methode 6 Beobachtung des Emotionsausdrucks von Geisteskranken

Biologische Funktionen
Organismische Funktion
Kommunikative Funktion

Schluss

Literaturnachweis

Anhang

Einleitung

Die Frage, wie der Mensch zu dem geworden ist, was er ist, hat nach weithin allgemeiner Anerkennung der Naturforscher Charles Darwin Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals wissenschaftlich beantwortet. Sein Hauptwerk “On the Origin of Species by Means of Natural Selection“ – auf Deutsch „Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“ –, erstmals 1859 veröffentlicht, bildete die Grundlage für die moderne Biologie und stellt somit den Ausgangspunkt jeder wissenschaftlichen Arbeit auf dem Forschungsgebiet der Merkmalsvererbung und Entwicklung dar. In diesem Werk weist Darwin die menschliche Verwandtschaft zum Tierreich nach und bietet somit ein logisches Modell der Herausbildung von verschiedenen Merkmalen an. Danach verfügen die heutigen Lebewesen über eine perfekte Anpassung an ihre bestehende Umwelt, da die von ihnen genutzten Werkzeuge wie beispielsweise Schnäbel, Hände, Füße, Häute oder Haare ihren Vorfahren in der Vergangenheit einen Selektionsvorteil gegenüber anderen Artgenossen, die nicht über genau diese Art von Werkzeugen verfügen konnten, verschafft hatten.

1872 veröffentlichte Darwin “The Expression of the Emotions in Man and Animals“ – „Vom Ausdruck der Emotionen bei Menschen und Tieren“.[1] Sein Hauptanliegen war es, die phylogenetische Entwicklung von Emotionen nachzuweisen, also den Nachweis zu erbringen, dass die Emotionen ebenfalls ihren Ursprung im Tierreich haben und keine „Erfindung“ des Menschen sind. Er konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf die „Mimik, aber auch Gestik, Vokalisationen“[2] und physiologische Veränderungen berücksichtigte Darwin für seine Forschungen. Er stellte neben der Betrachtung der Natur von Emotionen eine Verbindung zwischen der Aktualgenese und dem konkreten Emotionsausdruck her, weshalb auch grundsätzlich von einer „Theorie der Emotionen “ gesprochen werden kann.[3]

Diese Ausarbeitung eines an der Universität Potsdam im Wintersemester 2006/2007 gehaltenen Referats stellt die wichtigsten Merkmale seiner Theorie vor. Dabei lasse ich mich von folgenden Fragen leiten:

Was versteht Darwin unter Emotionen?

Wie äußern sie sich?

Wie sind sie seiner Auffassung nach entstanden bzw. wie kommt es zu Emotionen?

Wie ist Darwin in seiner Forschung vorgegangen?

Und welchen Sinn haben Emotionsausdrücke?

Definition von Emotion

Darwin geht in seiner Definition von Emotion vom Alltagsverständnis aus. Emotionen sind demnach „bewusste, mentale (psychische) Zustände von Personen und von höheren Tieren“, weshalb wir kurz gesagt auch von einer „mentalistischen Emotionsdefintion“ sprechen können.[4] Die erlebten Emotionen werden von Menschen bewusst wahrgenommen. Sie nehmen dabei eine mentale Bewertung eines bestimmten Ereignisses vor, setzen sich mit diesem auseinander und reagieren mit einer entsprechenden Emotion. Darwin hat durch verschiedene Experimente – u.a. mit Affen, denen er eine Banane anbot und dann wieder zurückzog – festgestellt, dass auch höher entwickelte Tiere Emotionen erleben und auszudrücken vermögen. Ob diese aber tatsächlich von einem Bewusstsein reflektiert werden, ist dagegen ungewiss.

Zu den Emotionen zählt Darwin neben Furcht, Wut, Traurigkeit, Überraschung, Freude auch viele weitere wie Hass, Angst und Stolz.[5]

Äußerung von Emotionen

Emotionen kommen unmittelbar durch den Emotionsausdruck zur Geltung. Dieser bezeichnet die Gesamtheit der beobachtbaren körperlichen Veränderungen. Zu diesen Veränderungen zählen die Mimik – also der Gesichtsausdruck –, auf die Darwin sein Hauptaugenmerk legt, die Gestik – Bewegung der Arme und Hände –, die Körperhaltung sowie plötzliche kurze Ausrufe – so genannte „Vokalisationen“ (z.B. „Oh“[6] ) – und physiologische Veränderungen, beispielsweise die Erweiterung der Pupillen.[7]

Der Emotionsausdruck ist somit der direkte äußerliche Hinweis auf das Vorliegen einer Emotion, in dem sich gemäß dem Wort die Emotion ausdrückt.

Eine willentliche Kontrolle des Emotionsausdrucks ist möglich. Distinkte Emotionen können in bestimmten Situationen bewusst unterdrückt werden. Allerdings können Erwachsene aufgrund ihrer ontogenetischen Entwicklung sehr viel besser ihre Emotionen kontrollieren als Kinder, welche in ihrem Verhalten noch sehr emotional bestimmt sind.

Als anschauliches Beispiel einer schwer zu unterdrückenden Emotion eignet sich das Phänomen der Schüchternheit, das sich durch Erröten ausdrückt. Darwin nennt als Grund des Errötens “the thinking what others think of us, which excites a blush”.[8] Dieses Empathiedenken, das Hineinversetzen in eine andere Person, geht einher mit einer kognitiven Verarbeitung des eigenen Handelns, bei dem sich das Individuum seines eigenen, möglicherweise für andere lächerlich anmutenden Tuns bewusst wird. Meyer, Schützwohl & Reisenzein bezeichnen dies als „Selbstaufmerksamkeit“.[9]

In der Mimik kommen nicht nur Gefühle zum Ausdruck, auch andere psychische Zustände wie Gedanken und Handlungsabsichten werden durch Bewegungen der Gesichtsmuskulatur ausgedrückt. So finden beispielsweise Kognitionen, die mit Gefühlen einhergehen, wie auch Zustände von Entschlossenheit oder Nachdenklichkeit, die unabhängig von bestimmten Gefühlen auftreten, ihr Medium in der Mimik.[10]

Entstehung von Emotionen

Emotionen entstehen in der Aktualgenese – also dem Moment, in dem sie gezeigt werden – durch, wie Meyer, Schützwohl & Reisenzein bezeichnen, kognitive „Einschätzungen und Bewertungen von Objekten, Situationen oder Ereignissen“.[11] Darwin ging davon aus, dass die kognitive Beschäftigung mit dem emotionsauslösenden Sachverhalt oder Zustand die jeweils folgende Emotion verstärken oder abschwächen würde.[12] Entsprechend der gedanklichen Verarbeitung einer Emotion resultiert ein starker oder weniger starker Emotionsausdruck.

[...]


[1] Ich beziehe mich hier auf die Ausgabe von 1898, die von der University of Virginia 1999 als Online-Ressource bereitgestellt wurde.

[2] Meyer, Schützwohl & Reisenzein, 2003, S. 37

[3] Meyer et al., ebd.

[4] Meyer et al., S. 37f.

[5] Darwin geht in seinem Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals“ (1898) über den Ausdruck von Emotionen auf eine lange Reihe von Emotionen ein, weshalb diese nicht alle im Einzelnen hier aufgezählt werden.

[6] Darwin, 1999, S. 285

[7] Meyer et al., S. 41

[8] Darwin, S. 325

[9] Meyer et al., S. 40

[10] Ebd., S. 41

[11] Ebd., S. 38

[12] Ebd., S. 56

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Emotionstheorie von Charles Darwin
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Emotionstheorien
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V68089
ISBN (eBook)
9783638608749
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionstheorie, Charles, Darwin, Emotionstheorien
Arbeit zitieren
Kevin Francke (Autor), 2007, Die Emotionstheorie von Charles Darwin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68089

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