Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Beziehungsanfang von bikulturellen und monokulturellen Zweierbeziehungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
21 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflichkeit

3. Thematische Einführung

4. Geschichtliche Einführung

5. Partnerwahl

6. Orte des Kennenlernens

7. Motivation für eine bikulturelle Partnerschaft Seite

8. Konflikte in einer binationalen Beziehung
8.1 Spezielle Probleme der unterschiedlichen Kulturen
8.2 Kommunikation und deren Konfliktsituation
8.3 Probleme im sozialen Umfeld des Paares

9. Zusammenfassung

10. Literaturliste

1. Einleitung

Ich möchte in meiner Hausarbeit darauf eingehen, inwieweit zwischen bikulturellen und monokulturellen Paaren Unterschiede in einer Zweierbeziehung vorhanden sind. In diesem großen Bereich möchte ich mich vor allem mit den Unterschieden in den Beziehungsanfängen dieser bikulturellen Beziehungen beschäftigen.

Gibt es zum Beispiel eine andere Motivation als in monokulturellen Beziehungen (z.B. Frage der Statuserhebung, materielle Absicherungen etc.) oder spielt das Ideal der romantischen Liebe eine größere Rolle als in anderen Beziehungen.

In dieser Arbeit lasse ich das Thema Scheinehe und „Frauen aus dem Katalog“ völlig außen vor, da diese Themen den Umfang der Arbeit völlig sprengen würden.

Weiterhin möchte ich untersuchen, ob es vermehrt und größere Verständigungs-probleme zwischen den Partnern gibt und ob sich dies auf die Vorstellung der Form der Beziehung und die weitere Zukunftsplanung auswirkt. Welche Konsequenzen die Probleme der unterschiedlichen Religion, der unterschiedlichen Sozialisation und Sprache, Weltbilder etc. auf das Paar und die Beziehung haben. Besteht eine veränderte Machtausübung, da einer vorhandenen Überlegenheit des deutschen Partners? Mit welchen rechtlichen Problemen haben solche Paare am Beginn zu kämpfen?. Ist die Toleranz im familiären und freundschaftlichen Umfeld niedriger und mit welchen anderen Akzeptanzproblemen des sozialen Umfeldes hat ein solches Paar anfänglich zu befassen?

Ich werde mich in dieser Arbeit hauptsächlich auf Studien über bikulturelle Ehepaare stützen, da es wenig Studien gibt, die sich mit nichtehelichen Lebensgemeinschaften solcher Paare beschäftigen. Diese Paare sind natürlich erschwert zu erreichen. Weiterhin stützt sich diese Arbeit auf Studien von Paaren aus Deutschland oder Österreich, dass heißt dieser Arbeit liegen Studien zugrunde, in dem einer der Partner deutsprachig ist.

Die ganze Arbeit möchte also einen Vergleich zwischen monokulturellen Paaren und deren „normalen“ Beziehungsanfängen und denen von bikulturellen Paaren ziehen.

2. Begrifflichkeit

Die Begrifflichkeit in der hier zugrunde liegenden Literatur ist sehr breit gefächert: binationale, bikulturelle und inter-ethnische Ehen, Mischehen (franz. „mariage mixte“, engl. „mixed marriages“), „intermarriage“ oder “cross-culture marriages”. In dieser Arbeit werden vorwiegend die Begriffe bikulturelle und binationale Ehe gebraucht. Beide werden synonym verwendet. Allen diesen Bezeichnungen liegt eine ähnliche Bedeutung zugrunde. Es werden damit Ehen oder Partnerschaften bezeichnet in denen sich die beiden Partner in Kultur, Religion, Nation etc. unterscheiden. „’Mixed’ or ‚cross-cultural’ marriages here are taken to mean marriages between two people from different linguistic, religions, or ethic groups or nations” (Breger/Hill 1998, S. 7).

3. Thematische Einführung

Im Jahr 2002 war jede sechste in Deutschland geschlossene Ehe, eine Ehe zwischen Partnern unterschiedlicher Nationen (vgl. Homepage www.verband-binationaler.de). So ist der Anteil der gemischt-nationalen Eheschließungen von 3,7 % 1960 auf 13,5 % 1996 gestiegen (vgl. Lenz 2003, S. 64). „Für die Eheschließungen zwischen binationalen Partnern kann aus den Statistiken hochgerechnet werden, dass seit 1950 mehr als 2 Millionen deutsche Frauen einen ausländischen Mann bzw. deutsche Männer eine ausländische Frau geheiratet haben.“ (Khounani 2000, S. 17).

Einer der Gründe für diese große Zunahme von bikulturellen Partnerschaften ist die höhere Mobilität, bedingt durch Globalisierung und die damit verbunden Wanderungsbewegung, Breger / Hill (1998, S. 13) dazu: „It is sometimes popularly maintaines that the end of the twentieth century has seen an unprecedented rise in the numbers of mixed marriages, because of the vast scale of population movements caused by refugees, wars, famine, work migration, tourism an so forth, which thus bring more peoples than ever before in to contact with each other.”

Es gibt einige Unterschiede in den Nationalitäten der Partner zwischen Frauen und Männern. So sind die Ehemänner der deutschen Frauen im Jahr 1989 zu 61 % Europäer (davon 18 % aus Italien, 17 % aus der Türkei, 12 % aus Jugoslawien) und zu 16 % Nordamerikaner. Die restlichen 23 % verteilen sich in dieser Reihenfolge auf Asien, Australien, Afrika und Süd- / Mittelamerika.

Die deutschen Männer waren 1989 zu 20 % mit Asiatinnen verheiratet, zu 66 % mit Europäerinnen, davon waren 20 % Polinnen, 17 % kamen aus Jugoslawien und 11 % aus Österreich.

„Zur Zeit werden bikulturelle Beziehungen mehr diskutiert denn je. Die Welt ist kleiner geworden, und gereist und ausgewandert wird per Flugzeug.“ (Arnold 1996, S. 19)

4. Geschichtliche Einführung

Bikulturelle Beziehung gibt es nicht erst seit dem Zeitalter der Globalisierung, es gab und gibt sie seit dem Entstehen der verschiedenen Gesellschaften.

Vorwiegend betrachtet werden sie aber meist nur, wenn sie nicht in die „herrschenden“ Vorstellungen von Partnerschaft und Ehe passen und somit von der gesellschaftlichen Normalität abweichen. Diese Abweichung können verschiedene Religionen, Standeskreises, Völker oder Kulturen sein (vgl. Gómez Tutor 1995, S. 1). Geprägt wurde der Begriff der Mischehe von der Kirche. Bis vor wenigen Jahrzehnten war selbst im europäischen Recht ein Ehehindernis gegeben, welches sich auf die verschiedenen Religionsgemeinschaften bezog. Vorwiegend in Gebieten, wo religiöse Minderheiten gegeben waren. Dies sollte vor religiösen Entfremdung schützen.

Weiterhin hat die Mischehe oder bikulturelle Partnerschaft natürlich in der europäischen Vergangenheit einen politischen Hintergrund. Dahinter verstecken sich rassenhygienische Gedanken. Es lässt sich durchaus feststellen, dass es eine allgemeine Tendenz zur Abwehr von Nicht-Gruppenzugehörigen gibt. Nach Petra Scheibler (1991, S. 23) ist dies vor allem in kleinen Gruppen nicht die Ausnahme. „Speziell kleine Gruppen, sofern sie überleben und wachsen wollten, übten Kontrolle darüber aus, dass entweder nur innerhalb der jeweiligen Gruppe geheiratet wurde oder aber die Personen, denen man die Einheirat gestattete, zur Assimilation bereit und fähig waren.“ Ein gutes Beispiel ist die heute noch vorherrschende Heiratssitte der Adligen möglichst ihresgleichen zu heiraten, „...für die Partnerwahl in dieser sozialen Gruppe zählt nur der Stand, allenfalls noch die Religion.“ (Arnold 1996, S. 21) und gegebenenfalls wird mit Thronentzug gedroht, falls ein/e „Bürgerliche/r“ geehelicht wird.

„Was jeweils als „bikulturell“ gilt, ist also eine Frage des Standpunktes und des Gewichtes, das der jeweilige Unterschiedlichkeit beigemessen wird. [...] So gelten z.B. Österreicher-Ehen mit Deutschen oder Schweizern (gleiche Sprache) als weniger bikulturell als solche mit z.B. Griechen (Europäer, aber Südländer) und diese als weniger bikulturell als Ehen mit Menschen aus Afrika (anderer Kontinent, andere Hautfarbe) oder aus einem islamischen Land (anderer Kontinent, andere Religion).“ (ebd., S. 21)

Es besteht schon seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine Forschungstradition zu diesem Thema in den USA. Dort unter dem Begriff „intermarriage“. Es entstanden mehrere Studien vor dem Hintergrund der Integration von Minderheiten (vgl. Khounani 2000), die die Mischehe als Indikator für Assimilation innerhalb einer Kultur beweisen wollte. Es wurden auch die Folgen und Konsequenzen der Mischehe für die Betroffenen untersucht. Es gibt auch innerhalb verschiedener Partnerwahlkonzepte Forschungen. Im französischen Sprachraum gibt es Untersuchungen zu „mariage mixte“, besonders wegen den hohen Einwanderungszahlen aus den ehemaligen Kolonien Frankreichs.

In Deutschland bestehen auch Forschungen zu diesem Thema. Sie beschäftigen sich nach Khounani (2000, S. 16) schwerpunktmäßig seit dem Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts vor allem mit den sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebenssituation dieser binationalen Paare.

Die Geschichte der Mischehe ist eng mit der Einwanderung von Ausländern verknüpft. Seit jeher führt der Aufenthalt von Migranten zu Ehen bzw. Zweierbeziehungen mit deutschen Partnern. So sind in Adelskreisen, durch die geringere Auswahl an möglichen Partnern, die binationale Ehe eher die Normalität, denn die Ausnahme.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Beziehungsanfang von bikulturellen und monokulturellen Zweierbeziehungen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Beziehungsanfänge
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V68143
ISBN (eBook)
9783638606653
ISBN (Buch)
9783638768344
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Beziehungsanfang, Zweierbeziehungen, Beziehungsanfänge
Arbeit zitieren
Doris Rämisch (Autor), 2006, Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Beziehungsanfang von bikulturellen und monokulturellen Zweierbeziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68143

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