Kurfürst August und die Universitätsreform von 1580 in Kursachsen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkungen

Einführung: Kursächsische Universitäten im 16. Jahrhundert

Bildungspolitik des Kurfürsten August

Die Universitätsordnung von 1580

Fazit

Literatur:

Vorbemerkungen

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen eines frühneuzeitlichen Hauptseminars am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung soll, wie der Titel bereits anzeigt, die kursächsische Universitätsreform von 1580 stehen. Dies jedoch macht einen Ausgriff auf die unmittelbar zuvor erfolgten bildungspolitischen Entwicklungslinien notwendig, da hier zum Teil vorgebildet wurde, was dann zum Grundstein der späteren Entwicklung werden sollte. Diese Vorgeschichte soll jedoch nur auf das wesentliche und für unsere Thematik bedeutsame beschränkt werden. Auch können ob des nur knapp bemessenen Raumes keine, sicherlich nicht uninteressanten Seitenblicke auf die allgemeine Kultur- und Geistesgeschichte erarbeitet werden. Die Thematik soll hierbei in mehreren Abschnitten untersucht und dargestellt werden: In einem einführenden Teil sollen zunächst die sächsischen Universitäten als wesentlicher Bestandteil der mitteldeutschen Bildungslandschaft an der Schwelle vom ausgehenden Mittelalter zur Frühen Neuzeit und deren Entwicklung im frühen 16. Jahrhundert kurz betrachtet werden. Im folgenden wird dann der Fokus auf den für unsere Thematik bedeutsamen Kurfürsten und dessen bildungspolitische Tätigkeit gelenkt. Hier sollen sowohl rein ereignisgeschichtliche wie auch strukturelle Fragestellungen erörtert werden.

Noch ein kurzes Wort zur ist zur Literaturlage zu sagen: Es existiert eine Anzahl von Einzeluntersuchungen und Gesamtdarstellungen, die die Thematik tangieren. Es fehlen jedoch noch immer verwertbare Quelleneditionen der Regierungszeit des Kurfürsten August von Sachsen[1] sowie eine aktuelle, darauf aufbauende Biographie dieses Regenten[2]. Auch für die Geschichte der betroffenen Universitäten Leipzig und Wittenberg fehlen stringente Gesamtdarstellungen aktuellen Standes. Lediglich die im Rahmen der Leipziger Gründungsjubiläen 1909 und 1959 entstanden mehrbändigen Festschriften enthalten wertvolle Beiträge zur Geschichte der Fakultäten. Die Wittenberger Universitätsgeschichte ist letztmalig 1917 von Walter Friedensburg im Gesamtzusammenhang dargestellt worden. Es entstanden jedoch zu ausgewählten Themen wichtige Einzeluntersuchengen insbesondere mit kirchenhistorischem Ansatz.

Für den interessierten Leser findet sich am Ende der Arbeit ein knappes Literatur­verzeichnis, weiterführend seien die dort jeweils verzeichneten Literaturangaben empfohlen.

Abkürzungen wurden lediglich für die Titel der benutzten Lexika und Zeitschriften verwandt. Hierbei wurde sich an den allgemein üblichen orientiert, die bei Bedarf im entsprechenden Zusatzband „Abkürzungsverzeichnis“ der Theologischen Realenzyklopädie (TRE) nachgeschlagen werden können.

Einführung: Kursächsische Universitäten im 16. Jahrhundert

Mit der Übertragung des mit der Kurwürde verbundenen Herzogtums Sachsen-Wittenberg an Moritz von Sachsen am 04. Juni 1547 im Feldlager bei Bleesern befanden sich nunmehr zwei Universitäten im albertinischen Sachsen: Die 1409 in Zusammenhang mit dem Auszug der deutschen Professoren und Studenten aus Prag gegründete Universität Leipzig und die jüngere, 1502 als ernestinische Landesuniversität gegründete Hochschule in Wittenberg. Im unmittelbaren Umfeld liegt zudem die älteste, seit 1389/1392 bestehende, mitteldeutsche universitäre Bildungseinrichtung im zum Mainzer Erstift gehörenden Erfurt. Der mitteldeutsche Raum kann also bereits im ausgehenden Mittelalter als eine Universitätslandschaft „besonderer Dichte und hoher Frequenz“[3] gelten.

In Wittenberg, dem Ausgangsort der evangelischen Bewegung, wurde bereits frühzeitig nach einer kurzen Krise eine Reform der Universität nötig und durchgeführt. Anders in Leipzig: Die noch unter Herzog Georg[4] (1500-1539) zu Tage tretenden Mißstände konnten trotz Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen unter Herzog Heinrich[5] (1539-1541) nicht behoben werden.

Lediglich kleinere, unzureichende Maßnahmen fanden Anwendung.[6] Erst dem jungen Moritz[7] (1541-1553) gelang es, erste Maßnahmen durchzusetzen. Hierbei erfolgte jedoch aufgrund der sich stetig verschlechternden innerwettinischen Beziehungen keine, wie ursprünglich von Seiten der Leipziger Professoren geforderte, Übernahme des ernestinischen Modells. Vielmehr entwickelten sich ab 1541 eigene Lösungsansätze. Dabei galt es zunächst, die finanziellen Grundlagen des Lehrbetriebes sicherzustellen, stand doch der Leipziger Hochschule lediglich ein Viertel des Wittenberger Etats zur Verfügung. Die wirtschaftliche Lage insbesondere des Lehrkörpers muß entsprechend bedrückend gewesen sein.[8] Neben einer erhöhten Mittelzuweisung[9] erfuhr vor allem auch das Personal Verstärkung, wurde eine kontinuierliche Besoldung festgelegt. Damit erhielt zum Beispiel die Theologische Fakultät, die noch 1539 aus nur einem Lehrenden bestand[10], fünf Professorenstellen.[11] Doch nicht nur in Bezug auf ihre Statuten, Ämter und Finanzierung wird die Leipziger Universität neu geordnet, auch die bauliche Umgestaltung der alten Klostergebäude nach den Bedürfnissen des Lehrbetriebes und der Unterbringung von Professoren und Studenten war notwendig geworden.[12]

Auch an der Wittenberger Hochschule bewirkte der Schmalkaldische Krieg und dessen Folgen eine erneute Krise, die jedoch durch Kurfürst Moritz noch im Januar 1548 mittels einer umfassenden Neuordnung behoben wurden: Sie bekam eine Finanzzuweisung in Höhe von 4 400 Gulden, davon 2 740 aus dem Allerheiligen-Stift und die Dozentenstellen wurden auf der Grundlage von 1536 erneuert. Professoren, die im Zuge der Kriegsereignisse Wittenberg verlassen hatten, konnten auf diese Weise zurückgewonnen und die Qualität des Lehrbetriebes erhalten werden.[13]

Bildungspolitik des Kurfürsten August

Kurfürst August[14], der Bruder Moritz´, kam nach dem jähen Tod des Bruders mit Sicherheit recht unerwartet und in jugendlichem Alter von nur 26 Jahren unter wenig günstigen Vorzeichen in das Amt des Regenten.[15] Da diese Entwicklung eigentlich nicht zu erwarten gewesen war, war für ihn eine höhere kirchliche Laufbahn vorgesehen gewesen. Entsprechend hatte sich auch seine Ausbildung unter diesem Vorzeichen gestaltet: Er hatte unter Johannes Rivius[16] eine humanistische Bildung genossen, war 1541 mit seinem Hofprediger Schenk[17] an der Universität Leipzig gewesen und hatte während seines Aufenthaltes am Habsburgischen Hof engen Kontakt zu Erzherzog Maximilian, dem späteren Kaiser, geknüpft. 1544 fand dann seine Wahl zum Merseburger Administrator statt. Als geistlichen Koadjutor wurde ihm der theologisch und juristisch gebildete Fürst Georg von Anhalt zur Seite gestellt, dem die Position eines evangelischen Bischofs zugedacht war.[18] Als nun August an die Regierung kam, war er bedacht, das Werk seines Bruders fest zu bewahren und fortzusetzen. Das auf seine Vermittlung hin zustande gekommene Friedenswerk von Augsburg 1555, die Arrondierung des kursächsischen Staatsgebietes sowie die innere Festigung der Verwaltung dürfen zweifelsohne als seine größten Leistungen gelten. Schon zu Lebzeiten schätzte man sein Wirken insbesondere auf innenpolitischem, juristischem und wirtschaftlichem Gebiet. Zahlreiche Aktivitäten und Ereignisse, die während seiner 33-jährigen Regentschaft zu beobachten sind, hatten über Jahrzehnte nachhaltige Wirkungen für die sächsische Geschichte, wie etwa die Landesordnung von 1555, die Einrichtung des Appellationsgerichtes in Dresden 1559, die 1570 gegründete Obersteuereinnahme, das Gesetzbuch von 1572, die Einrichtung des Geheimen Rates als oberste kollegialische Regierungsbehörde 1574 oder die Schul- und Kirchenordnung von 1580, um nur einige zu nennen.[19]

Für die beiden kursächsischen Universitäten folgen unter ihm zunächst Jahre einer nach außen ruhigen Entwicklung und inneren Konsolidierung.

Es verwundert nicht, daß August die bildungspolitischen Entscheidungen seines Bruders, die er zum Teil selbst mitverantwortet hatte, bestätigte und weiterentwickelte. Gezeichnet war die damalige Lage insbesondere von dogmatischen Streitigkeiten innerhalb des Protestantismus, die auch zu Spannungen an den obersächsisch-thüringischen Universitäten führten. So herrschte in Kursachsen der von Philipp Melanchthon[20] geprägte Philippismus vor, dabei in Leipzig in gemäßigter Form, in Wittenberg eher dem Calvinismus zuneigend. Die 1558 gegründete ernestinische Landesuniversität in Jena entwickelte sich hingegen zum Hort der Flacianer, einer streng lutherisch ausgerichteten Strömung. Die sich daraus entwickelnden theologischen Kämpfe blieben nicht ohne Wirkung auf den Hochschulbetrieb und wurden nicht ohne persönliche Schmähungen in heftigen Streitschriften ausgefochten.[21]

[...]


[1] Vgl. Held, Wieland: Die politische Korrespondenz des sächsischen Kurfürsten August (1553-1586). Ein Editionsdesiderat, in: NASG 70 (1999), passim.

[2] Vgl. Bruning, Jens: Landesvater oder Reichspolitiker? Kurfürst August von Sachsen und sein Regiment in Dresden 1553-1586, in: Hettling, Manfred / Schirmer, Uwe / Schötz, Susanne (Hrsg.): Figuren und Strukturen. Historische Essays für Hartmut Zwahr zum 65. Geburtstag, FS, München 2002, S. 205.

[3] Bünz, Enno: Die mitteldeutsche Bildungslandschaft am Ausgang des Mittelalters, in: Flöter, Jonas / Wartenberg, Günther (Hrsg.): Die sächsischen Fürsten- und Landesschulen. Interaktion von lutherisch-humanistischem Erziehungsideal und Eliten-Bildung, (Schriften zur Sächsischen Geschichte und Volkskunde, 9), Leipzig 2004, S. 40.

[4] Zu Herzog Georg von Sachsen vgl. Werl, Elisabeth: Art. „Georg“, in: NDB 6, Berlin 1964, S. 224-227.

[5] Zu Herzog Heinrich von Sachsen vgl. Werl, Elisabeth: Art. „Heinrich“, in: NDB 8, Berlin 1969, S. 391-393.

[6] Vgl. Helbig, Herbert: Universität Leipzig, (Mitteldeutsche Hochschulen, 2), Frankfurt am Main 1961, S. 31 f.

[7] Zu Moritz vgl. Blaschke, Karlheinz: Moritz von Sachsen, in: Greschat, Martin (Hrsg.): Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. 6,Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz 1981, S. 295-314.

[8] Vgl. Thomas, Ralf: Die Neuordnung der Schulen und der Universität Leipzig, in: Junghans, Helmar (Hrsg.): Das Jahrhundert der Reformation in Sachsen. Festgabe zum 450jährigen Bestehen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Berlin 1989, S.122.

[9] Zu den traditionellen Einkünften aus verschiedenen Benefizien und Kanonikaten kommt zunächst eine jährliche Zuweisung von 2 000 Gulden aus dem landesherrlichen Haushalt, die jedoch bereits 1544 durch die Übertragung der Grundherrschaft über Holzhausen, Zuckelhausen, Kleinpösna, Wolfshain und Zweenfurt aus dem Besitz des Thomasstifts sowie dem Oberholz bei Liebertwolkwitz abgelöst wird. Vgl. Helbig, Universität Leipzig, S. 35.

[10] Vgl. Tomas, Neuordnung, S. 120.

[11] Vgl. ebd., S. 122.

[12] Vgl. Wartenberg, Günther: Reformation und Universitätsreform. 1543 als Entscheidungsjahr für die Erneuerung der Universität im 16. Jahrhundert, in: Mitteilungen und Berichte für die Angehörigen und Freunde der Universität Leipzig 3/1993, S. 8.

[13] Vgl. Friedensburg, Walter: Geschichte der Universität Wittenberg, Halle 1917, S. 255.

[14] 1553-1586, zu Kurfürst August vgl. Rößler, Hellmuth: Art. „August“ in: NDB 1, Berlin 1953, S. 448-450.

[15] Vgl. Wartenberg, Günther: Fürst und Reformator. Philipp Melanchthon als Berater des Kurfürsten August von Sachsen in Bildungs- und Kirchenfragen, in: HCh 24 (2000), S. 75.

[16] Zu Rivius vgl. Wartenberg, Günther: Landesherrschaft und Reformation. Moritz von Sachsen und die albertinische Kirchenpolitik bis 1546, Gütersloh/Weimar 1988, S. 117-121.

[17] Jacob Schenk: seit 1536 Hofprediger in Freiberg.

[18] Vgl. Helbig, Herbert: Die Reformation der Universität Leipzig im 16. Jahrhundert, (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte, 171), Gütersloh 1953, S. 108.

[19] Vgl. Held, aaO., S. 238 sowie Groß, Reiner: Kurfürst August von Sachsen – Repräsentant frühneuzeitlicher Landesherrschaft in Kursachsachsen, in: Dresdner Hefte 9 (1986), passim.

[20] Zu Melanchthon vgl. Scheible, Heinz: Philipp Melanchthon, in: Greschat, Martin (Hrsg.): Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. 6, Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz 1981, S. 75-101.

[21] Vgl. Helbig, Reformation der Universität Leipzig, S. 110 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kurfürst August und die Universitätsreform von 1580 in Kursachsen
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar, Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit)
Veranstaltung
Hauptseminar „Konfessionalisierung im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts: Ein Paradigma der Frühneuzeitforschung auf dem Prüfstand“
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V68193
ISBN (eBook)
9783638608985
ISBN (Buch)
9783638793704
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kurfürst, August, Universitätsreform, Kursachsen, Hauptseminar, Europa, Jahrhunderts, Paradigma, Frühneuzeitforschung, Prüfstand“
Arbeit zitieren
M.A. Roy Lämmel (Autor), 2005, Kurfürst August und die Universitätsreform von 1580 in Kursachsen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68193

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