Heinrich von Kleist und sein Werk 'Das Erdbeben in Chili'


Hausarbeit, 2003

24 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiografie Heinrich von Kleists

3. Die Dramen

4. Die Erzählungen

5. Inhalt der Novelle „Das Erdbeben in Chili“

6. Kleists Schreibstil in der Novelle

7. Analyse und Interpretation der Novelle
7.1 Die Bedeutung der biblischen Bilder in Kleists Erzählung
7.2 Die Theodizee-Fragen innerhalb der Novelle

8. Schlussbemerkung

9. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Heinrich von Kleist war der bedeutendste Dramatiker, Novellist, Anekdoten-Erzähler zwischen Klassik und Romantik. Er war „einer der größten, kühnsten, höchstgreifenden Dichter deutscher Sprache […]“(vgl. www.lehrer.uni-karlsruhe.de/). Häufig wird er als Kriegs- und Militärdichter der Deutschen dargestellt. In seinen Werken geht es um Krieg, Gerechtigkeit, Familie und Staat. Kleists Werke sind heute in der Weltliteratur bekannt (vgl. www.whoswho.de/).

Diesem berühmten Dichter Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist möchten wir im Rahmen unseres Deutschstudiums nun unser Interesse zuwenden; im Folgenden werden wir uns speziell mit der Novelle „Das Erdbeben in Chili“ befassen. Die Arbeit gliedert sich in folgende Punkte:

Im ersten Teil werden die wichtigsten biografischen Abschnitte aus dem Leben des Heinrich von Kleist skizziert und es wird ein allgemeiner, chronologisch geordneter Überblick über seine bedeutendsten Werke gegeben.

Im zweiten Teil wird eine kurze Inhaltsangabe der Novelle gegeben; im 3. Teil schließlich wird der Schreibstil der Novelle anhand ausgewählter Textstellen analysiert und interpretiert. Da biblischen Symbolen und Motiven in der Novelle eine zentrale Stellung zukommt, soll abschließend die Bedeutung der biblischen Bilder hinterfragt und die darin zum Ausdruck kommende Theodizee Kleists dargestellt werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, Kleists Werk – und hier speziell die genannte Novelle – vor einem Hintergrund zu betrachten, der nicht nur den Dichter, sondern auch den an den religiösen Fragestellungen seiner Zeit teilnehmenden Literaten hervortreten lässt.

2. Kurzbiografie Heinrich von Kleists

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt an der Oder geboren. Er war der älteste Sohn des Kapitäns Joachim Friedrich v. Kleist und dessen zweiter Frau Ulrike von Pannwitz. Aus der ersten Ehe des Vaters stammen Wilhelmine und Elmine, aus zweiter Ehe Friedrike, Auguste, Leopold und Juliane.

Bereits mit elf Jahren verlor er am 18. Juni 1788 seinen Vater und wurde zur Erziehung zum Prediger S.H. Cartel nach Berlin gebracht. Im Juni 1792 trat er in das Garderegiment in Potsdam ein und nahm am Rheinfeldzug gegen das französische Revolutionsheer teil (1796). 1793 starb seine Mutter. 1797 wurde er zum Sekondeleutnant befördert. In diesem Jahr begann außerdem die Freundschaft mit Ernst von Pfuel, die lebenslang dauern wurde.

1799 verließ er die Armee und studierte in Frankfurt/Oder drei Semester Philosop- hie, Physik, Mathematik und Staatswissenschaft. Er lernte in dieser Zeit Wilhelmine von Zenge kennen und verlobte sich mit ihr (1800). Im selben Jahr brach er sein Studium ab; zwei Jahre später löste er die Verlobung auf.

1802 wohnte er auf einer Aarinsel bei Thun. Dort arbeitete er am „Zerbrochenen Krug“ und an „Robert Guiskard“. Im Herbst 1802 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde durch Christoph Martin Wieland (1733-1813), der sein Talent für die Dichtung erkannte, nach Oßmannstedt bei Weimar geholt (1803). Da er es nirgendwo lang aushalten konnte, reiste er über Bern, Mailand und Genf nach Paris. Nachdem er Ende 1803 nach Deutschland zurückgekehrt war, bekam er im folgenden Jahr eine Beamtenstelle im preußischen Finanzministerium in Berlin.

Im Januar 1807 wurde Heinrich von Kleist von den Franzosen der Spionage verdächtigt und einige Monate inhaftiert. Ein Jahr später gab Kleist mit Adam Müller die Monatsschrift „Phöbus“ heraus, die dann aber kurze Zeit später aufgrund von „Zensurschwierigkeiten“ aufgegeben werden musste (Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur, Band 3, S.282).

Kleist war sehr ehrgeizig und wollte immer das Beste und Höchste. Er wollte wie seine Zeitgenossen Schiller und Goethe Dichter werden. Sogar „wollte er Goethe den Lorbeer vom Kopf reißen, um der größte Dichter zu sein“ (Hohoff 1958, 7). „So hat er in mancher Hinsicht Schillers Werk beendet und Goethesche Intentionen überboten. Er sah sehr viel, wusste viel Historisches, empfand die Landschaft erstaunlich stark, aber grammatisch war sein Deutsch unsicher“ (ebd., 13).

Hohoff zufolge litt Kleist „an einer inneren Traurigkeit“ und war ein „unruhiger“ und „unzufriedener“ Mensch, der einen Drang zur Selbstzerstörung hatte, welcher ihn dann letztlich auch zum Selbstmord führte (Hohoff 1985, 7). 1811 endete Kleists Leben durch den gemeinsamen Freitod mit seiner unheilbar kranken Freundin Henriette Vogel.

Kleist wuchs als gläubiges Kind auf, verlor aber später diesen kindlichen Glauben. Dennoch war er der Meinung, dass Gott ihm hätte helfen, ihn trösten und ihm inneren Frieden gewähren können. Nach seiner Ansicht können die Menschen die letzte Wahrheit nicht erkennen, die Welt bleibt undurchschaubar, ebenso wenig sind sie in der Lage, Gott zu erkennen. Was sein Menschenbild anbelangt, so war Kleist der Auffassung, dass die Menschen nicht aufgrund genauer Erkenntnisse, klarer sittlich-moralischer Grundsätze handeln, sondern aufgrund von mächtigen Gefühlen, die sie beherrschen. Diese Gefühle sind oft negativ, so z.B. Hass und Zerstörungslust. Doch Kleists Werk erschöpft sich ebenso wenig in der Darstellung solch negativer Gefühle wie in der Zeichnung von Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit; auch die Würdigung der positiven, klaren Gefühle - wie z.B. der ehelichen Treue oder Liebe – wie sie etwa im „Käthchen von Heilbronn“ dargestellt werden, gehört zum „Inventar“ der von ihm beschriebenen Charaktere (vgl. http://www.derweg.org/).

Kleist gilt als Meister der Novelle und insbesondere die Novelle „Michael Kohlhaas“ – in der der Protagonist im Kampf um Gerechtigkeit selbst zum Räuber und Mörder wird – lässt sich aus heutiger Sicht als wichtigste deutschsprachige Erzählung seiner Zeit bewerten. Eine Auflistung weiterer wichtiger Werke findet sich unter Punkt 3 und 4.

Von den Werken bedeutender Autoren seiner Zeit, die auf Kleist besonderen Eindruck machten bzw. sich für sein Leben bedeutsam erwiesen, sei auf Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) verwiesen, mit dessen Auffassungen Kleist 1801 bekannt wurde und von denen er sich besonders beeindruckt zeigte. Seine allgemeine Vorliebe für die Philosophie verlor hingegen für ihn an Bedeutung, als er die Werke Kants studierte, da er nun der Auffassung gelangte, „es gäbe keine absolute Erkenntnis“, worin manche Autoren „die Wurzel seiner persönlichen Unrast, doch auch seines dichterischen Schaffens“ erblicken (Illustrierte Geschichte der Literatur, Band 3, S. 282). Die wichtigsten Werke dieses Schaffens sollen im Folgenden aufgeführt werden.

3. Die Dramen

1. Die Familie Schroffenstein (Trauerspiel, 1803)
2. Amphitryon (Lustspiel, 1807)
3. Penthesilea (Trauerspiel, 1808)
4. Robert Guiskard, Herzog der Normänner (Trauerspiel, 1808)
5. Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe (Ritterschauspiel, 1810)
6. Der zerbrochene Krug (Lustspiel, 1811)
7. Die Hermannsschlacht (Drama, 1821)
8. Prinz Friedrich von Homburg (Schauspiel, 1821)

4. Die Erzählungen

1. Das Erdbeben in Chili (1807)
2. Die Marquise von O...(1808)
3. Michael Kohlhaas (1808)
4. Das Bettelweib von Locarno (1810)
5. Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik (1810)
6. Der Findling (1811)
7. Die Verlobung in St. Domingo (1811)
8. Der Zweikampf (1811)

(vgl. http://www.lehrer.uni-karlsruhe. de)

5. Inhalt der Novelle „Das Erdbeben in Chili“

Die Novelle „Das Erdbeben in Chili“ wurde erstmal im Jahre 1807 verfasst und in Cottas „Morgenblatt für gebildete Stände“ unter dem Titel „Jeronimo und Josephe. Eine Szene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahr 1647“ veröffentlicht. Im Jahr 1810 folgte das Buch mit dem heutigen Titel.

In der Novelle erzählt Kleist die Geschichte der verbotenen Liebe zweier junger Menschen in Santiago, der Hauptstadt von Chili. Das historische Ereignis, auf das Kleist sich bezieht, ist demnach das tatsächlich 1647 in Chili stattgefundene Erdbeben; der Verlauf jedoch scheint dem Erdbeben von 1755 in Lissabon nachgebildet, dem eine Feuersbrunst und eine mächtige Flutwelle folgten, wodurch insgesamt die portugiesische Hauptstadt fast völlig vernichtet wurde.

Kleist beginnt die Erzählung mit einem langen Satz, der unmittelbar in die gekonnte Verknüpfung des individuellen und des allgemeinen Geschehens einführt. Denn in eben jenem Moment, als der junge inhaftierte Spanier, Jerenimo Rugera im Gefängnis Selbstmord begehen will, ereignet sich ein Erdbeben. Durch diesen einleitenden Satz baut Kleist bereits einen Spannungsbogen auf, da er die Handlung nicht direkt weiterführt, sondern dem Leser zunächst in einem Rückblick erzählt, wie Jerenimo ins Gefängnis geraten war. Der junge Spanier hatte als Hauslehrer im Hause Don Henrico Asterons dessen Tochter Donna Josephe unterrichtet; zwischen dem – bezogen auf ihren Stand – ungleichen Paar war eine Liebesbeziehung entstanden. Als Don Henrico Asteron dies erfuhr, entließ er den Lehrer und schickte seine Tochter in ein Kloster, doch die beiden Liebenden fanden einander und „in einer verschwiegenen Nacht“ wurde im Klostergarten ein Kind gezeugt. Nachdem Josephe dieses Kind, Philipp, zur Welt gebracht hat, wird Jerenimo ins Gefängnis geworfen und Josephe zum Tode veruteilt - sie sollte verbrannt werden - ein Todesurteil, das schließlich durch das Eingreifen des Vizekönigs in eine Enthauptung „abgemildert“ wird. Während die Einwohner von St. Jago dem Schauspiel voller Vorfreude entgegensehen, sitzt Jerenimo im Gefängnis und hört schließlich die Glocken, die Josephes bevorstehende Enthauptung ankündigen. In diesem Moment entschließt er sich zum Selbstmord – der Tod beider Liebender wird dann aber durch das einsetzende Erdbeben verhindert; beide können fliehen und begegnen einander, nachdem Josephe auch Sohn Philipp aus dem in Flammen stehenden Kloster befreite. Das Glück der jungen Familie, das nun im völligen Gegensatz zum Leid der übrigen, durch das Erdbeben betroffenen Menschen steht, muss weiter verborgen werden und so ziehen sie sich aus der vom Jammern durchzogenen Gegend in „ein dichteres Gebüsch“ zurück, hinter dem sie eine Art Paradies zu erwarten scheint – ein „prachtvoller Granatapfelbaum“ wird ihnen zur Herberge, der seine „Zweige voll duftender Früchte weit ausbreitete, und die Nachtigall flötetet im Wipfel ihr wollüstiges Lied“ (Erz. S. 125).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Heinrich von Kleist und sein Werk 'Das Erdbeben in Chili'
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Heinrich von Kleist. Erzählungen - Kleine Schriften - Briefe (Lehramt)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V68270
ISBN (eBook)
9783638609234
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich, Kleist, Werk, Erdbeben, Chili, Erzählungen, Kleine, Schriften, Briefe
Arbeit zitieren
Nuray Ozan (Autor), 2003, Heinrich von Kleist und sein Werk 'Das Erdbeben in Chili', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68270

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