Die archaische Gesellschaft Spartas in den Quellen


Seminararbeit, 2005
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spartas Anfänge

3. Spartas Sozialstruktur
3.1 Spartiaten
3.2 Perioiken
3.3 Heloten

4. Die politische Verfassung

5. Die Quellen
5.1 Herodots 9 Bücher zur Geschichte
5.2 Thukydides’ Peloponnesischer Krieg
5.3 Xenophons Lakedaimonion politeia
5.4 Aristoteles’ Politik
5.5 Plutarchs Lykurg Vita

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Beschäftigt man sich mit der Geschichte Spartas, so stößt man ziemlich schnell auf das Quellenproblem. Selbst der langjährige Sparta-Forscher Paul Cartledge gibt in „Spartan Reflections“ zu: „I cannot prove that any of the events and processes I write about below actually happened […]“[1]. Besonders über die frühe Zeit ist wenig bekannt. Und selbst das Bekannte ist nicht sonderlich stichhaltig, weil es mithin Jahrhunderte nach den Geschehnissen festgehalten wurde und deshalb aufgrund der menschlichen Tradierungsprozesse einer Typisierung sowie Überzeichnung unterworfen ist[2] oder wie Manfred Clauss diese Tatsache paraphrasiert: „Sparta hat eine zweifache Geschichte gehabt: seine eigene und die seines Bildes – im Ausland und in der Überlieferung.“[3]

Das heutige Forschungsbild von Sparta basiert auf – archäologische Quellen ausgenommen – einigen, teilweise fragmentarisch überlieferten literarischen Werken der Antike. Berechtigter Weise stößt Clauss wieder in die Wunde: „Heldentaten, bei denen in der Regel Ströme von Blut fließen müssen, werden weitaus eher tradiert als das Alltägliche, das Einerlei, die für alle zugänglichen Erfahrungen jedweder menschlicher Existenz.“[4]

Diese Arbeit will auf Spurensuche gehen und zusammentragen, was bei ausgewählten Geschichtsschreibern über die Gesellschaft Spartas in archaischer Zeit zu finden ist bzw. was darüber ausgesagt werden kann. Dabei gibt es allerdings einen großen Mangel, der angesprochen werden muss: Jede Übersetzung ist Interpretation. Also sollte man folglich besser die textkritischen Ausgaben zur Hand nehmen und selbst übersetzen. Da ich zu diesem Zeitpunkt aber lediglich das Latinum vorweisen kann und das Graecum fehlt, ist diese Arbeit dennoch auf Übersetzungen/Interpretationen angewiesen.[5]

Des Weiteren ist der Kreis der Geschichtsschreiber begrenzt, der in dieser Arbeit untersucht werden kann. Es wird dennoch versucht, die wichtigsten zu Rate zu ziehen.

Das methodische Vorgehen der Altertumswissenschaft wird in dieser Arbeit vom Kopf auf die Füße gestellt. Führt normalerweise die Auseinandersetzung mit den Quellen zu einem Forschungsbild, so erfolgt in dieser Arbeit zuerst eine Bestandsaufnahme des aktuellen Forschungsbildes. Danach werden erst die Quellen zu Rate gezogen. Die Frage ist: Was sagen die Quellen über die frühe Gesellschaft Spartas bzw. deren Institutionen abweichend vom Forschungsstand aus?

2. Spartas Anfänge

Wie bei allen poleis, muss man auch bei Sparta eine Betrachtung der Topographie voranstellen. Das in mitten der Peloponnes gelegene Sparta war ursprünglich ein Zusammenschluss von vier Dörfern, welche aller Wahrscheinlichkeit nach Gründungen dorischer Einwanderer des zehnten vorchristlichen Jahrhunderts waren.[6]

Die Zuwanderung erfolgte zunächst friedlich. Die Lebensweise der Siedler war – wie im griechischen Raum üblich – vom Ackerbau geprägt. Im neunten Jahrhundert kann man dann schon eine stärkere soziale Differenzierung erkennen, die wohl später zum Aufstieg zweier spartanischer Adelshäuser geführt hat. Aus diesen hat sich dann wahrscheinlich das spartanische Doppelkönigtum entwickelt.

Die Möglichkeit für eine erfolgreiche Siedlung ist eng mit den geografischen Gegebenheiten verbunden. So liegt Sparta im fruchtbaren Tal des Flusses Eurotas. Sparta heißt deshalb nicht von ungefähr „Saatboden“[7]. Umgrenzt wird die Stadt von einem bis zu 2400 Meter hohen Vorgebirge.

Die dorischen Einwanderer waren wahrscheinlich nicht die ersten Siedler. Es ist davon auszugehen, dass es schon in mykenischer Zeit eine Siedlung in diesem Raum gab. Aus Homers Epen sind auch zahlreiche Geschichten über Sparta und dessen König Menelaos überliefert, allerdings spiegeln diese eine zeitgenössische Perspektive Spartas wieder. Das Menelaion – wo Menelaos und Helena kultisch geehrt wurden, ist dennoch eines der wichtigen Heiligtümer der Spartaner.

Generell bedient man sich sehr gerne der Mythen, die Dinge erklären konnten, welche keiner erklären konnte oder auch nicht mehr im kollektiven Bewusstsein vorhanden waren. So lässt sich noch eine andere Begründung für das Doppelkönigtum in Sparta finden. Ein Mythos führt auf den Nationalheros Herakles zurück. Ihm sei Sparta nach einem siegreichen Feldzug überlassen worden. Dieser habe es weiter vererbt bis an einem bestimmten Punkt Aristodemos zwei Söhne gehabt habe und beide dann Sparta bekamen, worauf diese das Doppelkönigtum begründeten.[8]

Mit mythischen Geschichten muss man allerdings sehr vorsichtig sein, wenn man seriös arbeiten will. Nicht zuletzt wurden Mythen immer dem jeweiligen Herrscher angepasst, damit diese als Herrschaftslegitimation oder als Grund für einen Führungsanspruch herangezogen werden konnten.[9] Daraus ergibt sich, dass man Mythen nur im zeitgeschichtlichen Zusammenhang betrachten und daraus ein Bild über den jeweiligen Herrscher schließen kann bzw. ein Bild, welches er von sich gesehen haben wollte.

Um auf die Topographie Spartas zurückzukommen, muss auch die für damalige Verhältnisse weite Entfernung zum Meer angefügt werden. Ein Fakt, der von Anfang an den Aufbau einer Landstreitmacht begünstigte und gleichsam eine Flotte benachteiligte.

Ob die Dorier nun eingewandert sind oder schon immer in der Gegend lebend sich nach dem Untergang der mykenischen Kultur an die Spitze des Staates geputscht haben, wie einige meinen[10], ist für die weitere Betrachtung nicht von vordergründiger Bedeutung. Klar ist, dass ein Volksstamm – ob eingewandert oder nicht – einen anderen unterworfen hat. Aus diesem Grund ist es für diese Arbeit nicht sinnvoll etwa nur die soziale Struktur oder nur den institutionelle Aufbau Spartas zu betrachten. Vielmehr sind beide unerlässlich gemeinsam zu beleuchten.

3. Spartas Sozialstruktur

Aus der sozialen Struktur Spartas[11] ergibt sich die politische, deshalb muss es nicht verwundern, wenn hier auch Hinweise auf den politischen Einfluss gegeben werden.

Spartas Verfassung ist, wie dies über einen längeren Zeitraum gemeingriechisch üblich war, eine Hoplitenpoliteia[12]. Diese ist eng mit der Organisation des Militärs verbunden. So können Krieger (Hopliten) aufgrund des erforderlichen Besitzes (zum Erwerb der Rüstungen) nur Grundbesitzer sein. Nur die im Heer dienenden konnten Vollbürger mit allen politischen Rechten werden. Während sich in vielen poleis diese Struktur in späteren Zeiten änderte, so blieb sie in Sparta ohne Weiterentwicklung. Gleichwohl war diese Verfassung für seine Zeit etwas Besonderes, denn es regierte kein einzelner Herrscher, der seine Gewalt immer wieder vererbte, sondern eine gleichberechtigte Bürgerschicht. Wie kam es dazu?

Eine soziale Differenzierung der Bürgerschicht ist für das 7. Jahrhundert bezeugt.[13] Dies liegt wohl daran, dass Einzelne mehr Land als üblich nach Eroberungszügen bekamen und dieses dann zusätzlich vermehrten. Jedenfalls kam es zu einer relativ kleinen und wohlhabenden Gruppe, welche einer großen verarmten Schicht gegenüberstand. Aus der Differenzierung ergab sich dann die Tatsache, dass viele Bürger am Messenischen Krieg (es war neues Ackerland zu verteilen) und an der großen Kolonisation teilnahmen. Wahrscheinlich ist, dass hierbei wieder die adligen Familien große Teile des Landes bekamen, so dass eine Vielzahl von Bürgern nun eine Neuaufteilung des Landes forderte. Eine Art kleiner Bürgerkrieg könnte entstanden sein. Zu diesen Spannungen in der spartanischen Bürgerschicht ist dann noch ein Aufstand der Messenier hinzugetreten. Dieser Aufstand bedrohte nicht nur die Hegemonie der Adelsfamilien, sondern stellte die gesamte Vorherrschaft der Spartaner in Frage. Nur im Kampf aller Bürger Spartas in Massenformation – hieraus entstand mittelbar die oben beschriebene Hoplitenphalanx – war der Aufstand niederzuschlagen. Dieser Kampf leistete der Forderung nach Neuaufteilung und vermehrter Mitsprache der Gesamtheit der Spartaner Vortrieb. In dieser Zeit muss es wohl einen Übergangsprozess zu einer Gesellschaft „der Gleichen“[14] gegeben haben. Auf diesem Stand stagnierte dann die spartanische Gesellschaftsordnung.

Neben diesem chronologischen Ansatz der Genese, werde ich nun noch – denn bis hier sind nur Entwicklungen der Vollbürger beschrieben worden – einen anderen Erklärungsansatz verfolgen, der die einzelnen Stände, wenn man sie so nennen will, umschreibt.

3.1 Spartiaten

Als erster Stand sind auch hier die spartanischen Vollbürger anzuführen, die so genannten „Spartiaten“[15]. Deren deutlichster Unterschied lag in der Möglichkeit an der Volksversammlung (Apella) teilzunehmen. Mit diesem Recht einhergehend konnten sie sich zur Wahl für öffentliche Ämter stellen. Wie man Spartiat wurde, ist mit der materiellen Vorraussetzungen zum Kriegesdienst verbunden, denn die Rüstungen mussten selbst bezahlt werden. Dazu benötigte man sowohl die typische Ausbildung in Sparta (Agoge), ferner das Zusammenleben in Zeltgemeinschaften (Syskenien), aber ganz besonders ein Stück Land, dass genug Ertrag mitbrachte, um all das zu finanzieren. Der „Normalfall“ war, dass man als Sohn eines Spartiaten auch Spartiat wurde, wenn man die Prüfungen absolvierte. Es bestand aber auch die Möglichkeit als Knabe von einem Bürger als Sohn anerkannt zu werden, um dann nach den Prüfungen der Ältesten, ebenfalls in den Rang eines Spartiaten erhoben zu werden. Man(n) bekam auch dann ein Landgut, wovon die Syskenienbeiträge zu bestreiten waren.

Das Landgut wurde aber nicht vom Vollbürger bewirtschaftet, sondern von Heloten – dazu später mehr – bestellt. Auf diese Weise hatten die Vollbürger ein Leben, das von Freizeit und Muße gekennzeichnet war.[16]

3.2 Perioiken

Eine weitere Gruppe der Bürger Lakedaimons waren die Perioiken[17] (Umwohnenden). Sie waren freie Bürger, allerdings eben nicht in der Stadt Sparta, sondern in Städten des Territoriums des lakedaimonischen Staates. Es kam zur Differenzierung der politischen Rechte gegenüber den Spartiaten nicht zuletzt wegen der räumlichen Entfernung. So konnte ein Perioike schwerlich schnell genug die Gebirgsmassive überqueren, um rechtzeitig an einer Apella teilzunehmen. Die Entfernung zum Entscheidungszentrum (Sparta) scheint deshalb ein bedeutender Faktor gewesen zu sein. Für Perioiken bestand, wie bei den Spartiaten, die Pflicht sich, wenn ein Krieg beschlossen worden war, daran zu beteiligen. Ein Unterschied bestand nur im Inneren des Staates. Sie konnten, wie erwähnt, nicht an der Volksversammlung teilnehmen und waren ebenfalls nicht berechtigt für ein öffentliches Amt zu kandidieren. Über die ethnische Herkunft der Perioiken existieren verschiedenartige Theorien, die hier unerwähnt bleiben.

Sonst ist das Leben eines Perioiken ähnlich dem eines Spartiaten. Er hatte Heloten – in perioikischen Städten sind auch vermehrt Sklaven eingesetzt worden -, die sein Landgut beackerten. Die Theorie, dass Perioiken vornehmlich für Handwerk zuständig waren, kann weitgehend ausgeschlossen werden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Perioiken in ihren poleis politische Rechte besaßen. Diese Ansicht lässt darauf schließen, dass die Städte relativ autonom von Sparta agierten.

3.3 Heloten

Die Dreiteilung der sozialen Struktur Spartas komplettiert der Stand der Heloten[18]. Wahrscheinlich waren Heloten die Urbevölkerung in diesem Raum. Darauf deuten verschiedene (vordorische) Kulte hin, die sich im Helotengebiet befanden. Der Begriff „Helot“ bedeutet so etwas wie „Gefangener“. Es wird davon ausgegangen, dass die einwandernden Dorier die Heloten unterworfen haben. Aber nicht direkt, sondern erst mit der stetigen Expansion Spartas. Sparta beschloss damals wohl, dass man die Bewohner Lakoniens nicht vertreiben wollte, sie die Länderreihen weiterhin bewirtschaften ließ, aber den Besitz dieser für sich beanspruchte. Die Heloten sollten den Spartanern darauf Abgaben leisten.

Sie waren dem Staat und dem besitzenden Spartiaten verpflichtet – letzteres entwickelte mit der Zeit größeren Einfluss. Heloten waren Eigentum und an die Scholle – wie man in Anlehnung an das Mittelalter sagen könnte – gebunden. Ein Ausgang aus diesem Leben war nicht möglich – die Helotie war erblich.

Die Heloten – vielfach vergessen – bildeten die Grundlage für das „System Sparta“. Ohne die Ausbeutung der Arbeitskraft derer, wäre das „schöne Leben“, aber auch das Kriegswesen Spartas nicht denkbar gewesen.

Erst in späterer Zeit Spartas – als die Zahl der Spartiaten stark gesunken war – konnten auch Heloten im Heer dienen. Im Gegensatz zur Ausbeutung der Heloten stand die persönliche Beziehung zwischen beiden Gruppen, die es – bedenkt man ständige Vererbung innerhalb einer Familie – gegeben haben muss.

[...]


[1] Cartledge, Paul: Spartan Reflections, London 2001, S. 5.

[2] Vgl. Thommen, Lukas: Sparta. Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griechischen Polis, Stuttgart/Weimar 2003, S. 7.

[3] Clauss, Manfred: Sparta. Eine Einführung in seine Geschichte und Zivilisation, München 1983, S.8.

[4] Ebd.

[5] Deshalb wird versucht zwei unterschiedliche Übersetzungen heranzuziehen.

[6] Vgl. DNP, Bd. 11, 2001 Sp. 784-795, s.v. Sparta.

[7] Vgl. Thommen, S. 15.

[8] Vgl. Thommen, S. 23-25.

[9] Vgl. Thommen, S. 25.

[10] Vgl. Clauss, S. 14.

[11] Hier werden im Folgenden nur die drei Hauptstände genannt. Innerhalb dieser gab es auch qualitative Unterschiede, die hier nicht näher betrachtet werden. Vgl. zur Sozialstruktur Thommen, S. 112-147 sowie Clauss, S. 95-115.

[12] Bringmann, Klaus: Die soziale und politische Verfassung Spartas. Ein Sonderfall der griechischen Verfassungsgeschichte?, in: Christ, Karl (Hrsg.): Sparta, Darmstadt 1986, S. 448-469.

[13] Vgl. Bringmann 450.

[14] Bei Thommen auch als „Bürgerschaft als Homoioi“ bezeichnet.

[15] Vgl. Thommen S. 117-122 sowie Clauss S. 95-106.

[16] Ausführungen über besonders mächtige Adelsgeschlechter und Bürger können keine Erwähnung finden, auch müssen Ausführungen über Ungleichheiten innerhalb der Spartiaten und den sozialen Abstieg ausbleiben.

[17] Vgl. dazu Thommen S. 114-117 sowie Clauss 106-109.

[18] Vgl. Thommen S. 112- 114 sowie Clauss 109-115.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die archaische Gesellschaft Spartas in den Quellen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Griechische Politiker in den Quellen
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
31
Katalognummer
V68288
ISBN (eBook)
9783638609364
ISBN (Buch)
9783656133919
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesellschaft, Spartas, Quellen, Griechische, Politiker, Perioiken, Heloten, Spartiaten, Verfassung, Herodot, Thukydides, Xenophon, Aristoteles, Plutarch
Arbeit zitieren
Robert Conrad (Autor), 2005, Die archaische Gesellschaft Spartas in den Quellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68288

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