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Was ist das eigentlich, diese 'LTI'?

Title: Was ist das eigentlich, diese 'LTI'?

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 31 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Isabell Drossmann (Author)

German Studies - Linguistics
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Ich möchte mich in dieser Arbeit mit dem Buch „LTI“ von Victor Klemperer beschäftigen. Ich habe mir gerade dieses Werk ausgesucht, weil ich der Meinung bin, dass es, obwohl seine Entstehungszeit schon 60 Jahre zurückliegt, an Aktualität nichts eingebüßt hat. Auch heute noch ist Sprache ein viel besprochenes Thema, ob nun in Diskussionen über „Sprachverfall“ oder Anglizismen oder in Büchern wie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Sebastian Sick. Ich denke, es ist wichtig, seine eigene Sprache zu reflektieren, um verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen. Dazu kann auch heute noch die „LTI“ einen wichtigen Teil beitragen. Da sowohl das Buch als auch seine Rezeption sehr vielschichtig ist, habe ich meine Arbeit in Anleihe an Bärbel TECHTMEIER 1 „Was ist das eigentlich, diese „LTI“?“ genannt und möchte versuchen, diese Frage im Verlauf dieser Arbeit zu beantworten. Dabei werde ich im ersten Teil zunächst auf die sprachwissenschaftliche Rezeption des Werks seit seiner Veröffentlichung eingehen. Hierbei soll vor allem auf die Fragen eingegangen werden, ob es ein „Sprache des Nationalsozialismus“ oder nur „im Nationalsozialismus“ gegeben hat und ob eine moralische Bewertung von Sprache möglich ist. Der zweite Teil soll dann aufzeigen, welche Besonderheiten der „Lingua tertii imperii“ Klemperer benennt; dieser Abschnitt wird sich in seiner Bearbeitung überwiegend an die „LTI“ selber halten. Beiden Teilen möchte ich aber zunächst eine kurze Zusammenfassung des Lebens Victor Klemperers voranstellen, da seine Lebenssituation, vor allem zwischen 1933 und 1945, für die Entstehung der „LTI“ besonders wichtig ist. Abschließend möchte ich hier noch auf die Begriffe „Faschismus“, „Nationalsozialismus“ und „Drittes Reich“ eingehen. Auch wenn es den Faschismus ebenso in anderen Ländern, v.a. in Italien, gegeben hat, ist in dieser Arbeit damit ausschließlich die deutsche Ausprägung gemeint. Ihm gleichgesetzt werden die Begriffe Nationalsozialismus und Drittes Reich. Das sich alle drei Ausdrücke in dieser Arbeit finden, liegt unter anderem daran, dass die verwendete Sekundärliteratur mit jeweils verschiedenen Begriffen hantiert. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II Victor Klemperer

III. Rezeption der „LTI“

1. Frühe Rezeption

2. Rezeption ab 1980

3. Verbale Mittel in der „LTI“

4. Nichtverbale Mittel in der „LTI"

5. Was ist das eigentlich, diese „LTI“?

IV Nationalsozialistischer Sprachgebrauch und „LTI“

1. Lüge und Verschleierung

2. „Teutschtümelei“ und Fremdwörter

3. Sprache des Glaubens

4. Heterogene Stilelemente

5. Abkürzungen

6. Der „Fluch des Superlativs“

7. Judensondersprache

V Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk „LTI“ von Victor Klemperer, um zu analysieren, inwiefern eine sprachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus möglich ist und welche Bedeutung die „Lingua tertii imperii“ als Dokument der Alltagsgeschichte einnimmt.

  • Sprachwissenschaftliche Rezeption des Werks „LTI“
  • Analyse verbaler und nonverbaler Mittel der nationalsozialistischen Sprache
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sprache und nationalsozialistischer Machtausübung
  • Dokumentation der Alltagsgeschichte im Nationalsozialismus
  • Kritische Einordnung des Sprachbegriffs und seiner Verwendung

Auszug aus dem Buch

4. Heterogene Stilelemente

„Das Höchste und Charakteristischste der nazistischen Sprachkunst“ so Klemperer, besteht in der skrupellosen Mischung der heterogenen Stilelemente […] in den schroffste antithetischen Sprünge vom Gelehrten zum Proletenhaften, vom nüchternen Ton des Predigers, vom kalt Rationalen zur Rührseligkeit der männlich verhaltenen Träne, von Fontanescher Schlichtheit, von Berliner Ruppigkeit zum Pathos des Gottesstreiters und Propheten […] das Gefühl kommt nie zur Ruhe, wird dauernd angezogen und abgestoßen, […] und für den kritischen Verstand bleibt keine Zeit zum Atemholen.(271)

In dieser Mischung ist „Goebbels unerreichter Meister“ (270), so Klemperer - „unser Doktor ist der Sprach- und Gedankenformer der Masse“ (246) - und sein Leitsatz ist „Wir müssen die Sprache sprechen, die das Volk versteht. Wer zum Volke reden will, muss […] dem Volke aufs Maul sehen.“ (246)

Dementsprechend mussten auch die öffentliche Rede gestaltet werden.

Indem sie sich an alle wandte und nicht mehr an ausgewählte Volksvertreter, musste sie sich auch allen verständlich machen und somit volkstümlicher werden. Volkstümlich ist das Konkrete; je sinnlicher eine Rede ist, je weniger sie sich an den Intellekt wendet, umso volkstümlicher ist sie. (57)

So ist es denn auch nicht erstaunlich, dass vor allem Goebbels sich gerne des Vokabulars aus dem Sport bedient, „jede Sportart ist ihm recht, sich auszudrücken“ (246). „Die weitaus meisten, die einprägsamsten und dazu die allerrohesten Bilder sind durchweg dem Boxsport entnommen“ (247) und dieser „volkstümlichste Sport“ dient vor allem dazu, den Krieg populär zu machen (248). Goebbels geht in seinen Reden „raffiniert auf Betrug und Betäubung“ (271) aus und so überschreiten sie die Grenze „von der Volkstümlichkeit zur Demagogie oder Volksverführung“, schreibt Klemperer, „sobald sie von der Entlastung des Intellekts zu seiner gewollten Ausschaltung und Betäubung übergehen“ (57).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Darstellung der Motivation, Victor Klemperers „LTI“ zu untersuchen, und Klärung des forschungsleitenden Begriffsrahmens.

II Victor Klemperer: Biografische Zusammenfassung von Klemperers Leben, insbesondere zwischen 1933 und 1945, als Grundlage für das Verständnis der „LTI“.

III. Rezeption der „LTI“: Analyse der sprachwissenschaftlichen und öffentlichen Wahrnehmung des Werks, von der „Wörterbuchphilologie“ hin zur „Entdeckung des Alltags“.

IV Nationalsozialistischer Sprachgebrauch und „LTI“: Typologie charakteristischer Sprachmerkmale der NS-Zeit, inklusive Lüge, „Teutschtümelei“, religiöser Rhetorik, Stilelementen, Abkürzungen, Superlativen und der Judensondersprache.

V Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Klemperers Werk als Dokument der Verflechtung von Sprache und Macht sowie als Reflexion auf den bewussten Umgang mit Sprache.

Schlüsselwörter

Victor Klemperer, LTI, Lingua tertii imperii, Nationalsozialismus, Sprache, Sprachkritik, Faschismus, Alltag, Propaganda, Judensondersprache, Wörterbuchphilologie, Sprachlenkung, Antisemitismus, Rhetorik, Macht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit Victor Klemperers Werk „LTI“ (Lingua tertii imperii) und dessen Bedeutung für das Verständnis der Sprache während der Zeit des Nationalsozialismus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Rezeption von Klemperers Werk, die Analyse sprachlicher Strategien wie Lüge und Verschleierung sowie die Untersuchung der Verbindung von Sprache, Macht und Ideologie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Frage „Was ist das eigentlich, diese LTI?“ zu beantworten und aufzuzeigen, wie Klemperer die Durchdringung des Alltags durch die nationalsozialistische Sprache dokumentiert hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen Analyse von Klemperers Texten, ergänzt durch eine Auseinandersetzung mit der sprachwissenschaftlichen Sekundärliteratur zu Klemperer.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Aufarbeitung der Rezeptionsgeschichte des Werks und eine detaillierte Untersuchung spezifischer sprachlicher Merkmale des Nationalsozialismus, wie etwa den „Fluch des Superlativs“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind LTI, Nationalsozialismus, Sprachlenkung, Alltagsgeschichte, Propaganda und die kritische Auseinandersetzung mit der Ideologie des Regimes.

Warum spielt der Begriff „Bettelarm“ eine zentrale Rolle in Klemperers Analyse?

Klemperer beschreibt die „LTI“ als bettelarm, da sie ein starres Armutsgelübde abgelegt habe, um den Nationalsozialismus in jedem Punkt unverfälscht und ideologisch konform widerzuspiegeln.

Was versteht Klemperer unter der „Sprache des Glaubens“?

Damit beschreibt er die Tendenz der NS-Rhetorik, politische Ziele in eine religiöse Sphäre zu heben und Adolf Hitler als quasi-messianische Figur für die „gläubige“ Masse darzustellen.

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Details

Title
Was ist das eigentlich, diese 'LTI'?
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Germanistik)
Course
Theorie und Praxis der Sprachbewertung
Grade
1,7
Author
Isabell Drossmann (Author)
Publication Year
2006
Pages
31
Catalog Number
V68300
ISBN (eBook)
9783638609456
Language
German
Tags
Theorie Praxis Sprachbewertung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Isabell Drossmann (Author), 2006, Was ist das eigentlich, diese 'LTI'?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68300
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