Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Musicology - Miscellaneous

Filmpreis für Richard Wagner - Eine zeitgemäße Betrachtung seines Theaters

Title: Filmpreis für Richard Wagner - Eine zeitgemäße Betrachtung seines Theaters

Diploma Thesis , 2005 , 113 Pages , Grade: Mit Auszeichnung bestanden

Autor:in: Diplom-Musiktheaterregisseur Eric Schulz (Author)

Musicology - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Am liebsten wäre Richard Wagner „unsinnig alt“ geworden und dann gemeinsam mit seiner Frau Cosima „in seinem Stübchen“ auf einem eigens dafür eingerichteten Sofa „an der Euthanasie“ gestorben. Dazu kam es jedoch nicht. Auch seinen mehrfach geäußerten Vorsatz „94 Jahre alt zu werden“ konnte er nicht einlösen, noch brachte er seine Familie in seiner „Todesstunde zum Lachen“, wie er es sich einmal im Scherz triumphierend vorgestellt hatte.
Keine zwei Monate vor seinem plötzlichen, aber nicht ganz unerwarteten Tod im Alter von 69 Jahren hatte sich der schon länger von regelmäßigen Herzanfällen heimgesuchte Wagner „noch etwa zehn rüstige Lebensjahre“ gegeben, welche er, wie schon das vergangene Jahrzehnt, darauf verwenden wollte, seinem „Kunstwerk der Zukunft“ die nächste und zugleich fernere Zukunft zu sichern. Als Wagner schließlich im Januar 1883 seinen Tod in Venedig fand, hatte er zwar auf dem Papier sein Lebenswerk vollendet, darüber hinaus war es jedoch lange noch nicht abgeschlossen. Auch ein paar weitere Jahre hätten ihn allerdings nicht aus dem Dilemma zwischen Wunsch und Wirklichkeit befreien können, in das ihn sein künstlerischer Anspruch geführt hatte. Er hätte tatsächlich „unsinnig alt“ werden müssen, um auch nur einen Schritt auf dem Weg zu einem Ziel weiterzukommen, welches außerhalb der Möglichkeiten des 19. Jahrhunderts lag. Schon früh war sich Wagner darüber im klaren gewesen, dass das bisherige Theater innerhalb des gegebenen Rahmens am Ende seiner Entwicklung angelangt war. Mit prophetischen Gaben hatte das weniger zu tun als mit der typischen Affinität des genialischen Künstlers zum Konjunktiv: die Phantasie kennt immer eine bessere Wirklichkeit und an Einbildungskraft mangelte es Wagner wahrlich nicht. Mehr noch, er verfügte über die Fähigkeit und Energie, um das Wünschenswerte innerhalb der Mittel seiner Zeit auch möglich zu machen. Wie wir heute wissen, fand das, was Wagner unter dem Begriff „Gesamtkunstwerk“ zusammengefasst und ein halbes Leben lang wortreich gepredigt hatte, durch das Kino schließlich seine Erfüllung. Tatsächlich entspricht der Film in einigen wesentlichen Eigenschaften dem von Wagner beschworenen neuen Theater.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

6 Illusionen

20 Grenzen des Live-Theaters

30 Sehen und Hören

41 Rausch der Sinne

50 Filmische Dramaturgie

66 Plastische Musik

82 Ein Filmfestspiel

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und ästhetische Nähe von Richard Wagners Konzept des "Gesamtkunstwerks" zum modernen Medium Film. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Wagner bereits die Grundlagen einer filmischen Dramaturgie vorwegnahm und sein Ideal eines zeitgemäßen Theaters heute durch audiovisuelle Medien und moderne Aufzeichnungstechniken eine neue, zukunftsweisende Form der Verwirklichung finden kann.

  • Analyse des Wagnerschen "Gesamtkunstwerks" im Kontext moderner Wahrnehmungspsychologie.
  • Untersuchung der Grenzen des traditionellen Live-Theaters gegenüber audiovisuellen Medien.
  • Darstellung der filmischen Struktur in Wagners Musikdramen, insbesondere im "Ring des Nibelungen".
  • Evaluation technischer Möglichkeiten zur filmischen Realisierung von Wagners Visionen im 21. Jahrhundert.
  • Diskussion über das Verhältnis von Musik und Bild als integrierter Wahrnehmungsprozess.

Auszug aus dem Buch

Filmische Dramaturgie

Die dramaturgischen Grundlagen des Kunstwerks der Zukunft im Sinne Wagners und die des Spielfilms sind identisch: in beiden Fällen ist das Drama in eine epische Form eingebettet. Das „Drama der Zukunft“ ist demnach eigentlich überhaupt kein Drama, denn es kommt nicht ohne Erzählebene aus. Es ist eine Mischform aus Drama und Epos. Damit erweist sich Wagner als Begründer der Filmform. Die Neuigkeit dieser Form liegt in der Zusammenführung von Darstellungs- und Erzählebene. Dabei sind beide Ebenen in ihrer Dominanz variabel und beliebig kombinierbar. Diese Form des epischen Dramas oder Epidramas hat es vorher noch nicht gegeben. Analog der Funktionsweise des organischen Schöpfungsvorgangs, entstand auch hier in der Vereinigung von Verschiedenem eine völlig neue funktionelle Ganzheit. Und hier wie dort gilt, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Teile.

Daraus ergibt sich das Problem der angemessenen Benennung: „In dem vorliegenden Falle wüßte ich aber selbst mit dem besten Willen nicht, welchen Namen ich dem Kinde geben sollte, welches aus meinen Arbeiten einen guten Theil der Mitwelt ziemlich befremdet anlächelt. [...] Fast wäre ich geneigt gewesen, mich auf die Sichtbarkeit desselben einzig zu berufen, und somit an das »Schauspiel« mich zu halten, da ich meine Dramen gern als ersichtlich gewordene Thaten der Musik bezeichnet hätte. Das wäre denn nun ein recht kunstphilosophischer Titel gewesen.“ Die Unmöglichkeit der richtigen Bezeichnung besteht ferner darin, dass die neue Form kein neues, ihr angemessenes Medium mit sich brachte, sondern abhängig war von der herkömmlichen Guckkastenbühne. Die neue Form war also nicht frei und daher an alte Begrifflichkeiten gebunden, die ihr prinzipiell nicht gerecht werden konnten. Es ist jedoch im Rahmen dieser Arbeit einigermaßen aufschlussreich, dass Wagner sich bei der Namensgebung gerne auf die „Sichtbarkeit“ berufen hätte.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Wagners visionären Anspruch, sein Lebenswerk über die technischen Grenzen des 19. Jahrhunderts hinaus in die Zukunft zu führen, und etabliert die These seiner Nähe zum Medium Film.

Illusionen: Dieses Kapitel vergleicht Wagners Streben nach einer "idealen Traumwelt" mit der Ästhetik der "Grand Opera" und ordnet seinen Gestaltungswillen in den Kontext der Suche nach neuen, zukunftsweisenden Ausdrucksmedien ein.

Grenzen des Live-Theaters: Es werden die systemimmanenten Beschränkungen des traditionellen Opernbetriebs aufgezeigt und die Frage nach einer zeitgemäßen, technischen Alternative diskutiert.

Sehen und Hören: Dieses Kapitel analysiert das Wagnersche Gesamtkunstwerk als einen Prozess, der auf der integrierten Wahrnehmung verschiedener sinnlicher Reize basiert, und verknüpft dies mit aktuellen Erkenntnissen der Gehirnforschung.

Rausch der Sinne: Hier steht die manipulative und rauschhafte Wirkung von Musik und Bild im Vordergrund, wobei die auditive Komponente als entscheidender Faktor für die emotionale Intensität eines Erlebnisses hervorgehoben wird.

Filmische Dramaturgie: Das Kapitel belegt, dass Wagners Musikdramen in ihrer Struktur – insbesondere durch die Verschränkung von Erzählebene und Darstellung – identisch mit den Grundlagen der modernen Filmdramaturgie sind.

Plastische Musik: Der Fokus liegt auf der instrumentalen Farbigkeit und der "unendlichen Melodie" Wagners, die eine bildhafte Qualität besitzt, welche die Musik für eine filmische Umsetzung prädestiniert.

Ein Filmfestspiel: Das Fazit stellt die Verfügbarkeit von Wagner-Aufnahmen auf Tonträgern und Video der Bühnenrealität gegenüber und plädiert für eine neue filmische Realisierung von Wagners Visionen.

Schlüsselwörter

Richard Wagner, Gesamtkunstwerk, Filmische Dramaturgie, Musiktheater, Wahrnehmungspsychologie, Bühnentechnik, Unendliche Melodie, Filmform, Operngeschichte, Mediale Präsentation, Bildsprache, Audiovisuelle Medien, Bayreuther Festspiele, Illusionstheater, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung zwischen Richard Wagners musikdramatischem Schaffen und den Möglichkeiten des modernen Films.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Wahrnehmungspsychologie des Musiktheaters, der filmischen Struktur der Wagnerschen Dramaturgie und der technischen Entwicklung von Aufzeichnungs- und Projektionsmedien.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Wagner als Vordenker einer filmischen Erzählweise zu identifizieren und aufzuzeigen, wie sein Ideal des "Kunstwerks der Zukunft" erst durch moderne Medientechnologien vollkommen realisiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine hermeneutische Analyse von Wagners eigenen Schriften und Briefen in Verbindung mit Erkenntnissen aus Wahrnehmungspsychologie, Gehirnforschung und medienhistorischen Statistiken.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des Wagnerschen Gesamtkunstwerks, die Grenzen des Live-Theaters und überträgt diese Erkenntnisse auf filmtechnische Möglichkeiten wie 3D-Technik und digitale Bildkonstruktion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gesamtkunstwerk, Filmische Dramaturgie, Unendliche Melodie und audiovisuelle Wahrnehmung beschreiben.

Inwieweit lässt sich Wagners "Ring" heute noch bühnengerecht umsetzen?

Der Autor argumentiert, dass der "Ring" aufgrund seiner filmischen Struktur die Grenzen der traditionellen Bühne sprengt und für eine authentische Umsetzung neue mediale Ansätze benötigt.

Welche Rolle spielt die moderne Technik, insbesondere IMAX oder 3D, für die These des Autors?

Diese Techniken dienen als moderne Entsprechungen für Wagners Vision der "idealen Traumwelt", da sie die räumliche und visuelle Distanz zwischen Werk und Zuschauer aufheben können.

Excerpt out of 113 pages  - scroll top

Details

Title
Filmpreis für Richard Wagner - Eine zeitgemäße Betrachtung seines Theaters
College
Academy of Music and Arts Hamburg  (Studiengang Musiktheaterregie)
Grade
Mit Auszeichnung bestanden
Author
Diplom-Musiktheaterregisseur Eric Schulz (Author)
Publication Year
2005
Pages
113
Catalog Number
V68301
ISBN (eBook)
9783638594455
Language
German
Tags
Filmpreis Richard Wagner Eine Betrachtung Theaters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Musiktheaterregisseur Eric Schulz (Author), 2005, Filmpreis für Richard Wagner - Eine zeitgemäße Betrachtung seines Theaters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68301
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  113  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint