Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach den Formen der Darstellung gegnerischer Meinung in französischen Fernsehdiskussionsrunden. Die Frage lautet insbesondere, ob in den untersuchten kompetitiven Streitgesprächen Gemeinsamkeiten der Darstellung gegnerischer Meinung aufzufinden sind, und im Falle ihres Auffindens, inwieweit sie die Meinungen des Gegners, den Gegner selbst und die Öffentlichkeit anbetreffen. Eine theoretische Grundlage bildet hierbei Jacques Moeschlers Buch „Dire et contredire“, in dem insbesondere die Refutatio untersucht wird, die als polemische Negation entscheidend für Konversationen ist, in denen gegenerische Meinung dargestellt und widerlegt werden soll. Wichtig sind hierbei auch die von Moeschler aufgestellten „Bedrohungsgrade“, die als Bewertung des Erfolgs einer Refutatio benutzt werden. Die Arbeit analysiert die fünf face à face sprachlich genau und bewertet die sprachlichen Strukturen pragmatisch in Bezug auf die Quaestio. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass a) die Präsuppositionsrefutation die bevorzugte Art der Refutation der Diskutanten ist und b) bestimmte Isotopien offenbar von großer Wichtigkeit in der Darstellung gegnerischer Meinung sind und unabhängig vom Streitgegenstand und den Streitgegnern vorkommen können.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Stand der Forschung
- Quæstio
- Zu dem Korpus
- Analyse des Korpus
- Kompetitives Streitgespräch FF I
- Rationale Darstellungsweisen und ihre Isotopien
- Emotionale Darstellungsweisen und ihre Isotopien
- Aufnahme und Durchschauen der gegnerischen Meinung
- Weitere Streitgespräche (FF II-FF V)
- FF II
- Isotopien
- Aufgreifen der gegnerischen Meinung
- FF III
- Isotopien
- Aufgreifen der gegnerischen Meinung
- FF IV
- Isotopien
- Aufgreifen der gegnerischen Meinung
- FF V
- Isotopien
- Aufgreifen der gegnerischen Meinung
- Ergebnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Darstellung gegnerischer Meinung in Fernsehsendungen des französischen Fernsehsenders France 2. Ziel ist es, die Formen der Darstellung gegnerischer Meinung in fünf face à face zu analysieren und zu untersuchen, wie diese im Kontext eines kompetitiven Streitgesprächs eingesetzt werden.
- Die Rolle der Refutatio in der Darstellung gegnerischer Meinung
- Die Bedeutung des „Konstitutionsfaktors Trialogizität“ in öffentlichen Diskursen
- Die persuasive Funktion von Sprache in kompetitiven Streitgesprächen
- Die unterschiedlichen Strategien zur Darstellung und Widerlegung gegnerischer Meinungen
- Der Einfluss der Öffentlichkeit auf die Form und den Inhalt von Fernsehdiskussionen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Stand der Forschung zur Darstellung gegnerischer Meinung im Bereich der Medienanalyse vor und skizziert die Fragestellung der Arbeit. Das zweite Kapitel behandelt das verwendete Textkorpus, bestehend aus fünf „face à face“-Sendungen des französischen Fernsehsenders France 2.
Das dritte Kapitel analysiert die einzelnen Streitgespräche im Detail. Der Fokus liegt dabei auf der Darstellung rationaler und emotionaler Argumentationsweisen sowie auf der Art und Weise, wie die gegnerische Meinung aufgenommen und durchschaut wird.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Persuasion, Streitgespräch, Darstellung gegnerischer Meinung, Refutatio, Trialogizität, kompetitive Diskussion, Fernsehdiskussionen, Isotopien.
Häufig gestellte Fragen
Was wird in der Analyse der „face à face“-Sendungen untersucht?
Die Arbeit analysiert, wie gegnerische Meinungen in kompetitiven Streitgesprächen des Senders France 2 sprachlich dargestellt und widerlegt werden.
Welche Rolle spielt die „Refutatio“ in diesen Diskussionen?
Die Refutatio (Widerlegung) ist das zentrale Element, um die Meinung des Gegners als falsch oder unzureichend darzustellen und die eigene Position zu stärken.
Was ist eine Präsuppositionsrefutation?
Es ist eine Form der Widerlegung, bei der nicht die direkte Aussage, sondern die ihr zugrunde liegende Voraussetzung (Präsupposition) angegriffen wird.
Welche Bedeutung hat der Begriff „Trialogizität“?
Er beschreibt die Struktur öffentlicher Debatten, bei denen die Kontrahenten nicht nur miteinander sprechen, sondern ihre Argumente primär auf das Publikum (den Dritten) ausrichten.
Wie werden rationale und emotionale Darstellungsweisen unterschieden?
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Isotopien, die entweder auf logische Beweisführung (rational) oder auf die Erzeugung von Gefühlen und Affekten (emotional) abzielen.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung der fünf Streitgespräche?
Die Studie zeigt, dass bestimmte sprachliche Strukturen und Isotopien unabhängig vom Thema der Diskussion immer wiederkehren, um den Gegner zu diskreditieren.
- Citar trabajo
- Jens Olschewski (Autor), 2005, Persuasion und Streitgespräch. Formen der Darstellung gegnerischer Meinung in fünf "face à face" des französischen Fernsehsenders France 2, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68339