Charlotte Bronté - Jane Eyre


Seminararbeit, 2004
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Die Waise von Lowood

1. Grundlagen der Filmanalyse

2. Die Auseinandersetzung mit Mrs. Reed
2.1. „You are bad, hard-hearted“

3. Die erste Begegnung mit Rochester
3.1. Rochesters Auftritt im Roman
3.2. Rochesters Ankunft im Film

4. Der Heiratsantrag
4.1. „Jane, will you marry me?“
4.2. „Say: ‘Edward I’ll marry you.’”

5. Fazit

6. Bibliographie

0. Die Waise von Lowood

Der Film „Die Waise von Lowood“, wie der deutsche Titel der Romanverfilmung lautete, wurde 1944 unter der Regie von Robert Stevenson gedreht. Dieser Regisseur drehte viele Hollywood-Kassenschlager, unter anderem auch die Disney-Produktion „Mary Poppins“.

Auch die Darsteller waren anerkannte Hollywood-Größen, allen voran Orson Welles als Mr. Rochester, eine Art Wunderkind des damaligen Films, denn er war nicht nur als Schauspieler tätig, sondern führte auch bei anderen Filmen Regie. Aber noch andere große Namen gilt es zu nennen, so zum Beispiel Elizabeth Taylor in der Rolle der Helen, Peggy Ann Garner als junge Jane Eyre und Joan Fontaine als erwachsene.

Die Produktionsfirma 20th Century Fox sorgte dafür, dass der Film zum ersten Mal im Juli 1947 in die Kinos kam. Wie bei allen Filmen dieser Produktionsfirma war der Film eine gemeinsame Arbeit von Regisseur, Schauspielern und Produzenten und weniger das Produkt eines Einzelnen. Auch Aldous Huxley als Drehbuchautor war an diesem Film beteiligt.[1]

Die Romanvorlage wurde mehrere Male verfilmt, unter anderem 1913, 1915, 1921, 1996 und noch sechs weitere Male, doch in diversen Kritiken, so zum Beispiel in der New York Times, gilt diese Verfilmung von 1944 als eine der besten.[2] Doch warum ist dem so? Ist Charlotte Brontёs Meisterwerk Jane Eyre wirklich so gut getroffen? Vor allem die Hauptfigur Jane Eyre ist hierbei von Interesse. Im Roman ist sie eine außerordentlich rebellische Person für die damalige Zeit. Wie also wurde dies im Film umgesetzt? Aber auch die Figur des Edward Rochester wird nicht unbeachtet bleiben, denn Janes Darstellung ist oft von ihm als zweite Hauptfigur abhängig.

Um Jane Eyre also unter dem gender-Aspekt inhaltlich zu analysieren sind wichtige Schlüsselszenen ausgewählt worden, anhand derer die Darstellungsweise im Roman und in der Verfilmung gezeigt werden soll.

Die erste dieser Szenen ist relativ am Anfang, als Jane Gateshead Hall verlässt. Die zweite Szene ist ihre erste Begegnung mit Rochester auf ihrem Spaziergang und die dritte Szene ist der Heiratsantrag Rochesters an Jane Eyre.

Im Folgenden soll immer zuerst die Buch- und dann die Filmszene untersucht werden.

1. Grundlagen der Filmanalyse

Das Erzählen an sich besteht im Film nicht nur aus Sprache, sondern natürlich auch aus Bildern, Gesten etc. Damit wird die Handlung in audiovisuellen Medien immer von allen Ausdrucksformen getragen. Für eine Erzählung ist die Handlungsabfolge, das Nacheinander entscheidend, für einen Film ist vor allem die Reihenfolge, also das Nebeneinander der Bilder entscheidend.[3]

Die Filmhandlung ist eine Art dramatisches Geschehen. Es treten Figuren auf, die eine gewisse Handlung, meist mit einem Konflikt und dessen Lösung, tragen. Diese Dramaturgie wird in Szenen eingeteilt, wobei eine Szene für gewöhnlich dann durch eine neue abgelöst wird, wenn sich der Ort der Handlung verändert. Denn man geht davon aus, dass zwischen einem Auftritt von den selben oder auch anderen Figuren an verschiedenen Orten auch eine gewisse Zeit verstrichen sein muss. Damit ist klar, dass Handlung im Film eine Aneinanderreihung von Ausschnitten ist. Es muss dazu das Geschehen komprimiert werden, sodass nur noch wesentliche Ereignisse gezeigt werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Zuschauer davon ausgeht, dass er auch nur wirklich wichtige Momente des Geschehens gezeigt bekommt.[4]

Die Dramaturgie der geschlossenen Form ist die eher traditionelle Art. Sie versucht beim Zuschauer Emotionen zu wecken.

Dazu werden häufig sehr symmetrische Handlungs- und Figurenkonstellationen verwendet, das heißt, dass oft Parallelen zwischen Szenen gezogen werden können und dass entscheidende Bilder wiederholt werden. Vor allem die Dramaturgien der Hollywood-Filme in den dreißiger bis fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts richten sich nach diesem Schema.[5]

Wenn man Figuren charakterisieren möchte, so muss man verschiedene Ansätze wahrnehmen, denn Figuren charakterisieren sich zum einen selbst, direkt oder indirekt durch ihr Handeln, aber sie werden auch von anderen charakterisiert. Im Film kommt aber noch die filmästhetische Charakterisierung hinzu, das heißt, dass auch Musik und Kameraperspektive eine Bedeutung haben können.[6] Gerade high angle, low angle und eye-level angle zeigen oft sehr deutlich, in welchem Verhältnis Figuren zueinander stehen, wer dabei über den anderen dominiert, oder auch, ob beide gleichwertig sind. Hintergrundmusik eignet sich hervorragend, um damit Charakterzüge von Personen zu unterstreichen.

2. Die Auseinandersetzung mit Mrs. Reed

Romanvorlage und Verfilmung zeigen an unterschiedlichen Stellen, wie Jane Eyre gegenüber ihrer Tante, Mrs. Reed, ihre Meinung vertritt. Buch und Film benutzen aber fast den selben Wortlaut, als Jane ihrer Tante zum ersten Mal richtig sagt, was sie von ihr hält.

2.1. „You are bad, hard-hearted“

Nachdem Brocklehurst gegangen ist und klar ist, dass Jane in absehbarer Zeit nach Lowood geschickt werden wird, kann sie sich gegenüber ihrer Tante nicht länger beherrschen. Diese hat Brocklehurst gesagt, er möge sie genau im Auge behalten und auch die Lehrerinnen in Lowood vor Jane warnen, denn sie sei eine Lügnerin und würde nur Ärger machen.[7][8]

Janes angestauter Frust über die ungerechte Behandlung, die sie durch ihre Tante erfahren muss, bricht aus ihr heraus:

„I am not deceitful: if I were, I should say I loved you; but I declare I do not love you: I dislike you the worst of anybody in the world except John Reed (...)

I will never call you aunt again as long as I live. I will never come to see you when I am grown up; and if any one asks me how I liked you, and how you treated me, I will say the very thought of you makes me sick, and that you treated me with miserable cruelty.[9]

You are bad, hard-hearted.”[10]

In diesen Zitaten wird deutlich, dass Jane Eyre ihre Tante wirklich verachtet. Sie möchte ihr bei dieser letzten Gelegenheit sagen, was sie von ihr hält und sich damit eine Last von der Seele reden. Nicht sie ist hinterlistig, wie ihr vorgeworfen wird, sondern ihre Tante, denn diese hasst Jane und zieht ihr ihre eigenen Kindern stets vor. Und das, obwohl sie ihrem verstorbenen Mann, Janes Onkel, der sie einst bei sich nach dem Tod ihrer Eltern aufnahm, versprochen hatte, immer für Jane zu sorgen und sie wie eines ihrer leiblichen Kinder zu behandeln.

[...]


[1] Vgl. http://movies2.nytimes.com/gst/movies/movie.html, 22.2.04

[2] Vgl. ebd.

[3] Hickethier, Knut. Film- und Fernsehanalyse. Weimar: Metzler, 1993, S. 109-111

[4] Vgl. ebd., S. 119

[5] Vgl. ebd., S. 120

[6] Vgl. Faulstich, Werner. Einführung in die Filmanalyse. Tübingen: Gunter Narr Verlag, 1994, S. 141

[7] Brontё, Charlotte. Jane Eyre. London: Penguin Books, 1994. (Erstveröffentlichung 1847), S. 39, künftig: J. E.

[8] Vgl. J. E., S. 35

[9] J. E., S. 38

[10] J. E., S. 39

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Charlotte Bronté - Jane Eyre
Hochschule
Universität Augsburg  (Phil.-Hist. Fak.: Englische Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Gender Studies and Contemporary Fiction
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V68346
ISBN (eBook)
9783638609647
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Charlotte, Bronté, Jane, Eyre, Proseminar, Gender, Studies, Contemporary, Fiction
Arbeit zitieren
Stephanie Rabis (Autor), 2004, Charlotte Bronté - Jane Eyre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68346

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