Die Entstehung von Unternehmensnetzwerken - Erklärungsansätze aus der Neuen Institutionenökonomie


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Theoriegebäude der Neuen Institutionenökonomie
2.1 Transaktionskostentheorie
2.2 Principal-Agent-Theorie
2.3 Property-Rights-Theorie

3 Unternehmensnetzwerke
3.1 Begriff des Unternehmensnetzwerkes
3.2 Arten von Unternehmensnetzwerken

4 Gründe für die Entstehung von Unternehmensnetzwerken
4.1 Mittlere Spezifität der Aufgabe
4.2 Hohe Unsicherheit der Umwelt
4.3 Synergieeffekte durch wiederholte Transaktionen
4.4 Änderung der Transaktionsatmosphäre

5 Zusammenfassung und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

In Zeiten der Globalisierung und eines wachsenden Wettbewerbdrucks haben sich die Umweltbedingungen international tätiger Unternehmen in den letzten Jahren dramatisch verändert. Im Spannungsfeld von steigenden Produktentwicklungskosten und einer Verkürzung der Produktlebenszyklen können insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen, aber zum Teil auch große multinationale Konzerne nur noch erfolgreich sein, wenn sie ihre Strukturen immer effizienter, flexibler und dynamischer gestalten.

Eine innovative Antwort auf diese neuen Herausforderungen bietet die Organisations­struktur des interorganisatorischen Netzwerkes.

Ziel des folgenden Beitrages ist es nun, die Entstehung eines solchen Unternehmens­netzwerkes auf Grundlage neoinstitutionalistischer Erklärungsansätze zu begründen.

1.2 Gang der Untersuchung

Um ein grobes Verständnis für das Thema zu erlangen, wird zunächst die theoretische Basis der Neuen Institutionenökonomie erläutert. Hier liegt der Schwerpunkt auf den drei gängigsten Theorieansätzen. Im darauf folgenden Kapitel wird auf das Unternehmensnetzwerk eingegangen. Im Rahmen der definitorischen Grundlagen werden vier spezielle Netzwerkarten herausgearbeitet. Die Differenzierung in strategische, virtuelle, regionale und Projektnetzwerke erscheint am sinnvollsten, weil dies die meist verbreiteten Netzwerkformen sind.

In Kapitel drei wird schließlich anhand des Theoriegebäudes der Neuen Institutionenökonomie die Entstehung von Unternehmensnetzwerken begründet und deren Vorteile gegenüber anderen Organisationsformen erläutert. Da es eine Unmenge von Einflussfaktoren gibt, wird hier primär auf den am häufigsten untersuchten Faktor der Kosten Bezug genommen. Dabei wird auch näher auf spezielle Netzwerkarten eingegangen, wobei regionale und Projektnetzwerke hier nicht berücksichtigt werden, weil sie meistens selbst nur ein Teil von strategischen oder virtuellen Netzwerken bilden.

Im letzten Kapitel werden die Ereignisse zusammengefasst. Das Aufzeigen von positiven Aspekten sowie Schwachstellen der drei noeinstitutionalistischen Erklärungsansätze runden diese Arbeit ab.

2 Theoriegebäude der Neuen Institutionenökonomie

Im Gegensatz zur Neoklassik steht bei der Neuen Institutionenökonomie die Analyse von Institutionen, innerhalb derer ökonomische Aktivitäten koordiniert werden, im Mittelpunkt. Institutionen werden hier nicht als Datum hingenommen, sondern es wird versucht, deren Struktur, Auswirkungen auf menschliches Verhalten und insbesondere deren Effizienz zu erklären.[1] Allen Erklärungsansätzen liegen die Annahmen zum menschlichen Verhalten zu Grunde, dass das Handeln der Akteure von persönlicher Nutzenmaximierung, begrenzter Rationalität, Risikoneutralität und Opportunismus bestimmt wird.[2] Im folgenden werden die drei gängigsten neoinstitutionalistischen Erklärungsansätze zur Gestaltung und Vorteilhaftigkeit von alternativen Organisationsformen kurz dargestellt.

2.1 Transaktionskostentheorie

Die Transaktionskostentheorie versucht zu erklären, warum bestimmte Transaktionen in bestimmten institutionellen Arrangements (vgl. Kap. 2.2) am effizientesten organisiert und abgewickelt werden.[3] Einheit der Analyse ist die Transaktion.[4] Transaktionen sind die expliziten und impliziten Vertragsverhandlungen zwischen mindestens zwei Akteuren für die Übertragung von Verfügungsrechten an Gütern und Dienstleistungen.[5] Aufgrund der Verhaltensannahmen der begrenzten Rationalität und des Opportunismus werden zum einen die Möglichkeit perfekter Verträge aus- und zum anderen arglistige Täuschung zum eigenen Vorteil eingeschlossen.

Dadurch entstehen den Akteuren - neben gleichen Produktionskosten – Transaktions­kosten und zwar vor und nach Vertragsabschluss.[6] Deshalb spricht man auch von ex ante- und ex post-Transaktionskosten. Sie beinhalten u.a. Anbahnungs-, Vereinbarungs-, Kontroll- und Anpassungskosten. Die Höhe der Transaktionskosten wird vor dem Hintergrund der Verhaltensannahmen von vier Faktoren, der Faktorspezifität, der Transaktionsunsicherheit, der Transaktionshäufigkeit und der Transaktionsatmosphäre beeinflusst (vgl. Kap. 3). Nach der Transaktionskostentheorie ist also die die effizienteste Organisationsform, bei der die Kosten für eine bestimmte Transaktion am geringsten sind.[7]

2.2 Principal-Agent-Theorie

Während die Transaktionskostentheorie Leistungsbeziehungen zwischen ökonomischen Akteuren untersucht, beschäftigt sich die Principal-Agent-Theorie mit vertraglichen Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen, der sogenannten Principal-Agent-Beziehung.[8] Der Principal überträgt dem Agenten Entscheidungskompetenzen, um Arbeitsteilungs- und Spezialisierungsvorteile zu generieren. Da in der Neuen Institutionenökonomie eine vollständige Informationsbeschaffung und -bearbeitung unmöglich ist und somit Verträge ex ante nicht genau spezifizierbar sind, entsteht eine Informationsasymmetrie zu Gunsten des Agenten. Er nutzt diese zum eigenen Vorteil und zum Schaden des Principals aus. Dadurch entstehen Agency-Kosten.[9] Diese beinhalten Überwachungskosten zur Kontrolle des Agenten, Signalisierungskosten, die dem Agenten entstehen, um seinen Informationsvorsprung zu verringern und bestehende Wohlfahrtsverluste, wie die dem Principalen entgangenen Gewinne. Entsprechend der zugrunde liegenden Informationsasymmetrie leitet die Principal-Agent-Theorie nun geeignete Vertragsformen ab, um Agency-Kosten zu minimieren.

2.3 Property-Rights-Theorie

Im Zentrum der Property-Rights-Theorie stehen die bei einer Transaktion übertragenen Verfügungsrechte.[10] Es sollen die Auswirkungen von Property-Rights-Verteilungen auf das Verhalten ökonomischer Akteure untersucht werden. Verfügungsrechte legen fest, in welchem Umfang der Inhaber über ein Gut verfügen kann, an dem er die Rechte hat. Das Bündel von Rechten an einem bestimmten Gut wird in vier Einzelrechte unterteilt: Die Rechte, ein Gut zu benutzen (usus), zu verändern (abusus), zu veräußern und sich die aus ihm entstandenen Gewinne bzw. Verluste anzueignen (usus fructus). Property Rights können so auf ein Individuum oder auf mehrere Individuen verteilt werden. Ziel des Theorieansatzes ist nun die Property-Rights-Verteilung mit dem höchsten Nettonutzen auszuwählen. Kriterien sind die (ex ante-)Transaktionskosten, die bei Erwerb, Übertragung und Durchsetzung von Verfügungsrechten anfallen, und externe Effekte. Externe Effekte „umfassen alle positiven und negativen Nutzenveränderungen, die ein Individuum durch sein Handeln bei anderen auslöst, und führen zu Wohlfahrtsverlusten.“[11] Diese Wohlfahrtsverluste und die Transaktionskosten sind für eine effiziente Property-Rights-Verteilung zu minimieren. Da die Property-Rights-Verteilungen sowohl mit Transaktionskosten als auch indirekt mit der vertraglichen Regelung der Transaktion zusammenhängen, kann man sagen, dass diese Theorie nicht selbständig, sondern nur mit der Transaktionskostentheorie oder der Principle-Agent-Theorie betrachtet werden kann.

[...]


[1] Vgl. Padberg (2000), S. 23-25; Kreikebaum / Gilbert / Reinhardt (1998), S.19

[2] Vgl. Wolff / Neuburger (1995), S.76-77; Ebers / Gotsch (1995), S.210

[3] Vgl. Padberg (2000), S. 37 f.

[4] Vgl. Sydow (1992), S. 130

[5] Vgl. Kreikebaum / Gilbert / Reinhardt (1998), S. 23-25; Picot / Dietl / Franck (1997) S. 66

[6] Vgl. Sydow (1992), S.130 f.

[7] Vgl. Ebers / Gotsch (1995), S. 209

[8] Vgl. Ebers / Gotsch (1995), S. 195

[9] Vgl. Picot / Dietl / Franck (1997), S. 83; Kreikebaum / Gilbert / Reinhardt (1998), S. 27 f.

[10] Vgl. Padberg (2000), S. 29-33

[11] Kreikebaum / Gilbert / Reinhardt (1998), S. 30

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung von Unternehmensnetzwerken - Erklärungsansätze aus der Neuen Institutionenökonomie
Hochschule
European Business School - Internationale Universität Schloß Reichartshausen Oestrich-Winkel
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V68434
ISBN (eBook)
9783638610179
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Unternehmensnetzwerken, Erklärungsansätze, Neuen, Institutionenökonomie
Arbeit zitieren
Jan Heusgen (Autor), 2005, Die Entstehung von Unternehmensnetzwerken - Erklärungsansätze aus der Neuen Institutionenökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68434

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