Kinder werden durch Medien mit dem Thema Gewalt konfrontiert. Ängste und Gewalt sind ihnen auch in ihrem Alltag präsent, zunehmend auch in der Schule, sei es auf dem Pausenhof oder auf dem Nachhauseweg. "Schule" als Thema in der Kinder- und Jugendliteratur ist nicht mehr nur ein Ort der Nebenhandlung oder einer einzelnen Szene, sondern ist sie Ort der direkten Handlung. Gewalt in der Schule ist heute ein aktuelles Thema, nicht nur in bestimmten Kreisen, sondern in dem direkten Umfeld eines jeden Schülers. Auch Kinder und Jugendliche werden heute immer öfter im Alltag mit Gewaltsituationen - ob aktiv oder passiv - konfrontiert. So bleibt auch die Schule als Ort von Gewalt- und Machtausübung nicht verschont. Dadurch erhält die Beschäftigung mit diesem Thema in Kinder-und Jugendbüchern besondere Bedeutung: Sie kann u.a. präventiv wirken, darstellen oder abschrecken.Literatur zu diesem Thema hat sich in den meisten Fällen zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche für diese Probleme zu sensibilisieren. Sie dient somit als Mittel zum sozialen Lernen, wobei sie gleichzeitig eine sozialkritische wie auch aufklärende Funktion besitzt.
Dieser Text setzt sich mit dem Thema Schule und Gewalt in der Kinder- und Jugendliteratur auseinander, behandelt exemplarisch die Jugendlektüre "Nicht Chicago. Nicht hier." von Kirsten Boie. Die Autorin Kirsten Boie erzählt in der Geschichte „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Gewalt unter Jugendlichen, von der immer wieder behauptet wird, so etwas gäbe es doch nur in Chicago, nicht aber hier.
Neben einer einleitenden Darstellung über die Entwicklung von Kinder- und Jugendliteratur sowie der Relevanz des Themas Schule und Gewalt in der Literatur, wird die Jugendlektüre hinsichtlich ihres Themeschwerpunktes analysiert. Ebenfalls werden didaktische Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht sowie Lernziele und Intentionen formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kinder- und Jugendliteratur
2.1 Kinderliteratur
2.2 Jugendliteratur
2.3 Kinder- und Jugendliteratur und der Schule
3. Das Thema „Gewalt“ in Jugendlektüren
3.1 Analyse einer Jugendlektüre
3.1.1 Inhalt
3.1.2 Analyse in Bezug auf das Thema Gewalt
4. Unterrichtsvorschläge zu der Lektüre „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie
4.1 Lernziele und Intentionen
5. Schluss
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Darstellung von Gewalt in der Kinder- und Jugendliteratur. Ziel ist es, am Beispiel der Lektüre „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie aufzuzeigen, wie aktuelle, realistische Konflikte im Schulalltag literarisch verarbeitet werden und welche didaktischen Möglichkeiten sich für den Unterricht ergeben, um Schüler für das Thema Gewalt zu sensibilisieren und Lösungsstrategien zu entwickeln.
- Die Rolle der Kinder- und Jugendliteratur bei der Bewältigung realistischer Alltagsprobleme.
- Analyse der Gewaltstrukturen und Opfer-Täter-Dynamiken in Kirsten Boies Jugendlektüre.
- Die Bedeutung von Schule als Ort der (Gewalt-)Erfahrung und notwendiger Handlungsraum.
- Methodische Unterrichtsvorschläge zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt (z.B. Rollenspiele, Charakteranalysen).
- Förderung von sozialer Kompetenz und Identitätsbildung durch den Einsatz von Problemorientierter Literatur.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Analyse in Bezug auf das Thema Gewalt
Der oben aufgeführte Epilog der Handlung gibt dem Leser von Anfang an ein Bild von einer scheinbar hoffnungslosen Lage des Opfers, spiegelt dessen Verzweiflung und Hilflosigkeit wieder.
Niklas, das Opfer der Gewalthandlungen wird von Karl, der neu in die Klasse kommt, schikaniert und terrorisiert, scheinbar ohne einen Grund. Zumindest lässt die Handlung den Leser keinerlei Rückschluss auf eventuelle Motive des Täters ziehen.
Die Autorin Kirsten Boie bietet dem Leser keine Erklärungen zu den Motiven. Meist kommen Täter von Gewalthandlungen in der Schule aus einem schlechten sozialen Umfeld, einem schlechten Elternhaus. Nicht selten begegnen die Täter in ihrem Elternhaus täglicher Gewalt.
Anders jedoch in dieser Geschichte. Es wird zwar nicht explizit auf Karls Familie und sein zu Hause hingewiesen, doch scheint die Mutter nachmittags zu Hause zu sein, zu Mittag zu kochen. Sowohl Mutter als auch Vater des Täters können sich Gewalt ausgehend von ihrem Kind nicht im Geringsten vorstellen, denn er habe keine Motive, nie schlecht über Niklas gesprochen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Schule als Lebensraum in der Kinder- und Jugendliteratur und thematisiert Gewalt als aktuelles, schulisches Alltagsproblem.
2. Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel definiert die Gattungen und untersucht die zunehmende Bedeutung problemorientierter Themen in der Jugendliteratur sowie die spezielle Rolle der Schule als literarischer Handlungsort.
3. Das Thema „Gewalt“ in Jugendlektüren: Es wird analysiert, wie moderne Jugendliteratur als Mittel zum sozialen Lernen dient, gefolgt von einer detaillierten inhaltlichen und gewaltspezifischen Untersuchung der Lektüre von Kirsten Boie.
4. Unterrichtsvorschläge zu der Lektüre „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie: Hier werden didaktische Strategien wie Rollenspiele und Textanalysen vorgestellt, um Schülern den Umgang mit Gewaltprävention und den Inhalten des Buches zu ermöglichen.
5. Schluss: Der Schluss reflektiert den Einsatz der Lektüre im Unterricht, insbesondere für die Klassenstufen sieben und acht, und betont die Bedeutung realistischer Erzählungen für die Lebenswelt der Jugendlichen.
6. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Sekundär- und Primärquellen.
Schlüsselwörter
Kinderliteratur, Jugendliteratur, Schule, Gewalt, Mobbing, Kirsten Boie, Nicht Chicago. Nicht hier., Problemorientierte Literatur, Sozialisation, Pädagogik, Deutschunterricht, Schulerfahrung, Opfer-Täter-Dynamik, Gewaltprävention, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt an Schulen am Beispiel der Jugendlektüre „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur, der spezifischen Analyse von Gewalt unter Gleichaltrigen und der didaktischen Umsetzung im Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie Jugendliteratur zur Sensibilisierung für Gewaltproblematiken beitragen kann und welche Ansätze existieren, um dieses Thema pädagogisch im Unterricht zu bearbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es erfolgt eine fachliche Literaturanalyse sowie die Erarbeitung und Reflexion von didaktischen Unterrichtsvorschlägen auf Basis literaturwissenschaftlicher und pädagogischer Grundlagen.
Was wird im Hauptteil des Dokuments detailliert betrachtet?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Literaturgattung, eine detaillierte Inhalts- und Gewaltanalyse des gewählten Werkes sowie praxisnahe Unterrichtsszenarien.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinder- und Jugendliteratur, Gewalt, Schule, Mobbing, Didaktik, Sozialisation und Identitätsbildung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Lehrerin in der Lektüre?
Die Autorin kritisiert, dass die Lehrerin in der Geschichte Niklas' Sorgen nicht ernst nimmt und lediglich, statt konstruktiver Hilfe, einen Schulwechsel vorschlägt, was als unangemessen beurteilt wird.
Warum wird die Lektüre als schwer zu lesen eingestuft?
Die Lektüre nutzt zwei verschiedene Zeitebenen, was insbesondere für leseschwächere Schüler eine Herausforderung darstellen kann.
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- Kim-Christin Janßen (Author), 2006, Schule und Gewalt in 'Nicht Chicago. Nicht hier.' von Kirsten Boie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68437