Die internationale Luftverkehrsbranche blickt auf ihre stürmischste Phase seit dem 2. Weltkrieg zurück. Konflikte bzw. Kriege im Nahen Osten, Terroranschläge, der Ausbruch der Lungenkrankheit SARS, gepaart mit der lang anhaltenden Schwächephase der Weltkonjunktur brachten die Branche in den vergangenen Jahren in starke Turbulenzen.
Aber auch neue Geschäftsmodelle, wie beispielsweise das der Low-Cost-Carrier veränderten den Luftverkehrsmarkt, der sich trotz einer partiellen Angleichung der einzelnen Geschäftsmodelle zunehmend polarisiert. Zum einen hat das untere Marktsegment des Luftverkehrs in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum erfahren. Zum anderen wächst aber auch die Nachfrage nach Luftverkehrsprodukten des gehobenen Segments.
Auch die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft verändert das Reiseverhalten der Geschäftsreisenden und treibt diese in Regionen, die mit Linienflügen schwer erreichbar sind. Business Charter-Services befriedigen genau diesen Bedarf des oberen Marktsegments an nahtlosem Reisen, Optimierung der Reisezeit, Flexibilität und Exklusivität und machen das Reisen im Business Jet zu einem weltweit wachsenden Geschäft.
Jüngste Entwicklungen, wie die Erweiterung des Produktportfolios klassischer Netzwerk-Carrier im Premium-Bereich, lassen erahnen, dass das Potential dieses Marktsegments bei Weitem noch nicht erschöpft ist. Der Erfolg von Lufthansa Private Jet, die stetig wachsende Zahl der weltweiten Business Jet–Flotte sowie steigende Umsatzzahlen der Anbieter scheinen dies zu bestätigen.
Die vorliegende Arbeit analysiert den Markt der Business Charter–Services sowohl aus Anbieter- als auch aus Nachfragersicht und beschäftigt sich mit der Frage, ob dieses neue und wachsende Segment bestehende Strukturen des Luftverkehrsmarktes beeinträchtigen bzw. ob dieser Bereich sich künftig zu einer ernsthaften Konkurrenz zu den übrigen, etablierten Marktsegmenten entwickeln könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Terminologische und sachliche Grundlagen des Luftverkehrs
2.1 Zum Begriff Luftverkehrswirtschaft
2.2 Erscheinungsformen des Luftverkehrs
2.2.1 Abgrenzung der Begriffe Linienverkehr und Gelegenheitsverkehr
2.2.1.1 Linienverkehr
2.2.1.2 Gelegenheitsverkehr
2.2.2 Passage - Carrier
2.2.3 Regionalfluggesellschaften
2.2.4 Charterfluggesellschaften
2.2.5 Low Cost Carrier
2.3 Verkehrspolitische Rahmenbedingungen
2.4 Spezifische Charakteristika der Luftverkehrsprodukte
2.4.1 Eigenschaften des Produktes
2.4.2 Besonderheiten der Nachfrage
2.4.3 Kostenstruktur von Fluggesellschaften
2.5 Der Luftverkehrsmarkt
2.5.1 Die aktuelle und künftige Marktsituation
2.5.2 Schwierigkeiten des Luftverkehrsgeschäfts
2.5.3 Polarisierung des Marktes – Qualität vs. Preis
3 Der Business Charter – Markt
3.1 Begriffsfassungen sowie Einordnung in den Luftverkehrsmarkt
3.1.1 Begriffserklärungen
3.1.2 Klassifizierung von Business Jets
3.2 Geographische Marktstrukturen
3.2.1 Europa
3.2.2 Nordamerika
3.2.3 Asien/Pazifik
3.3 Business Jet – Hersteller
3.4 Betreiberformen und Nutzungskonzepte
3.4.1 Full Ownership
3.4.2 Fractional Ownership
3.4.3 Private Jet Membership/ Jet Cards
3.4.4 Business-Charter
3.4.5 Joint Ownership
3.4.6 Management Company
3.4.7 Time Share
3.5 Kooperationen der Business Charter – Anbieter
3.5.1 Kooperationen mit Netzwerkcarriern
3.5.2 Vertriebskooperationen
4 Nachfragespezifische Betrachtung des Marktes für Business Charter
4.1 Abgrenzung und Charakterisierung der Nachfrager
4.2 Besonderheiten des Geschäftsreiseverkehrs
4.2.1 Der Geschäftsreisemarkt
4.2.2 Reiseverhalten Geschäftsreisender
4.2.3 Anforderungen Geschäftsreisender an das Produkt Flugreise
4.3 Historische und gegenwärtige Marktsituation
4.4 Gründe für die Nutzung von Business Jets
4.5 Business Charter vs. Business Class
4.5.1 SWOT – Analyse
4.5.1.1 Business Charter
4.5.1.2 Business Class
4.5.2 Beispielhafter Vergleich einer Geschäftsreise unter Berücksichtigung der Komponenten Preis, Zeit und Qualität
5 Anbieterseitige Marktanalyse und Potentiale für Business Charter - Anbieter
5.1 Analyse der Branchenstruktur
5.1.1 Konkurrenz unter den bestehenden Unternehmen
5.1.2 Konkurrenz durch neue Anbieter
5.1.3 Mögliche Risiken und Beeinträchtigungen der Anbieter durch Lieferanten
5.1.4 Entscheidungskriterien und Einfluss der Zielgruppe
5.1.5 Bedrohung durch Ersatzprodukte bzw. –dienste
5.2 Konzentrationsgrad der Business Charter – Anbieter
5.2.1 Bedingungen für das Vorliegen eines konzentrierten Marktes
5.2.2 Methode zur Messung der Konzentration
5.2.3 Bestimmung des Konzentrationsgrads der weltweit führenden Business Charter – Anbieter
5.2.4 Bestimmung des Konzentrationsgrads der größten Business Charter – Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz
5.3 Lebenszyklusanalyse des Geschäftsmodells
5.3.1 Grundmodell des Produktlebenszyklus
5.3.2 Anwendung des Modells auf den Business Charter – Markt
5.4 Betrachtung ausgewählter Business Charter – Anbieter
5.4.1 Cirrus Aviation Luftfahrtgesellschaft mbH
5.4.1.1 Kurzportrait des Unternehmens und Einordnung der Cirrus Aviation in die Cirrus Gruppe
5.4.1.2 Überblick über das Business Charter – Unternehmen und sein Produkt
5.4.1.3 Ausblick
5.4.2 Lufthansa Private Jet in Kooperation mit NetJets
5.4.2.1 Überblick über das Business Charter – Produkt und Einordnung in den Lufthansa – Konzern
5.4.2.2 Ausblick
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit analysiert den Markt für „Business Charter Services“ umfassend sowohl aus der Perspektive der Anbieter als auch der Nachfrager. Im Zentrum steht die Untersuchung, ob dieses wachsende Marktsegment bestehende Strukturen des Luftverkehrsmarktes signifikant beeinträchtigt oder sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für etablierte Geschäftsreise-Segmente entwickelt.
- Grundlagen des Luftverkehrs und Abgrenzung verschiedener Geschäftsmodelle.
- Strukturanalyse des globalen und europäischen Business-Charter-Marktes.
- Analyse der Bedürfnisse und des Reiseverhaltens von Geschäftsreisenden.
- Vergleichende SWOT-Analyse zwischen Business Charter und klassischer Business Class.
- Untersuchung der Branchenstruktur, Konzentrationsgrade und Lebenszyklusmodelle von Business-Charter-Anbietern.
Auszug aus dem Buch
4.5.1.1 Business Charter
Stärken:
• Zeitersparnis (Verkürzung der Reisezeit) und Bequemlichkeit:
- Kein Umsteigen bzw. minimale Umsteigezeiten
- Kurze Bodentransfers (teilweise auch Limousinen-Service bis zum Jet)
- Nahtloses Reisen: Schnelle Abfertigung durch eigene Sicherheits- und Passkontrollen sowie durch eigenen Check-In, häufig auch eigene Terminals
- Direkte Erreichbarkeit, auch von entlegenen Zielen, abseits der großen Airports (Business Jets können in Europa auf ca. 2.000 Flugplätzen landen)
- Flugzeuge mit großer Reichweite und hoher Geschwindigkeit (Cessna Citation X zur Zeit das schnellste Passagierflugzeug)
- Durch bessere Anschlüsse und eine Verkürzung der Reisezeit können Übernachtungskosten eingespart werden
• Pünktlichkeit (meist nicht betroffen von Verspätungen, verursacht durch überfüllte Lufträume in Hubnähe)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die volatile Situation der Luftverkehrsbranche und führt in die Relevanz des wachsenden Business-Charter-Segments ein.
2 Terminologische und sachliche Grundlagen des Luftverkehrs: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Luftverkehrswirtschaft und erläutert die verschiedenen Erscheinungsformen sowie ökonomischen Rahmenbedingungen und Kostenstrukturen von Fluggesellschaften.
3 Der Business Charter – Markt: Es werden die Begriffsdefinitionen, geografische Marktstrukturen, Hersteller von Business Jets sowie die verschiedenen Betreiberformen und Kooperationsmodelle detailliert analysiert.
4 Nachfragespezifische Betrachtung des Marktes für Business Charter: Dieses Kapitel fokussiert auf die Nachfrager, deren Anforderungen an Geschäftsreisen und vergleicht das Business-Charter-Modell mittels SWOT-Analyse direkt mit der klassischen Business Class.
5 Anbieterseitige Marktanalyse und Potentiale für Business Charter - Anbieter: Eine tiefgehende Branchenstrukturanalyse, Konzentrationsmessung mittels Lorenzkurven sowie die Untersuchung des Lebenszyklus des Geschäftsmodells bilden das Herzstück der anbieterseitigen Betrachtung.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Business Charter zwar ein Nischenprodukt bleiben, jedoch durch Flexibilität und Zeitersparnis bei bestimmten Zielgruppen eine starke Alternative zu traditionellen Linienangeboten darstellen.
Schlüsselwörter
Luftverkehrswirtschaft, Business Charter, Business Jet, Geschäftsreiseverkehr, Linienverkehr, Gelegenheitsverkehr, Fractional Ownership, NetJets, Lufthansa Private Jet, Cirrus Aviation, Marktanalyse, SWOT-Analyse, Produktlebenszyklus, Branchenstruktur, Luftverkehrsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit untersucht den Markt für Business-Charter-Dienstleistungen und deren Rolle im Luftverkehrsmarkt als Alternative zur klassischen Business Class für Geschäftsreisende.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Grundlagen des Luftverkehrs, die Struktur des Business-Jet-Marktes, das Reiseverhalten von Geschäftsreisenden sowie Strategien und Kooperationsmodelle von Charter-Anbietern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob das Segment der Business Charter bestehende Marktstrukturen signifikant beeinflusst und wie groß das Potenzial als Wettbewerber zu etablierten Flugsegmenten ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden eine Branchenstrukturanalyse nach Porter, eine SWOT-Analyse, die Messung von Konzentrationsgraden mittels Lorenzkurven sowie eine Lebenszyklusanalyse verwendet.
Was ist Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Charakteristika von Luftverkehrsprodukten, die Anforderungen der Geschäftsreisenden sowie detaillierte Unternehmensanalysen, wie etwa von Cirrus Aviation und Lufthansa Private Jet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Business Charter, Business Jet, Geschäftsreise, Konzentrationsgrad und Branchenstrukturanalyse charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Zeitersparnis bei der Nutzung von Business Jets?
Zeitersparnis ist laut der Untersuchung der wichtigste Faktor (62% der Nennungen), da Business Jets kleinere Flughäfen direkt anfliegen und Zeitverluste durch Umsteigen oder lange Sicherheitskontrollen in Hubs minimieren.
Warum kooperiert die Lufthansa mit Anbietern wie NetJets?
Lufthansa kooperiert mit NetJets, um das Portfolio im Premium-Segment um flexible, maßgeschneiderte Business-Charter-Lösungen zu erweitern, ohne selbst die volle Investitionslast für eine eigene Business-Jet-Flotte tragen zu müssen.
- Citar trabajo
- Cornelia Klären (Autor), 2006, Maßgeschneiderte Business Charter Services: Herausforderung im Luftverkehrsmarkt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68448