Die Entwicklung der Identität


Studienarbeit, 2006

37 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitende Grundgedanken
1.1 Begriffserklärung und Einschränkung von Identität
1.2 Begriffserklärung Interaktion

2 Die Entwicklung der Identität nach Erik Homburger Erikson
2.1 Entwicklungspsychologische Theorie
2.2 Die Phasen
2.2.1 Die Säuglingszeit/ Die oral-sensorische Phase
2.2.2 Das Kleinkindalter/ Die muskulär-anale Phase
2.2.3 Das Spielalter/ Die lokomotorisch-genitale Phase
2.2.4 Das Schulalter/ Die Latenzphase
2.2.5 Die Pubertät und Adoleszenz
2.2.6 Das frühe Erwachsenenalter
2.2.7 Das Erwachsenenalter
2.2.8 Die Reife

3 Die Entwicklung der Identität nach George Herbert Mead 20
3.1 Ansatz zur Theorie der symbolischen Interaktion
3.2 Die Interaktion
3.3 Zeichen, Gesten und signifikante Symbole
3.4 Die Rollenübernahme
3.5 Das Spiel und der Wettkampf

4 Fazit
4.1 Eigene Schlussfolgerung
4.2 Kritik an Erikson
4.3 Kritik an Mead

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitende Grundgedanken

Schlendert man heutzutage durch eine Bücherei findet man Ratgeber mit den Aufschriften, wie „Wer bin ich?“, „Identitätsfindung in 10 Schritten“, „Lebensstation-10000 Meter bis zu mir“, „Mein Weg zu mir. Ein Leitfaden für die erfolgreiche Suche nach dem Selbst“ und noch sehr vielen weiteren. Auch zahlreiche Zeitschriften sind überfüllt mit Persönlichkeitstests und Selbstanalysen. Diese Beobachtung lässt vermuten, dass viele Menschen auf der Suche nach Identität sind oder mehr über die Entwicklung der Identität erfahren möchten. Ein weiterer Grund für das stetig wachsende Interesse kann auch der Wunsch nach einer neuen eigenen Identität sein.

In meiner Arbeit möchte ich die Frage nach Identität in den Mittelpunkt stellen.

Wo beginnt Identität, wann verfügt man über eine eigene Identität und verändert sich die Identität im Laufe des Lebens?

Um diese Fragen beantworten zu können, möchte ich im Folgenden den Weg der Identitätsbildung nach den Ansichten von Erik H. Erikson und George Herbert Mead im Einzelnen erarbeiten.

1.1 Begriffserklärung und Einschränkung von Identität

Bevor die Entwicklung der Identität nach den Theorien von George Herbert Mead und Erik H. Erikson genauer betrachtet wird, sollte zunächst geklärt werden, was Identität ist. Im Folgenden wird eine Definition des Begriffes aufgeführt.

Im Allgemeinen spricht man von Selbstidentität, Identitätskrisen, personaler Identität und noch vielen mehr.

Der Begriff „Identität“ ist ein vielschichtiger Begriff, der nicht klar zu umschreiben ist.

Identität ist eine Abwandlung von dem lateinischen Wort „identitas“, welches „Wesenseinheit“ bedeutet.

Die Identität eines Menschen macht es möglich, diesen von anderen seiner Art zu unterscheiden.

Die soziale Umwelt und das Individuum selbst sind eng miteinander verbunden, da zur Identität nicht nur die Selbstsicht eines Menschen gehört, sondern auch die Ansicht anderer über diesen Menschen.

Der Begriff thematisiert das <fundamentale Streben des Menschen nach Einheitlichkeit und Unverwechselbarkeit der eigenen Person (Individualität), sein Streben nach Selbsterkenntnis und Selbstgestaltung.>[1]

Im entwicklungspsychologischen Sinn ist <die Identität die einzigartige Persönlichkeitsstruktur, verbunden mit dem Bild, das andere von dieser Persönlichkeitsstruktur haben>[2], und darum soll es in dieser Studienarbeit gehen.

1.2 Begriffserklärung Interaktion

Allgemein meint Interaktion die wechselseitige Beeinflussung des Verhaltens von Individuen oder Gruppen. Für diese Arbeit ist die soziale Interaktion von besonderer Bedeutung.

Soziale Interaktion ist die <Bezeichnung für Verbindungen, Beziehungen zwischen Personen und Situationen, die bei den Partnern spezifische Reaktionen, Verhaltensweisen, Handlungen sowie Änderungen in Verhaltens- und Handlungsbereitschaften einseitig oder wechselseitig hervorrufen>[3]

Hiermit sind die durch Kommunikation (Sprache, Geste, Symbole) deutlich werdenden wechselseitigen Beziehungen zwischen Personen und Gruppen gemeint und die sich daraus ergebende wechselseitige Beeinflussung ihrer Einstellungen, Erwartungen und Handlungen.

Interaktion ist somit nicht nur Kommunikation von Mensch zu Mensch, sondern beinhaltet den Aspekt des gegenseitigen Handelns.

Die Interaktion umfasst <sämtliche soziale, zwischenmenschliche und gesellschaftliche Prozesse>[4]

2 Die Entwicklung der Identität nach Erik H. Erikson

2.1 Einleitung zur entwicklungspsychologischen Theorie

Mit der Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit hat sich der Psychoanalytiker und Psychotherapeut Erik Homburger Erikson (1902 – 1994) auseinandergesetzt. Erikson war ein Schüler und Freund von Sigmund Freud und entwickelte Freuds Einsichten zur Psychoanalyse weiter. Im Gegensatz zu Freud, versteht Erikson die Entwicklung der Persönlichkeit als ein Prozess, der das ganze Leben eines Individuums andauert und in einem vielschichtigen sozialen bzw. gesellschaftlichen Kontext steht. Es existiert also eine Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft.

Wichtig in der Identitätstheorie von Erikson sind nicht die individuellen Differenzen, wie vielfältig sich einzelne Identitäten ausbilden können, sondern die Gemeinsamkeit, die uns veranlasst, unsere Identität weiter zu entwickeln.

Im Nachstehenden soll aufgezeigt werden, welche Auswirkungen diese Gemeinsamkeit, die Erfahrungen mit anderen Menschen, auf die Person haben.

2.2 Die Phasen

Erikson teilt seine Identitätstheorie in Entwicklungsabschnitte bzw. in psychosoziale Krisen ein. In jeder Phase gilt es, eine Krise[5] zu bewältigen, die den Aufstieg in die nächste Phase zulässt.

Jede Phase, die der Mensch bis zum Erwachsenenalter hin durchlebt, wirft Wendepunkte in seiner Identitätsentwicklung auf. Die Überwindung jeder Krise bedeutet einen Abschluss jener Phase zu finden, um ohne Belastung in die nächste Phase eintreten zu können. Dabei ist festzuhalten, dass die positiven Stärken, die in einer Krise entstehen können, helfen, den nächsten Krisen positiv entgegenzutreten.

Dazu erstellte Erikson ein Entwicklungsmodell, welches er eng an die fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung von Freud anlehnte. Freuds Modell beschreibt die Entwicklung des Menschen von der Geburt bis zur Pubertät. Die erste Phase wurde von Freud als Orale Phase bezeichnet, während das Kind die Lustbefriedigung durch alles, was mit dem Mund zusammenhängt erlebt. Anschließend folgt die Anale Phase, in der sich die Aufmerksamkeit auf die Ausscheidungsprodukte richtet. Das Kind erlangt zunehmend Kontrolle über das Ausscheiden oder Zurückhalten der Exkremente. In der Phallischen Phase übernimmt das Kind Moralbegriffe, beispielsweise von den Eltern, und entwickelt so auch sein Über-Ich.

Des Weiteren ist diese Phase durch das erste Entdecken der eigenen und fremden Sexualität gekennzeichnet. Außerdem kommt es zu einer verstärkten Hinwendung zum gegengeschlechtlichen Elternteil und sogar zur Rivalität mit dem

Gleichgeschlechtlichen, so dass auch um die Liebe des gleichgeschlechtlichen Elternteils gefürchtet wird.

In der folgenden Latenzphase werden die sozialen und seelischen Antriebe ausgebildet. Die genitale Phase bildet den Abschluss der Sexualentwicklung und konzentriert die Wahrnehmung erneut auf die eigene und fremde Sexualität. Mit dieser Phase endet auch Freuds Beschreibung. Diese Phasen hat Erikson übernommen und sie mit sozialen Merkmalen erweitert.

<Zwar fügt Erikson den fünf Phasen, die Freud in seinen „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ beschreibt, drei weitere Phasen hinzu, aber er erörtert darin eher Probleme der Identität und der Gemeinschaft als sexuelle Sachverhalte.>[6]

Erikson geht davon aus, dass die Bewältigung altersphasenspezifischer Krisen den Menschen vorantreibt. Er bezeichnet solch eine Krise aber nicht immer als negativ, sondern als einen Zustand, der zur Weiterentwicklung führt.

Er formuliert zu jeder Phase eine Stärke. Diese Stärken nennt er auch Grundtugenden, die das dauerhafte Ergebnis günstiger Verhältnisse in der Entwicklung des Menschen sind.

Die nachstehende Abbildung ist das achtstufige Modell von Erikson. Auf die einzelnen Phasen werde ich gleich näher eingehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:

Räumlich-symbolische Darstellung der Entwicklung bei Erikson. Abgeleitet von der Darstellung aus „Dem Leben Gestalt geben“, S. 34.

2.2.1 Die Säuglingszeit / Die oral-sensorische Phase

In dieser Phase muss die Krise von Urvertrauen gegen Misstrauen überwunden werden. Der Säugling wird von der Mutter versorgt und muss seine aufnehmende Methode im Wechselspiel der gebenden Methode der Mutter anpassen. Er entwickelt die Fähigkeit, andere zu beeinflussen, um seine Bedürfnisse zu stillen.

Der Säugling macht auf sich aufmerksam, um ein Mindestmaß an Versorgung zu sichern und wird sich beruhigen, wenn ein zufriedenstellendes Maß erreicht ist.

Das Kommen und Gehen der Versorger schafft ein Lebensgefühl, das Erikson Vertrauen nennt.

Nach einer Zeit jedoch beginnt die notwendige Trennung von der Mutter. Ein Beispiel hierfür wäre die Entwicklung der Zähne, die der Mutter Schmerzen beim Stillen zufügen würden. Die Mutter beginnt den Säugling abzustillen und wendet sich nun auch wieder anderen Aufgaben zu, denen sie in der Versorgerphase nicht nachkommen konnte. In dieser Zeit erfährt sich der Säugling noch stückweise als eigene Persönlichkeit. Er baut sich langsam eine Ich-Identität auf.

[...]


[1] Reinhold, Dr. Gerd (Hrsg.): Pädagogik-Lexikon, Oldenbourg, 1999, S. 268

[2] Oerter, Rolf; Montada, Leo (Hrsg.): Entwicklungspsychologie, 2002, S. 346

[3] Schwendtke (Hrsg.): Wörterbuch der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, UTB für Wissenschaft 1991, S. 134

[4] Stimmer (Hrsg.): Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit, Oldenbourg, 1994, S. 250

[5] Krise bedeutet „Zuspitzung, Höhe- und/oder Wendepunkt einer gefährlichen oder unsicheren Entwicklung oder Hemmung, Infragestellung einer Entwicklung, einer gegebenen Struktur oder Situation durch akute Schwierigkeiten“ (Langenscheidt: Online-Fremdwörterbuch, http://www.langenscheidt.de/?fremdwb=krise)

[6] Hofmann, Hubert und Stiksrud, Arne (Hrsg.), Dem Leben Gestalt geben, Verlag Krammer, 2004, S. 44

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Identität
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
37
Katalognummer
V68457
ISBN (eBook)
9783638610308
ISBN (Buch)
9783638672788
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Identität
Arbeit zitieren
Tanja Wohlberedt (Autor), 2006, Die Entwicklung der Identität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68457

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