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Deutsche Elemente in "Der Schatz im Silbersee" – Analyse und Vergleich von Karl Mays Reiseerzählung und der Verfilmung von Harald Reinl

Title: Deutsche Elemente in "Der Schatz im Silbersee" – Analyse und Vergleich von Karl Mays Reiseerzählung und der Verfilmung von Harald Reinl

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 36 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Johannes Maase (Author)

German Studies - Comparative Literature
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In der vorliegenden Arbeit soll es in einem ersten Schritt vor allem darum gehen, einen zentralen Aspekt in der Analyse der Reiseerzählung Der Schatz im Silbersee von Karl May kritisch zu untersuchen: Die Verwendung deutscher Elemente und insbesondere ihren Einsatz für ein positives Deutschlandbild. Es wird der Versuch unternommen, die Bedeutung der deutschen Figuren im Hinblick auf die Darstellung Deutschlands bzw. deutscher Tugenden zu analysieren. Dabei ist zentraler Analysepunkt, ob deutsche Elemente dazu beitragen, ein „gutes Deutschland“ darzustellen, oder ob deutsche Figuren lediglich eine erzählerische Funktion zur besseren Identifizierung der Leser mit der exotischen Handlung einnehmen.
Die Einteilung der Abschnitte bzw. der Kapitel in diesem ersten Schritt ergibt sich vor allem aus der notwendigen Verknüpfung der Erzählung mit der entstehungsgeschichtlichen Realität der Kolonialpolitik im deutschen Kaiserreich, die bei der Analyse mit einbezogen und berücksichtigt werden muss. Auf Grundlage der Analyse des Zusammenhangs zwischen Kolonialpolitik und Reiserzählung kann eine eingehende Analyse der deutschen bzw. „nicht-deutschen“ Figuren erfolgen.
In einem weiteren Schritt wird es dann darum gehen, die Verfilmung der Reiseerzählung durch Harald Reinl im Jahr 1962 und ihren Zusammenhang mit der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft zu analysieren. Auch hier ist zentraler Analysepunkt, den Zusammenhang zwischen der durch den Zweiten Weltkrieg diskreditierten bundesdeutschen Gesellschaft und einem im Film gesuchten Entlastungsmechanismus zu analysieren. Gerade bei einem Film, in der deutsche Helden dem unterdrückten Volk der Indianer zur Seite stehen, könnte von einem solchen Entlastungsmechanismus für das kollektive Gewissen der Nachkriegsgesellschaft vermutet werden. In einem abschließenden Schritt wird durch einen Vergleich von Reiseerzählung und Verfilmung die These untersucht, ob die Verfilmung bezogen auf die Darstellung deutscher Elemente in einer Tradition zu ihrer literarischen Vorlage steht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Erzählung Der Schatz im Silbersee und die deutsche Kolonialpolitik – Abbild eines Zeitgeistes?

3. Die Darstellung der Deutschen und „Nicht-Deutschen“

3.1 Deutsche Figuren und Deutschlandbild

3.1.1 Old Shatterhand

3.2 Die Darstellung der „Nicht-Deutschen“ am Beispiel des Jefferson Hartley

4. Deutsche Helden und Indianer

5. Der Film Der Schatz im Silbersee und die deutsche Nachkriegsgesellschaft

6. Der Film Der Schatz im Silbersee – Positives Deutschlandbild als Entlastungsmechanismus der Kriegsgeneration?

7. Das Indianerbild

8. Abschließender Vergleich: Der Film Der Schatz im Silbersee – Mögliche Traditionslinien zur literarischen Vorlage

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle deutscher Elemente und deren Beitrag zu einem positiven Deutschlandbild in Karl Mays Reiseerzählung "Der Schatz im Silbersee" sowie in der filmischen Adaption von Harald Reinl. Es wird analysiert, inwieweit diese Werke als Identifikationsangebote, Spiegelbilder kolonialzeitlicher Ideologien oder Entlastungsmechanismen für die deutsche Nachkriegsgesellschaft fungieren.

  • Analyse der Funktion deutscher Figuren als moralische Instanz
  • Vergleich der Darstellung von "Deutschen" gegenüber "Nicht-Deutschen"
  • Untersuchung des zeitgeschichtlichen Kontextes (Wilhelminismus vs. Nachkriegszeit)
  • Beurteilung des Indianerbildes als Ausdruck von Toleranz oder koloniale Projektion
  • Erörterung der Filmrezeption als Entlastungsmechanismus für die deutsche Kriegsgeneration

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Old Shatterhand

Einer besonderen Betrachtung innerhalb des Komplexes der deutschen Figuren im Schatz im Silbersee bedarf die Figur des Old Shatterhand, ist er doch die herausragende deutsche Figur, die in vielen der Amerika-Romane Mays auftaucht.

Mit Ehrfurcht begegnet man ihm, sobald dieser sich zu erkennen gibt: „,Old Shat---‘ rief der Lieutenant, indem er einen Schritt zurücktrat und die Augen groß und erstaunt auf den Jäger richtete. Die zweite Silbe des Namens war ihm im Munde stecken geblieben“ (SIS, 361). Old Shatterhands Kampfname wirkt bereits derart beeindruckend, dass es seinem Gegenüber vor Ehrfurcht die Sprache verschlägt. Und auch die erste Beschreibung lässt einen ausdauernden und kampferprobten Mann erkennen: „Seine Gestalt war nicht zu hoch und breit, und dennoch machte er den Eindruck großer Kraft und Ausdauerfähigkeit. Sein sonnenverbranntes Gesicht wurde von einem dunkelblonden Vollbarte umrahmt“ (SIS, 350). Old Shatterhand erscheint im Schatz im Silbersee als Überfigur, der beinahe alles gelingt. Eckehard Koch schreibt zu dieser Rezeption Old Shatterhands, in dem er zusammenfassend die Forschungsbeiträge zu diesem Sachverhalt kommentiert: „Old Shatterhand, […] ein Deutscher, […] weiß alles und bringt alles fertig. […] Reiten kann er wie ein Cowboy, laufen wie ein Hirsch, schwimmen wie ein Fisch“.

Im Schatz im Silbersee gibt es eine bemerkenswerte Szene, in der Old Shatterhand sein Können im Kampf mit dem Utah-Häuptling „Großer Wolf“ unter Beweis stellt. Aus sichtlich schwächerer Position kämpft Old Shatterhand gegen den Utah-Häuptling, der ihn zuvor aus nichtigen Beweggründen festgenommen hat:

„Ein rascher Hieb Old Shatterhands gegen den linken Arm des Roten, und diesem flog […] das Messer aus der Hand […] und dann schlug der Weiße seinem Gegner mit einem fast unsichtbar schnellen Hiebe den harten Griff des Bowiemessers mit solcher Kraft auf die Gegend des Herzens, daß der Rote wie ein Sack zur Erde flog und dort liegen blieb“ (SIS 468).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob deutsche Figuren in der Reiseerzählung und deren Verfilmung zur Konstruktion eines positiven Deutschlandbildes dienen.

2. Die Erzählung Der Schatz im Silbersee und die deutsche Kolonialpolitik – Abbild eines Zeitgeistes?: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund der wilhelminischen Ära und prüft, ob Mays Werk das zeitgenössische Sendungsbewusstsein widerspiegelt.

3. Die Darstellung der Deutschen und „Nicht-Deutschen“: Der Autor analysiert die Kontraste zwischen tugendhaften deutschen Charakteren und den als "durchtrieben" gezeichneten Gegenspielern, insbesondere den "Yankees".

4. Deutsche Helden und Indianer: Hier wird das tolerante Verhalten deutscher Helden gegenüber den Indianern untersucht und deren Rolle als "Präriepolizei" hinterfragt.

5. Der Film Der Schatz im Silbersee und die deutsche Nachkriegsgesellschaft: Das Kapitel widmet sich dem Erfolg des Films in den 1960er Jahren und der These eines Entlastungsmechanismus für die deutsche Nachkriegsgesellschaft.

6. Der Film Der Schatz im Silbersee – Positives Deutschlandbild als Entlastungsmechanismus der Kriegsgeneration?: Es wird diskutiert, ob der Film die deutsche Bevölkerung von der Last der NS-Vergangenheit entlasten sollte.

7. Das Indianerbild: Dieses Kapitel betrachtet die Darstellung der Indianer im Film und deren Allianz mit deutschen Helden als symbolischen Sieg über ein schlechtes Gewissen.

8. Abschließender Vergleich: Der Film Der Schatz im Silbersee – Mögliche Traditionslinien zur literarischen Vorlage: Der Autor zieht Bilanz über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung deutscher Werte zwischen Romanvorlage und filmischer Adaption.

Schlüsselwörter

Karl May, Der Schatz im Silbersee, Old Shatterhand, Deutschlandbild, Kolonialpolitik, Nachkriegsgesellschaft, Entlastungsmechanismus, Winnetou, Deutsche Helden, Indianerbild, Literaturverfilmung, Wilhelmismus, Identitätsstiftung, Amerikanische Western, Idealisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Karl May in seiner Erzählung und Harald Reinl in der Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" deutsche Identität und Tugenden durch die Darstellung von Figuren wie Old Shatterhand konstruieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Verbindung von Literatur mit historischer Kolonialpolitik, die Gegenüberstellung von nationalen Charakteren, die Rolle des deutschen Films in der Nachkriegszeit sowie das Bild des "edlen Indianers".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu belegen, ob deutsche Elemente gezielt eingesetzt wurden, um ein positives Deutschlandbild zu erschaffen, das sowohl das wilhelminische Sendungsbewusstsein als auch ein nachkriegsdeutsches Bedürfnis nach moralischer Entlastung bediente.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine komparatistische Analyse zwischen literarischer Vorlage und filmischer Adaption durch und verknüpft diese mit kulturhistorischen Kontexten der jeweiligen Entstehungszeiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Romanfiguren und ihrer erzählerischen Funktion sowie die Untersuchung des Films als mediales Produkt, das auf die soziopsychologische Situation der 1960er Jahre reagiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben Karl May und Old Shatterhand vor allem die Begriffe Deutschlandbild, Entlastungsmechanismus und die historische Einordnung in die Ära des Wilhelmismus und der jungen Bundesrepublik.

Warum fungieren die deutschen Figuren als „Präriepolizei“?

Sie übernehmen in der Erzählung und im Film die moralische Instanz, indem sie Recht und Ordnung gegen profitgierige Gegenspieler durchsetzen, was den Deutschen eine überlegene Zivilisationsrolle zuschreibt.

Inwieweit spielt die Schuld der Vergangenheit eine Rolle im Film?

Laut Autor dient der Film als Ersatz für eine reale Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, indem er den deutschen Zuschauern ein tugendhaftes, moralisch integres Bild des "Deutsch-Seins" in einer fernen Wildnis präsentiert.

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Details

Title
Deutsche Elemente in "Der Schatz im Silbersee" – Analyse und Vergleich von Karl Mays Reiseerzählung und der Verfilmung von Harald Reinl
College
University of Münster  (Germanistisches Institut/Lehrstuhl für Komparatistik)
Grade
1,7
Author
Johannes Maase (Author)
Publication Year
2005
Pages
36
Catalog Number
V68479
ISBN (eBook)
9783638610452
ISBN (Book)
9783638672740
Language
German
Tags
Deutsche Elemente Schatz Silbersee Analyse Vergleich Karl Mays Reiseerzählung Verfilmung Harald Reinl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Maase (Author), 2005, Deutsche Elemente in "Der Schatz im Silbersee" – Analyse und Vergleich von Karl Mays Reiseerzählung und der Verfilmung von Harald Reinl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68479
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