Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds - Darstellung und Analyse


Diplomarbeit, 2006

73 Seiten, Note: 1,30


Leseprobe

Gliederung

0 Problemstellung und Zielsetzung der Diplomarbeit

1 Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds –
Grundüberlegungen
1.1 Definition: Großunternehmen
1.2 Zielsetzungen in der Finanztheorie
1.2.1 Unabhängigkeit
1.2.2 Liquidität
1.2.3 Rentabilität
1.2.4 Sicherheit
1.2.5 Shareholder-/Stakeholder-Value
1.3 Finanzierung im internationalen Vergleich
1.4 Historische Entwicklung der Bondfinanzierung
1.4.1 Strukturelle Determinanten
1.4.2 Temporäre Faktoren
1.5 Einfluss durch Basel II – Rating

2 Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds –
theoretische Grundlagen
2.1 Definition: Bonds
2.2 Arten von Bonds
2.2.1 Registered-/Bearer-Bonds
2.2.2 Internationale Bonds
2.2.2.1 Foreign-Bonds
2.2.2.2 Euro-Bonds
2.2.2.3 Globale Bonds
2.2.3 Zinsdifferenzierte Bonds
2.2.3.1 Straight-Bonds
2.2.3.2 Floater
2.2.3.3 Zero-Bonds
2.2.4 Sonderformen
2.2.4.1 Convertibles und Option-Bonds
2.2.4.2 High-Yield-Bonds
2.3 Besicherung von Bonds
2.3.1 Personalsicherheiten
2.3.1.1 Garantien
2.3.1.2 Bürgschaften
2.3.1.3 Patronatserklärungen
2.3.2 Realsicherheiten
2.3.2.1 Grundsicherheiten
2.3.2.2 Pfandrechte
2.4 Platzierungsarten
2.5 Bilanzielle Aspekte
2.6 Steuerliche Aspekte
2.6.1 Inländischer Emittent
2.6.2 Ausländischer Emittent
2.6.3 Steuerliche Aspekte bei innovativen Sonderformen
2.6.3.1 Special-Purpose-Vehicles (SPV)
2.6.3.2 Asset-Backed-Securities (ABS)

3 Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds –
ausgewählte finanzstrategische Ziele
3.1 Kapitalmarktzugang und Credit History
3.2 Finanzierung von Kapitalbedarf
3.2.1 Day-to-Day Business
3.2.2 Mergers & Acquisitions
3.3 Währungskursabsicherung
3.4 Poison Pill

4 Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds –
Evaluierung aus Sicht der Emittenten und Anleger
4.1 Evaluierung aus Emittentensicht
4.1.1 Brutto-Absatz von Corporate Bonds 1986-2004
4.1.2 Umlauf von Corporate Bonds 2004
4.1.2.1 Bondumlauf nach Art
4.1.2.2 Bondumlauf nach Zinsausstattung
4.1.2.3 Bondumlauf nach Fälligkeitsjahren
4.1.3 Corporate Bonds vs. Finanzierungsalternativen
4.1.3.1 Corporate Bonds vs. Bankkredit
4.1.3.2 Corporate Bonds vs. Aktienemission
4.1.3.3 Konklusion
4.2 Evaluierung aus Anlegersicht
4.2.1 Corporate Bonds vs. Treasuries
4.2.1.1 Ausfallrisiken
4.2.1.2 Renditen
4.2.1.3 Kosten
4.2.1.4 Konklusion
4.2.2 Bonds in der Anlagepraxis
4.2.2.1 Duration als Instrument zur Bondanalyse
4.2.2.2 Börsenhandel

5 Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds – Perspektiven

0 Problemstellung und Zielsetzung der Diplomarbeit

„Deutschland – Land der Ideen“ – dieser Leitsatz des deutschen Bundes-präsidenten soll wegweisend für das Selbstverständnis der Deutschen sein. Dies entspricht jedoch nicht der Realität. Das Festhalten an alten Strukturen ist symptomatisch für Politik und Gesellschaft. Reformen werden, wenn überhaupt, halbherzig und langsam in Angriff genommen.

Diese „Politik der kleinen Schritte“ kann auch in der Privatwirtschaft, insbesondere im Bereich der Unternehmensfinanzierung, festgestellt werden. Ähnlich dem deutschen Privatanleger, welcher den Begriff „Finanzierung“ im Regelfall mit der Geldanlage auf Sparbüchern gleichsetzt, vertrauen deutsche Unternehmen aller Umsatzvolumina großteils auf Liquidität, welche von Kreditinstituten zur Verfügung gestellt wird. Infolge des Platzens der „dotcom-Blase“ an den Finanzmärkten und zum Teil spektakulärer Insolvenzen verfolgen die Kreditinstitute jedoch noch immer eine sehr restriktive Kreditvergabe, welche höhere Kapitalkosten mit sich bringt. Andere Wege der Finanzierung gewinnen somit immer mehr an Bedeutung.

Ziel der Diplomarbeit ist es, Gründe für die weite Verbreitung der klassischen Finanzierung durch Banken darzulegen, die Alternative Bonds insbesondere für Großunternehmen vorzustellen sowie unterschiedliche Möglichkeiten zur Optimierung der Finanzierungs- und Kapitalstruktur aufzuzeigen. Dem Leser wird der Status Quo am Kapitalmarkt dargestellt sowie ein mögliches Zukunftsbild prognostiziert. Die aktuellen Ent-wicklungen, insbesondere an den Finanz- und Kapitalmärkten, zeigen, dass Deutschland trotz einer fortgesetzten „ruhigen Hand“ der Politik durchaus zu Reformen in der Lage ist. Es gibt die berechtigte Hoffnung, dass dies auch in den Corporate Finance-Abteilungen deutscher Großunternehmen Anklang findet.

1 Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds – Grundüberlegungen

1.1 Definition: Großunternehmen

Der Begriff „Unternehmen“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr vielschichtig und weit verwendet. Im betriebswirtschaftlichen Sinne wird eine Unternehmung als eine „auf Fortbestand ausgerichtete und von einem Willenszentrum geleitete Wirtschaftseinheit, die an einem oder mehreren Teilvorgängen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses teilnimmt, indem sie einerseits Wirtschaftsgüter auf ihren Beschaffungs-märkten erwirbt und, nach ihrer Umwandlung in absatzfähige Produkte, diese andererseits auf den einschlägigen Absatzmärkten veräußert“ bezeichnet[1].

Dieser betriebswirtschaftliche Prozess ist auf eigen- oder fremd-finanziertes Kapital angewiesen. Eine Fremdfinanzierung an den Kapitalmärkten, insbesondere durch die Emission von Bonds, kann nicht grundlegend für alle Unternehmen empfohlen werden. Kosten für ein im Regelfall zwingend notwendiges Rating orientieren sich zum Beispiel nicht an der Unternehmensgröße und belasten kleine Unternehmen relativ stärker. Weitere Fixkosten, zum Beispiel für die Börsenzulassung, den Emissionsprospekt, die „Roadshow“ in Addition mit variablen Kosten-blöcken (abhängig von Art und Größe der Emission) setzen einen großen zu finanzierenden Kapitalbedarf voraus. Unter diesen Kostenaspekten kommt eine Bondemission erst für Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von ca. 250 Millionen Euro in Betracht[2].

Ende des Jahres 1997 erfüllten in Deutschland ca. 1300[3] Unternehmen dieses Kriterium, wobei ca. 280 in der Rechtsform der „Aktien-gesellschaft“ firmierten und in ihrer rechtlichen Struktur bereits

auf die Anforderungen der Kapitalmärkte, insbesondere in den Bereichen der Rechnungslegung und der Publizitätspflicht, ausgerichtet sind.

1.2 Zielsetzungen in der Finanztheorie

Die Ziele Unabhängigkeit, Liquidität, Rentabilität, Sicherheit sowie Shareholder-/Stakeholder-Value gelten als die wesentlichen Ziel-setzungen der Finanztheorie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zielsetzungen in der Finanztheorie[4]

1.2.1 Unabhängigkeit

Bei Entscheidungen im Bereich der Finanzwirtschaft ist auf die Erhaltung der Dispositionsfähigkeit und Flexibilität des Unternehmens zu achten. Dies impliziert, dass Kapital nach kurzem Zeitablauf in der gewünschten Höhe sowie mit unterschiedlichen Rückzahlungsbedingungen/–horizonten verfügbar sein muss. Eine Besicherung der zur Verfügung gestellten Liquidität kann die betriebswirtschaftliche Freiheit des Kapitalnehmers zum Teil erheblich einschränken. Zusätzlich werden mit der Aufnahme neuen Kapitals Mitspracherechte geschaffen, welche unterschiedlich stark ausgeprägt sein können und verschärfte Publizitätspflichten mit sich bringen. Vor allem bei mittelständischen oder sich im Familienbesitz befindlichen Unternehmen kann dies zum Verzicht auf bestimmte mit Mitspracherechten verbundene Formen der Kapitalaufnahme und letztlich Unternehmenswachstum führen[5].

1.2.2 Liquidität

In der Literatur wird Liquidität als „die Fähigkeit des Unternehmens, die zu einem Zeitpunkt zwingend fälligen Zahlungsverpflichtungen unein-geschränkt zu erfüllen, welche während des Bestehens des Unternehmens zu jedem Zeitpunkt gegeben sein muss“[6] beschrieben. Liquidität kann neben dieser Definition folgende Tatbestände belegen[7]:

Liquidität als Deckungsverhältnis

- zur Rückverwandlung in Geld (Maß: Liquidierbarkeit)
- zu den Verbindlichkeiten (Maß: Liquiditätsgrade)

Ein Unternehmen als liquide zu bezeichnen, wenn der aktuelle Zahlungs-mittelbestand nicht negativ ist, ist unzureichend[8]. Ausschlaggebend ist, ob die Zahlungskraft eines Unternehmens insgesamt ausreicht, die an sie gestellten fälligen Anforderungen zu erfüllen.

1.2.3 Rentabilität

Für den Begriff „Rentabilität“ kann in Literatur und Praxis eine Vielzahl von Erklärungsversuchen gefunden werden. Bei einer gängigen, wenngleich minimalistischen Definition der Rentabilität wird der Periodenerfolg in das Verhältnis zum Kapital des Unternehmens gesetzt. Die Unbestimmtheit der Begriffe „Periodenerfolg“ bzw. „Kapital“ gibt eine Indikation über die nur eingeschränkte Aussagekraft der Rentabilität als alleinige Kennzahl.

Ob Rentabilität vorliegt entscheidet sich auch an der fundamentalen Zielsetzung des Unternehmens[9].

Die Ziele Vermögensmaximierung und Entnahmenmaximierung können gleichzeitig nicht erreicht werden, das Ziel Wohlstandsmaximierung nur bei personenbezogenen Gesellschaften. Zur Beurteilung der Rentabilität werden im Regelfall Kennzahlen verwendet.

Aufgrund der Vielzahl möglicher Rentabilitätskennzahlen sollen an dieser Stelle nur die bekanntesten erwähnt werden[10]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Rentabilitätskennzahlen

1.2.4 Sicherheit

„Sicherheit“ ist als komplementäres Entscheidungskriterium bei finanzwirtschaftlichen Entscheidungen anzusehen[11]. Absolute Sicherheit kann dabei nur unter finanztheoretischen Modellannahmen erreicht werden. Der Begriff „Sicherheit“ ist daher grundsätzlich in Konjunktion mit dem zugehörigen Ausfallrisiko zu betrachten. Soll Kapital auf-genommen werden, kann in der Praxis die Sicherheit in Form des Verschuldungsgrades gemessen werden. Mit zunehmender Verschuldung steigt das Leverage-Risiko, da vereinbarten Auszahlungen an den Kapitalgeber unsichere Einnahmen aus der unternehmerischen Tätigkeit gegenüberstehen, et vice versa.

Bei Kapitalverwendungsentscheidungen, zum Beispiel einer Finanzanlage, kann Sicherheit am Ausfallrisiko gemessen werden, wobei eine erwartete Rendite ex ante nur mit subjektiven Wahrscheinlichkeiten ermittelt werden kann. Dabei gilt, dass mit steigender Rendite im Regelfall die Ausfallwahrscheinlichkeit zunimmt, et vice versa.

Durch verschiedene portfolio-theoretische Ansätze (vgl. etwa Portfolio-Ansatz von Markowitz[12] ) kann das Ausfallrisiko von investiertem Kapital minimiert und somit größere Sicherheit erreicht werden.

1.2.5 Shareholder-/Stakeholder-Value

Das Ziel „Maximierung des Unternehmenswertes“ wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Dabei wird in der nicht-wissenschaft-lichen Diskussion keine Unterscheidung zwischen Wertsteigerung für Anteilseigner („Shareholder“) bzw. für Anspruchsgruppen („Stake-holder“) getroffen[13].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Shareholder-/Stakeholder-Value

Der klassische Shareholder-Value-Ansatz hat zum Ziel, eine möglichst hohe Wertsteigerung für Eigentümer und/oder Anteilseigner zu erreichen.

Ausgehend vom Standpunkt, dass eine möglichst hohe Steigerung des Unternehmenswertes nur dann erfolgen kann, wenn alle Interessen der Anspruchsgruppen des Unternehmens befriedigt werden, sind die Mitarbeiter, der Staat, etc. in das Zielsystem bei einem weiter-entwickelten Ansatz, dem „Stakeholder-Value“, miteinbezogen.

1.3 Finanzierung im internationalen Vergleich

Das im internationalen Vergleich geringe Interesse der deutschen Privatanleger an den Finanz- und Kapitalmärkten setzt sich auch im Bereich der Unternehmensfinanzierung fort. Da Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg auf umfangreiche Fremdkapitalzuflüsse von Seiten internationaler Kreditinstitute angewiesen war, stellt die Fremdfinan-zierung ein Grundmuster in den Bilanzen deutscher Unternehmen dar, resultierend in folgender Finanzierungsstruktur[14]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Finanzierungsstruktur im internationalen Vergleich (2003)

Auf der Finanzierungsseite ist bei deutschen Unternehmen weiterhin die klassische Bankfinanzierung [15] am weitesten verbreitet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Einsatz von Finanzierungsinstrumenten (2003)

Fremdkapital wird in Deutschland im Regelfall von der Hausbank zur Verfügung gestellt. In Ländern mit angelsächsischer Prägung, insbesondere in den USA, spielt der Kapitalmarkt im Rahmen der Unternehmensfinanzierung eine deutlich wichtigere Rolle.

Dementsprechend ist der Umlauf von Bonds in % des BIP in Deutschland relativ gering [16]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Bondumlauf und Marktwachstum im Vergleich (2003)

Wenngleich der Bondumlauf in Deutschland noch relativ niedrig ist, zeigt das Marktwachstum der letzten Jahre die Zukunftspotentiale des deutschen Bondmarktes auf. Trotzdem nimmt der deutsche Markt für Bonds im internationalen Vergleich nur eine Nebenrolle ein[17]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Bond-Weltmarkt (1998)

1.4 Historische Entwicklung der Bondfinanzierung

1.4.1 Strukturelle Determinanten

Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs innerhalb der Europäischen Union als auch die Einführung des Euros ermöglichten es den emittierenden Unternehmen, auf einem erweiterten und liquideren Markt innerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) großvolumige Bondemissionen kostengünstig zu platzieren[18]. Des Weiteren hat der gestiegene Wettbewerb zwischen den führenden Investmentbanken dazu beigetragen, dass die direkten Emissionskosten gesunken sind[19].

Die Verschärfung der bankaufsichtlichen Regulierungsbedingungen sowie die geplanten Eigenkapitalrichtlinien des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) führten zu einer größeren Substituierbarkeit zwischen restriktiver vergebenen, klassischen Bankkrediten und Bonds, resultierend in steigenden Emissionsvolumina.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Außenfinanzierung über Bonds und Bankkredite[20]

1.4.2 Temporäre Faktoren

Im letzten Jahrzehnt unterlag der Kapitalbedarf deutscher Unternehmen starken zyklischen Schwankungen. Bis 1998 erfolgte die Finanzierung größerer Kapitalbeträge durch einbehaltene Gewinne bzw. Abschrei-bungen[21]. 1998-2000 stieg der Kapitalbedarf zum Teil exorbitant an. Als Gründe seien zum Beispiel der Erwerb der UMTS-Lizenzen für mehr als ca. 99 Milliarden Euro durch Telekommunikationsunternehmen und eine gesteigerte Mergers & Acquisitions-Tätigkeit mit hohen Transaktions-volumina infolge des „dotcom“-Booms an den Weltbörsen zu nennen[22], welche vermehrt durch die Emission von Bonds finanziert wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Umlauf von Bonds - Unternehmensübernahmen[23]

Die Bedeutung der temporären Faktoren, welche stark mit der Entwicklung an den Weltbörsen korreliert, ging mit dem Platzen der Spekulationsblase an den Finanzmärkten im Jahr 2001 zurück. Erst in jüngster Vergangenheit lässt sich zum Beispiel in der europäischen Versorgungsbranche eine erhöhte M & A-Aktivität feststellen, welche sich unter Beachtung fortschreitender Liberalisierung der Märkte und dem daraus entstehenden Zwang zur Konsolidierung in den nächsten Jahren fortsetzen wird.

1.5 Einfluss durch Basel II – Rating

Nach Maßgabe von Basel II werden sich die Eigenkapitalanforderungen für die kreditvergebenden Institute stärker an der individuellen Bonität der Kreditnehmer orientieren. Eine Kreditaufnahme wird daher im Regelfall für Großunternehmen mit höheren Kapitalkosten verbunden sein. Die Emission von Bonds wird aus diesem Grund an Bedeutung gewinnen; sie setzt jedoch ein sogenanntes „Rating“ voraus[24], mit welchem das individuelle Geschäfts- als auch das finanzielle Risiko des jeweiligen Unternehmens gemessen wird.

Korrelierend mit der Attraktivität von Bonds hat sich die Anzahl deutscher Großunternehmen mit einem Rating positiv entwickelt[25]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Anzahl gerateter deutscher Großunternehmen (2004)

Die Skala der Rating-Klassen für langfristige Verbindlichkeiten reicht dabei von AAA (erstklassige Qualität) bis CCC- (hochgradig spekulativ) nach Standard & Poor’s bzw. Aaa bis Caa3 nach Moody’s. Der Investmentbereich umfasst die Stufen AAA bis BBB- nach Standard & Poor’s bzw. Aaa bis Baa3 nach Moody’s. Unternehmen welche über ein Rating von D („Default“) verfügen bedienen ihre Zahlungsverpflichtungen auf unbestimmte Zeit nicht mehr.

Die von den in Deutschland gerateten Großunternehmen emittierten Bonds verteilen sich quantitativ wie folgt[26]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Verteilung emittierter Bonds nach Rating-Klassen (2003)

In Einzelfällen ist eine Bondemission ohne Rating möglich. Der Kapital-markt schätzt das Insolvenzrisiko bei diesen Großunternehmen, obwohl nicht geratet, als gering ein („ too big to fail “), so dass die entsprechenden Bonds von risikofreudigeren Anlegern nachgefragt werden. Beispielhaft sind die Bonds der TUI AG[27] zu nennen.

2 Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds – theoretische Grundlagen

2.1 Definition: Bonds

Unter dem Begriff „Bond“ werden nach der Definition von Claussen[28] „verzinsliche Schuldverschreibungen verstanden, welche am anonymen Kapitalmarkt platziert werden“. Die Fungibilität dieser Wertpapiere durch den Handel an einem Börsenplatz unterscheidet Bonds von Sparkassenzertifikaten oder ähnlichen Investmentprodukten und ermöglicht den Ausgleich von Interessen, da sich die Kreditgeber durch den Verkauf an der Börse von dem Kreditverhältnis lösen können[29].

Bonds stellen eine Kombination von Finanzierungsverträgen dar. Die Flexibilität der Bondfinanzierung ist daher von rechtlichen Mindest-standards, Sicherungs-, Informations- und Entscheidungsrechten ab-hängig.

Zinszahlungen repräsentieren die Preisforderungen der Gläubiger. Die Nominalverzinsung drückt sich in der Höhe der Kuponzahlungen aus, die Effektivverzinsung bestimmt unter Berücksichtigung der divergierenden Aus- und Rückzahlungsbeträge, der nominalen Zinszahlungen und der Laufzeit die tatsächliche Zinsbelastung des Schuldners[30].

Für eine Partizipation an günstigen Zinsentwicklungen können sich die Emittenten das Recht der vorzeitigen Kündigung vorbehalten.

2.2 Arten von Bonds

Bonds deutscher Großunternehmen können als Registered- oder Bearer- Bonds emittiert werden, welche als internationale Bonds, zins-differenzierte Bonds oder als Sonderform begeben werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Bonds deutscher Großunternehmen

2.2.1 Registered- / Bearer-Bonds

Der Emittent kann sich vorbehalten, Zins- und Tilgungsleistungen nur an die in den Urkunden registrierten Personen zu leisten („Registered-Bonds“)[31]. Um die Fungibilität der Bonds nicht einzuschränken, reicht im Regelfall der Besitz der Urkunden aus, um die verbrieften Rechte auszuüben („Bearer-Bonds“). Die Bearer-Bonds sind in den §§793ff. BGB gesetzlich geregelt[32]. Für Registered-Bonds gibt es in Deutschland, im Gegensatz zur Ausgabe von Namensaktien, keine gesetzliche Regelung.

2.2.2 Internationale Bonds

2.2.2.1 Foreign-Bonds

Legt ein Emittent mit Sitz außerhalb der EWWU einen Bond in Deutschland in der Landeswährung Euro auf, so handelt es sich um einen „Foreign-Bond“. Diese Emission stellt die klassische Form der Kapitalbeschaffung im Ausland dar. Ein deutsches Großunternehmen

begibt somit einen Foreign-Bond, wenn es im Nicht-EU-Ausland in der gesetzlichen Währung des jeweiligen Landes unter Konsortialführung eines dortigen Kreditinstitutes einen Bond begibt.

2.2.2.2 Euro-Bonds

Euro-Bonds lauten auf eine andere Währung als die Währung des Landes, in welchem sie emittiert werden. Der Begriff „Euro-Bond“ erklärt sich rein historisch, da diese zuerst in Ländern der Europäischen Union aufkamen. Er impliziert nicht, dass die Bonds stets auf Euro als Währung lauten oder nur in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union emittiert werden[33]. Euro-Bonds werden für den Kapitalanleger insbesondere dann attraktiv, wenn die Währung, in welcher der Bond begeben wurde, Kursgewinne gegenüber der einheimischen Landeswährung verspricht.

Für das Kursrisiko wird der Investor durch einen höheren Zinssatz entschädigt (vgl. 2.2.4.2). Es wurden Bonds in ägyptischen Pfund, mexikanischen Peso, neuseeländischen Dollar, australischen Dollar oder ungarischen Forint emittiert. Die Aussicht auf Währungskursgewinne und eine hohe Nominalverzinsung führten zu einer großen Nachfrage von Investoren.

Der vermeintliche, sichere Charakter der Bondinvestition wird aber durch Wechselkursschwankungen der zum Teil exotischen Währungen unter-graben und bringt spekulative Elemente mit sich:

Praxisbeispiel: KfW-Bankengruppe (AAA): Isländischer Kronenbond[34]

Der mit einem Nominalzins von 6,5% ausgestattete Bond notiert in isländischen Kronen. Im Zeitraum Januar bis März 2006 verlor diese Währung gegenüber dem Euro an Wert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Kursverhältnis isländische Krone/Euro (Skala invertiert)

Aufgrund der Verluste im Wechselkursverhältnis wurde der Bond für Investoren unattraktiver, was zu einem Kursrückgang führte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14: Kursverlauf Island-Bond

Das Zusammenspiel von Währungsverlust und Kursrückgang führt zu einer effektiv negativen Rendite:

Nominalverzinsung: 6,5 %

- Währungsverluste: 15 %

- Kursverluste: 3 %

= Effektive Rendite - 11,5 %

Trotz einer hohen Nominalverzinsung und einer Notierung in der Währung eines europäischen Landes hat der Investor per saldo einen Verlust erlitten.

Die Gefahr durch Kursverluste insgesamt eine negative Rendite zu erzielen ist auch bei Bonds, welche in anderen Währungen emittiert wurden, erheblich. Vor allem Währungen aus dem Bereich „Emerging Markets“ weisen über kurzfristige Zeiträume eine erhebliche Volatilität auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 15: Wechselkurse zum Euro (Januar-März 2006)[35]

Das Investment in Euro-Bonds setzt eine fundamentale Analyse der Emissionswährung voraus. Insbesondere bei exotischen Währungen kann das Wechselkursverhältnis zum Euro von hoher Volatilität gekennzeichnet sein.

Euro-Bonds, welche in einer Währung eines Landes außerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion begeben wurden, eignen sich daher nur für spekulativ orientierte Anleger mit großem Kenntnisstand bezüglich der internationalen Finanz- und Devisenmärkte. Eine hohe Nominalverzinsung darf nicht über die Risiken dieser Bonds hinwegtäuschen.

[...]


[1] Perridon/Steiner (2004), S. 9

[2] vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Januar (2000), S. 33ff.

[3] vgl. www.destatis.de

[4] vgl. Perridon/Steiner (2004), S. 10ff.

[5] vgl. Prätsch/Schikorra/Ludwig (2001), S. 29

[6] Witte (1963), S. 15

[7] vgl. Perridon/Steiner (2004), S. 10

[8] vgl. Schneider (1973), S. 141

[9] vgl. Schneider (1992), S. 65ff.

[10] vgl. Prätsch/Schikorra/Ludwig (2001), S. 23

[11] vgl. Perridon/Steiner (2004), S. 14

[12] vgl. Markowitz (1952), S. 83ff.

[13] vgl. Wesner (1984), S. 43ff.

[14] vgl. www.sfs.siemens.de

[15] vgl. www.sfs.siemens.de

[16] vgl. www.sfs.siemens.de

[17] vgl. Butler (2002), S. 532

[18] vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Dezember (2001), S. 15ff.

[19] vgl. www.chicagofed.org

[20] vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April (2004), S. 22ff.

[21] vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April (2004), S. 22ff.

[22] vgl. www.ecb.int

[23] vgl. www.datastream.com

[24] vgl. Steiner/Bruns (1998), S. 470

[25] vgl. www.standardandpoors.com

[26] vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April (2004), S. 17

[27] vgl. www.tui.com/de

[28] Claussen (2003), S. 133

[29] vgl. Brealey/Myers (1996), S. 559ff.

[30] vgl. Gebhardt (1988), S. 447

[31] vgl. Beike/Schlütz (1998), S. 317

[32] vgl. Achleitner (2003), S. 507

[33] vgl. Lenenbach (2002), S. 232ff.

[34] vgl. o. V.: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 72 vom 25. März 2006, S. 21

[35] vgl. www.bloomberg.com

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds - Darstellung und Analyse
Hochschule
Fachhochschule Regensburg
Note
1,30
Autor
Jahr
2006
Seiten
73
Katalognummer
V68488
ISBN (eBook)
9783638595780
ISBN (Buch)
9783638768474
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzierung, Großunternehmen, Bonds, Darstellung, Analyse
Arbeit zitieren
Dipl. Bw (FH) BSc MSc Daniel Kriegler (Autor), 2006, Finanzierung deutscher Großunternehmen durch Bonds - Darstellung und Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68488

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