Auf internationaler Ebene wird künftig ein bislang eher unbekanntes und umstrittenes Modell als ein Instrument für die Reduzierung der Emissionen an Treibhausgasen eingeführt. Es geht um den Handel mit so genannten Emissionszertifikaten/ -lizenzen, kurz auch „Emissionshandel“, oder „Emissions Trading“ genannt. Dieser Handel ist im sogenannten Protokoll von Kyoto aus dem Jahre 1997 als ein Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasen ausdrücklich genannt. Dieses soll dazu beitragen, die mit dem Protokoll übernommene Verpflichtung zu erfüllen, Treibhausgasemissionen in den Jahren 2008 bis 2012 um insgesamt 5,2 % unter den Stand von 1990 zu verringern.
„Die Idee, Schadstoffemissionen innerhalb eines Gebietes durch die Vergabe von handelbaren Emissionszertifikaten zu regulieren, geht auf Dales (1968) zurück.“ Beim Instrumentarium der handelbaren Emissionszertifikate nimmt der Staat oder Staatenbund (EU) die Grundposition des primären Eigentümers der Umweltbereiche ein. Er legt eine maximale Gesamtemission (Emissionsziel) eines Schadstoffes fest, die innerhalb einer bestimmten Zeit insgesamt von allen zertifikatspflichtigen Emittenten (Industrie, usw.) innerhalb eines bestimmten Gebietes an einen Umweltbereich abgegeben werden darf. Mit der Ausgabe von handelbaren Emissionszertifikaten vergibt er dann ein verbrieftes und veräußerbares Recht auf Emissionen des Schadstoffes in genau festgelegtem Umfang in der bestimmten Zeit an einzelne Interessenten.
Am 01.01.2005 startete ein EU-weites Emissionshandelssystem (Emissions Trading Scheme, ETS). Es ist das erste verbindliche CO2-Emissionshandelssystem, welches tatsächlich angewendet wird. Im Kyoto-Protokoll hat sich die EU verpflichtet, im Zeitraum von 2008 bis 2012 8% ihrer Treibhausgasemissionen gegenüber dem Basisjahr 1990 einzusparen. Der Emissionshandel, der etwa die Hälfte der von der EU ausgehenden Treibhausgasemissionen abdeckt, soll helfen, dieses und weitere Ziele über 2012 hinaus zu erreichen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Emissionshandel als Instrument zur Reduzierung der Treibhausgase
1.2 Die Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel
2 Die klimarelevanten Emissionen des Luftverkehrs und ihre Auswirkungen
3 Zentrale Aspekte der Gestaltung von Emissionszertifikaten im Luftverkehr
3.1 Einbindung in das EU-Emissionshandelssystem
3.2 Offenes, halb-offenes oder geschlossenes System
3.3 Geografischer Anwendungsbereich
3.4 Zuteilung von Zertifikaten (Erstvergabe und Handelbarkeit)
3.5 Nicht-CO2-Emissionen
3.6 Ausnahmen vom Emissionshandelssystem
4 Auswirkungen der Einbeziehung des Luftverkehrs in das Emissionshandelsystem
4.1 Umweltauswirkungen
4.2 Ökonomische und soziale Auswirkungen
4.2.1 Auswirkungen auf Fluggesellschaften und Kunden
4.2.2 Tourismus
4.3 Internationale Folgen
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Integration des Luftverkehrssektors in das EU-Emissionshandelssystem, um die wachsenden klimaschädlichen Auswirkungen der Luftfahrt zu begrenzen. Dabei wird analysiert, wie ein praktikables, marktorientiertes Instrument gestaltet sein muss, um ökologische Ziele zu erreichen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und den Tourismus übermäßig zu belasten.
- Grundlagen des Emissionshandels und des EU-Systems
- Klimarelevante Emissionen des Luftverkehrs
- Gestaltungsoptionen der Zertifikatszuteilung
- Geografische Anwendungsbereiche der Regulierung
- Wirtschaftliche und soziale Folgen für Fluggesellschaften und Kunden
Auszug aus dem Buch
3.4 Zuteilung von Zertifikaten (Erstvergabe und Handelbarkeit)
Hinsichtlich der Zuteilung der Emissionszertifikate an die Flugzeugbetreiber können drei Optionen unterschieden werden, nach welchen die anfängliche Zuteilung erfolgen sollte: „Grandfathering“: So genannt, weil sich die Zuteilungen auf ein historisches Basisjahr beziehen, bevorteilt eher diejenigen mit einer zunächst alten Flotte. Diese könnten Emissionen bereits dadurch einsparen, dass sie ihre alten Flugzeuge ersetzen, während ein Unternehmen, das bereits früh in effizientere Maschinen investiert hat, diese Möglichkeit nicht nutzen kann („early action“).
„Benchmarking“: Benchmarks sind spezifische festgelegte Werte, auf deren Basis die Zuteilungen vorgenommen werden. Es bevorzugt damit Betreiber mit neuen, effizienteren Flugzeugen und belohnt frühe Bestrebungen, in saubere Technologien zu investieren. Gleichzeitig bietet dies Anreize Effizienzverbesserungen vorzunehmen. Diese Methode erfordert jedoch erst einmal einen hohen Aufwand für die Festlegung von Parametern.
„Auktion/ Versteigerung“: Hierbei müssen die Unternehmen für ihre Emissionsberechtigungen entsprechend den ersteigerten Preis zahlen. Es ist aus ökonomischer Sicht wohl die effizienteste Option und dem Verursacherprinzip am besten gerecht werdend. Vorteile bestehen weiterhin darin, dass die Berechtigungen auf eine nicht diskriminierende Weise verteilt werden und damit neue Teilnehmer relativ gleich behandelt werden. Zudem sind verhältnismäßig geringe administrative Kosten, aber ein hoher Grad an Flexibilität zu erwarten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung erläutert den Emissionshandel als Instrument der Klimapolitik und leitet die Notwendigkeit der Integration des Luftverkehrs ab.
2 Die klimarelevanten Emissionen des Luftverkehrs und ihre Auswirkungen: Dieses Kapitel beschreibt die stofflichen Emissionen der Luftfahrt und deren physikalische Wirkungsweise auf die Atmosphäre.
3 Zentrale Aspekte der Gestaltung von Emissionszertifikaten im Luftverkehr: Hier werden technische und regulatorische Optionen zur praktischen Umsetzung des Emissionshandels in der Luftfahrt analysiert.
4 Auswirkungen der Einbeziehung des Luftverkehrs in das Emissionshandelsystem: Das Kapitel evaluiert die erwarteten ökologischen, ökonomischen und sozialen Konsequenzen der Regulierung.
5 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf den politischen Prozess und die internationale Akzeptanz des EU-Vorhabens.
Schlüsselwörter
Emissionshandel, Luftverkehr, Klimawandel, Treibhausgase, EU-Emissionshandelssystem, Zertifikate, Grandfathering, Benchmarking, Versteigerung, Fluggesellschaften, Umweltauswirkungen, Wettbewerbsfähigkeit, Kyoto-Protokoll, CO2, Nicht-CO2-Emissionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Integration des Luftverkehrssektors in das bereits existierende EU-Emissionshandelssystem zur Reduktion klimaschädlicher Gase.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Klimawirkung von Emissionen in Reiseflughöhen, verschiedene Ausgestaltungsoptionen des Handels sowie wirtschaftliche Folgen für Fluggesellschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erläuterung der politischen und ökonomischen Herausforderungen bei der Einführung eines marktorientierten Instruments zur Begrenzung der Luftverkehrsemissionen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse aktueller EU-Richtlinienvorschläge und wissenschaftlicher Studien (u.a. CE-Delft).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gestaltung der Zertifikatszuteilung, geografische Anwendungsbereiche und die Auswirkungen auf Wirtschaft, Tourismus und internationale Beziehungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Emissionszertifikate, Luftverkehr, EU ETS, Umweltauswirkungen und Wettbewerbsverzerrung.
Wie unterscheidet sich "Grandfathering" vom "Benchmarking"?
Beim Grandfathering erfolgt die Zuteilung basierend auf historischen Werten, während beim Benchmarking spezifische Effizienzwerte als Grundlage dienen.
Warum stößt das EU-Vorhaben international auf Widerstand?
Insbesondere die USA kritisieren die Einbeziehung außereuropäischer Airlines als rechtswidrige Form der Besteuerung außerhalb der Zuständigkeit der EU.
- Quote paper
- Sascha Mayer (Author), 2007, Emissionszertifikate im Luftverkehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68496