„Der Tanz der Vampire“ im Kontext literarischer Werke und filmischer Umsetzungen der Vampirthematik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlung des Filmes

3. Anlehnung des Handlungsortes und der Protagonisten an vorhandene literarische Vorlagen und Filme
3.1. Ort der Handlung
3.2. Handelnde Protagonisten

4. Analyse der vampirischen Elemente des Filmes:
4.1. Die Bekämpfung eines Vampirs
4.2. Fähigkeiten und Eigenschaften des Vampirs
4.3. Der Vampir als Verführer, Auswahl der Opfer des Vampirs

5. Horror oder Komödie? Die Betrachtung des Humors im Film

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die sanften Schrecken, die dem literarischen Thema des Vampirs nach Bram Stokers Dracula- Roman und nach Friedrich Murnaus Nosfertu- Film allenfalls noch innewohnen mochten, hatten sich Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nach immer neuen filmischen Remakes weitgehend verflüchtigt. Nachdem Murnaus Adaption den Stoff erst einmal in einer bald als klassisch anerkannten Weise aus dem literarischen in das Medium des Films transformiert hatte, entstand ein filmischer Stil Dracula, den weniger Nachahmung als vielmehr Überzeichnung charakterisiert(...). Roman Polanskis Film „The fearless Vampire- killers“ – „Tanz der Vampire“ in der deutschen Version – aus dem Jahre 1967 zeugt davon.“[1]

Der “Tanz der Vampire“ begeisterte seit seinem filmischen Erscheinen ein breites Publikum und verhalf dem Regisseur Roman Polanski zu einem hohen Bekanntheitsgrad. Das gleichnamige Musical wurde 2005 mit dem „Musical Award“ als bestes Musical geehrt. Michael Schmidt spricht von einer Überzeichnung der Dracula- Darstellung bei Polanski, die den Film prägt und über die reine Nachahmung hinausgeht.

Die Handlung weist gewisse Parallelen zu älteren literarischen Werken, vor allem Bram Stokers „Dracula“ aus dem Jahre 1897, die sich sowohl in Handlung des Filmes als auch in Protagonisten und Elementen des Vampirismus belegen lassen. Gleichwohl gesellen sich einige neue Elemente zu dem reichhaltigen Fundus an Merkmalen des Vampirismus. Was machte diesen Film zu etwas Neuem, was verschaffte ihm einen derart großen Erfolg und auch: worin liegt die Überzeichnung, die Schmidt benennt? Diesen Fragen will ich mich im Folgenden widmen.

2. Handlung des Filmes

Professor Abronsius aus Königsberg hat sich mit seinem Schüler Alfred nach Transsylvanien (gesprochen wird im Film vom Karpatenraum) aufgemacht, um dort lebende Vampire zu erforschen. In einem Gasthaus stoßen sie auf erste Hinweise auf Vampire: Knoblauch. Dennoch streitet der, durch klischeehafte Kleidung als Jude erkennbare, Wirt Chagal ab, ein Schloss in der Nähe zu kennen, auch bestreitet jeder im Wirtshaus, an die Existenz von Vampiren zu glauben.

Während Professor Abronsius weiter versucht die Vampire ausfindig zu machen, verliebt sich Alfred in die schöne Tochter des Wirtes, Sarah. Aber Alfred ist nicht der einzige, der ein Auge auf Sarah geworfen hat: Graf von Krolock, seines Zeichens Vampir, taucht persönlich auf und entführt Sarah aus dem ironischerweise einzigen Raum, der kein Knoblauch aufweist, auf sein Schloss in der Nähe. Sofort macht sich ihr Vater, Chagal, auf den Weg sie zurückzuholen und wird bald das erste Opfer der Vampire. Professor Abronsius will den toten Wirt umgehend pfählen, um zu verhindern, dass der selbst zum Vampir wird und sich dem Grafen anschließt. Allerdings macht ihm die Frau des Wirtes, Rebecca, einen Strich durch die Rechnung, mit der Folge dass dieser als Vampir erwacht und die Magd Magda zum zweiten Opfer macht.

Der Professor und sein Schüler können Chagall zum Schloss des Grafen von Krolock folgen und werden herzlich empfangen und überredet über Nacht zu bleiben.

Am nächsten Morgen machen sich Professor Abronsius und Alfred auf die Suche nach der Familiengruft, wo sie den Grafen und seinen Sohn ganz richtig in ihren Sarkophagen vermuten, um die beiden Vampire zu pfählen. Jedoch läuft alles schief: Professor Abronsius bleibt in einem Kellerfenster stecken und Alfred bringt es nicht übers Herz, die Schlafenden zu pfählen. Unverrichteter Dinge kehren sie ins Schloss zurück.

Hier vertieft sich der Professor zur Lektüre in der Bibliothek, während Alfred sich auf die Suche nach Sarah macht. Er findet sie zwar leichter als erwartet, jedoch weigert sich Sarah, mit Alfred zu fliehen.

Als Alfred in einem Buch Antworten findet, die seine Angebetete doch noch überzeugen könnten, sich ihm anzuschließen, sucht er sie ein zweites Mal auf, findet aber im Badezimmer nur Herbert, den homosexuellen Sohn des Grafen. Der versucht, Alfred zu beißen, was der Überfallene jedoch in letzter Sekunde verhindert.

Als die Nacht hereinbricht, sammeln sich die geladenen Gäste, Wesensgleiche des Grafen, zum Ball, der auch dem Film seinen Namen verleiht. Professor Abronsius und Alfred, die der Graf inzwischen auf dem Turm gefangen hält, können sich befreien. Sie überwältigen zwei Ballgäste und bemächtigen sich ihrer Abendgarderobe, um mit Sarah vom Schloss zu fliehen. Nach der Flucht mit Sarah glauben sie, endlich alles überstanden zu haben. Während jedoch Professor Abronsius die Kutsche lenkt, beißt Sarah, inzwischen zum Vampir geworden, Alfred, der somit ebenso zum Vampir wird. So triumphieren am Ende doch die Vampire, die sich nun ausgerechnet mit des ahnungslosen Professors Hilfe "über die ganze Welt ausbreiten", wie es am Schluss heißt.

3. Anlehnung des Handlungsortes und der Protagonisten an vorhandene literarische Vorlagen und Filme

3.1. Ort der Handlung

Ähnlich wie Bram Stokers „Dracula“ und auch Murnaus daran angelehnter Film „Nosferatu“ spielt der „Tanz der Vampire“ in Transsylvanien bzw. konkret dem nahen Karpatenraum. Dieser Schauplatz weist zwei Vorteile auf: Er ist weit entfernt von dem westeuropäischen Raum, der sowohl für Bram Stoker als auch für Murnau und Polanski als Zielgebiete ihrer Werke bezeichnet werden kann und bietet so einen geographischen Raum, der weit entfernt der Heimat (und politisch schwer betretbar) mit allerlei geheimnisvollen Vorstellungen belegt werden kann. Des Weiteren stammt ein starker Aberglaube in diesem Zusammenhang exakt aus dieser Region. Peter Mario Kreuter untersuchte die Bedeutung des Vampirglaubens in Rumänien und den Balkanstaaten und beschreibt viele Elemente, die in fast allen Vampir-behandlungen eine mehr oder minder große Rolle spielen[2]. Für ihn ist der Vampirglaube in erster Linie als sozialanthropologisches Phänomen dieser Region zu verstehen, bei dem für die Schädigung von Einzelnen oder der Dorfgemeinschaft durch Krankheiten, Missernten oder Ähnliches ein Verantwortlicher gesucht werde. Das "Blutsaugen" der Vampire gehöre als Tätigkeit nicht zu den im Volksglauben in erster Linie überlieferten Elementen, wichtiger sei das Verlassen des eigenen Grabes, das von den betroffenen Dorfgemeinschaften aufgespürt werden müsste. Fände sich in einem verdächtigen Grab (Merkmale sind z.B. ein schiefes Kreuz, ein Mauseloch oder mangelndes Wachstum des Grabbewuchses) ein nicht verwester Leichnam, so würde dieser auf verschiedene Weise nochmals getötet und dann verbrannt, was auch in den meisten Werken heute noch das Ende eines Vampirs sei.[3]Komplett ausgeklammert wurde in „Tanz der Vampire“ der in London spielende Abschnitt sowie die damit verbundene Rückkehr nach Transsylvanien: Schauplätze, die für die Handlung von Bram Stokers Werk als für die Handlung wichtig bezeichnet werden müssen. Die Schauplätze in Polanskis Film sind somit auf das Dorf sowie das vom Vampir bewohnte Schloss reduziert.

[...]


[1]Schmidt, Michael: „Die Transformation des Trivialen oder: H.C. Artmanns vampiristische Postmoderne“, in: Bertschik, Julia u. A.: „Poetische Wiedergänger“, Francke Verlag Tübingen 2005, S. 247

[2]Siehe Kreuter, Peter Mario: „Der Vampirglaube in Südosteuropa. Studien zur Genese, Bedeutung und Funktion. Rumänien und der Balkanraum“, Berlin 2001

[3]Siehe Kreuter, Peter Mario, S. 45ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
„Der Tanz der Vampire“ im Kontext literarischer Werke und filmischer Umsetzungen der Vampirthematik
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Vampire in Literatur und Film
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V68498
ISBN (eBook)
9783638610551
ISBN (Buch)
9783638903288
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit befasst sich mit der kultigen Vampirkomödie "Der Tanz der Vampire" vor dem Hintergrund diverser literarischer Vorlagen von Polidori, Byron, Goethe, Le Fanu und Bram Stoker. Welche Elemente des Vampirismus werden aufgegriffen, was macht die Komik dieses Films aus? Fragen, die im Mittelpunkt der Hausarbeit stehen.
Schlagworte
Vampirthematik, Vampire, Musical, Tanz der Vampire, Romanverfilmungen, Roman Polanski, Dracula, Vampir, Merkmale von Vampiren
Arbeit zitieren
Sebastian Schneemelcher (Autor), 2007, „Der Tanz der Vampire“ im Kontext literarischer Werke und filmischer Umsetzungen der Vampirthematik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68498

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