„Die sanften Schrecken, die dem literarischen Thema des Vampirs nach Bram Stokers Dracula- Roman und nach Friedrich Murnaus Nosfertu- Film allenfalls noch innewohnen mochten, hatten sich Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nach immer neuen filmischen Remakes weitgehend verflüchtigt. Nachdem Murnaus Adaption den Stoff erst einmal in einer bald als klassisch anerkannten Weise aus dem literarischen in das Medium des Films transformiert hatte, entstand ein filmischer Stil Dracula, den weniger Nachahmung als vielmehr Überzeichnung charakterisiert (...) . Roman Polanskis Film „The fearless Vampire- killers“ – „Tanz der Vampire“ in der deutschen Version – aus dem Jahre 1967 zeugt davon.“
Der “Tanz der Vampire“ begeisterte seit seinem filmischen Erscheinen ein breites Publikum und verhalf dem Regisseur Roman Polanski zu einem hohen Bekanntheitsgrad. Das gleichnamige Musical wurde 2005 mit dem „Musical Award“ als bestes Musical geehrt. Michael Schmidt spricht von einer Überzeichnung der Dracula- Darstellung bei Polanski, die den Film prägt und über die reine Nachahmung hinausgeht. Die Handlung weist gewisse Parallelen zu älteren literarischen Werken, vor allem Bram Stokers „Dracula“ aus dem Jahre 1897, die sich sowohl in Handlung des Filmes als auch in Protagonisten und Elementen des Vampirismus belegen lassen. Gleichwohl gesellen sich einige neue Elemente zu dem reichhaltigen Fundus an Merkmalen des Vampirismus. Was machte diesen Film zu etwas Neuem, was verschaffte ihm einen derart großen Erfolg und auch: worin liegt die Überzeichnung, die Schmidt benennt? Diesen Fragen will ich mich im Folgenden widmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Handlung des Filmes
3. Anlehnung des Handlungsortes und der Protagonisten an vorhandene literarische Vorlagen und Filme
3.1. Ort der Handlung
3.2. Handelnde Protagonisten
4. Analyse der vampirischen Elemente des Filmes:
4.1. Die Bekämpfung eines Vampirs
4.2. Fähigkeiten und Eigenschaften des Vampirs
4.3. Der Vampir als Verführer, Auswahl der Opfer des Vampirs
5. Horror oder Komödie? Die Betrachtung des Humors im Film
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Roman Polanskis Film „Tanz der Vampire“ im Kontext klassischer literarischer und filmischer Vampir-Vorbilder. Die zentrale Forschungsfrage widmet sich der Analyse, wie Polanski bekannte Klischees des Genres aufgreift, überzeichnet und durch den Einsatz von Slapstick-Elementen in eine Horror-Komödie transformiert.
- Vergleichende Analyse von Handlungsorten und Charakteren in Literatur und Film
- Untersuchung vampirischer Elemente, wie Bekämpfungsmethoden und Fähigkeiten
- Die Rolle des Vampirs als verführerische Persönlichkeit
- Dekonstruktion des Horror-Genres durch humoristische Überzeichnung
- Interpretation der Identifikationsfiguren und Opferrollen
Auszug aus dem Buch
3.2. Handelnde Protagonisten
Die Auswahl der Protagonisten der filmischen Handlung weist ebenfalls auf vorhandene Vorlagen hin. Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“ steht in direktem Vergleich zu Bram Stokers Graf Dracula und auch Murnaus Graf Orlok (sieht man von dessen körperlicher Gestalt ab) und auch zur gemeinsamen mit Sagen umwobenen Vorbildsgestalt des Grafen Vlad III. Drăculea. Das mysteriöse Schloss mit dunklen Gängen, Spinnweben und unheimlichen Wandportraits und die Furcht der Menschen vor dem Bauwerk und seinem Bewohner sind in allen drei genannten Werken vorhanden, in der „Tanz der Vampire“ äußert sich dies besonders durch das Verleugnen der Existenz des Bauwerkes seitens der Dorfbewohner und der offensichtlichen Todesursache Chagalls.
Die Vampirdarstellung des Grafen weist deutliche Parallelen auf: Er wird als alter Mann dargestellt, der sowohl über einen hohen Bildungsstand als auch über eine spürbare Emotionslosigkeit und ein seltsames – vielleicht Unheimliches Äußeres- verfügt. Unmerklich stößt man aber auch auf unterschiedliche Akzenturierungen in der optischen Gestaltung dieses Protagonisten beim jeweiligen „Verarbeiter“. Murnaus Darstellung des Graf Orlok durch Glatze, abgemagerte Gestalt, spitze Ohren, dolchartige Finger und einen Buckel gibt ein anderes Bild der Unmenschlichkeit des Vampirs als es in der „Tanz der Vampire“ der Fall ist. Murnaus Darstellung ist auch deutlich polarisierender als in Bram Stokers Roman in dem Dracula wie folgt beschrieben wird: „Sein Gesicht war ziemlich – eigentlich sogar sehr – raubvogelartig; ein schmaler, scharf gebogener Nasenrücken und auffallend geformte Nüstern. Die Stirn war hoch und gewölbt, das Haar an den Schläfen dünn, im Übrigen aber voll. Die Augenbrauen waren dicht, wuchsen über der Nase fast zusammen und waren sehr buschig und in merkwürdiger Weise gekräuselt. Sein Mund (...) sah hart und ziemlich grausam aus; die Zähne waren scharf und weiß und ragten über die Lippen vor, deren auffallende Röte eine erstaunliche Lebenskraft für einen Mann in seinen Jahren bekundeten. Die Ohren waren farblos und oben ungewöhnlich spitz. Der allgemeine Eindruck war der einer außerordentlichen Blässe.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Übergang des Vampir-Themas vom literarischen Horror zur filmischen Überzeichnung und definiert das Ziel, Polanskis „Tanz der Vampire“ in diesem Kontext zu untersuchen.
2. Handlung des Filmes: Das Kapitel liefert eine chronologische Zusammenfassung der Filmhandlung, von der Ankunft des Professors und seines Schülers Alfred in Transsylvanien bis zur schicksalhaften Flucht am Ende.
3. Anlehnung des Handlungsortes und der Protagonisten an vorhandene literarische Vorlagen und Filme: Dieser Teil beleuchtet die geografischen und charakterlichen Bezüge zu Werken wie Bram Stokers „Dracula“ und Murnaus „Nosferatu“.
4. Analyse der vampirischen Elemente des Filmes:: Hier werden klassische Vampir-Merkmale wie Knoblauch, Kruzifixe, Pfählung sowie die übermenschlichen Fähigkeiten der Vampire im Film auf ihre Herkunft und ihre parodistische Verwendung geprüft.
5. Horror oder Komödie? Die Betrachtung des Humors im Film: Dieses Kapitel analysiert, wie der Film durch ironische Distanz, Slapstick und eine bewusste Unterwanderung klassischer Rollenklischees sein komisches Potenzial entfaltet.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Polanski mit dem Film durch die Kombination von Horrorklischees und Slapstick eine originelle Neuinterpretation schuf, die den langfristigen Erfolg des Werks begründet.
Schlüsselwörter
Vampir, Tanz der Vampire, Roman Polanski, Bram Stoker, Dracula, Nosferatu, Horror-Komödie, Vampirismus, Transsylvanien, Überzeichnung, Slapstick, Filmgeschichte, Literaturwissenschaft, Film-Analyse, Vampirjäger
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Roman Polanskis Film „Tanz der Vampire“ und dessen Einordnung im Genre der Horror-Komödie unter Berücksichtigung literarischer und filmischer Vorläufer.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die filmische Adaption von Vampirmythen, der Vergleich mit klassischen Werken wie Bram Stokers „Dracula“, die parodistische Nutzung von Klischees und die Analyse des Humors.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, herauszuarbeiten, warum Polanskis Film als eine „Überzeichnung“ des Vampir-Genres gilt und wie dieser neue, humorvolle Ansatz zum Erfolg des Films beitrug.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse, indem sie Motive aus dem Film den traditionellen Sagen und Werken der Literaturgeschichte gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Handlungsorte, eine Analyse der Protagonisten-Typen sowie die detaillierte Betrachtung spezifischer vampirischer Elemente (z.B. Abwehr, Fähigkeiten, Opferwahl) und des humorfördernden Slapsticks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Hausarbeit?
Zentrale Begriffe sind Vampir-Genre, Parodie, Überzeichnung, Bram Stoker, Horror-Komödie und die filmische Transformation literarischer Stoffe.
Wie unterscheidet sich der Professor Abronsius in Polanskis Film von Van Helsing?
Während Van Helsing im Roman als kompetenter und erfolgreicher Vampirjäger dargestellt wird, dient Professor Abronsius als klischeehaft-weltfremde Witzfigur, deren Handlungen oft an Inkompetenz scheitern.
Welche Rolle spielt die Homosexualität des Grafensohns Herbert?
Die Figur des Herbert durchbricht sexuelle Normen der Zeit und dient im Film als komisches Element, wobei der Autor darauf hinweist, dass der Vampirismus auch in früheren Werken (wie Le Fanus „Camilla“) mit abweichender Sexualität verknüpft wurde.
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- Sebastian Schneemelcher (Author), 2007, „Der Tanz der Vampire“ im Kontext literarischer Werke und filmischer Umsetzungen der Vampirthematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68498