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Peter Rühmkorfs Märchen - Anders als die der ART-Genossen

Title: Peter Rühmkorfs Märchen - Anders als die der ART-Genossen

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 22 Pages , Grade: 2

Autor:in: Michael Kossack (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Anfang der 80´er Jahre veröffentlichte Peter Rühmkorf mit „Auf Wiedersehen in Kenilworth“
und der Sammlung „Der Hüter des Misthaufens - Aufgeklärte Märchen“ zahlreiche Märchen.
Damit wagt er den Sprung in ein neues Terrain, denn zuvor war noch keine fiktive Prosa von
ihm erschienen. Was ihn dazu veranlaßte, was den Dichter zu den Märchen brachte, soll hier
aber nicht untersucht werden, weil die Beschäftigung mit den Märchen keine Besonderheit
darstellt, sondern eher ein Trend der Zeit war.
In den 70’er Jahren zog das Märchen wieder in die Literatur ein. Es wurden viele
Neufassungen bekannter Volksmärchen geschrieben, die meist in Sammlungen von Märchen
mehrer Autoren, wie „Das Große Deutsche Märchenbuch“ oder „Märchen, Sagen und
Abenteuergeschichten auf alten Bilderbogen, neu erzählt von Autoren unserer Zeit“
erschienen. Daneben stehen Sammlungen eines einzigen Autors wie „Wer hat Dornröschen
wachgeküsst? Das Märchen-Verwirrbuch“ von Iring Fetscher oder „JANOSCH erzählt
Grimm´s Märchen“ von Horst Eckert (Janosch). Die Gattung Märchen zog aber auch in den
Roman ein, hier wurden sie als Erzählung auf der Ebene der Erzählung integriert, erscheinen
also als Binnenmärchen.
Außerdem wurde auf theoretischer Ebene über das Erziehungsziel der Märchen diskutiert. In
dieser kontroversen Diskussion wurde dem Märchen einerseits ein repressiver Charakter
unterstellt, andererseits wurde im Märchen „etwas durchaus Subversives“ ausgemacht. Von
dem repressiven Geist sollte das Märchen wohl durch die neuen Versionen befreit werden.
Beschäftigt man sich mit Märchen, führt dies unumgänglich zur Diskussion über den
Gattungsbegriff und dessen Definition, dieser soll hier aus dem Weg gegangen werden.
Märchen deren Autor nicht bekannt ist, wie die aus der Sammlung der Gebrüder Grimm,
sollen als Volksmärchen, solche von namentlich bekannten Autoren als Kunstmärchen oder,
wenn es sich um Neufassungen von Volksmärchen handelt, als Neufassung bezeichnet
werden.
In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie Rühmkorf durch seine Märchen an der Diskussion
über das Erziehungsziel teilnahm. Ob sich seine Märchen in eine Reihe mit Märchen anderer Autoren stellen lassen, oder ob sie sich von ihnen unterscheiden. Am Ende gilt es schließlich
die Frage zu beantworten, ob Rühmkorfs Märchen in sein Parodiekonzept passen, oder ob er
mit ihnen eher in der Tradition des Antimärchen steht. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Märchen in Peter Rühmkorfs Werk

1.1 Auf Wiedersehen in Kenilworth

1.2 Der Hüter des Misthaufens

1.3 Märchenfragmente in „TaBu“

2. Märchen von Zeitgenossen

2.1 Märchensammlungen

2.1.1 Märchen, Sagen und Abenteuergeschichten auf alten Bilderbogen, neu erzählt von Autoren unserer Zeit.

2.1.2 Iring Fetscher: Wer hat Dornröschen wachgeküsst? Das Märchen-Verwirrbuch.

2.2 Binnenmärchen in Günter Grass’ „Der Butt“ und Ingeborg Bachmanns „Malina“

3. Vergleich von zwei Märchen aus „Der Hüter des Misthaufens“ mit Märchen anderer Autoren

3.1 Peter Rühmkorf „Rotkäppchen und der Wolfspelz“ und Iring Fetcher „Rotschöpfchen und der Wolf“

3.2 Peter Rühmkorf „Blaubarts letzte Reise“ und Heinz von Cramer „Ritter Blaubart“

4. Eine Gattung für die Märchen Rühmkorfs

4.1 Peter Rühmkorfs Parodie Konzept

4.2 Peter Rühmkorfs Märchen: Antimärchen oder Parodie?

Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Peter Rühmkorfs Beitrag zur Märchendiskussion der 1970er und 1980er Jahre. Ziel ist es zu analysieren, wie Rühmkorf durch seine Märchenerzählungen das traditionelle Erziehungsziel der Volksmärchen kritisiert, gesellschaftliche Themen wie Gleichberechtigung und Sexualstraftaten aufgreift und inwieweit seine Texte in das Konzept des Antimärchens oder Rühmkorfs eigenes Parodiekonzept einzuordnen sind.

  • Analyse von Rühmkorfs Märchenneufassungen im Vergleich zu zeitgenössischen Autoren.
  • Untersuchung der Kritik am repressiven Erziehungsziel traditioneller Volksmärchen.
  • Einordnung von Rühmkorfs literarischer Technik in sein spezifisches Parodiekonzept.
  • Abgrenzung der Rühmkorfschen Märchen vom Typus des "Antimärchens".

Auszug aus dem Buch

1.2 Der Hüter des Misthaufens

Drei Jahre nach „Auf Wiedersehen in Kenilworth“ erschien Rühmkorfs Märchenband „Der Hüter des Misthaufens – Aufgeklärte Märchen“. Hier finden sich 13 Märchen, elf eigene und zwei Neufassungen bekannter Volksmärchen. Mit den Neufassungen bringt Rühmkorf nichts Neues, vielmehr liegt er im Trend, denn in den 70’ er Jahren wurden viele neue Versionen von Volksmärchen veröffentlicht. Von diesen Märchen setzt sich Rühmkorf ab, da sein Band neben den neuen Versionen vor allem eigene Märchen enthält. Hier soll nur auf die Neufassungen von „Ritter Blaubart“ und „Rotkäppchen“ eingegangen werden.

Das Volksmärchen „Rotkäppchen“ ist bei Rühmkorf zu „Rotkäppchen und der Wolfspelz“ geworden. Die Rahmenhandlung des Märchens wurde von Rühmkorf nicht grundlegend verändert, Rotkäppchen geht bepackt mit Kuchen und Wein durch den Wald zur Großmutter und trifft den Wolf. Über die Rahmenhandlung hinaus wurde aber einiges abgeändert.

Der Zeitpunkt ist zwar nicht festgelegt, was typisch für ein Märchen ist, liegt aber klar in der Gegenwart, zumindest in nicht sehr ferner Vergangenheit, da gleich am Beginn vom Erzähler darauf hingewiesen wird, daß die rote Kappe das Mädchen vor den Gefahren des Straßenverkehrs bewahrte: „[...] daß das Mädchen schon auf tausend Meter und mehr zu erkennen war und die Autofahrer augenblicklich den Gasfuß lockerten und auf die Bremse traten“.

Der Ort der Handlung wird ebenfalls untypisch für Märchen klar definiert. Es spielt in Norddeutschland, denn die Großmutter lebt in Niederwolfsbruchermoor / über Stade-Elbe, und Rotkäppchen geht in Stade zur Schule.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Märchenproduktion bei Peter Rühmkorf ein und verortet sie in der Märchendiskussion der 1970er und 1980er Jahre.

1. Märchen in Peter Rühmkorfs Werk: Das Kapitel stellt Rühmkorfs erste Märchenveröffentlichungen, einschließlich der Sammlung „Der Hüter des Misthaufens“, vor und beleuchtet die Märchenfragmente in seinem Tagebuchwerk „TaBu“.

2. Märchen von Zeitgenossen: Es wird ein Überblick über die Märchenmode der 1970er Jahre gegeben und analysiert, wie zeitgenössische Autoren wie Fetscher und von Cramer sowie Romanschriftsteller wie Grass und Bachmann das Märchen neu interpretierten.

3. Vergleich von zwei Märchen aus „Der Hüter des Misthaufens“ mit Märchen anderer Autoren: Hier findet ein direkter Vergleich von Rühmkorfs Märchenneufassungen mit den Versionen anderer Autoren statt, um Unterschiede in Form und Aussage herauszuarbeiten.

4. Eine Gattung für die Märchen Rühmkorfs: Das Kapitel prüft, ob Rühmkorfs Märchen seinem eigenen Parodiekonzept entsprechen oder ob sie als Antimärchen zu klassifizieren sind.

Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Analyse, die Rühmkorfs Sonderstellung innerhalb der zeitgenössischen Märchendiskussion hervorhebt.

Schlüsselwörter

Peter Rühmkorf, Märchen, Volksmärchen, Neufassung, Kunstmärchen, Antimärchen, Parodiekonzept, Märchendiskussion, Erziehungsziel, Literaturanalyse, Rotkäppchen, Blaubart, Literatur der 70er Jahre, gesellschaftliche Kritik, Emanzipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert, wie Peter Rühmkorf Märchen als Mittel der gesellschaftlichen Kritik nutzt und wie sich seine spezifischen Märchenneufassungen in die zeitgenössische Märchendiskussion einordnen lassen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Kritik am repressiven Erziehungsziel traditioneller Volksmärchen, die Rolle der Frau, die psychologische Deutung von Märchenfiguren sowie die Einordnung der Texte in Rühmkorfs Parodiekonzept.

Was ist das primäre Forschungsziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Rühmkorf mit seinen Märchen nicht einfach nur traditionelle Stoffe modernisiert, sondern ein eigenständiges Parodiekonzept verfolgt, das gesellschaftliche Zeitfragen thematisiert, ohne die Gattung des Märchens vollständig zu zerstören.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Literaturanalyse. Dabei werden Rühmkorfs Texte den Neufassungen und Interpretationen zeitgenössischer Autoren gegenübergestellt und auf Basis literaturtheoretischer Konzepte, insbesondere des Parodiebegriffs, untersucht.

Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Märchenneufassungen von "Rotkäppchen" und "Blaubart" sowie den Vergleich dieser Texte mit den Bearbeitungen von Iring Fetscher und Heinz von Cramer.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Peter Rühmkorf, Volksmärchen, Parodiekonzept, Antimärchen, gesellschaftliche Kritik und Emanzipation.

Wie unterscheidet sich Rühmkorfs "Rotkäppchen"-Adaption von traditionellen Versionen?

Rühmkorf verändert die Handlung in die Gegenwart und nutzt sie als "Transparentfolie", um aktuelle Probleme wie gesellschaftliche Rollenbilder und den Erziehungsanspruch der Eltern zu kritisieren, anstatt die Geschichte nur als einfache moralische Belehrung beizubehalten.

Welche Rolle spielt die Mutter in Rühmkorfs Blaubart-Version?

Die Mutter wird zur zentralen Figur, die maßgeblich für Blaubarts ödipalen Komplex und seinen Frauenhass verantwortlich gemacht wird, wodurch die Schuldfrage vom traditionellen Frauenbild auf eine psychologische Ebene verschoben wird.

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Details

Title
Peter Rühmkorfs Märchen - Anders als die der ART-Genossen
College
University of Tubingen  (Deutsches Seminar)
Grade
2
Author
Michael Kossack (Author)
Publication Year
2001
Pages
22
Catalog Number
V6851
ISBN (eBook)
9783638143295
Language
German
Tags
Peter Rühmkorfs Märchen Anders ART-Genossen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Kossack (Author), 2001, Peter Rühmkorfs Märchen - Anders als die der ART-Genossen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6851
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