Inhalt
Einleitung 3
1. Beweggründe der Meerfee für die „Rettung“ Lanzelets 5
2. Motivationen Lanzelets für die Trennung vom Feenreich 7
3. Wichtige Funktionen der Erziehung für Lanzelet 8
4. Bestimmung Lanzelets Aventiure- und Minneweg durch die Meerfee 11
4.1 Der Aventiureweg 11
4.2 Der Minneweg 14
Resümee 17
Literaturverzeichnis 18
Eidesstattliche Erklärung 20
Einleitung
Johannes Chrysostomus […]: ‚Prägt man die guten Lehren in die Seele ein, solange sie noch zart sind, so wird niemand sie herauszureißen vermögen, sobald sie fest geworden sind wie ein Siegelabdruck’
Wenn man dieses Zitat liest, dann erinnert es an die Kindheit Lanzelets im Feenreich. Denn Lanzelet war noch ein Kleinkind, als er auf die Insel entführt wurde, und seine Ziehmutter prägte ihn fürs Leben.
Vor diesem Hintergrund interessiert sich die bisherige Forschung für Motive der Erziehung Lanzelets im Feenreich. Kurt Ruh zum Beispiel bringt ‚Lanzelet’ mit der keltischen Sage in Verbindung und vermutet, dass „hier zweifelsohne die Vorstellung jener glückseligen, von Siden bewohnten Inseln zugrunde [liegt], zu der gelegentlich Männer gelangen oder, zumeist, hergelockt werden […]. Sie genießen für eine beschränkte Zeit die Liebe einer Sidenfrau, fahren wieder in die Menschenwelt zurück, vielfach mit schwer erfüllbaren Aufgaben.“ Da keinerlei Gefühlsbindung zwischen der Meerfee und Lanzelet vom Autor Ulrich von Zatzikhoven beschrieben wird, kann man wohl diese Vermutung nicht zweifelsfrei belegen. René Pérennec vermutet das Prinzip der Heiratsordnung als zugrunde liegend, nach der nur außerhalb des eigenen sozialen Verbandes geheiratet werden darf, das heißt im Kontext des Werkes: „damit der Held nicht in Versuchung gerät, sich innerhalb des vertrauten Lebenskreises eine Frau auszusuchen, wird er vorsorglich schon im Kindesalter von der Heimat entfernt.“ Trotz das hier die Motive der Meerfee zu einseitig betrachtet werden, gab es in der späteren Forschung Zustimmung. Durch Dieter Welz, „der vom ‚exogame[n] Tatendrang des Romanhelden’ sprach, und durch SCHMID, nach deren […] Meinung sich die Meerfee ‚engagiert in den Dienst des exogamen, dynastischen Prinzips gestellt’ hat.“ Barbara Thoran hingegen, zieht intertextuelle Parallelen, sie behauptet, dass die Meerfee Lanzelet bewahrt hat, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. […] Aus diesem Grund müssen wir die Frage stellen: Welche Funktion hat Lanzelets Kindheit im Feenreich für den Gesamtroman?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Beweggründe der Meerfee für die „Rettung“ Lanzelets
2. Motivationen Lanzelets für die Trennung vom Feenreich
3. Wichtige Funktionen der Erziehung für Lanzelet
4. Bestimmung Lanzelets Aventiure- und Minneweg durch die Meerfee
4.1 Der Aventiureweg
4.2 Der Minneweg
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionale Bedeutung von Lanzelets Kindheit im Feenreich für den Gesamtverlauf des Romans von Ulrich von Zatzikhoven. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Erziehung durch die Meerfee den späteren Lebensweg des Protagonisten – insbesondere seinen Aventiure- und Minneweg – bestimmt und als Vorbereitung für seine Integration in die höfische Gesellschaft dient.
- Analyse der Motive der Meerfee für die Entführung und Erziehung Lanzelets.
- Untersuchung der Beweggründe Lanzelets für den Verlassen des Feenreichs.
- Bewertung der erlernten Fähigkeiten und deren Auswirkungen auf Lanzelets Handeln.
- Untersuchung der Steuerung von Lanzelets Aventiure- und Minneweg durch die Meerfee.
- Betrachtung der Integration Lanzelets in die höfische Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3. Wichtige Funktionen der Erziehung für Lanzelet
Da Lanzelet nur unter Frauen aufgewachsen ist, und „die Meerfee […] bei seiner Erziehung besonderen Wert auf seine Redegewandtheit“ gelegt hat, wird eine Unfähigkeit sichtbar. Denn es „mangelt […] ihm an dem Vermögen, sich in der Welt der Männer angemessen zu artikulieren.“ Beispielgebend dafür ist die Reaktion von Johfrit de Liez, nachdem er mit Lanzelet gesprochen hatte:
er jach, daz er nie gesaehe
deheinen kindischen degen,
der sô schoener worte kunde pflegen
Man muss hierbei bedenken, dass diese Begegnung für Lanzelet direkt nach dem Auszug aus dem Feenreich stattgefunden hat, und dass auf ihn zum ersten Mal ein Mann zukommt. Hieran kann man deutlich erkennen, „daß sprachliche Kompetenzen und Verhaltensmuster genauso gelernt werden müssen wie Kampftechniken.“ Jedoch im Gespräch mit Iblis, also einer Frau, wird deutlich, dass die höfische Redeweise ihm auch zugute kommen kann:
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es werden die Forschungsansätze zu Lanzelets Kindheit dargestellt und die Fragestellung nach der Funktion dieser Zeit für den Gesamtroman entwickelt.
1. Beweggründe der Meerfee für die „Rettung“ Lanzelets: Die Analyse zeigt auf, dass die Meerfee eigennützige Ziele verfolgte und Lanzelet als Instrument zur Sicherung ihres Erblandes und zur Rache an Iweret einsetzte.
2. Motivationen Lanzelets für die Trennung vom Feenreich: Lanzelets Wunsch nach ritterlicher Betätigung sowie das Leiden unter seiner eigenen Namenlosigkeit werden als zentrale Antriebe für den Aufbruch aus der Abgeschiedenheit des Feenreichs identifiziert.
3. Wichtige Funktionen der Erziehung für Lanzelet: Es wird erörtert, welche sozialen und ritterlichen Kompetenzen Lanzelet im Feenreich erwarb und wo seine erziehungsbedingten Defizite in der Männerwelt lagen.
4. Bestimmung Lanzelets Aventiure- und Minneweg durch die Meerfee: Das Kapitel untersucht, wie die Meerfee als lenkende Instanz Lanzelets Weg zur Identitätsfindung, zum sozialen Status und zur Minne aktiv durch symbolische Handlungen steuerte.
Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass Lanzelets Kindheit das fundamentale Fundament bildet, ohne das sein späteres ritterliches Verhalten und seine Integration in die Gesellschaft nicht interpretierbar wären.
Schlüsselwörter
Lanzelet, Ulrich von Zatzikhoven, Feenreich, Meerfee, Erziehung, Artusroman, Aventiure, Minne, Iblis, Identitätsfindung, Rittertum, Sozialisation, Höfische Gesellschaft, Exogamie, Motivik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Kindheit des Protagonisten Lanzelet im Feenreich und deren prägende Funktion für seine weitere Entwicklung im höfischen Roman.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentral sind die Erziehungsmethoden der Meerfee, Lanzelets soziale Entwicklung, seine Identitätsfindung und seine Integration in die arthurische Welt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu beweisen, dass Lanzelets Kindheit im Feenreich nicht isoliert zu betrachten ist, sondern die notwendige Basis für seinen Aventiure- und Minneweg sowie seine spätere Herrschaftsfähigkeit darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Hausarbeit angewandt?
Es handelt sich um eine funktionsorientierte und intertextuelle Analyse, bei der Textbelege aus dem Originalwerk herangezogen und mit fachwissenschaftlichen Interpretationen abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Motivanalyse der Meerfee, die Fluchtmotivation Lanzelets, die Auswirkungen der Erziehung und die gezielte Steuerung von Lanzelets Aventiure- und Minneweg durch die Ziehmutter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Lanzelet, Feenreich, Meerfee, Erziehung, Aventiure, Minne, Identität und soziale Integration.
Warum entführt die Meerfee Lanzelet überhaupt?
Die Analyse legt dar, dass die Meerfee den Jungen als Mittel zum Zweck einsetzt, um ihren eigenen Sohn vor dem Feind Iweret zu schützen und ihre persönlichen dynastischen Ziele zu erreichen.
Welche Rolle spielt die „Namenlosigkeit“ für den Protagonisten?
Die Namenlosigkeit symbolisiert den fehlenden Platz in der höfischen Welt; ihre Aufhebung durch die Meerfee ist die zwingende Voraussetzung für Lanzelets erfolgreiche Integration und den Erhalt seines Erbes.
- Quote paper
- Christiane Scheiter (Author), 2006, Lanzelets Kindheit im Feenreich - eine funktionsorientierte Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68528