Während meines Praxissemesters im Allgemeinen Krankenhaus Wandsbek (Hamburg) hat sich durch Kontakte mit dem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe des Landesbetriebes Krankenhäuser Hamburg meine Wahrnehmung für Beratung in der Weiterbildung sensibilisiert. Dadurch wurde mein Interesse geweckt hinsichtlich der Fragestellung, worin die Notwendigkeit der Beratung für ein Bildungswerk besteht und wie die Umsetzung in der Praxis aussieht. Durch das Seminar „Beratung & Supervision“ erhielt ich Grundlagen, die mich anregten, mich mit dem Thema der Beratung innerhalb der Weiterbildung näher zu befassen. Hierbei interessierte mich insbesondere, worin sich die vielen verschiedenen Beratungsansätze unterscheiden und welcher optimal der speziellen Weiterbildungssituation von Erwachsenen entspricht. Vorliegende Hausarbeit soll helfen, diese Fragen zu klären und die Bedeutung der Beratung im Rahmen der Weiterbildung aufzuzeigen. Dabei wird zunächst eine begriffliche Bestimmung von Beratung versucht. Anschließend wird die Beratung im Kontext der Weiterbildung skizziert. Bei der Darstellung der verschiedenen Beratungsansätze wurde eine besondere Gewichtung auf den Rogerschen Ansatz - als klassischer Ansatz der Beratung - gelegt, da er auch in der Weiterbildungsberatung Einzug gehalten hat. Die weiteren Ansätze von Mutzeck, Giesecke, Schlee und Schley werden nur grob skizziert und anschließend miteinander verglichen. In einer Quintessenz wird die Umsetzungsmöglichkeit der dargestellten Beratungsansätze untersucht. Die von mir recherchierte Literatur zum Thema stellt den aktuellen, wissenschaftlichen Stand in Ansätzen dar und ist dennoch zu großen Teilen in den 70`er, 80`er und 90`er Jahren verfasst worden. Die dargestellte Arbeit stellt einen Teil des wissenschaftlichen Diskurses der Weiterbildungsberatung dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition des Begriffs Beratung
2.1. Aufgabenfelder und Ziele von Beratung im Bereich Schule
2.2. Aufgabenfelder der pädagogischen Beratung
2.3. Außerschulische Beratungsdienste
2.4. Sonderpädagogische Beratung
3 Weiterbildungsberatung
3.1 Beratungsformen
3.2 Ziele der Weiterbildungsberatung
3.3 Aufgabe der Weiterbildungsberatung
3.4 Praxiskonflikte der Weiterbildungsberatung
4 Beschreibung ausgewählter Beratungsansätze
4.1 Rogers Beratungsansatz
4.1.1 Merkmale
4.1.2 Position des Therapeuten
4.1.3 unstimmige Verhaltensweisen
4.1.4 Ausgang einer wirkungslosen Beratung
4.1.5 Fähigkeiten des Beraters
4.2 Mutzecks Beratungsansatz der kooperativen Beratung
4.2.1 Fundus und Ziel der kooperativen Beratung
4.2.2 Menschenbildkonstruktion
4.2.3 Bestandteile und Ablauf des Beratungsprozesses
4.3 Gieseckes Beratungsansatz: Beraten als Grundform pädagogischen Handelns
4.4 Schlees Beratungsansatz: Beratung und Supervision in kollegialen Unterstützungsgruppen
4.5 Schleys Beratungsansatz: Das Konzept der Systemberatung und Organisationsentwicklung
5 Gegenüberstellung der ausgewählten Beratungsansätze
5.1. Gegenüberstellung der Ziele
5.2. Gegenüberstellung der theoretischen Hintergründe
5.3. Gegenüberstellung der Beratungsmerkmale
6 Quintessenz aus der Gegenüberstellung der Beratungsansätze
7 Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und praktische Umsetzung von Beratung innerhalb der beruflichen Weiterbildung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich verschiedene Beratungsansätze voneinander unterscheiden und welcher dieser Ansätze optimal auf die spezifische Situation erwachsener Weiterbildungsteilnehmer angewendet werden kann.
- Definition und theoretische Bestimmung des Beratungsbegriffs
- Analyse der Funktion und Praxiskonflikte der Weiterbildungsberatung
- Detaillierte Darstellung klassischer und moderner Beratungsansätze (Rogers, Mutzeck, Giesecke, Schlee, Schley)
- Vergleichende Gegenüberstellung der Ziele, Hintergründe und Merkmale dieser Ansätze
- Kritische Reflexion der Übertragbarkeit auf die Weiterbildungspraxis
Auszug aus dem Buch
4.1 Rogers Beratungsansatz
Rogers (1999) definiert Beratung folgendermaßen:
„Wirksame Beratung besteht aus einer eindeutig strukturierten, gewährenden Beziehung, die es dem Klienten ermöglicht, zu einem Verständnis seiner selbst in einem Ausmaß zu gelangen, das ihm befähigt, aufgrund dieser neuen Orientierung positive Schritte zu unternehmen“ (ebd., 28).
Merkmale
In der Gesprächsführung nach Rogers (1999) sind folgende Variablen zentral für den Beratungsprozess:
1. größere Unabhängigkeit und Integration des Individuums
2. individueller Drang zum Wachsen in Richtung Gesundheit
3. emotionale Elemente
4. Ausgangspunkt ist die derzeitige Situation.
5. Betonung der therapeutischen Beziehung als eigenen Erfahrungsprozess des Wachsens.
Nach Weinberger (1980) werden weiterhin dem Klienten keine Ratschläge, Interpretationen oder fertige Lösungen angeboten und es wird mit dem Klienten und nicht für den Klienten gearbeitet. Hierbei spielt die Beziehung zwischen Berater und Klient eine entscheidende Rolle. Das Individuum als solches steht im Mittelpunkt der Betrachtung und seine Eigenkräfte werden gefördert und gestärkt. Während des Beratungsprozesses werden dem Klienten zunehmend Erfahrungen und Gefühle bewusst, die ihm in der Vergangenheit nicht zugänglich waren, wobei die Vergangenheit zugunsten der Gegenwart vernachlässigt wird (im Gegensatz zur Psychoanalyse). Ziel ist es, die krankmachenden Inkongruenzen zwischen Selbstkonzept und Erfahrungen aufzulösen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die wachsende Bedeutung der beruflichen Weiterbildung ein und begründet die Notwendigkeit einer zielgerichteten Beratung für Weiterbildungsinteressenten.
2 Definition des Begriffs Beratung: In diesem Kapitel erfolgt eine begriffliche Bestimmung der Beratung sowie eine Einordnung in verschiedene Aufgabenfelder und Strukturen.
3 Weiterbildungsberatung: Hier wird die spezielle Form der Weiterbildungsberatung erläutert, ihre Notwendigkeit betont und die verschiedenen Beratungsformen und deren Praxiskonflikte werden dargestellt.
4 Beschreibung ausgewählter Beratungsansätze: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Übersicht über die Ansätze von Rogers, Mutzeck, Giesecke, Schlee und Schley als theoretische Grundlagen.
5 Gegenüberstellung der ausgewählten Beratungsansätze: Die verschiedenen Konzepte werden anhand ihrer Ziele, theoretischen Hintergründe und Beratungsmerkmale systematisch miteinander verglichen.
6 Quintessenz aus der Gegenüberstellung der Beratungsansätze: Dieses Kapitel reflektiert die Stärken und Schwächen der analysierten Ansätze hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in der Weiterbildungspraxis.
7 Abschlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einordnung der Ergebnisse und betont, dass Beratung ein unverzichtbares Element der Weiterbildung bleibt.
Schlüsselwörter
Weiterbildungsberatung, Beratungsprozess, Rogers, Kooperative Beratung, Giesecke, Systemberatung, Lebenslanges Lernen, Bildungsreform, Beratungskompetenz, Personenzentrierte Gesprächsführung, Berufliche Weiterbildung, Selbsthilfe, Humanistische Psychologie, Beratungspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der Bedeutung und dem Stellenwert von Beratung in der beruflichen Weiterbildung und untersucht, wie Beratungsangebote gestaltet sein sollten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen der Beratung, die speziellen Aufgaben der Weiterbildungsberatung und die vergleichende Analyse verschiedener psychologischer Beratungsansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Notwendigkeit von Beratung in der Weiterbildung zu begründen und zu klären, welcher Beratungsansatz für die spezielle Situation erwachsener Lernender optimal geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literatur- und Theorieanalyse durch, um bestehende Beratungsansätze darzustellen und diese in einer Gegenüberstellung kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Beratungsbegriffs, die Darstellung der Weiterbildungsberatung sowie die detaillierte Beschreibung und den Vergleich ausgewählter Beratungskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Weiterbildungsberatung, personenzentrierte Gesprächsführung, Systemberatung und lebenslanges Lernen beschreiben.
Warum stellt der Autor Rogers' Ansatz besonders heraus?
Der Rogers-Ansatz gilt als klassisches Modell der Beratung und dient als Basis für viele modernere Beratungskonzepte, weshalb er als Ausgangspunkt der Analyse gewählt wurde.
Was wird unter der "kooperativen Beratung" nach Mutzeck verstanden?
Dabei handelt es sich um eine horizontal strukturierte Beratung, bei der Berater und Ratsuchender gleichwertig und dialogkonsensual gemeinsam nach Lösungen für ein definiertes Problem suchen.
- Quote paper
- Diplom Pflegewirt (FH) Sebastian Herholz (Author), 2003, Darstellung der Beratung im Rahmen der Weiterbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68560