'Konsum ist geil' - der Umgang mit Geld will gelernt sein


Examensarbeit, 2007

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 Projektmethode
1.1 Definition des Begriffs Projektmethode
1.2 Einordnung des Unterrichtsvorhabens

2 Grundlegende Planung
2.1 Bedingungsanalyse
2.1.1 Klassensituation
2.1.2 Grundlegende Organisation und Überblick
2.2 Hintergrundwissen
2.3 Bildungsplan
2.3.1 Didaktische Begründung der Thematik
2.3.2 Didaktische und methodische Überlegungen zum Ablauf
2.3.3 Angestrebte Ziele
2.3.4 Verlaufsskizze

3 Durchführung und Reflexion
3.1 Ausgangssituation
3.2 Pizzaessen: Organisieren – Finanzieren – Reflektieren
3.3 Verhaltensauffällige Schüler
3.4 Erreichbarkeit der Ziele
3.5 Schrittweise Annäherung an die Projektmethode

4 Literatur- und URL-Verzeichnis
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 URL-Verzeichnis

5 Anhang
5.1 Infoschreiben an die Eltern und Materialkostenliste
5.2 Arbeitsblatt „Finanzbereich“

1. Projektmethode

1.1 Definition des Begriffs Projektmethode

Innerhalb der pädagogischen Fachliteratur ist man sich weitestgehend darüber einig, dass es keine allgemeingültige Definition der „Projektmethode“ gibt. Jedoch haben sich viele Pädagogen an ihr versucht. Nachfolgend sollen stellvertretend einige von ihnen aufgeführt werden.

Karl Frey definiert die Projektmethode folgendermaßen:

„Eine Gruppe von Lernenden bearbeitet ein Gebiet. Sie plant ihre Arbeiten selbst und führt sie auch aus. Oft steht am Ende ein sichtbares Produkt.“[1]

Herbert Gudjons beschreibt die Methode mithilfe eines Merkmalkatalogs, der 10 Kriterien umfasst:

-Situationsbezug
-Orientierung an den Interessen der Beteiligten
-Selbstorganisation und Selbstverwaltung
-Gesellschaftliche Praxisrelevanz
-Zielgerichtete Projektplanung
-Produktorientierung
-Einbeziehen vieler Sinne
-Soziales Lernen
-Interdisziplinarität
-Bezug zum Lehrgang[2]

Für Susanne Endler sind Projekte so zu strukturieren, dass sie überschaubar sind und das zusammenwirken aller Beteiligter effizient und motivierend gestaltet werden kann. Sie legt ebenfalls Kriterien für das Projekt fest und zwar aus Sicht des Projektmanagements:

„Eine Aufgabenstellung mit Risiko (es kann auch schief gehen!) und einer gewissen Einmaligkeit (keine Routinefähigkeit), eindeutige Aufgabenstellung, Verantwortung und Zielsetzung für ein Gesamtergebnis, zeitliche Befristung (definierter Anfangs- und Endpunkt), begrenzter Ressourceneinsatz, verschiedenartige, untereinander verbundene, wechselseitig voneinander abhängige Teilaufgaben und eine besondere, auf das Vorhaben abgestimmte Organisation.“[3]

An diesen drei Beispielen lässt sich gut erkennen, dass sich der komplexe Projektbegriff nicht eindeutig definieren, sondern eher einkreisend umschreiben lässt. Dazu bemerkt Frey:

„Die Projektmethode ist eine offene Lernform. Sie nimmt auf die lokale Situation und auf Teilnehmerinteressen Rücksicht. Sie lässt sich folglich auch nicht durch eine präzise Definition beschreiben.“[4]

1.2 Einordnung des Unterrichtsvorhabens

Das im folgenden Kapitel ausführlich beschriebene Unterrichtsvorhaben weist zwar viele der unter 1.1 aufgeführten Charakteristika eines Projektes auf, doch stufe ich den Grad der Selbstorganisation und Selbstverwaltung der Schüler innerhalb der Planung und Durchführung als zu gering ein, um von einem „lupenreinen“ Projekt sprechen zu dürfen. Eine relativ detailliierte Vorgabe der Arbeitsziele und des Themas durch den Lehrer verstärkt diese These zudem. „Projektartiges Arbeiten“ halte ich daher für den geeigneteren Übergriff für die bevorstehende Unterrichtssequenz. Diese Methode grenzt zwar die Entfaltungsmöglichkeiten der Schüler gegenüber der Projektmethode ein Stück weit ein, stellt für mich jedoch die ideale Reduktion für eine projektunerfahrene fünfte Klasse dar, der zudem einige sehr verhaltensauffällige Schüler angehören.

Zwar ist der Projektunterricht nach Gudjons nicht an die strikte Einhaltung aller Kriterien gebunden[5], so stellt jedoch gerade die selbstständige Planung, etwa nach Frey[6], ein zentrales Charakteristika eines Projektes dar. Mit Hilfe der nachfolgenden Bewertungstabelle soll veranschaulicht werden, wie stark der Projektcharakter der Unterrichtssequenz voraussichtlich ausgeprägt sein wird. Hierfür werden Gudjons zehn Projektkriterien zugrunde gelegt. Die Bewertungsskala reicht von ++ = „sehr stark“ bis -- = „sehr schwach“. Mithilfe der hinteren Spalte lässt sich nachvollziehen, in wie weit sich die anfänglichen Einschätzungen im Nachhinein als zutreffend erwiesen haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Grundlegende Planung

2.1 Bedingungsanalyse

2.1.1 Klassensituation

Das Projekt „Konsum ist geil - der Umgang mit Geld will gelernt sein“ wird in der Klasse 5a derX Stuttgart im Rahmen mehrerer Unterrichtseinheiten und Bildungsplantagen durchgeführt. Während das Fach Mathematik die Basis des Projektes bildet, sind ferner die Fächer IT, Sport und NWA involviert. Ich unterrichte die Klasse seit Beginn dieses Schuljahres in den Fächern Mathematik und Sport.

Die Klasse 5a besteht aus 11 Mädchen und 17 Jungen. Viele der Schüler kennen sich nach ihrem Wechsel in die weiterführende Schule erst seit wenigen Wochen und es findet derzeitig noch ein intensiver Prozess des Kennenlernens statt. Gerade die intensive Zusammenarbeit in Gruppen im Verlaufe des Projektes kann diesen Prozess unterstützen. Es handelt sich bei der 5a um eine sehr lebhafte Klasse und viele der Schüler lassen sich sehr leicht vom Unterrichtsgeschehen ablenken. Dennoch bringen sich erfreulich viele Schüler positiv ins Unterrichtsgeschehen ein.

Viele der Kinder haben einen Migrationshintergrund und in punkto Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik konnten bei ihnen verstärkt Defizite ausgemacht werden. Diese haben allerdings auf die erfolgreiche Durchführung des Projektes keinen gravierenden Einfluss.

Einige verhaltensauffällige Schüler bedürfen einer näheren Erläuterung: Schüler H. hat schon mehrfach Klassen wiederholt und wäre altersmäßig eigentlich schon in Klasse 8. Er hat enorme Probleme sich in die Klasse deutlich jüngerer Mitschüler zu integrieren. H. ist ferner schon mehrfach durch undiszipliniertes und aggressives Verhalten auffällig geworden. Momentan befindet er sich nach einem Übergriff auf jüngere Schüler einer anderen Klasse am Rande eines Unterrichtsausschlusses.

Neben Schüler H. ist Schüler F. ein ständiger Unruheherd in der Klasse. Durch sein hyperaktives Verhalten trägt er meist unbewusst dazu bei, dass seine Mitschüler in ihrer Aufmerksamkeit gestört werden.

Schüler C. und V. fallen durch sehr nachlässiges Verhalten während dem Unterricht auf. Auch nach mehrmaliger Aufforderung bzw. Erläuterung sind sie oft nicht in der Lage, geeignete Materialien bereitzuhalten oder dem Unterrichtsgeschehen zu folgen.

Diese Umstände müssen berücksichtigt werden und betroffene Schüler bedürfen gerade in offenen Unterrichtsphasen verstärkter Beobachtung, Differenzierung und Förderung.

2.1.2 Grundlegende Organisation und Überblick

Beim Unterrichtsvorhaben handelt es sich um eine Kombination aus projektartigem und interdisziplinärem Unterricht. Es wird eine Umfrage zum Thema Taschengeld an der Schule durchgeführt und die Daten ausgewertet sowie interpretiert. Fernsehsendungen werden auf offensichtliche und versteckte Werbung hin untersucht und durch projektartiges Arbeiten zum Thema „Pizzaessen: Organisieren - Finanzieren – Reflektieren“ sollen die Schüler für den Umgang mit Geld sensibilisiert werden und einen gewissen Einblick in den „Geldkreislauf“ bekommen. Da das Gesamtvorhaben den Umfang des „Prüfungsprojektes“ sprengen würde, werden sich meine Ausführungen auf den projektartigen Bereich „Pizzaessen: Organisieren - Finanzieren – Reflektieren“ konzentrieren.

Die Mitarbeit der Eltern ist für die Durchführung des Unterfangens unentbehrlich. Daher wurden sie am ersten Elternabend auf die Bedeutung des Projektes aufmerksam gemacht und um kooperatives Verhalten gebeten. Ferner wurden sie darüber informiert, dass sie via E-Mail-Kontakt und Infoblättern auf dem Laufenden gehalten werden, woraufhin eine klasseninterne E-Mail-Adressenliste erstellt worden ist.

Der geplante Unterricht findet im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof, in einem Supermarkt sowie in der Schulküche statt. Die nötigen Raumbelegungen wurden vorab sichergestellt. Für die „aufsichtsintensiven“ Unterrichtsbereiche konnte mit der Klassenlehrerin eine weitere Lehrkraft gewonnen werden.

Der projektartige Unterricht lässt dich grob in drei Phasen unterteilen: Nachdem vorab per Infoblatt geklärt wurde, wie viele der Eltern der 5a gemeinsam mit ihren Kindern einen Kuchen, Muffins o. ä. backen und spenden, wird in der darauffolgenden Mathestunde berechnet, zu welchem Preis man diese in der Pause verkaufen muss, um vom Gewinn ein gemeinsam organisiertes Mittagessen finanzieren zu können. Hierfür erhalten die Schüler einige wichtige Zusatzinformationen wie die Anzahl der Stücke pro Kuchen, entstehende Zusatzkosten usw.

In der zweiten Phase werden Werbeplakate für den Kuchenverkauf erstellt, dieser organisiert und schließlich in zwei aufeinanderfolgenden großen Pausen durchgeführt. Hierfür werden die Schüler in mehrere Schichten und Tätigkeitsbereiche eingeteilt. In der darauffolgenden Mathestunde wird das Geld gezählt, der erzielte Gewinn ermittelt und ein Kostenvoranschlag für die Mittagessenzutaten gemacht.

Die letzte Phase findet dann am ersten Bildungsplantag statt, an dem Einkaufslisten erstellt werden, gemeinsam im Supermarkt eingekauft, eine Kontrolle der Finanzen durchgeführt, gemeinsam gekocht und schließlich zusammen gegessen wird. Ein etwaiger Überschussbetrag wird in die Klassenkasse fließen.

Das Unterrichtsvorhaben wird voraussichtlich „Präventionsprojekt“ der Zentralen Schuldnerberatung (ZSB) Stuttgart, die mit Hilfe der Ausstellung „Schuldenfrei. Zukunft frei.“

„interessierten Pädagogen Anregungen zur kreativen und nachhaltigen Auseinandersetzung mit all jenen Themen geben, die im Zusammenhang mit Verschuldung wichtig sind: Werbung, Konsum, Marken, Werte und wirtschaftliche Kompetenz.“[7]

2.2 Hintergrundwissen

Mit Erschrecken nimmt man zur Kenntnis, dass die Schuldenbereitschaft Jugendlicher und junger Erwachsener stetig zunimmt. Etwa jeder zehnte Jugendliche oder junge Erwachsene steht bereits mit durchschnittlich 1550 Euro in der Kreide. Das hat das Institut für Jugendforschung in München ermittelt.

Diese alarmierenden Zahlen zeigen den dringenden Handlungsbedarf auf. Nicht selten werden bereits mit frühen Schulden die Weichen für eine spätere Überschuldung gestellt, die nicht nur die Betroffenen seelisch und psychisch schwer belastet, sondern auch für die Volkswirtschaft mit spürbaren Nachteilen verbunden ist.[8]

„Dass sich Jugendliche so schnell verschulden, liegt unter anderem daran, dass sie nicht richtig lernen, mit Geld umzugehen. In Familien wird das Thema „Umgang mit Geld“ oft nicht angesprochen. Die Eltern sind oft zu bequem und halten es nicht für nötig, ihre Kinder dementsprechend aufzuklären. In de heutigen Welt wird jedoch vorausgesetzt, dass jeder mit Geld umgehen kann.“[9]

„Es ist unbestritten, dass Kinder üben müssen, mit Geld umzugehen. Das heißt, sie müssen seinen Wert und seine Bedeutung kennen lernen. Es ist wichtig, dass sie erleben können, dass es in unser aller Leben eine Rolle spielt. Das geht am ehesten über eigene Erfahrungen.

Den Umgang mit Geld zu lernen, heißt, dem jungen Menschen Gelegenheit zu geben, Selbstdisziplin, Voraussicht, und vielleicht auch soziale Mitverantwortung zu entwickeln. Und das geht nur, wenn das selbst verdientes Geld nicht nur für sein eigenes Vergnügen zu Verfügung hat.“[10]

Welch gigantische Kaufkraft Kinder und Jugendliche mittlerweile in Deutschland besitzen, lässt sich an folgenden Zahlen ansatzweise erahnen: Jugendliche (10-19 Jahre) in der Bundesrepublik verfügten im Jahr 2004 über ein Gesamtkapital von etwa 23 Milliarden €. Sparten, die besonders von Jugendlichen profitieren, werden nachfolgend aufgelistet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut „iconKids & youth“ München, in: Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart: „Schuldenfrei. Zukunft frei.“, 2006, S. 97

Von etwa 39 Millionen Haushalten, die es in Deutschland gibt, sind knapp 10 % nicht mehr in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. In Stuttgart hat sich die Anzahl der Räumungsklagen wegen Mietschulden in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Ähnlich verhält es sich mit den Zahlen zu Förderungspfändungen, insbesondere Lohn-, Gehalts- und Kontenpfändungen. Die Zahl der eidesstattlichen Versicherungen hat sich in besagtem Zeitraum sogar fast verdreifacht.[11]

Bei diesen erschreckenden Zahlen liegt natürlich die Befürchtung nahe, dass auch zukünftig die Anzahl der Menschen, die (teilweise leichtfertig) in die Schuldenfalle tappen werden, ohne ausreichende Präventionsmaßnahmen weiter zunimmt.

[...]


[1] Frey, Karl: Die Projektmethode. Der Weg zum bildenden Tun; 2002; S. 13

[2] Gudjons, Herbert: Das Projektbuch. Theorie, Praxisbeispiele, Erfahrungen; 1991; S. 16-26

[3] Endler, Susanna: Projektmanagement in der Schule. Projekte erfolgreich planen und gestalten; 2004; S. 11

[4] Frey, Karl: Die Projektmethode. Der Weg zum bildenden Tun; 2002; S. 16

[5] Gudjons, Herbert: Das Projektbuch. Theorie, Praxisbeispiele, Erfahrungen; 1991; S. 16-26

[6] Frey, Karl: Die Projektmethode. Der Weg zum bildenden Tun; 2002; S. 13

[7] Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart: „Schuldenfrei. Zukunft frei.“; 2006; S. 5

[8] a. a. O.

[9] Jung, Christoph: Jugendliche in der Schuldenfalle; o. J.; http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID901026,00.html

[10] Zentrum Bayern Familie und Soziales, Bayrisches Landesjugendamt: Eltern im Netz: AFinanzen@; 2002; http://www.elternimnetz.de/cms/paracms.php?site_id=5&page_id=133

[11] Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart: „Schuldenfrei. Zukunft frei.“; 2006; S. 96f

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
'Konsum ist geil' - der Umgang mit Geld will gelernt sein
Veranstaltung
Examensarbeit für das 2. Staatsexamen (RS)
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V68565
ISBN (eBook)
9783638596206
ISBN (Buch)
9783640420308
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dokumentation einer interdisziplinären (u. a. Mathematik), projektartigen Unterrichtssequenz bei der eine 5. Klasse (RS) Geld erwirtschaften musste, mit dessen Hilfe ein gemeinsames Pizzaessen finanziert werden sollte. Mit ausführlicher Reflektion und Arbeitsblättern im Anhang.
Schlagworte
Konsum, Umgang, Geld, Examensarbeit, Staatsexamen
Arbeit zitieren
Daniel Klumpp (Autor:in), 2007, 'Konsum ist geil' - der Umgang mit Geld will gelernt sein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68565

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: 'Konsum ist geil' - der Umgang mit Geld will gelernt sein



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden