Der zunehmende Wettbewerbsdruck und enorm gestiegene Anforderungen im Hinblick auf Flexibilität, Reaktionsschnelligkeit, Qualität und Kundenorientierung sowie die Notwendigkeit der wettbewerbsfähigen Präsenz auf internationalen Märkten bedingen einen reibungslos funktionierenden Einsatz von Informationstechnologie (IT) und Informationssystemen.
Der Markt für IT-Beratung und IT-Dienstleistungen in Deutschland ist ein Milliarden-Euro-Markt. Unternehmen sind sehr stark von ihrer IT abhängig. Fast alle Geschäftsprozesse in den Unternehmen werden heute von der IT gesteuert, beeinflusst oder überwacht.
In den letzten Jahren hat sich der Markt für IT-Beratung und Systemintegration jedoch enorm gewandelt: Aus einem Anbietermarkt wurde ein Käufermarkt. Durch Globalisierung getrieben wurden auch die IT-Anforderungen von Konzernen immer internationaler.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, werden Einsparungs- und Verbesserungspotenziale im IT-Bereich notwendig. Nachdem alle firmeninternen strukturellen Verbesserungen ausgeschöpft sind, könnte das Outsourcing von Geschäftsprozessen eine Möglichkeit sein, Kosten zu reduzieren.
Im Sinne eines effektiven Kosten-/ Nutzen-Verhältnisses ist zu klären, ob Prozesse einzeln oder gemeinsam ausgegliedert werden sollten, dadurch könnten Prozesskosten eingespart und Qualität gesteigert werden. Hier besteht z. B. die Möglichkeit Shared Service Center einzurichten.
Shared Service Center gehören seit einigen Jahren zu den wichtigsten Modellen, um insbesondere die Service-Prozesse im Finanz-, Personal- und IT-Bereich effizienter und damit kostengünstiger zu gestalten. Großkonzerne wie Siemens und Lufthansa haben bereits erfolgreich Shared Services weltweit implementiert. Auch der gehobene Mittelstand zeigt großes Interesse am Einsatz von Shared Services, allerdings eignet sich dieses Konzept nur bedingt für den Mittelstand und es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
Ziel dieser Arbeit ist es, diese Voraussetzungen herauszuarbeiten und eine Vorgehensweise zu entwickeln, welche auf der einen Seite die Effizienzverbesserungen durch Shared Service Center darstellt sowie auf der anderen Seite die Methoden, Prozesse und Verfahren für den Einsatz von Shared Services abbildet. So kann eine Aussage über den Einsatz von Shared Services getroffen und eine Prognose über die Entwicklungen auf dem deutschen und internationalen Markt gemacht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Historische Entwicklung des Outsourcings
2.2 Formen des Outsourcings
2.2.1 Transaktionales Outsourcing (Processing Services)
2.2.2 Applikations-Outsourcing
2.2.3 Business Process Outsourcing
3 Wirtschaftlichkeitspotenziale des Outsourcings
3.1 Monetäre Kriterien
3.1.1 Mengeneffekte (economies of scale)
3.1.2 Verbundeffekte (economies of scope)
3.2 Nicht-monetäre Entscheidungskriterien
3.2.1 Prozessoptimierung und -standardisierung
3.2.2 Risikominimierung
4 Shared Service Center im IT Bereich
4.1 Die Organisation und der Standort
4.2 Verbundeffekte im IT Shared Service Center
5 Umsetzung des Outsourcing-Konzeptes IT-Shared Service Center
5.1 Überblick ITIL
5.1.1 Service Support Prozess
5.1.2 Service Delivery Prozesse
6 Aufbau eines Shared Service Centers
6.1 Vorüberlegungen
6.2 Standardisierung der Geschäftsprozesse
6.3 Strukturierung
6.4 Planung und Aufbau
6.4.1 Service Level Agreements
6.5 Business Case für Shared Service Center
6.6 Prozesskostenrechnung (PKR) für das Shared Service Center
7 Motive, Chancen und Risikoaspekte beim Aufbau von Shared Service Centern
7.1 Motive und Chancen
7.2 Nutzenermittlung
7.3 Risikoaspekte
8 Lünendonk Studie Einkauf von IT-Beratung und -Dienstleistungen
9 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftlichen Potenziale und die methodische Umsetzung des Aufbaus von Shared Service Centern im IT-Bereich. Ziel ist es, Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz dieser Organisationsform zu erarbeiten und eine Vorgehensweise aufzuzeigen, wie IT-Dienstleistungen effizient in ein Shared Service Center verlagert werden können.
- Wirtschaftlichkeitsanalyse von IT-Outsourcing-Modellen
- Einsatz von ITIL als Basis für standardisierte IT-Prozesse
- Strukturelle Planung und Aufbau eines Shared Service Centers
- Anwendung der Prozesskostenrechnung zur Effizienzsteigerung
- Management von Risiken und Erfolgsfaktoren bei der Implementierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Entwicklung des Outsourcings
Ludwig XIV. (1643-1715) führte erstmalig im größeren Maße in den Manufakturen und auf Anweisung seines Finanzministers Colbert die Arbeitsteilung als ersten Schritt in Richtung Outsourcing ein.
Die theoretische Grundlage des Outsourcing bildete allerdings Adam Smith, der im 18. Jahrhundert durch den Einsatz von Mitarbeitern in den Bereichen, in welchen sie das größte Können aufweisen, den gesellschaftlichen Wohlstand und volkswirtschaftliches Wachstum förderte. Adam Smith prägte das Beispiel der Stecknadelmanufaktur, indem er berechnete, dass ein Arbeiter allein weniger als 20 Stecknadeln herstellen könne, zehn Arbeiter aber, bei Spezialisierung auf einzelne Arbeitsschritte, etwa 48.000 Nadeln herstellen könnten.
„Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern. Das gleicht gilt wohl für die Geschicklichkeit, Sachkenntnis und Erfahrung, mit der sie überall eingesetzt oder verrichtet wird“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den steigenden Wettbewerbsdruck und die Abhängigkeit moderner Unternehmen von effizienter IT, was Shared Service Center als Lösungsmodell für Kosteneinsparungen und Qualitätssteigerungen in den Fokus rückt.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Outsourcings sowie die verschiedenen Formen wie transaktionales Outsourcing, Applikations-Outsourcing und Business Process Outsourcing.
3 Wirtschaftlichkeitspotenziale des Outsourcings: Hier werden monetäre (z.B. Mengeneffekte) und nicht-monetäre Kriterien wie Prozessoptimierung und Risikominimierung als Entscheidungsgrundlagen für Auslagerungsprozesse analysiert.
4 Shared Service Center im IT Bereich: Das Kapitel behandelt die spezifische Organisation von IT-Shared Service Centern sowie die Nutzung von Verbundeffekten zur Steigerung der unternehmensinternen Effizienz.
5 Umsetzung des Outsourcing-Konzeptes IT-Shared Service Center: Hier wird der ITIL-Standard als Basis für die Festlegung der Service Support und Service Delivery Prozesse eingeführt und detailliert beschrieben.
6 Aufbau eines Shared Service Centers: Dieses Kapitel liefert einen praktischen Leitfaden für die Planung und den Aufbau, von Vorüberlegungen über die Standardisierung von Geschäftsprozessen bis hin zur Prozesskostenrechnung und Business Case Erstellung.
7 Motive, Chancen und Risikoaspekte beim Aufbau von Shared Service Centern: Die Analyse der Beweggründe, des Nutzens sowie der kritischen Erfolgsfaktoren und Risiken bei der Implementierung von Shared Service Centern steht hier im Mittelpunkt.
8 Lünendonk Studie Einkauf von IT-Beratung und -Dienstleistungen: Basierend auf einer aktuellen Studie werden Trends im Bereich der IT-Dienstleistungen und der Verlagerung von IT-Aufgaben an externe Dienstleister untersucht.
9 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des Modells der Shared Service Center als Instrument zur Verbindung von Zentralisierung und Dezentralisierung unter Beachtung der skizzierten Chancen und Risiken.
Schlüsselwörter
Shared Service Center, IT-Outsourcing, Business Process Outsourcing, ITIL, Service Level Agreement, Prozessoptimierung, Kostenreduktion, Prozesskostenrechnung, Skaleneffekte, IT-Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit, IT-Beratung, Dienstleistungsmanagement, Prozessstandardisierung, Risikominimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen Bewertung und der methodischen Gestaltung des Aufbaus von Shared Service Centern im IT-Bereich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Outsourcing-Grundlagen, die Wirtschaftlichkeitspotenziale durch Standardisierung sowie die praktische Umsetzung von IT-Prozessen auf Basis des ITIL-Regelwerks.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Voraussetzungen für den erfolgreichen Aufbau von IT-Shared Service Centern zu identifizieren und eine strukturierte Vorgehensweise für deren Implementierung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und der Anwendung betriebswirtschaftlicher Konzepte wie der Prozesskostenrechnung und Benchmarking-Methoden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die ITIL-basierte Prozessgestaltung, den strukturierten Aufbauprozess (inkl. Business Case) sowie eine Analyse von Motiven und Risiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Shared Service Center, IT-Outsourcing, ITIL, Service Level Agreements (SLA), Prozesskostenrechnung und Wirtschaftlichkeitspotenziale.
Welche Rolle spielen Service Level Agreements (SLA) in der Arbeit?
SLAs werden als essentielles Instrument zur Definition von Qualität und messbarer Leistung zwischen dem Shared Service Center und den internen Kunden dargestellt.
Wie unterscheidet sich die Prozesskostenrechnung (PKR) von traditionellen Systemen im SSC?
Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen ermöglicht die PKR eine verursachungsgerechte Zurechnung von Gemeinkosten auf einzelne Prozesse, was die Kostentransparenz und Steuerung im Shared Service Center deutlich erhöht.
- Quote paper
- Claudia Kimm (Author), 2006, Wirtschaftliche Betrachtung des Aufbaus von Shared Service Centern im IT-Bereich. Die Verlagerung von IT-Diensten in Shared Service Center, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68602