Suizidalität bei Jugendlichen - Risikofaktoren und salutogenetisch orientierte Präventionsansätze


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Jugendalter
2.1 Definition
2.2 Probleme des Jugendalters

3. Suizid
3.1. Definition
3.2 Risikofaktoren
3.3 Warnsignale

4. Das Salutogenetische Modell nach Antonovsky

5. Salutogenetisch orientierte Präventionsansätze

6. Fazit

1. Einleitung

Wieso nehmen sich in Deutschland mehr als 500 Jugendliche pro Jahr das Leben? Ihres hat noch nicht einmal richtig begonnen und schon wollen sie es wieder beenden. Warum ist der Tod durch Suizid mittlerweile schon die zweithäufigste Todesursache bei den 15-35jährigen? Was sind ihre Beweggründe diesen Schritt zu gehen und was kann man vor allem präventiv dagegen unternehmen? Dies alles sind Fragen und Gedanken die einem kommen, wenn man die Zeitung oder Zeitschriften aufschlägt und man schon wieder einen Artikel darüber gelesen hat, dass sich ein junger Mensch das Leben genommen hat.

Eins ist zu mindest klar; viel zu oft werden psychische Probleme bei Jugendlichen verkannt, nicht ernst genommen und sogar ins Lächerliche gezogen. Das Umfeld und vor allem die Familie verschließt die Augen vor dem, was ihre Kinder berührt. Manche Eltern schenken ihren Kindern viel zu wenig Aufmerksamkeit und bemerken auch somit gravierende Veränderungen im Verhalten oder der Gefühlswert der Sprösslinge nicht. Anstatt ihnen in schwierigen Situationen Mut zu machen und sie zu unterstützen, kehren sie die Probleme unter den Tisch. Kommunikation und Empathie sind in vielen Familien Fremdwörter. Es darf nicht sein, dass Jugendliche den Selbstmordversuch als letzte Chance sehen, auf sich aufmerksam zu machen.

Ich konzentriere mich daher bei meiner Arbeit auf den Suizid bei Jugendlichen und salutogenetisch orientierten Präventionsmaßnahmen im Familien-, Schul- und Freizeitbereich. Um herauszufinden, warum so viele Jugendliche Selbstmord begehen, ist es mir wichtig vorerst einen Blick auf die Jugendphase an sich zu werfen. Was ist charakteristisch für diesen Lebensabschnitt? Was für Veränderungen durchleben die Jugendlichen bio- wie auch psychologisch? Als nächstes ist es angebracht kurz und knapp die Probleme des Jugendalters anzuschneiden, welche ich im nächsten Abschnitt über den Suizid und seine Risikofaktoren weiter ausführe.

Des Weiteren beleuchte ich die Grundzüge des „Salutogenetischen Modells“ Antonovskys um es im folgenden Abschnitt unter Präventionsmaßnahmen orientierten Aspekten auf das Problem der Suizidalität bei Jugendlichen anzuwenden.

2. Das Jugendalter

2.1 Definition

Das Jugendalter ist eine Zeit von ständig wechselnden Gefühlen und wird deshalb von Entwicklungspsychologen und anderen Sozialwissenschaftlern oft als Entwicklungsabschnitt der Konflikte, Krisen und Widersprüche bezeichnet. „ Autonomiewünsche in (jeglichen Lebenssituationen) und bestehende Abhängigkeiten bilden das Spannungsfeld dieser Entwicklungsphase.“(Bründel, Heidrun, 2004, S. 24)

Den Beginn des Jugendalters definiert man meist relativ eindeutig über biologische Reifungsprozesse, wie dem Einsetzen der Menstruation bei Mädchen bzw. der ersten Pollution bei Jungen. Das Ende dieser Zeit lässt sich jedoch nicht konkret an einer bestimmten Alters- bzw. biologischen Entwicklungsgrenze festmachen, da dies individuell verschieden ist. Anhaltspunkte für den Übergang in das Erwachsenenalter findet man in der geistigen und kognitiven Entwicklung eines Menschen. Die Jugendlichen haben die Aufgabe sich in dieser Zeit zu einem eigenständigen, selbstverantwortlichen und gesellschaftsfähigem Individuum zu entwickeln. Dies umzusetzen ist nicht einfach, da sie sich zum ersten Mal aktiv mit ihrer Umwelt auseinander setzen müssen. Sie haben sich in dieser Zeit diversen anspruchsvollen Entwicklungsaufgaben zu stellen, also bestimmten Anforderungen und Erwartungen die die Gesellschaft an Jugendliche stellt. Gerade im Jugendalter zielen diese darauf hinaus, dass die jungen Menschen selbstständiger werden. Gefordert werden z.B. die Akzeptanz des eigenen Körpers, die emotionale und körperliche Ablösung von den Eltern und anderen Erwachsenen, der Eintritt in das Berufsleben, die Vorbereitung auf das Ehe- und Familienleben usw.[1]

Ein anderer charakteristischer Punkt der Jugendphase ist das Knüpfen und Aufrechterhalten von zufrieden stellenden sozialen Beziehungen. Einer Gleichaltrigengruppe anzugehören, ist für junge Menschen nämlich sehr wichtig. Sie haben Leute mit denen sie sich austauschen können, mit denen sie über jugendspezifische Probleme sprechen können, bei denen sie sich verstanden fühlen, mit denen sie ihre Freizeit verbringen, mit denen sie Bewältigungsstrategien bestimmter Probleme entwickeln usw. Die so genannten „peer groups“ (Gleichaltrigengruppen) haben in der Jugendphase also einen enorm hohen Stellenwert.

Resultierend werden von den Jugendlichen also „…sowohl Ablösungs- als auch Anpassungsleistungen verlangt “ (Bründel, Heidrun, 1993, S.15) Dies alles fordert von den Betroffenen ein hohes Maß an Engagement, Ehrgeiz und Vernunft. Nicht alle Jugendlichen sind in der Lage, die ihnen gestellten Aufgaben problemlos zu bewältigen. Es braucht Zeit und Hilfe von Außen, bis sie adäquate Bewältigungsstrategien entwickeln und diese auch umsetzen können. Wenn dieser Prozess jedoch abgeschlossen ist, findet der Übergang in das so genannte Erwachsenenalter statt. Dieser hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte mehr und mehr nach hinten verlagert. Lag er im Jahr 1950 noch bei ca. 18 Jahren, verschob er sich bis 2004 knapp 10 Jahre nach hinten. (vgl. Hurrelmann, Klaus, 2004, S.17) Gründe dafür findet man z.B. im starken Zuwachs Studierender. Betrachtet man die Zahl der Studenten im Jahr 1950, liegt diese bei 122.500. Vergleichsweise gab es im Jahr 1997 schon 1.824.100 Studenten[2]. Durch diese gravierende Veränderung sind Jugendliche meist länger auf die Hilfe und vor allem finanzielle Unterstützung ihrer Eltern angewiesen.

Jugendliche verbringen demnach einen Großteil ihrer Jugend in Ausbildungsstätten. Demnach übernehmen diese Instanzen heutzutage wichtige Teilaufgaben was die Eingliederung Jugendlicher in gesellschaftliche Strukturen betrifft. Auch der soziale Faktor spielt hier eine große Rolle. Die Heranwachsenden haben, neben der Familie, tagtäglich mit den verschiedensten Menschen zu tun, die ihre Persönlichkeitsentwicklung stark beeinflussen. Dies kann positive wie auch negative Auswirkungen haben.

2.2 Probleme des Jugendalters

Gerade die Pubertät ist für die Jugendlichen eine schwierige Phase. Es ist der Beginn einer Zeit, in der sie ihre eigene Identität entwickeln wollen und müssen. Es wirken neben biologischen Faktoren zahlreiche Dinge auf sie ein, wie z.B. die Schule, die in dieser Phase sehr wichtige „peer group“ und natürlich die Eltern. All diese Einflüsse müssen sie verarbeiten und sich aktiv mit ihnen auseinander setzen.

Gerade die Entwicklung der Selbstständigkeit führt zu Komplikationen. Die Jugendlichen wollen sich einerseits vom Elternhaus lösen und nicht mehr länger „bemuttert“ werden, haben aber andrerseits in der Welt der Erwachsenen noch große Schwierigkeiten sich zu behaupten und sind deshalb immer noch auf die Hilfe ihrer Familien angewiesen. Einerseits suchen sie sich Vorbilder aus dem Freundes- und Familienkreis, aber andrerseits beharren sie auf die Entfaltung ihrer Individualität. Durch dieses Wechselspiel der Gefühle, fühlen sie sich von ihrer Umwelt oft missverstanden. Auch die Erwachsenen wissen häufig nicht, wie sie mit Pubertierenden umzugehen haben. All dies führt in Familien sehr oft zu Konflikten.

Zu den zwischenmenschlichen Problemen im Elternhaus, kommen noch diverse soziale und persönliche Probleme hinzu, mit denen die Jugendlichen in dieser Phase lernen müssen umzugehen. Betrachtet man nämlich die Vielzahl an Entwicklungsaufgaben und die gegebenen gesellschaftlichen Umstände, ist es nicht verwunderlich, dass viele Jugendliche an gewissen Anforderungen scheitern. Ein Blick auf die aktuelle Arbeitslosenstatistik der „unter 20jährigen“ zeigt das Ausmaß eines essentiellen Problems. 141.000 registrierte Jugendliche sind arbeitslos; das ist ein Plus von 45,7% zum Vorjahresmonat[3]. Der Leistungsdruck in der Schule und durch die Eltern, wird durch diese traurige Entwicklung nur noch verstärkt und lässt in vielen Betroffenen Zukunfts- und Versagensängste aufkommen. Durch den daraus resultierenden Frust, können diverse andere Probleme wie z.B. deviantes Verhalten auftreten. Dies kann sich im Suchtmittelkonsum, wie auch in der Kriminalität, äußern.

Bei Mädchen stehen größtenteils die körperlichen Veränderungen im Vordergrund. Während der Pubertät bekommt ihr Körper eine völlig andere Form und somit stellt die Akzeptanz des eigenen Körpers vor allem bei ihnen eine für sie sehr wichtige Entwicklungsaufgabe dar. Wenn diese nicht bewältigt werden kann, kommt es meist zu einer schwerwiegenden Essstörung, welche wieder zahlreiche andere Probleme wie Isolation und Einsamkeit, Depressionen, zwischenmenschliche Probleme oder im schlimmsten Fall sogar, durch die ganzen Begleiterscheinungen, Suizidgedanken verursachen.

Bei der Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben stehen folglich das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein an oberster Stelle. Dies im Laufe der Jugend zu entwickeln scheint also die primäre Notwendigkeit zu sein um sich den Herausforderungen optimistisch zu stellen.

[...]


[1] Vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/EntwicklungsaufgabeJugend.shtml

[2] Vgl. http://www.kmk.org/statist/bwkdate2.htm

[3] Vgl. http://www.destatis.de/indicators/d/arb110ad.htm

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Suizidalität bei Jugendlichen - Risikofaktoren und salutogenetisch orientierte Präventionsansätze
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Veranstaltung
Krankheits- und Gesundheitskonzepte
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V68642
ISBN (eBook)
9783638610957
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suizidalität, Jugendlichen, Risikofaktoren, Präventionsansätze, Krankheits-, Gesundheitskonzepte
Arbeit zitieren
Christina Meyer (Autor), 2005, Suizidalität bei Jugendlichen - Risikofaktoren und salutogenetisch orientierte Präventionsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68642

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