Die antiautoritäre Erziehung am Beispiel der 'Summerhill' Schule - Eine kritische Auseinandersetzung


Hausarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie von A.S. Neill

3. Antiautoritäre Erziehung
3.1 Grundgedanken und Ursprung
3.2 Bezüge zu Neills Pädagogik

4. Summerhill
4.1 Fakten
4.2 Neills Menschenbild
4.3 Erziehungsziele
4.4 Erziehungsprinzipien
4.5 Das Schulkonzept

5. Kritik

6. Fazit

7. Literaturliste

1. Einleitung

„Priester“, „Revolutionär der Erziehung“, „Obererzieher“, „Scharlatan“, „Heiliger“… all das sind Synonyme über die man stolpert, wenn man sich mit einem Mann befassen will, der die Erziehungspraxis revolutioniert hat; Alexander Sutherland Neill. Sind die Grundgedanken seines Menschenbildes doch schon lange bekannt, ist er aber der erste, der auf diesen aufbauend eine langjährig erfolgreiche Schulform entwickelt hat.

Ich kam mit dem Thema des alternativen Schulkonzepts „Summerhill“ zum ersten Mal in meinem Pädagogikkurs auf dem Gymnasium in Berührung. Wir sprachen über die verschiedenen Erziehungsformen und im Rahmen der antiautoritären Erziehung, fiel der Name Alexander Sutherland Neill; ein Mann der sein ganzes Leben den Kindern widmet und in ihnen grundsätzlich nur das Gute sieht. Mit ihm wurde uns eine Schule näher gebracht, in der man nicht gezwungen ist zum Unterricht zu erscheinen, nur das lernen muss was man selber möchte, in der man im Grunde genommen den ganzen Tag spielen darf, in der die Liebe zu den Kindern und das Glück eines Jeden an oberster Stelle steht, in der man den Lehrern nicht untergeordnet ist und alle dieselben Rechte haben. Ich kann mich noch genau daran erinnern wie positiv ich und mein Kurs auf dieses Schulkonzept reagierten. Für ein Kind oder Heranwachsenden, dessen Blick noch sehr einseitig ist und der sich nicht weiter kritisch, realistisch und multiperspektivisch mit einem solchen Thema auseinandersetzt, klingt das alles im ersten Moment auch sehr verlockend und schön. Hat man sich doch damals als Kind immer mal gewünscht, dass man tun und lassen konnte was man möchte, ohne dafür bestraft zu werden oder Ärger zu bekommen.

Seitdem ich mich zuletzt mit dem Thema der „Summerhill“ Schule auseinander gesetzt habe sind nun 6 Jahre vergangen und ich möchte mich nun im Rahmen dieser Vordiplomshausarbeit erneut damit beschäftigen, denn Neills „laissez-faires“ Erziehungskonzept ist mir seit damals sehr im Kopf hängen geblieben, da mich seine Ansichten sehr begeistert haben. Ein Mann der die Welt aus den Augen der Kinder betrachtet und jeglichen gesellschaftlichen Druck von ihnen fernhalten möchte. Was gibt es schöneres für ein Kind?! Während ich mich früher noch von meiner jugendlichen Naivität hab leiten lassen bin ich bei der jetzigen Auseinandersetzung auch besonders daran interessiert das Konzept kritisch zu hinterfragen.

Beim Aufbau meiner Hausarbeit gehe ich so vor, dass ich zu allererst einen kleinen Einblick in Neills Leben geben werde um daraus evtl. irgendwelche Rückschlüsse auf seine Methoden und sein Menschenbild zu ziehen. Im Anschluss folgt eine Erörterung des Konzepts der „antiautoritären Erziehung“. Ich werde dabei die Ursprünge, das zugrunde liegende Menschenbild wie auch die Parallelen zu Neills Pädagogik beleuchten. Neill selbst distanziert sich zwar von einer Zuschreibung dieses Erziehungsbegriffs und spricht eher von „selbstregulativer Erziehung“, aber da sein bekanntestes Werk in Deutschland unter dem Namen „Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung“ auf den Markt gekommen ist, bringt man ihn automatisch mit dieser Erziehungspraxis in Verbindung.

Im Anschluss gehe ich dann näher auf die „Sumerhill“ Schule ein. Wichtige Fragen werden hierbei sein: „Was ist an der Schule so besonders?“, „Wie gestaltet sich das Leben der Kinder dort?“, „An welchem Menschenbild hält der Gründer der Schule, A.S. Neill fest?“, „Welche Erziehungsprinzipien –und Ziele hat er?“ usw. Man soll im Anschluss einfach einen groben Überblick über das alternative Schulkonzept bekommen haben. Wenn die Fakten erstmal erörtert sind, werde ich mich anhand einer Sammlung von Aufsätzen von diversen Autoren, die sich kritisch mit Neills Lebenswerk auseinander gesetzt haben, gucken inwieweit das Neill’sche Schulkonzept in unserer heutigen Gesellschaft überhaupt sinnvoll erscheint.

Ganz zum Schluss fasse ich meine Erkenntnisse noch mal grob in einem Fazit zusammen.

2. Biografie von A.S. Neill

Der Schriftsteller und Reformpädagoge Alexander Neill Sutherland wurde am 17. Oktober 1883 in Forfar/Schottland als viertes von insgesamt acht Kindern geboren und verstarb am 23. September 1973 in Suffolk.

Als Sohn eines strengen Lehrers, bei dem er auch selbst unerrichtet wurde, erfuhr er schon in jungen Jahren die Maßnahmen einer autoritären Erziehung im privaten, wie auch im schulischen Bereich. Die Jugend und somit auch Neill selber, wurde derzeitig mit Schlägen und harten Strafen diszipliniert. Nach abgebrochenen Ausbildungen zum Buchhalter und Einzelhändler, trat er letztendlich in die Fußstapfen seines Vaters und schlug nach einer 4jährigen Tätigkeit als „pupil teacher“, den beruflichen Weg einer Hilfslehrkraft ein. Jedoch konnte er diese Aufgabe an diversen Schulen nicht zu seiner Befriedigung erfüllen, da er gegen die gängigen Lehr- und Erziehungsmethoden war. Nach seinem Studium zum Master of Arts (1908-1912), wurde er zum Kriegsdienst als untauglich erklärt und nahm eine stellvertretende Leitung als Rektor der „Gretna Public School“ ein, einem Heim für straffällige Jugendliche. Diese Erfahrung prägte ihn sehr und er fing erstmals an sich selbstständig über Erziehungsfragen Gedanken zu machen. In den folgenden Jahren eröffnete er Schulen in Deutschland und Österreich, in denen er die Idee des von Homer Lanes (Amerikaner, gründete und leitete Erziehungsheim für straffällig gewordene Kinder und Jugendliche) publizierten „self-governments“ umsetzen konnte. Im Jahre 1920 wurde er dann zeitweise Journalist bei der Zeitschrift „Education for the New Era“, in der er die Möglichkeit bekam seine Ansätze und Theorien einem Fachpublikum von Lehrern und weiteren Pädagogen zur Verfügung zu stellen und damit für Diskussions- und Gesprächsstoff zu sorgen, bis er letztendlich die Schule eröffnete die ihn weltberühmt machte; Summerhill.

Das an der englischen Ostküste gelegene Internat spezialisierte sich anfänglich auf Problemkinder, die an anderen Schulen schwierig, faul, träge und antisozial erschienen. Seine Kontakte zu dem renommierten Pädagogen Homer Lane, der in seinem Heim für straffällig gewordene Kinder („Little Commonwealth“) beachtliche Erfolge erzielte, zu dem Psychologen, Psychoanalytiker und Sexualforscher Wilhelm Reich und Sigmund Freud, prägten ihn sehr in seinem Vorgehen bei seiner Arbeit. Während seiner Lebenszeit unternahm Neill viele Bildungsreisen um zu schauen wie es an anderen Schulen in Europa zuging und entwickelte mittels dessen seine Ideen weiter.

1946 kam dann das gemeinsame Kind von Neill und seiner zweiten Frau Ena Wood, Zoe zur Welt, die seit 1985 das Lebenswerk ihres Vaters trotz diverser Tiefschläge, immer noch erfolgreich weiterführt. All die Jahre schwankten die Schülerzahlen immer wieder aus verschiedenen Gründen und es bestand auch schon etliche Male die Gefahr, dass die Schule geschlossen werden sollte, doch bisher konnte sich das Internat immer wieder retten und existiert somit auch heute immer noch.

3. Antiautoritäre Erziehung

3.1 Grundgedanken und Ursprung

Es gibt massenweise Synonyme des antiautoritären Erziehungsbegriffs. „Freie Erziehung“, „angstfreie Erziehung“, „Laissez-faire- Erziehung“, „repressionsfreie Erziehung“, „nichtautoritäre Erziehung“. Alle Ausdrücke beinhalten jedoch denselben Grundgedanken und verfolgen dasselbe Ziel; dem Kind die Möglichkeit auf eine freie Persönlichkeitsentfaltung bieten und ihm ein freies und glückliches Leben ermöglichen. Dieses Ziel verfolgte damals schon der Philosoph und Schriftsteller Jean Jacques Rousseau mit seinem „antiautoritären“ Erziehungskonzept auf dem die heutigen Ansätze allesamt aufbauen. Seine Philosophie vom Menschen beruht auf folgenden Glaubenssätzen:

1. Der Mensch ist von Natur aus gut und wird nur von der Gesellschaft verdorben
2. Seelisches Wachstum darf nicht unter ein von außen gesetztes Ziel gestellt werden, denn das einzige Ziel trägt Mensch wesensmäßig in sich selbst
3. Das Kind soll man Kind sein lassen und keine Vorschriften machen und kein moralisches Verhalten aufzwingen
4. Die Idee der Erziehung ist nicht Vorbereitung auf das Leben, deswegen soll das Kind nur das lernen was es selber von sich heraus möchte
5. Kindern Freiheit lassen, jedoch Zügellosigkeit unterbinden
6. Erzieher und Zögling sollen sich in Gleichheit begegnen
7. Erwachsene sollen dem Kind allzeit als Ansprechpartner dienen und alles „Schlechte“ von ihm fernhalten, was den Druck an gesellschaftlichen Zwängen und Regeln betrifft
8. Hilfen zur Selbsthilfe und Entfaltung bieten
9. Gemeinschaftssinn fördern[1]

In den 1960’er Jahren hat das Thema der antiautoritären Erziehung durch die Studentenbewegung einen erneuten Aufschwung erlebt, denn Im Zuge jener entwickelten sich verschiedene Konzepte des repressionsfreien Erziehungsgedankens in Deutschland. Das Anliegen der Studenten war jedoch ursprünglich politischer Natur. Sie wollten eine gesellschaftliche Umwälzung der damals gängigen Verhaltensweisen der Machtausübung auf andere Menschen erreichen. „ Die Offensive richtet sich allgemein gegen autoritäre, (…), nicht begründete und auch nicht begründbare, illegitime und somit abzuschaffende Herrschaftsbeziehungen – vor allem von Menschen über Menschen[2]

Antiautoritär versteht sich im wortschöpferischen Sinne als etwas entgegen gerichtetes („anti“ (griechisch) = gegen) und gemeint ist in dem Sinne, dass es sich „ als radikale Ablehnung, als Negation einer vorgegebenen, repressiv verstanden Erziehung[3], versteht. Es steht also dem Konzept der so genannten „autoritären Erziehung“ entgegen.

Im pädagogischen Rahmen wendet sich diese Erziehungsmethode gegen „usurpierte Führungskompetenzen“ wie Eltern oder Lehrer.[4] Herrschafts- und Machtstrukturen sollen unterbunden werden und die Kinder sollen gleichberechtigt und ungelenkt, ohne aktives Eingreifen der Erwachsenen, aufwachsen. Verstand man vorher den Begriff „Erziehung“ noch als ein Lenken des Heranwachsenden zur „richtigen“ Lebensführung hin, ist das Ziel der antiautoritären Erziehung gerade der Verzicht auf ein bewusstes Steuern und Beeinflussen von Prozessen die ein Mensch durchläuft.[5] Persönliche Überlegenheiten durch Alter, Erfahrungen, Wissen und fachliche Qualifikationen, dürfen nicht als Legitimationsgrund für Autorität gelten.[6]

[...]


[1] Vgl. Schmid, 1975, S.32-37

[2] Masthoff, 1981, S.25

[3] Masthoff, 1981, S.31

[4] Masthoff, 1981, S.35

[5] vgl. Schmid, 1975, S.11

[6] Vgl. Schmid, 1975, S.35

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die antiautoritäre Erziehung am Beispiel der 'Summerhill' Schule - Eine kritische Auseinandersetzung
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V68643
ISBN (eBook)
9783638610964
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vordiplomshausarbeit
Schlagworte
Erziehung, Beispiel, Summerhill, Schule, Eine, Auseinandersetzung
Arbeit zitieren
Christina Meyer (Autor), 2007, Die antiautoritäre Erziehung am Beispiel der 'Summerhill' Schule - Eine kritische Auseinandersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68643

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