Die Diskussion um die Freihandelszonen Lateinamerikas und ihre Implementierung am Beispiel Costa Rica


Hausarbeit, 2007

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Generelle wirtschaftlich relevante Daten Costa Ricas
2.1. Binnen- und Außenmarkt und die wichtigsten Handelspartner
2.2. Einordnung gemäß dem Bertelsmann Transformations Index
2.3. Problematische Wirtschaftsbeziehungen zu Anrainerstaaten

3. Bestehende Freihandelsabkommen in Amerika
3.1. North American Free Trade Agreement (NAFTA)
3.2. Mercado Común del Sur (MERCOSUR)
3.3. Comunidad Andina de Naciones (CAN)
3.4. Caribbean Community and Common Market (CARICOM)
3.5. Área de Libre Comercio de las Américas (ALCA)

4. Konfliktfelder der ALCA zwischen Nord- und Südamerika
4.1. Politische Positionen gegenüber der ALCA in ausgewählten Teilnehmerstaaten
4.2. Costa Rica und der TLC
4.2.1 Geschichte des TLC in Costa Rica
4.2.2 Widerstand gegen den TLC in Costa Rica

5. Weitere Entwicklungen

1. Einleitung

Der weltweite Trend zur Globalisierung bringt nicht nur kulturelle, soziale und ökologische Aspekte mit sich, sondern auch und vor allem ökonomische. Internationale Wirtschaftsbeziehungen nehmen zu, Grenzen werden für einen freien Fluss von Gütern, Dienstleistungen und Kapital geöffnet. Die Folge sind die Entstehung neuer Wirtschaftsräume unter den Segeln von Zollunionen, Freihandelszonen und Binnenmärkten, so zum Beispiel auch die Europäische Union.

Vor allem in Amerika hat es in den letzten Jahren Anstrengungen für die Entstehung panamerikanischer Freihandelszonen gegeben. Seit Beginn der 90er Jahre entstanden gut ein halbes Dutzend solcher Zonen, die wichtigsten und bis heute bestehenden sind die NAFTA (North American Free Trade Agreement), die CARICOM (Caribbean Communitry and Common Market), die CAN (Comunidad Andina de Naciones), der MERCOSUR (Mercado Común del Sur) und das in der Endverhandlungsphase befindliche DR-CAFTA (Dominican Republic-Central American Free Trade Agreement).

Bereits seit Entstehung der NAFTA wurden Stimmen für ein panamerikanisches Freihandelsabkommen laut – vor allem von Seiten der USA. Eben dieses, die sogenannte FTAA (Free Trade Area of the Americas), spanisch ALCA (Area de Libre Comercio de las Américas), geplant als gesamtamerikanische Freihandelszone, wurde in der Vergangenheit und gegenwärtig viel und kontrovers diskutiert.

Sinn und Zweck einer Freihandelszone ist der zollfreie Verkehr von Gütern, Dienstleistungen und Kapital zwischen verschiedenen Staaten. Die volkswirtschaftliche Theorie besagt, dass der "internationale Handel die wirtschaftliche Wohlfahrt der Bürger eines Landes verbessert."[1] Nach Meinung der meisten Makroökonomen sind auch "arme Länder besser gestellt [...], wenn sie nach außen gerichtete politische Maßnahmen verfolgen, die diese Länder in die Weltwirtschaft integrieren"[2].

So ist es auch ein Hauptziel der World Trade Organization"die internationalen Handelsbeziehungen durch bindende Regelungen auf der Basis des Freihandels zu organisieren."[3]

In der vorliegenden Arbeit werden die Auswirkungen und nicht immer problemfreien Verhandlungen über eine solche, auf kontinentaler Ebene angelegte Freihandelszone mit einem speziellen Bezug zu Costa Rica dargestellt. Nach einer kurzen Erläuterung der wichtigsten wirtschaftlichen Daten Costa Ricas wird näher auf bereits bestehende Freihandelsabkommen auf dem amerikanischen Kontinent, eingegangen. Anschließend wird die politische Diskussion um die ALCA (und ihre momentane Vor-Form, die DR-CAFTA – Dominican Republic-Central American Free Trade Agreement, spanisch TLC RD-CAUSA – Tratado de Libre Comercio entre República Dominicana, Centroamérica y Estados Unidos de Norteamérica), welche vor allem in den zentralamerikanischen Ländern jahrelang hohe Wogen schlug, erläutert. Ein aktueller Bezug wird hergestellt werden, da diese Vor-Form, das CAFTA Abkommen, im spanischsprachigen Raum aktuell bekannt als TLC[4], nach langen Verhandlungen vor einigen Wochen durch die costaricanische Regierung als letzte der Teilnehmerländer unterzeichnet wurde. In einer Schlussfolgerung sollen die möglichen Szenarien der Implementierung des TLC und später der ALCA dargestellt werden.

2. Generelle wirtschaftlich relevante Daten Costa Ricas

2.1. Binnen- und Außenmarkt und die wichtigsten Handelspartner

Mit einer Fläche von lediglich 51.100 km2[5] und einer Bevölkerungsanzahl von 4.3 Mio. (2005)[6] ist die Republik Costa Rica ein kleiner Staat. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 11.400 $[7] liegt das Land an erster Stelle[8] verglichen mit den übrigen mittelamerikanischen Staaten Belize, Panama, El Salvador, Guatemala, Nicaragua und Honduras und an zweiter Stelle im Vergleich mit allen lateinamerikanischen Staaten[9]. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes betrug im Jahr 2005 19.4 Mrd. $[10].

Ein Bevölkerungswachstum von 1.7%[11], eine Inflationsrate von 10%[12] und ein vergleichsweise hoher Bildungsstand der Bevölkerung (Alphabetisierungsrate in Höhe von 96%)[13] sind als Indikatoren für die hohe Stellung des Landes in Mittelamerika anzusehen.

Die grundsätzlich stabile Wirtschaft des als Durchgangsland auf dem zentralamerikanischen Isthmus gelegenen Staates stützt sich vor allem auf den Tourismus, die Landwirtschaft und den Export von Elektrogeräten[14].

Die Hauptlieferländer Costa Ricas im Jahr 2005 waren die USA (19,7% der Importe), Südamerika (15,8%), Zentralamerika (4,9%) und Mexiko (4,5%)[15]. Importiert wurden vor allem Rohstoffe und Halbfertigwaren (57,3% aller Importe), Konsumgüter (17%) und Kapitalgüter (15%)[16].

Stärkste Abnehmerländer waren die USA (13% der Exporte), Zentralamerika (12,9%) und Benelux (3,4%). Bei den exportierten Waren handelte es sich hauptsächlich um Industriewaren (76,7% der Exporte), und Agrarprodukte (vor allem Bananen und Kaffee, 20,8%)[17]

2.2. Einordnung gemäß dem Bertelsmann Transformations Index

Costa Rica wurde in der Vergangenheit mehrmals auf Grundlage verschiedener Indices untersucht. Als zwei der meist Zitiertesten können die Untersuchungen der World Bank und der Bertelsmann Transformations Index angeführt werden. Letzterer "analysiert und bewertet anhand von 58 Indikatoren den Entwicklungsstand von Demokratie und Marktwirtschaft sowie die Qualität der politischen Gestaltungsleistung in 119 Transformationsländern"[18] (darunter auch alle südamerikanischen Staaten). Gemäß des BTI wird Costa Rica als stabile Demokratie in einem funktionsfähigem Staat[19] mit einem geringen Korruptionsniveau (vgl. Transparency International[20]) und einer ausgeprägten Sozialstaatlichkeit[21] bezeichnet und insgesamt neben Brasilien und Uruguay in die Gruppe der "funktions- und leistungsfähigen Marktwirtschaften"[22] eingeordnet.

2.3. Problematische Wirtschaftsbeziehungen zu Anrainerstaaten

Bei einer Betrachtung der Wirtschaftsdaten und Einordnung in den Bertelsmann Transformations Index der an Costa Rica angrenzenden Länder Nicaragua (im Norden) und Panama (im Süden) ist eine hohe Differenz festzustellen. Sowohl Panama als auch Nicaragua weisen "defekte Demokratien"[23] und ein "hohes Korruptionsniveau"[24] auf und werden in die Gruppe der "Marktwirtschaft mit Funktionsdefiziten"[25] eingeordnet. Beide Länder "leiden [...] unter nach wie vor hohen Armutsraten und einem mäßigen Entwicklungsniveau"[26]. Die Folge dieser Kluft zwischen Costa Rica und den beiden Nachbarländern ist eine hoher Anteil nicaraguanischer und panamenischer Immigranten.[27]

3. Bestehende Freihandelsabkommen in Amerika

3.1. North American Free Trade Agreement (NAFTA)

Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (englisch: North American Free Trade Agreement, kurz: NAFTA) wurde am 01.Januar 1994 gegründet. Es bildete den Nachfolger des zuvor bestehenden Abkommens zwischen Kanada und den USA und wurde 1994 um Mexiko als weiteren Teilnehmerstaat erweitert. Man setzte sich "das Ziel, bis spätestens 2008 die zweitgrößte Freihandelszone der Welt (nach dem EWR) zu errichten"[28], wobei Mexiko eine "Brückenfunktion"[29] zwischen Nord- und Südamerika übernehmen sollte.

Schon damals wurde eine panamerikanische Freihandelszone unter dem Namen Free Trade Area of the Americas, kurz FTAA (spanisch Área de Libre Comercio de las Américas, kurz ALCA) diskutiert, auf welche später in dieser Arbeit detaillierter eingegangen wird.

Die Erweiterung der vorherigen Freihandelszone um Mexiko wurde in der Vergangenheit kontrovers diskutiert, da vor allem US- amerikanische Gewerkschafter die Verlagerung vieler Arbeitsplätze nach Mexiko befürchteten. Auch von Seiten mexikanischer Landwirte wurden Bedenken angemeldet, da ihnen, im Gegensatz zu US- amerikanischen Farmern, die hohen staatlichen Subventionen fehlten und sie eine für sie selbst ungünstige Preisentwicklung erwarteten.[30]

[...]


[1] Gregory Mankiw, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre (Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 2001) 576.

[2] Ibid., 576.

[3] o.V., "World Trade Organization,"Der Fischer Weltalmanach 2005, Hrsg. Heike Kobert und Felix Rudloff (Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2004): 563.

[4] Diese Abkürzung kann jedoch zu Verwirrung führen, da jeder Freihandelsvertrag im spanischen ein Tratado de Libre Comercio ist. In der aktuellen spanischsprachigen Presse wird das CAFTA jedoch meist als "TLC" erwähnt.

[5] o.V., Costa Rica. (Januar 2007), www.wikipedia.de URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Costa_Rica [25.12.2006]

[6] o.V., Costa Rica Data Profile. (April 2006), ww.worldbank.org URL: http://devdata.worldbank.org/external/CPProfile.asp?PTYPE=CP&CCODE=CRI [29.12.2006]

[7] o.V., Costa Rica. (Januar 2007), www.wikipedia.org URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Costa_Rica [27.12.2006]

[8] o.V., Rank Order – GDP per Capita. (December 2006), www.cia.gov URL: https://www.cia.gov/cia/publications/factbook/rankorder/2004rank.html [30.12.2006]

[9] o.V., Economy of Costa Rica. (Januar 2007), www.wikipedia.de URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Economy_of_Costa_Rica [27.12.2006]

[10] o.V., Costa Rica Data Profile. (April 2006), www.worldbank.org URL: http://devdata.worldbank.org/external/CPProfile.asp?PTYPE=CP&CCODE=CRI [25.12.2006]

[11] Ibid. [25.12.2006]

[12] Ibid. [25.12.2006]

[13] o.V., Demographics of Costa Rica. (Dezember 2006), www.wikipedia.org URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_Costa_Rica [27.12.2006]

[14] o.V., Economy of Costa Rica (Dezember 2006), www.wikipedia.org URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Economy_of_Costa_Rica [27.12.2006]

[15] o.V., Wirtschaftsdaten kompakt – Costa Rica (ständig fortgeschrieben). (Januar 2007) , http://www.bfai.de/fdb-SE,PUB20061116135641,Google.html [08.01.2007]

[16] Ibid. [08.01.2007]

[17] Ibid. [08.01.2007]

[18] CD ROM "Index,"Bertelsmann Transformations Index 2006. Auf dem Weg zur Marktwirtschaftlichen Demokratie, Hrsg. Sabine Donner (Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2006).

[19] CD ROM "Lateinamerika und die Karibik,"Bertelsmann Transformations Index 2006. Auf dem Weg zur Marktwirtschaftlichen Demokratie, Hrsg. Sabine Donner (Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2006): 225

[20] Amber Poroznug (Hrsg.), Transparency International Report Annual Report 2005 (Berlin: Frisch, 2006).

[21] CD ROM "Lateinamerika und die Karibik,"Bertelsmann Transformations Index 2006. Auf dem Weg zur Marktwirtschaftlichen Demokratie, Hrsg. Sabine Donner (Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2006): 232.

[22] ibid., 229.

[23] ibid. 225.

[24] ibid. 227.

[25] ibid. 230.

[26] ibid. 230.

[27] o.V., Demographics of Costa Rica. (Dezember 2006), www.wikipedia.org URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_Costa_Rica [27.12.2006]

[28] Mario von Baratta, "Freihandelszonen weltweit,"Der Fischer Weltalmanach 2005, eds. Heike Kobert und Felix Rudloff (Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2004): 565.

[29] ibid., 565

[30] o.V., NAFTA. (Dezember 2006), www.wikipedia.org URL: http://de.wikipedia.org/wiki/NAFTA [09.01.2007]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Diskussion um die Freihandelszonen Lateinamerikas und ihre Implementierung am Beispiel Costa Rica
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Internet und soziale Bewegungen Lateinamerikas
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V68652
ISBN (eBook)
9783638611015
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Behandlung der verschiedenen Freihandelszonen in Amerika - Nafta, Mercosur, ALCA u.a.
Schlagworte
Diskussion, Freihandelszonen, Lateinamerikas, Implementierung, Beispiel, Costa, Rica, Internet, Bewegungen, Lateinamerikas
Arbeit zitieren
Anna Lippert (Autor), 2007, Die Diskussion um die Freihandelszonen Lateinamerikas und ihre Implementierung am Beispiel Costa Rica, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68652

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