Nach einigen einführenden Bemerkungen rund um den Kyffhäuser, bei denen Lage, Begriff und Bauwerke kurz betrachtet werden, steht im zweiten Abschnitt die Sage um Barbarossa im Mittelpunkt. Dabei werde ich der Bedeutung der Rezeption des Mittelalters im 19. Jahrhundert nachgehen und anhand des Mythos um Barbarossa den Zusammenhang zwischen ihm und Wilhelm I. zu verdeutlichen versuchen. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die zum Bau des Denkmals führten, werden im dritten Abschnitt erörtert. Dabei wird vor allem den Kriegervereinen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, indem auch auf ihre Entwicklung und Bedeutung im Kaiserreich eingegangen wird. In diesem Zusammenhang wird auch ihre Selbstinitiierung anhand der Einweihungsfeier des Denkmals verdeutlicht. In dem letzten Abschnitt wird der Fragestellung nach Erbe und Tradition im Umgang mit dem Denkmal vom Kaiserreich bis in unsere heutige Zeit nachgegangen, bevor zum Abschluss einige Gedanken zum Thema Nation-Denkmal-Identität geäußert werden, die Grundlage für weitere Arbeiten und Diskussionen zu diesem Thema sein können.
Zum Themenbereich des Kyffhäusers gibt es eine umfangreiche Literaturbasis, die von Reisebeschreibungen über Sagen bis hin zu wissenschaftlich thematischen Abhandlungen reicht. In meiner Literaturauswahl habe ich versucht, aus allen Bereichen eine Vielzahl von Quellen zu schöpfen, um einen möglichst umfang- und facettenreichen Einblick in die Geschichte des Kaiser Wilhelm Denkmals zu bekommen. Auf einzelne Werke sei aber bereits an dieser Stelle hingewiesen. Zur Sage um Barbarossa diente mir neben dem HZ Artikel von Georg Voigt von 1871 vor allem das Werk von Stefanie Barbara Berg, in dem neben hilfreichen Quellenangaben eine gute Zusammenfassung zur Beurteilung Barbarossas im 19. und 20 Jahrhundert zu finden war. Einen guten Überblick über die deutschen Kriegervereine fand ich in dem Werk Rohkrämers und im Aufsatz von Düding, die beide neben der Bedeutung auch die Akzeptanz der Kriegervereine in der Bevölkerung untersuchen. Als Basisliteratur für den gesamten Themenkomplex diente mir das Werk von Gunther Mai anlässlich der 100 Jahrfeier des Denkmals 1996. Mittels literarischer Quellen und Literatur aus der Zeit des Denkmalbaus wird die Darstellung des Themenkomplexes meines Erachtens nach anschaulicher. Auf weitere Literatur wird im Text hingewiesen und kann dem Literaturverzeichnis entnommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. RUND UM DEN KYFFHÄUSER
1.1. DAS KYFFHÄUSERGEBIRGE
1.2. DEUTUNGSMUSTER UND INTERPRETATION DES BEGRIFFS „KYFFHÄUSER“
1.3. DIE ROTHENBURG
1.4. DIE REICHSBURG KYFFHAUSEN
2. DIE REZEPTION DES MITTELALTERMYTHOS IM ZEITALTER DER ROMANTIK
2.1. DIE ENTSTEHUNG VON SAGEN UND MYTHEN
2.2. DIE DEUTSCHE KAISERSAGE
2.2.1. Inhalt und Probleme
2.2.2. Von Friedrich II. zu Friedrich I.
2.2.3. Wünsche und Hoffnungen in der deutschen Kaisersage
2.2.4. Der Kyffhäuser als Ort der Kaisersage
2.3. DIE DEUTSCHE KAISERSAGE IM 19. JAHRHUNDERT
2.3.1. Die Herausbildung der Nationalgeschichtsschreibung
2.3.2. Politische und gesellschaftliche Verhältnisse im 19. Jahrhundert
2.3.3. Barbarossa als literarischer Gegenstand
2.3.4. Die Reichsgründung von 1871 als Erfüllung der deutschen Kaisersage
2.4. DAS KYFFHÄUSERDENKMAL EIN NATIONAL-MONARCHISCHES DENKMAL
3. DIE GESELLSCHAFTLICHEN RAHMENBEDINGUNGEN UND DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN KRIEGERVERBÄNDE BEIM BAU DES KAISER-WILHELM-DENKMALS
3.1. DIE DEUTSCHEN KRIEGERVEREINE
3.1.1. Entstehung und Entwicklung der Kriegervereine
3.1.2. Die Reichseinigungskriege als Schlüsselerlebnis
3.1.3. Die Kriegervereine als politische Gruppierungen
3.1.4. Aufgabenbereiche der Kriegervereine
3.2. DER BAU DES KYFFHÄUSERDENKMALS
3.2.1. Ideen und Initiativen zum Denkmalbau
3.2.2. Der Kyffhäuser als Standort für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal
3.2.3. Projektausschreibung, Finanzierung und Baubeginn
3.2.4. Die Grundsteinlegung
3.2.5. Die Einweihungsfeier
3.2.6. Zur politischen Bestimmung des Denkmals
4. ERBE UND TRADITION DES KYFFHÄUSERDENKMALS
4.1. TRÄUME UND SCHÄUME - DER KYFFHÄUSER ALS NATIONALFESTSTÄTTE
4.2. DAS DENKMAL IN DER WEIMARER ZEIT
4.3. DAS DENKMAL IN DER ZEIT DES FASCHISMUS
4.4. DAS DENKMAL IN DER ZEIT DES SOZIALISMUS
4.4.1. Diskussionen um den Abriss des Denkmals
4.4.2. Umgestaltungspläne und die Rettung des Denkmals
4.4.3. Das Denkmal in der DDR
4.4.4. Das Denkmal nach der Wiedervereinigung
5. NATION - DENKMAL - IDENTITÄT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser als nationales Symbol und identitätsstiftendes Monument. Ziel ist es, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Rolle der Kriegervereine bei der Errichtung des Denkmals zu analysieren sowie dessen historische Bedeutung und Nutzung vom Kaiserreich bis in die heutige Zeit zu beleuchten.
- Die Rezeption des Mittelaltermythos (Barbarossa) im 19. Jahrhundert
- Die Rolle und Bedeutung der deutschen Kriegervereine
- Politischer Kontext und Inszenierung des Denkmalbaus
- Das Denkmal als nationales Identitätssymbol
- Wandel der Bedeutung durch verschiedene Epochen (Kaiserreich, Weimar, Faschismus, DDR, Nachwiedervereinigung)
Auszug aus dem Buch
Kaiser Friedrich Barbarossa
Der alte Barbarossa, der Kaiser Friederich, im unterirdschen Schlosse hält er verzaubert sich.
Er ist niemals gestorben, er lebt darin noch jetzt; er hat im Schloß verborgen zum Schlaf sich hingesetzt.
Er hat hinab genommen des Reiches Herrlichkeit, und wird einst wiederkommen, mit ihr, zu seiner Zeit.
Der Stuhl ist elfenbeinern, darauf der Kaiser sitzt: Der Tisch ist marmelsteineren, worauf sein Haupt er stützt.
Sein Bart ist nicht von Flachse, er ist von Feuerglut, ist durch den Tisch gewachsen, worauf sein Kinn ausruht.
Er nickt als wie im Traume, sein Aug´ halb offen zwinkt; Und je nach langem Raume er einem Knaben winkt.
Er spricht im Schlaf zum Knaben: Geh hin vors Schloß, o Zwerg. Und sieh, ob noch die Raben herfliegen um den Berg.
Und wann die alten Raben noch fliegen immerdar, So muß ich auch noch schlafen, verzaubert hundert Jahr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. RUND UM DEN KYFFHÄUSER: Dieses Kapitel bietet eine geographische und historische Einordnung des Kyffhäusergebirges sowie der dort gelegenen Burganlagen Rothenburg und Reichsburg Kyffhausen.
2. DIE REZEPTION DES MITTELALTERMYTHOS IM ZEITALTER DER ROMANTIK: Der Abschnitt analysiert die Entstehung des Barbarossa-Mythos und dessen Instrumentalisierung zur Sinnstiftung und nationalen Identitätsbildung im 19. Jahrhundert.
3. DIE GESELLSCHAFTLICHEN RAHMENBEDINGUNGEN UND DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN KRIEGERVERBÄNDE BEIM BAU DES KAISER-WILHELM-DENKMALS: Es werden die soziale Basis des Denkmalbaus, insbesondere die Rolle der Kriegervereine als Träger von Militarismus und Nationalismus, sowie der architektonische und finanzielle Bauprozess thematisiert.
4. ERBE UND TRADITION DES KYFFHÄUSERDENKMALS: Dieses Kapitel verfolgt die wechselvolle Geschichte des Denkmals durch verschiedene politische Epochen von der Weimarer Zeit über den Faschismus bis hin zur DDR und der Wiedervereinigung.
5. NATION - DENKMAL - IDENTITÄT: Abschließend werden die Begriffe Nation, Denkmal und Identität synthetisiert, um die Funktion des Denkmals als "kollektiver Gedächtnisort" und die damit verbundenen nationalistischen Tendenzen kritisch zu bewerten.
Schlüsselwörter
Kyffhäuser, Kaiser Wilhelm Denkmal, Barbarossa, Kriegervereine, Nationalismus, Identität, Denkmal, Reichseinigung, Mittelaltermythos, Preußen, Nationaldenkmal, Deutschland, Geschichte, Symbol, Gedenkkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser als ein komplexes historisches Symbol der deutschen Nationwerdung und staatlichen Identität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Rezeption des Mittelalters, den Einfluss der Kriegervereine und die politische Instrumentalisierung des Denkmals in verschiedenen historischen Phasen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, wie das Denkmal als "kollektiver Gedächtnisort" diente und inwiefern es zur Konstruktion eines spezifisch preußisch-nationalen Identitätsbildes beigetragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Einbeziehung von Fachliteratur, zeitgenössischen Quellen, Gedenkblättern sowie der Auswertung architekturgeschichtlicher und soziopolitischer Definitionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Barbarossa-Mythos, die Rolle der Kriegerverbände bei der Finanzierung und Initiierung des Baus sowie die verschiedenen Nutzungen und Umdeutungsprozesse bis zur deutschen Wiedervereinigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kyffhäuser, Barbarossa, Kriegervereine, Nationaldenkmal, Identitätsstiftung und Nationalismus geprägt.
Warum war der Kyffhäuser als Standort für das Denkmal so bedeutsam?
Der Standort bot durch seine Verbindung mit dem Barbarossa-Mythos eine ideelle Verknüpfung von mittelalterlicher Kaiserherrlichkeit und dem neuen deutschen Kaiserreich und erfüllte somit das Bedürfnis nach historischer Kontinuität.
Welche Rolle spielte die "Barbarossa-Welle" im 19. Jahrhundert?
Sie diente als identitätssuchende Rückbesinnung und populäre Chiffre für die Sehnsucht nach einem geeinten, machtvollen deutschen Reich, besonders in politisch unruhigen Zeiten.
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- Anonym (Author), 2001, Das Kaiser Wilhelm Denkmal auf dem Kyffhäuser - Ein Symbol der Reichseinheit -, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68671