Die Verfolgung der deutschen Juden im Dritten Reich


Seminararbeit, 2006

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Neuentflammung des Antisemitismus Ende des 19. Jahrhunderts

3. Die rechtliche und soziale Lage der Juden und der Antisemitismus in der Weimarer Republik

4. Die rechtliche und soziale Lage der deutschen Juden nach der Machtergreifung Hitlers

5. Die Nürnberger Gesetze

6. „Reichskristallnacht“

7. Die Auswanderung der deutschen Juden

8. Die „Judenhäuser“

9. Zwangsarbeit der deutschen Juden

10. Deportationen von deutschen Juden und die „Endlösung“

11. Schluss

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird über die Verfolgung der deutschen Juden im Dritten Reich berichtet. Es wird außerdem versucht, die sukzessive Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland seit der Gründung des Kaiserreichs darzustellen.

Der Hauptteil der Arbeit ist in neun Abschnitte aufgeteilt. Im ersten Abschnitt wird die Entwicklung des Antisemitismus im 19. Jahrhundert dargestellt. Im zweiten Abschnitt geht es um die rechtliche und soziale Lage der deutschen Juden in der Weimarer Republik. Der dritte Abschnitt berichtet über die Veränderungen der rechtlichen und sozialen Lage der deutschen Juden nach der Machtergreifung Hitlers. Im vierten Kapitel werden die Nürnberger Gesetze und ihre Auswirkungen auf das deutsche Judentum vorgestellt. Der fünfte Abschnitt erzählt über die „Reichskristallnacht“. Im sechsten Abschnitt wird über die Auswanderung der deutschen Juden und Schwierigkeiten, die damit verbunden waren, berichtet. Im siebten Abschnitt wird das Leben der Juden in den so genannten „Judenhäusern“ dargestellt. Der achte Abschnitt berichtet über die Zwangsarbeit der deutschen Juden. Und im letzten Abschnitt wird über das Schicksal der deportierten Juden erzählt.

2. Die Neuentflammung des Antisemitismus Ende des 19. Jahrhunderts

Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahr 1871 hat sich die rechtliche Lage der deutschen Juden erheblich verbessert. Ein im Namen des Norddeutschen Bundes im Jahr 1869 erlassene Gesetz, das für die Juden von außerordentlicher Bedeutung war, wurde mit der Reichsgründung 1871 als Reichsgesetz verkündet. „Das Gesetz vom 3. Juli 1869 machte die politische und rechtliche Gleichheit aller Bürger vom Religionsbekenntnis unabhängig, wobei auch die Juden rechtlich-politisch gleichgestellt wurden…“[1] Damit wurde die rechtliche und politische Emanzipation der deutschen Juden endgültig etabliert. Zugleich aber etablierte sich mit der Gründung des neuen Deutschen Reiches auch der radikale Nationalismus, der sich schnell zum Antisemitismus entwickelte. Außerdem verursachten der staatliche Zwang, überstürzte Industrialisierung, schwere Wirtschaftskrisen und soziale Missstände eine starke Unzufriedenheit unter den Volksmassen.[2] Bald hat man die Juden als Sündenbock wieder entdeckt.

Sie wurden mit den negativen Erscheinungen der Moderne, wie, zum Beispiel, dem ausbeuterischem Kapitalismus assoziiert.

Bald entdeckten auch viele politische Philosophen, Ökonomen und Politiker, „dass die Idee der Rassenzugehörigkeit Menschen mobilisieren konnte und dass sich damit Anhänger und Wählerstimmen gewinnen ließen.“[3] Zahlreiche antisemitische Parteien und Interessenverbände wurden gegründet. Sie stützten sich auf Angehörige aller Bevölkerungskreise, wobei aber das Kleinbürgertum und die ländliche Bevölkerung zahlenmäßig am stärksten vertreten waren. Zu diesen Organisationen gehörten in erster Linie die Christlich-soziale Partei, die Allgemeine antisemitische Vereinigung, die Deutsch-soziale Partei, Deutsch-soziale Reformpartei, der Bund der Landwirte, der Verein deutscher Studenten und der Alldeutsche Verband.

Die Autoren des vierbändigen Werkes „Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit“ beschreiben vier Arten des neuen Antisemitismus im Deutschen Reich. Erstens, gab es einen religiös fundierten Antisemitismus, der behauptete, dass die Juden keinen Anspruch auf einen gleichberechtigten Platz im christlichen Staat hatten. Zweitens, gab es einen ökonomisch argumentierenden Antisemitismus, der behauptete, dass alle wirtschaftlichen Betätigungen, an denen die Juden beteiligt waren, schädlich wären. Drittens, gab es einen Antisemitismus des rigorosen Nationalismus, der behauptete, Juden seien keine wahren Deutschen. „Schließlich gab es den rassischen Antisemitismus, abgeleitet aus dilettantischen Verdrehungen der Anthropologie und Biologie, der predigte, dass nur die strikteste Trennung der miteinander unverträglichen Volksgruppen den eigenen Stamm vor Entartung und Vernichtung bewahren könne.“[4] Einige Vertreter dieser Organisationen plädierten öffentlich für die „Ausrottung“ der Juden und ihre Deportation nach Afrika. Sogar im Reichstag gab es Forderungen nach der Vernichtung der Juden.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts ließ die Bedeutung der antisemitischen Organisationen spürbar nach. Der Antisemitismus hat sich jedoch politisch und kulturell in Verbänden, Vereinen und vor allem unter der Studentenschaft fest etabliert. „Insgesamt gesehen, blieb der Antisemitismus in Deutschland aber, wie in Westeuropa, bis 1914 politisch ziemlich erfolglos.“[5]

3. Die rechtliche und soziale Lage der Juden und der Antisemitismus in der Weimarer Republik.

In der Weimarer Republik lebten unter 70 Millionen Deutschen ca. 550000 Juden, wo sie ungefähr 0,9 % der Gesamtbevölkerung ausmachten. Nach dem 1. Weltkrieg ging das Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Deutschland deutlich zurück. „Die Juden waren jetzt eine demographisch, relativ und ab Mitte der 1920er Jahre auch in absoluten Zahlen rückgängige Bevölkerungsgruppe.“[6] Der wichtigste Grund dafür war der schon im 19. Jahrhundert begonnene Geburtenrückgang. Auch die Zunahme der Taufen und interkonfessionellen Ehen hatte eine negative Auswirkung auf das Wachstum der jüdischen Bevölkerung. Der Anteil der Mischehen betrug ca. 37 % aller Eheschließungen von Juden. In den Großstädten erreichte dieser Anteil sogar bis zu 60%.

Die meisten in der Weimarer Republik lebenden Juden gehörten überwiegend dem mittleren Bürgertum an. Der großbürgerliche Anteil der Juden hat deutlich abgenommen, wobei der kleinbürgerliche und proletarische ständig zunahm. „Der große und kleine Konsumgüterhandel (insbesondere Textilien), das Kreditwesen (zumeist kleine Privatbanken) und die freien Berufe (überwiegend Ärzte, Rechtsanwälte, Journalisten) gehörten immer noch zu den wichtigsten Erwerbszweigen der jüdischen Bevölkerung.“[7] In der Schwerindustrie spielten die Juden kaum eine Rolle und die Anzahl der großen Banken und Warenhäuser, die im jüdischen Besitz waren, war auch sehr gering.

Die meisten deutschen Juden waren zu dem Zeitpunkt der Entstehung der Weimarer Republik völlig in die deutsche Gesellschaft integriert. Sie fühlten sich als Deutsche und nahmen auch an den politischen Entwicklungen des Landes teil.

Aber auch in der neuen Republik blieben die Juden von antisemitischen Verfolgungen nicht verschont. Diesmal hat man versucht den Juden die Schuld an der Niederlage im 1. Weltkrieg zuzuschieben. Die politischen und militärischen Eliten haben sich dabei der so genannten „Dolchstoßlegende“ bedient, um die Verantwortung für den verlorenen Krieg von sich zu nehmen. Die Dolchstoßlegende besagte, „dass die deutschen Soldaten, auf dem Schlachtfeld unbesiegt, heimtückisch von inneren Feinden hinterrücks „erdolcht“ worden seien, womit hauptsächlich Pazifisten, Sozialisten und vor allem die nur auf Kriegsgewinne bedachten Juden gemeint waren.“[8]

Auch die antisemitischen Parteien und Organisationen, unter anderem der im Jahr 1919 gegründete Deutsche Schutz- und Trutzbund, die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und die NSDAP, haben ihre antijüdische Propaganda in der neuen Republik gestartet. Es wurden Millionen von antisemitischen Flugblättern und Broschüren verteilt.

„Wirkungsvoll war besonders die Hetze gegen die Ostjuden.“[9]

Zwischen 1924 und 1924, als es mit der deutschen Wirtschaft aufwärts ging, kamen auch die antijüdischen Ausschreitungen seltener vor als früher. Mit dem Ausbruch der Rezession und nach den sensationellen Wahlerfolgen der NSDAP ab 1930 entflammte der Hass gegen die Juden erneut. Sie stießen überall auf den steigenden Antisemitismus. „Insbesondere das alltägliche Erlebnis der Schulkinder und Studenten, die Peinlichkeiten im Verkehr mit nichtjüdischen Bekannten und Berufskollegen, die […] Anpöbelungen auf den Straßen und in Lokalen konfrontierten beinahe jeden mit der zunehmenden Bedrohung des jüdischen Lebens in Deutschland.“[10]

Trotzdem aber glaubten die meisten Juden, dass die Weimarer Verfassung und die Anonymität der Großstädte ihnen letztendlich das völlige Aufgehen in der deutschen Gesellschaft ermöglichen würden. Sie konnten noch nicht ahnen, dass sie bald von dieser Gesellschaft ausgestoßen und verfolgt werden.

4. Die rechtliche und soziale Lage der deutschen Juden nach der Machtergreifung Hitlers.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler von dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. In den nächsten Monaten wurden zahlreiche Gesetze und Verordnungen erlassen, die gegen die Juden gerichtet waren. Am 7. April 1933 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erlassen. Laut diesem Gesetz, sollten „nichtarische“ Beamte, die Frontkämpfer ausgenommen, in den Ruhestand versetzt werden. Am 22 April wurden die „nichtarischen“ Lehrer aus den Lehrerverbänden ausgeschlossen. Am 25. April wurde ein numerus clausus für jüdische Studenten und Schüler eingeführt. Am 14. Juli 1933 trat das Gesetz über Widerruf von Einbürgerungen und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft in Kraft. Es richtete sich „vor allem gegen jüdische Bürger aus den ehemals deutschen Gebieten.“[11]

Neben den gesetzlichen antijüdischen Maßnahmen kam es nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zu zahlreichen Gewalttaten von der Seite der SS und SA. In den Großstädten und auf dem Land wurden jüdisch aussehende Menschen angegriffen und sogar getötet. Aber ganz besonders richtete sich die Gewalttätigkeit gegen jüdische Betriebe. „Die Schaufenster vieler jüdischer Läden wurden eingeworfen oder mit antijüdischen Losungen beschmiert, und ihre Besitzer wurden misshandelt.“[12]

[...]


[1] Ismar Elbogen, Eleonore Sterling, Die Geschichte der Juden in Deutschland, Frankfurt am Main 1988, S. 241

[2] Vgl. Elbogen , Sterling, S. 252

[3] Ruth Gay, Geschichte der Juden in Deutschland. Von der Römerzeit bis zum Zweiten Weltkrieg, München 1993, S. 203

[4] Steven M. Lowenstein, Paul Mendes-Flohr, Peter Pulzer, Monika Richarz, Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit, Bd III, München 1997, S. 217

[5] Dieter Pohl, Holocaust. Die Ursachen, das Geschehen, die Folgen, Freiburg im Breisgau 2000, S. 17

[6] Avraham Barkai, Paul Mnedes-Flohr, Steven M. Lowenstein, Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit, Bd IV, a.a.O., S. 38

[7] Elbogen, Sterling, a.a.O., S. 284

[8] Friedrich Wilhelm Rogge, Antisemitismus 1918 bis 1935, in: „Reichskristallnacht in Hannover“, Hrsgb. Historisches Museum am Hohen Ufer, Hannover 1978, S. 27

[9] Barkai, Mendes-Flohr, Lowenstein, Bd IV, a.a.O., S. 53

[10] Barkai, Mendes-Flohr, Lowenstein, Bd IV,a.a.O., S. 58

[11] Günther B. Ginzel, Jüdischer Alltag in Deutschland 1933-1945, Düsseldorf 1984, S. 8

[12] Barkei, Mendes-Flohr, Lowenstein, Bd. IV,a.a.O., S. 194

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Verfolgung der deutschen Juden im Dritten Reich
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V68755
ISBN (eBook)
9783638611398
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verfolgung, Juden, Dritten, Reich
Arbeit zitieren
Sergej Bigdash (Autor), 2006, Die Verfolgung der deutschen Juden im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68755

Kommentare

  • Gast am 23.10.2008

    Der neue Anfang.

    Super geschrieben allerdings brauche ich etwas das nach dem Krieg spielt als die Deutschen sich mit den Juden wieder verbünden. Das hat was mit dem Papst Johannes Paul 2 zu tun.

    Viele liebe Grüße

    Ramona

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