Homosexualität und Erziehung. Erziehungshaltung von Familie, Schule und Gesellschaft zur gleichgeschlechtlichen Liebe


Magisterarbeit, 1998
97 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Homosexualität im Wandel der Zeit
II.1. Der Stellenwert von Homosexualität in der Gesellschaft der griechischen und römischen Antike
II.2. Die Klassifikation von Homosexualität und die Entstehung eines sozialen Konzeptes des Homosexuellen mit dem Aufkommen des Christentums

III. Überlegungen zu einigen Forschungs- beziehungsweise Erklärungsansätzen zur 'Entstehung von Homosexualität'
III.1. Die psychoanalytische Forschung
III.2. Der naturwissenschafltiche Forschungsansatz
III.3. Die sozialwissenschaftliche Forschungsrichtung

IV. Die Sexualerziehung im Sinne einer individuellen (sexuellen) Identitätsbildung und die Ausgrenzungsfunktion durch eine heterosexuelle Zielorientierung im traditionellen Erziehungs- und Sexualitätskonzept
IV.1. Grundkonzepte von Sexualität
IV.1.1. Der Mensch als einsam Handelnder - Sexualität als Verhalten
IV.1.2. Der Mensch als kommunikativ Handelnder - Sexualität als soziales Handeln
IV.2. Was verstehen wir unter 'Bisexualität'?
IV.3. Die Realisierung von (Sexual-) Erziehung über ein heterosexuelles Erziehungsmuster
IV.3.1. Die schulische Sexualerziehung und ihr Einfluß auf das Sexualverhalten junger Menschen

V. Homosexualität und Familie
VI. Woher kommt die Angst vor Homosexualität?
VI.1. Das erotische Liebesverständnis im Wandel der Zeit und seine Bedeutung für die gleichgeschlechtliche Liebe
VI.2. Der gesellschaftliche Einfluß auf die Einstellung zum männlichen und weiblichen Rollenbild als Ursache für homophobes Verhalten

VII. Schlußbetrachtung

VIII. Anhang

IX. Literaturverzeichnis

I. Einführung

Die Darstellung des Themas 'Homosexualität und (Sexual-) Erziehung' geht davon aus, daß ein Konflikt in der Erziehung von Heterosexuellen und Homosexuellen besteht. Dieser zeigt sich besonders deutlich in der im Erziehungskonzept verankerten heterosexuellen Zielorien tierung, die eine Sexualerziehung, im Sinne einer individuellen (sexuellen) Identitätsbildung ausgrenzt, da sie nicht in Frage gestellt wird. Die gleichgeschlechtliche Liebe zu begreifen beziehungsweise. sie zu akzeptieren bedeutet viel mehr als nur das unpersönliche Auseinan dersetzen mit den verschiedenen Enstehungstheorien über Homosexualitäten, die im Laufe der Zeit immer mehr in den Mittelpunkt der Homosexualitätsdiskussion gerückt und auf ge sellschaftlicher Ebene verarbeitet wurden. Vielmehr geht es darum, daß Homosexualität ei ne individuelle Lebensweise darstellt, die durchaus dazu berechtigt, erzieherische und ge sellschaftliche Konzepte zu erstellen, die eine mögliche Orientierung und Hilfe auf diesem (individuell gewählten) Wege anbieten. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema sollte also nicht erst mit der Erkenntnis eintreten ein homosexuelles Kind zu haben. Der Zusam menhang zwischen der familiären und institutionellen Erziehung und der Gesellschaft ist hier offensichlich: In einem 'Coming-out' kommt die klare Linie, die teilweise durch gesellschaft liche Bestimmung enstand, zum Vorschein; dann zeichnen sich nämlich deutlich die einzel nen Reaktionen der Eltern anhand von verschiedenen Faktoren, in denen sie ein Leben lang eingebettet gewesen sind, ab: Alter, Erziehung und soziales Umfeld entscheiden meist über die Art und Weise im Umgang mit (s)einem homosexuellen Kind.

Hier soll die Forderung nach einem Erziehungskonzept ausgesprochen werden, das die gleichgeschlechtliche Liebe als eine gleichwertige Erziehungsvariante betrachtet, damit ho mosexuelle Leit- und Vorbilder innerhalb der Familie, Bildung und Gesellschaft präsent sein können. Da für homosexuell liebende Jugendliche die wichtigsten Sozialisationsinstanzen von der Familie, Schule und Gesellschaft dargestellt werden, erscheint es wichtig, auf ihr jeweiliges Verhältnis zur Homosexualität einzugehen um jene festgelegte Grenze, die zwi schen einer hetero- und homosexuellen Identitätsbildung besteht, betrachten zu können. Insbesondere in der Sexualpädagogik, als ein Teilgebiet der Erziehungswissenschaft, läßt sich eine Möglichkeit für eine Ausarbeitung von Konzepten erkennen, die eine Orientierung für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bieten könnten.

II. Homosexualität im Wandel der Zeit

"Der göttergleiche Ganymed (war) der schönste aller Sterblichen; ihn raubten die Götter, damit er wegen seiner Schönheit dem Zeus als Mundschenk diene." HOMER

II.1. Der Stellenwert von Homosexualität in der Gesellschaft der griechischen und römischen Antike

In den patriarchalisch geprägten Kulturen der europäischen Antike war Homosexualität auf unterschiedlichste Art und Weise in das gesellschaftliche Leben integriert. Im antiken Grie chenland kennen wir sie als eine besondere Form der Päderastie, die für freie Bürger die einzige Möglichkeit darstellte, nicht nur eine sexuelle, sondern auch eine geistige Beziehung einzugehen. Da die Stellung der Ehefrau in der Gesellschaft so gering war, daß sich der Mann weder an ihrer Erziehung noch an ihrer Bildung messen konnte, kam nur die Kna- benliebe als eine dem Manne angemessene Form in Frage. Die einzigen Frauen, mit denen der freie Bürger des alten Griechenland gleichberechtigt verkehren konnte, waren Hetären, die in Politik, Philosophie, Kunst ect. ausgebildet wurden und gleichzeitig sexuell zur Verfü gung standen. Auf diesem Wege also - die Ehefrauen waren dem Mann nicht ebenbürtig, die Hetären käuflich - erfolgte die Institutionalisierung dieser besonderen Art von Homose xualität, denn der heranwachsende Knabe bot die gefragte Formbarkeit einer vom patriar chalischen System beieinflußten Frau und die Möglichkeit, ihn zu einem gebildeten, selb ständigen Mann zu erziehen, um dann später vielleicht selbst zum Knabenliebhaber zu wer den.

Die Rolle des heranwachsenden Jünglings innerhalb eines idealisierten, sogenannten E- rastes und Eromenos 1 - Verhältnisses ist uns aus zahlreichen Quellen bekannt: Die bildende Kunst2 und die Literatur3 geben ausführliche Darstellungen beziehungsweise Beschreibun- gen über jene Form von männlicher Homosexualität. Der Knabe hatte weder physische Lust zu empfinden, noch am Vergnügen des Mannes Freude zu empfinden; er hatte, wann er nachgab (weder zu voreilig noch zu mißmutig!) eine Befriedigung darin zu finden, daß er dem anderen Vergnügen machte. Das sexuelle Verhältnis mit dem Knaben erforderte also von seiten beider Partner besondere Verhaltensweisen.

Die passive Haltung während jener Begegnung seitens des Eromenos konnte u.a. gleich bedeutend sein mit den weiblichen Eigenschaften, wie Schüchternheit, Ergebenheit und Hilfsbedürftigkeit. In dieser Hinsicht drückte der Erastes sein Bedürfnis nach nicht nur einer reinen sexuellen Vereinigung mit einem männlichen Partner aus, sondern auch sein Verlan gen nach sowohl männlicher als auch weiblicher Charaktere - Ausdruck einer bisexuellen Natur4, die die weiträumige Existenz von Homosexualität im alten Griechenland erst mög lich machte.

Homosexualität war also - hier in Form der Knabenliebe - eine tolerierte und erstrebens werte Art sexuelle und menschliche Bindungen einzugehen. Jedoch ergaben sich durchaus gleichgeschlechtliche Beziehungen, die über das Erastes und Eromenos -Verhältnis hinaus- gingen5 und bei weitem moralisch nicht unbedeklich blieben. Denn die Liebe zwischen zwei gleichaltrigen Männern, die sich zudem gesellschaftlich als gleichgestellt betrachten konnten, war im griechischen Kulturkreis nicht akzeptabel. Dies beruhte auf den prinzipiellen Herr schaftsanspruch des freien Mannes im patriarchalischen System, der auch mit der sexuellen Verfügbarkeit von Menschen - Frauen, Sklaven, Knaben - in Verbindung stand. Der freie Mann befand sich jedoch bei einer homosexuellen Handlung mit einem anderen freien Bür ger auf der falschen Seite des sozialen Gefüges, denn es durfte keine Verletzung der dem Manne aktiven und der Frau passiven zustehenden Rolle erfolgen: Eine öffentliche Herab setzung des penetrierten, passiven, als weiblich empfundenen Manne, der die aktive mit der passiven Rolle vertauscht hatte, war die Folge.

Die sexuelle Differenz, die hier zwischen 'natürlicher' Knabenliebe und 'unnatürlicher' Liebe zwischen zwei (freien) Männern enstand und die damit verbundene mögliche Konsequenz einer sozialen Verachtung, orientierte sich also nicht primär an einer Unterscheidung von Hetero- und Homosexualität, sondern am bestehenden sozialen Gefälle, das durch jene Art und Weise der körperlichen Liebe verletzt wurde.6

Die griechische Knabenliebe fand jedoch auch schon damals ihre Kritiker. So bewertet zum Beispiel Platon (427-348/ 347 v. Chr.) zwar im Symposium (Gastmahl) und im Phaidros homosexuelle Liebe als nicht unbedingt verwerflich, doch in seinem Alterswerk Nomoi (Gesetze) fällt die moralische Beurteilung über homosexuelle Handlungen negativ aus. Sein Hauptargument lautet, daß sie 'widernatürlich' sei und beruft sich auf die Tierwelt, in der das angeblich nicht vorkommen soll.7 Zudem behandelt er in seinen Gesetzen noch einen Aspekt, der bei den späteren Moralvorstellungen des Christentum eine wichtige Rolle spielen wird: Die Frage der Fortpflanzung, die in den Gesetzen der Natur ruht. So könnten wir Platon (und andere hellenistische Philosophen wie Aristoteles (384-322 v. Chr.), Epi kur (341-270 v. Chr.) etc. die dem Gesamtgebiet der Moral eine hohe Bedeutung des 'Naturbegriffes' zukommen ließen8 ) als Wegbereiter christlicher Moralvorstellungen be- trachten, da er grundsätzlich eine Abkehr von der körperlichen Liebe verlangte und die Trennung zwischen Leib und Seele (Dualismus) im späteren Christentum eines der höchsten Ziele im menschlichen Leben auf Erden darstellen sollte. Diese Ablehnung homosexuellen Verkehrs bei Platon darf jedoch nicht als eine Ablehnung der Homosexualität an sich ver standen werden, sondern als ein Ausdruck jener besonderen Fähigkeit, Kontrolle über die Befriedigung triebhafter Gefühle zu erzwingen um eine disziplinierte, 'reine' Seele zu besit zen.

Da die Griechen Homosexualität weder als Problem noch als etwas Besonderes betrachte ten, konnte sie als eine der vielen gleichberechtigten erotischen Bindungen zwischen zwei Menschen gesehen werden. Dies erklärt vielleicht auch die Tatsache, warum in der griechi schen Mythologie zahlreiche Darstellungen homoerotischer Tätigkeiten griechischer Götter existieren9 und seit ältesten Zeiten bildende Kunst, Epos, Lyrik, Tragödie in Griechenland von der Knabenliebe beherrscht wurden: Lykurgos - der sagenhafte Gesetzgeber Spartas - behauptet in seinen Gesetzen, niemand könne ein tüchtiger Bürger sein, der nicht einen Freund im Bette habe; Solon (640-560 v. Chr.) und seine Nachfolger empfehlen der Ju gend den gleichgeschlechtlichen Verkehr und Solon spricht von dem Vergnügen, das man bei den Olympischen Spielen habe, wenn man seine Augen an den an dem Mut und der Standhaftigkeit der Wettkämpfer, an den schönen Formen ihrer Körper, an ihrem kräftigen Gliederbau weiden könne; in Theben betrieb ein dreihundert Mann starkes Eliteregiment Homosexualität und in Kreta und Sparta gehörte sie zur Ausbildung der jungen Krieger durch ihre Vorgesetzten.10 In diesem Sinne stellt die homophile Männergesellschaft, wie Sokrates (ca. 470-399 v. Chr.) und Platon sie idealisiert und ideologisiert haben, die Grundlage für die Beurtueilung von Sexualität, die später dann im römischen Kulturkreis weiterhin von der sozialen Weltordnung geprägt sein sollte, dar.

Eine universelle Bisexualität des Mannes war dagegen im alten Rom verbreitet und Homo- sexualität als ein Teil der menschlichen Erotik toleriert, die vor allem vom Vorbild der je weiligen Herrscher in ihrer Form und in ihrem Verlauf erheblich beinflußt wurde. Es gibt ei nige bedeutende Unterschiede zwischen der griechischen und römischen Homosexualität des Mannes: zum Beispiel wurde keine Idealisierung der Päderastie vorgenommen das heißt jene als die einzige, dem Manne angemessene Form der Geschlechtsverbindung zu betrachten und es verstärkte sich die Tendenz, "im Hinblick auf Sexualität nicht nach Ge schlechtern zu differenzieren, sondern nach Aktivität und Passivität."11 Auf diese Art und Weise verlagerte sich der entscheidende Akzent in der gleichgeschlechtlichen Verbindung zwar auf die Wahl reiferer Männer, doch waren auch diese meist keine freien Bürger. Bleibtreu-Ehrenberg schreibt über die Einstellung der Römer zur Homosexualität: "In punc to Homosexualität ist alles erlaubt - aber nur mit Sklaven."12 Da also die Römer frei von dem griechischen Gedanken waren, Homosexualität sei eine elitäre Form des Geschlechts verhalten, wurde der gleichgeschlechtliche Verkehr mit einem Sklaven nicht als entehrend aufgefaßt. "Während in Griechenland erwachsene Männer einen Besuch in der Schule oder im Gymnasium machten, um ihre jugendlichen Geliebten bei den nackt absolvierten Übun gen zu betrachten, traten in Rom an die Stelle der frei geborenen jungen Bürger (der Ephe ben) die Sklaven, die als Geliebte dienten."13

Wenn es also heißen sollte, daß Homosexualität in ihrem moralischen Wert absolut unan tastbar blieb, so ist dies vorerst weiterhin auf das Verhältnis freier Bürger untereinander nicht auf andere Konstellationen - zu beschränken. Livius (59 v. Chr. - 17 n. Chr.) berich tet (VIII, 28), ein Wucherer habe versucht, einen Schuldgefangenen anal zu vergewaltigen. Der Gefangene sei entkommen und den Wucherer habe keine Strafe getroffen, da der Ge fangene sich selber in die Sklaverei verkauft habe, um seine Schulden zu tilgen. Da der Sklave als 'Sache' seines Besitzers und nicht als Mensch betrachtet wurde, war im Gesetz eine Bestrafung für die Vergewaltigung von Sklaven nicht vorgesehen. Erst Kaiser Antoni- us (82-30 v. Chr.) ließ diejenigen bestrafen, die Sklaven zum Geschlechtsverkehr nötig ten;14 selbst der Versuch, Sklaven zum homosexuellen Verkehr zu verführen, konnte eine actio iniuriarum nach sich ziehen. Solche Knaben, die zur Unzucht genötigt wurden, hie-

ßen deliciae domini oder delicati; sie wurden auf den Märkten angeboten. Wenn solche

Knaben über die 'Jugendblüte' hinaus in ihrer Stellung verblieben, wurden sie exoleti"die Ausgewachsenen" genannt.15

Mit dieser Form von Homosexualität verbunden war auch die durchaus übliche Praxis der Entmannung, das heißt die Kastration von Sklaven, die der Erhaltung eines jugendlichen Teints, der Unterbindung von Haarwuchs und der Erziehung einer 'schönen' Stimme dienen sollte. Der römische Verschneider solcher Lustknaben - die zum sexuellen Vergnügen be stimmte jugendliche Sklaven gab es wie bereits erwähnt, auf dem Markt zu kaufen - Unter schied zwischen castrati veri, 'wirklichen Eunuchen', denen man beide Hoden entfernt hat te, und dem thlasias oder thlibias, dem man beide Hoden belassen, aber durch Zerquet schen unfruchtbar gemacht hatte. Spado wurden diejenigen genannt, die nur eine einzige Hode entfernt bekamen. Von den Spadonen glaubte man, sie hätten alle Eigenschaften ei nes 'richtigen' Mannes behalten, seien aber zarter und anschmiegsamer als diese. Erst Do mitian, der übrigens selber eine Anzahl von kastrierten Lustknaben besaß, verbot die Kast ration von Sklaven.16

Natürlich war für Rom auch die Prostitution von Bedeutung, jedoch machte die besondere Rolle der Sklaverei sie zu einem Teile überflüssig. Doch gab es außer den Haussklaven, die als homosexuelle Partner gehalten wurden, sogenannte 'Mannhuren', die fast stets freigelas sene Sklaven waren. Diese Lustknaben wurden puer meritorius, "der verdienende Kna be", puer consuetus, "der vertraute Knabe" und pathicus,"der Duldende" (der sich zum Analverkehr hergibt) genannt. Neben der freien Prostitution gab es päderastische Bordelle in den Theater- und Zirkushallen. Wirtshäuser offerierten ihren Gästen junge Burschen als passive Lustknaben und muskulöse, behaarte Männer, drauci oder agentes in paedicati- one, als aktive Liebhaber. Die Lustknaben, die in solchen Häusern ihre Dienste anboten, stammten meist aus Afrika und Kleinasien.

Mit großer Bestimmtheit hat das Vorbild der Herrscher die Form gleichgeschlechtlicher Beziehungen beeinflußt: Berühmte Liebespaare wie zum Beispiel Kaiser Hadrian (76-138 n. Chr.) und der junge Grieche Antinous 17 oder Kaiser Nero (37-68 n. Chr.) und seine 'Gatten', sorgten mit Sicherheit für öffentliches Aufsehen in der römischen Bevölkerung.

Nero soll sich die Welt zum homosexuellen Theater und das homosexuelle Theater zu seiner bevorzugten Welt gemacht haben. Er heiratete zwei Männer hintereinander in einer öffentlichen Zeremonie, die jenen einer legalen Hochzeit entsprachen.18 Trajan (53-117 n. Chr.) soll stets mit einem paedagogium, einem Knabenharem, gereist sein. Sein Nachfolger, Hadrian, war einer dieser Knaben. Hadrians Leidenschaft für den jungen Antinous stellt eine der großen Liebesgeschichten des Altertums dar. In der Historia Augusta 19 wird Hadrians Neigung zum eigenen Geschlecht eindeutig erwähnt.20

Um die Besonderheit der Organisierung antiken Geschlechtslebens wahrnehmen zu können, müssen die Zeugnisse aus Literatur und Kunst ausgewertet werden, um sie dann in ihrer Gebundenheit an soziale Institutionen wie etwa Ehe, Familie, religiöse Einrichtungen unter anderem im Rahmen sich verändernder gesellschaftlicher Struk-turen und Situationen zu betrachten. Hierbei ist wichtig, daß keine sexuellen Normvorstellungen der Gegenwart oder gar persönliche Präferenz oder Abneigung die Betrachtung antiker Sexualmoral beinflussen. Hierzu gehört zum Beispiel stets die Tatsache, daß der nackte menschliche Körper und sei ne Darstellung in der Kunst den Griechen und Römern bei verschiedenen Anlässen fort während begegnete. Kultische Enthüllung war als magischer Vorgang in Verbindung mit Kleidertausch, fingiertem Geschlechtsrollenwechsel, symbolischen, auch gleichgeschlechtli chen Akten der Vereinigung und Aischrologien21 Bestandteil von Kultfeiern alter Frucht barkeitsgötter und Offenbarungen in Mysterien.22

Nach Foucault ist eben jener Gebrauch der Lüste in der Beziehung zu Knaben bei den Griechen selbst als Besonderheit zu betrachten. Tatsächlich sei der Begriff der Homosexua lität kaum geeignet, eine Erfahrung, Bewertung und Grenzziehung zu bezeichnen, die von der unsrigen so weit entfernt ist. Die Griechen setzten die Liebe zum eigenen und die zum andern Geschlecht nicht als zwei einander ausschließende, radikal unterschiedene Verhal- tensweisen gegenüber. Die Unterscheidungslinien folgten nicht einer solchen Grenze. Der

Gegensatz zwischen einem Mann, der zuläßt, daß der Tyrann Eros in seiner Seele die Herr schaft ergreift und alle ihre Bewegungen steuert, und einem Mann, der sich zu beherrschen und zu mäßigen weiß, wird von Platon mit zwei gleichwertigen Aspekten gekennzeichnet, in denen sowohl die Geringschätzung der wesentlichsten Verpflichtungen als auch die Unter werfung unter die allgemeine Herrschaft der Lust zum Ausdruck kommt. Um andererseits die Enthaltsamkeit eines Mannes zu zeigen, wurde darauf hingewiesen, daß er sich sowohl der Knaben als auch der Frauen enthalten konnte. Beide Neigungen schienen gleicherma ßen wahrscheinlich zu sein und vor allem bei ein und demselben Individuum gleichzeitig auf treten zu können. Doch Foucault stellt an dieser Stelle den hier zum Ausdruck kommenden Begriff der Bisexualität der Griechen in Frage: denn es ist auf jene zweifache Praktik - ein Grieche konnte gleichzeitig oder nacheinander einen Knaben und ein Mädchen lieben oder er neigte sich in seiner Jugend häufig den Knaben, später den Frauen zu - zu achten, die nicht zwei Arten von Begehren, zwei verschiedene oder konkurrierende Triebe darstellte, welche die Bisexualität spiegelte. Die Betonung liegt etwa nicht in der zweifachen, ambiva lenten und bisexuellen Struktur des 'Begehrens', sondern in der Natur des Begehrens selbst: in den Augen der Griechen konnte ein Mann oder eine Frau begehrt werden - einfach weil die Natur ins Herz des Menschen eine Neigung für diejenigen gepflanzt hat, die "schön" sind, welches auch ihr Geschlecht sei.23

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß sowohl im alten Griechenland als auch im anti ken Rom die Homoerotik - zwar auf unterschiedlichste Weise durch die soziale Weltord nung geprägt - stets als eine natürliche und bewußte Möglichkeit sexuellen Lustempfindes betrachtet worden ist. Zwar ist die gleichgeschlechtliche Liebe teilweise an bestimmte Normen und Regeln gebunden gewesen, doch waren diese dazu bestimmt, den geschlecht lichen Akt an sich zu manifestieren und zu regulieren. Die Gründe, warum das frühchristliche Denken im Zusammenhang mit Sexualität nur einzelne Betrachtungsweisen der alten Grie chen zugelassen beziehungsweise aufgenommen hat, nämlich die platonisch-neuplatonische Leibverachtung, die stoische Leidenschaftsverachtung und die gnostisch-manichäische

Weltverachtung,24 können hier nicht weiter erörtert werden. Doch eben jene Einflüsse wur- den verstärkt durch die jüdischen, auf sexuelle Vorgänge (Pollution, Menstruation, Ge schlechtsverkehr) bezogenen Vorstellungen kultischer Unreinheit und verdichteten sich zum bekannten Syndrom kirchlicher und christlicher Sexualfeindschaft, die vor allem Lustfeind schaft war.

II.2. Die Klassifikation von Homosexualität und die Entstehung eines sozialen Kon zeptes des Homosexuellen mit dem Aufkommen des Christentums

Die christliche Sexualmoral hat Erotik außerhalb der Ehe nicht zugelassen, geschweige denn männliche und weibliche Homoerotik toleriert. Vor allem der Verkehr von Männern mit 'Knaben' wurde bedingungslos verfolgt. Mit Hilfe von Staat und Justiz versuchte das Christentum, seine sittlichen Ideale durchzusetzen: So wurde nun, was im alten römischen Recht25 undenkbar war, eine sexuelle Handlung als solche bestraft. Die alte Geldstrafe für 'Päderastie' wurde in die Todesstrafe für den Mißbrauchenden verschärft und die Radikalen forderten den Tod auch für den Gemißbrauchten.26

Mit dem Philosophen und Theologen Philon von Alexandrien (ca. 25 v. Chr.-40 n. Chr.) etablierte sich mit der Zeit der von ihm propagierte Grundsatz, der Geschlechtsverkehr dür fe nur der Erzeugung von Nachkommen dienen: Er interpretierte die sexuellen Kultvor schriften des Alten Testaments in Analogie zur stoischen Ethik und machte sie zu Geset zen.27 So verfestigte sich die Idee, die einzige natürliche Aufgabe der Sexualität sei die Fortpflanzung, und im 3. Jh. n. Chr. verkündete Clemens von Alexandria schließlich die sogenannte 'Alexandrinische Regel': "Sexualität um eines anderen Zwecks als der Fort pflanzung willen auszuüben, verstößt gegen die Natur".28 So nahm im Laufe der Zeit die Stigmatisierung 'des Homosexuellen' eine neue Richtung an: Die Differenz der gleichge schlechtlichen Liebe zur Heterosexualität bestand nun nicht mehr darin, sie als 'Sünde' zu betrachten, sondern sie wurde als Verbrechen, als verwerfliche Unmoral und Gefährdung der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft oder als Perversion und Krankheit neu definiert. Speziell die christliche Vorurteilsbildung gegenüber Homosexuellen beruft sich wie bereits erwähnt, auf die Bibel, wobei Homosexualität eigentlich in ihr eine höchst marginale Rolle spielt. Der Bericht vom Untergang Sodoms und Gomorras (Gen 19) ist im Prozeß der Stigmatisierung als einflußreichster Faktor zu betrachten. Doch eigentlich ist hierbei Homo sexualität nur ein Aspekt eines breiteren thematischen Spektrums von sexueller Gewalt und Bruch der Gastfreundschaft.29 Thematisiert wird sie in der Bibel nur an ganz wenigen Stel len; dort allerdings ist auch zu unterscheiden, inwieweit homosexuelles Verhalten an sich oder unehrenhaftes Benehmen 'bestraft' werden soll.30 Es sind insbesondere die paulini schen Texte, die in der ethischen Diskussion von Homosexualitäten in Theologie und Kir che bis heute eine Rolle spielen. In seinen Appellen zu einem tadellosen Leben stellte Paulus die Szene von Sodom als abschreckendes Beispiel vor Augen. Im Brief an die Römer rechnete er die männliche und weibliche Homosexualität ('Sodomie') zu jenen 'Greueltaten', welche sie als Folge der Leugnung des Schöpfergottes ergaben: "Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen31 ; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander. Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung".32 Unverwechselbares Kennzeichen ist hier die Charakterisierung der Gottlosigkeit, Paulus verknüpft männliche und weibliche Homo sexualität mit der Verwerfung der Erkenntnis Gottes, erklärt sie also zur Konsequenz der Idolatrie.33

Es folgten unzählige Kirchenväter wie Augustinus, Johannes Chrysostomos, Petrus Da- miani, unter andere, die die gleichgeschlechtliche Liebe verteufelten und die abendländische Sexualmoral mit diesem Bild Jahrhunderte lang prägten.

Die erste generelle Verallgemeinerung, was unter christlichem Sexualverhalten zu verstehen ist, lieferte die Theologenschule von Alexandria im 3. Jh. . Danach war jede Sexualpraktik gottgefällig, die der Zeugung diente, aber eben nur diese. Sünde hieß also alles, was nicht einer Zeugungsabsicht entsprach, zum Beispiel auch der Analverkehr zwischen Mann und Frau, die Masturbation und jede orale Praktik. Daher erscheint es nicht verwunderlich, daß Homosexualität mit diesem Konzept nicht vereinbar gewesen wären, geschweige denn hät ten existieren können.

Speziell nach dieser Stellung von Homosexualität in jenem 'Sexualkonzept' haben sich in der darauffolgenden Zeit und noch bis in unser Jahrhundert hinein sowohl Natur- als auch Humanwissenschaftler gerichtet. Daher sollte es weiterhin nicht verwunderlich erscheinen, daß das Unverständnis beziehungsweise die Unkenntnis über die homosexuelle Orientierung sich heute noch in Familie und Gesellschaft in bestimmten Punkten danach richtet und selbst öfftentlichen Institutionen wie zum Beispiel Schule, zugrunde liegen.

III. Überlegungen zu einigen Forschungs- beziehungsweise Er klärungsansätzen zur 'Entstehung von Homosexualität'

Die Vielfalt an unterschiedlichen Vorstellungen über die homosexuelle Orientierung und homosexuelles Verhalten zeigt sich bereits bei der immer wieder gestellten Frage nach Verursachung und Entstehung von Homosexualitäten. Jedoch sollte bei dieser Fragestellung darauf geachtet werden, daß in der Frage an sich schon die Vorstellung impliziert ist, es liege etwas Besonderes, anderes, vom 'Normalen' Abweichendes vor.

Ob sie genetisch, durch den Körpertypus oder durch Beziehungen zur Außenwelt 'entste hen', ist heute noch eine der umstrittensten Fragen der Sexualwissenschaft. Die Konstituti onsforschung zum Beispiel glaubt, daß bestimmte Körperfunktionen eine Prädisposition zu bestimmten Formen der Homosexualitäten mit sich bringen. Im Gegensatz dazu nehmen die meisten der jüngeren Psychoanalytiker an, daß weder Körperstruktur noch Vererbung das geringste mit der Pathogenese von Homosexualitäten zu haben, sondern daß sie eine Er- scheinungsform der grundsätzlich bisexuellen Natur des Menschen sind und hauptsächlich durch die Beziehungen zwischen dem betreffenden Menschen und seinen Eltern erzeugt werden.

Im folgenden Abschnitt dieses Kapitels werden die natur- und humanwissenschaftlichen Forschungsansätze über die Enstehung und Entwicklung "der Homosexualität" im Ansatz dargestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen.

III.1. Die psychoanalytische Forschung

Die Annahme, Heterosexualität sei eine kulturelle Norm und daher 'normal', muß vor dem Hintergrund einer zweiten Annahme gesehen werden, nämlich der der biologischen Norm, die auf die Vermehrung der Menschheit festgelegt ist.

Das Verständnis von Heterosexualität als biologische - und daher kulturelle - Norm sieht im heterosexuellen Verhalten die natürliche Form sexueller Anpassung an die biologischen Ge gebenheiten. Diesem Verständnis zugrundeliegende Konzept geht davon aus, daß die Bio logie durch die auf Zeugung hin ausgerichtete Anatomie zwar die entsprechende Natur der Sexualität34 bestimmt, nicht aber notwendigerweise eine 'Bestimmung' mitliefert, wie die Menschen ihre Sexualorgane benutzen sollen: Eben dies stellt die Aufgabe der Kultur dar. Diese dirigiert entsprechend der biologischen Vorbestimmung den "richtigen" - also hetero sexuellen - Gebrauch der Sexualität. Kultur und Biologie kooperieren hier miteinander und die menschliche Evolution, die auf Überleben hin ausgerichtet ist, führt sie zusammen.35

Dieses Vorverständnis von Heterosexualität als Norm liegt vor allem psychonanalytischen Theorien über die Verursachung und Entstehung von Homosexualität zugrunde. Nach dem Psychoanalytiker Bieber zum Beispiel sind biologisch betrachtet nach dieser Konzeption Homosexuelle 'normal'. Sie sind grundsäztlich zu einer hetero-sexuellen Erregungsreaktion fähig. Entwickelt sich eine homosexuelle Anpassung, dann ist das nach diesem Verständnis etwa die Folge von Angst gegenüber heterosexueller Aktivität, die sich hemmend auf die Entfaltung heterosexueller Betätigung auswirkt.36

Diese Auffassung, das heißt die homosexuelle Orientierung soll Ausdruck einer Entwick lungsstörung sein und gehöre per definitionem in den Bereich der Psychopathologie, wurde weitgehend von Psychoanalytiker wie Bergler, Bieber, Ovesey und Socarides und andere vertreten37, die zeitlich später anzusetzen sind als Freud und sein Konzept einer genetisch angelegten Bisexualität verworfen haben. Also gilt der Homosexuelle zwar biologisch be trachtet als 'normal', medizinisch und psychologisch aber als 'krank'. Doch basierend auf das Vorverständnis von Heterosexualität als Norm bleibt die Behauptung, Homosexualität sei eine Krankheit, nur eine Annahme, die darauf begründet, daß in ihr der von der Biologie nahegelegte und der Kultur vorgeschriebene Gebrauch der Sexualität nicht zum Ausdruck kommt.

Nach Müller fällt im Vergleich zu anderen psychoanalytischen Vertretern die Beurteilung der pathologischen Seite homosexuellen Verhaltens in der Sicht Freuds 'milde' aus. In den "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" (1905) befreit Freud ausgehend von einer angebo renen, konstitutionellen Bisexualität, die Homosexualität zunächst vom Geruch der Degene riertheit, der ihr entsprechend der Beurteilung namhafter zeitgenössischer Psychiater anhaf tete, die in ihr nur eine abwegige, unnatürliche, oft mit anderen Syndromen von Degene riertheit, wie Epilepsie und Wahnsinn verbundene Verhaltensweise diagnostizieren konnten. Freuds Ansatz unterscheidet sich auch von späteren psychoanalytischen Ansätzen, die ho mosexuelles Verhalten an sich für pathologisch halten, indem er homosexuelles Verhalten und Empfinden als vorübergehende Erscheinungsform im Laufe des psychosexuellen Ent wicklungsprozesses des Kindes und als "latente Homosexualität", die Freundschaft und Liebe unter Männern für die Menschheit überhaupt erst möglich macht, für normal und na türlich erklärt. Erst wenn eine Entwicklungshemmung38 eintritt mit der Folge, daß homose- xuelles Verhalten zur einzigen sexuellen Verhaltensform wird, betrachtet er die gleichge- schlechtliche Liebe als pathologisch.39

Die psychoanalytischen Ansätze über die Enstehung und Entwicklung der Homosexualität divergieren stark untereinander. Sie geben in der Regel Vorstellungen und Einsichten wie der, die psychoanalytisch orientierte Psychiater aus der Behandlung homosexueller Patien ten gewonnen haben. Deren Erfahrungen beschränken sich aber auf kranke homosexuelle Menschen.

Die Mehrheit der traditionellen Psychoanalytiker richteten ihr Augenmerk vor allem auf die Umweltbedingungen und hielten dementsprechend die Beziehungen in der frühen Kindheit für wichtige Faktoren in der weiteren Entwicklung (Vergleiche Rado 1940, Bergler 1956, Bieber 1962, Socarides 1971, 1978, Kernberg 1986, und andere). Der Psychiater Isay hingegen vertritt eine völlig konträre Position: Er berücksichtigt zwar auch die Familienkonstellationen und die psychosozialen Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, jedoch geht er grundsätzlich davon aus, daß "die sexuelle Orientierung nicht aufgrund der Umwelt, sondern von konstitutionellen Faktoren zustande kommt".40.Isay beruft sich bei seiner Argumentation unter anderem auf Familien- und Zwillingsuntersuchungen, die bei eineiigen, getrennt aufgewachsenen Zwilligen auf Übereinstimmungen von homosexuellem Verhalten bis zu 100% hinweisen.41 Während Isay von einer konstitutionell verankerten Homosexualität ausgeht und die psychodynamischen Überlegungen in erster Linie zum Verständnis von krisenhaften Ereignissen im Leben des homosexuellen Mannes heranzieht, gelangen andere Psychoanalytiker wie Morgenthaler oder Schellenbaum zur Ansicht, daß Homo- und Heterosexualität gleichwertige Formen der Sexualität sind und die homosexuelle Entwicklung an sich nichts Krankhaftes darstellt. Und es ist vor allem Morgenthaler zu verdanken, der mit der Theoretisierung einer unneurotischen Entwicklung zur Homosexualität einen Umbruch im psychoanalytischen Denken anregte und die Vorstellung von einem gesunden Homosexuellen nicht grundsätzlich verwarf42 Mrorgenthaler unterscheidet innerhalb der Entwicklung vom Kleinkind zum Erwachsenen drei wichtige Stationen, welche für die Orientierung zur gleich- oder gegengeschlechtlichen Liebe von Bedeutung sind: Die erste Station liegt in der "narzis-tischen" Entwicklung der frühen Kindheit und beinhaltet die Entstehung des Selbstbildes; die zweite Station erfolgt in der "ödipalen Phase" mit den in dieser Zeit typischen Auseinandersetzungen mit den wich tigsten Personen der Kindheit und die dritte Station liegt in der Pubertät und reicht über die Adoleszenz bis ins Erwachsenenalter, sie umfaßt die Vorgänge des "Coming- out".43 Zu sammenfassend kann also gesagt werden, daß die Entwicklung zur Homosexualität von frü her Kindheit an in einer ganz spezifischen Weise verläuft und das Verhalten des späteren Erwachsenen prägen wird.

Schellenbaum betrachtet Hetero- und Homosexualität innerhalb der psychischen Dynamik, die allen Individuen gemeinsam ist. Er unterscheidet zwischen 'integrierter' und 'fixierter' Homosexualität: Bei der 'integrierten' Homosexualität wird im gleichgeschlechtlichen Freund sein Selbst wahrgenommen; der Freund wird also nicht, wie es bei der 'fixierten' Homose xualität der Fall ist, als Ersatz für die Lücke in der eigenen Selbstwahrnehmung gebraucht. Demnach ergibt sich die bei einer angestrebten 'Selbstverwirklichung' die Notwendigkeit, seine homosexuellen Tendenzen zu akzeptieren, unabhängig von einer homo- oder hetero sexuellen Struktur. Schellenbaum bringt durch diese Art der Betrachtung Homosexualität auf eine Ebene, von der aus Homo- und Heterosexualität sich als zwei Formen der Selbst wahrnehmung erweisen, die gegenseitig nicht ausgeschlossen werden können.44

Wie wir sehen konnten, sind für die meisten Tiefenpsychologen psychodynamische Vor gänge die wichtigsten Faktoren, die für die 'Entstehung' und Gesamtentwicklung von Ho mosexualität mehr oder weniger 'verantwortlich' sein können. Jedoch muß auch davon aus gegangen werden, daß psychodynamische Faktoren nicht als einzige Determinanten für die gleichgeschlechtliche Liebe von Geltung sind. Die Geschichte hat gezeigt, daß eine Patholo gisierung der Homosexualität die Diskriminierung homosexuell liebender Menschen ver stärkt hat und zum Teil auf einseitige, unprofessionelle Ansichten zurückzuführen ist.

Eine für den Aufgabenbereich der Psychoanalyse ausschlaggebende Frage in Bezug auf Homosexualitäten hat der schweizer Psychoanalytiker Rauchfleisch gestellt: Welchen Bei trag kann die Psychanalyse für den homosexuellen Menschen leisten ? Er beantwortet diese Frage unter Beachtung dreier Aspekte: erstens sollte die Psychoanalyse dort eingesetzt werden, wo es - sinnvollerweise - um die Therapie homosexueller Menschen mit neuroti- schen Fehlentwicklungen geht. Zweitens könnte sie einen wichtigen Beitrag bei dem prä- ventiven Bemühen leisten, Fehlentwicklungen zu vermeiden und drittens ließe sich die Psychoanalyse als emanzipatorische Wissenschaft in der Hinsicht verwenden, daß mit ihrer Hilfe gesellschaftliche Prozesse der Diskriminierung Homosexueller aufgedeckt und analysiert würden.45 Im großen und ganzen läßt sich dieser Betrachtung zustimmen, doch meines Erachtens sollte die Tatsache nicht übersehen werden, daß die Psychonalyse fast stets vor dem Hintergrund gehandelt hat, den homosexuell liebenden Menschen in Form ei nes Patienten betrachtet zu haben.

Die vorausgehenden Theorien haben gezeigt, wie stark die Auffassung über die 'Entstehung der Homosexualität' und ihre Deutung von dem Vorverständnis, das ihr zugrunde gelegt wird, abhängen. Besonders bei den Theorien, die der Gesamtentwicklung von Homosexua lität eventuelle Fehlentwicklungen in der Kindheit zugeschrieben haben, zeigt sich besonders die Prägung eines Sexualitätskonzepts, dem heterosexuelle und kulturelle Normen zugrun deliegen.

Innerhalb dieses Konstruktes Sexualität - Medizin/ Psychiatrie/ Psychonalyse 46 wurden wie bereits angedeutet, im Laufe der Zeit unzählige verschiedene Theoriemodelle zur Ho mosexualität produziert, die meistens mit den unterschiedlichsten Varianten der Patholo- gisierung ausgestattet waren. Der Soziologe Lautmann hat in diesem Zusammenhang einige solcher Varianten zusammengetragen, die zusammenfassend einen Überblick über ver schiedene Modelle wiedergeben, die die 'krankhafte' Form von Sexualität- also Homose xualität - beinhalten:

- Homosexualität als Krankheit, die zum Beispiel endokrinologisch durch eine Störung des Hormonhaushaltes verursacht wird
- Homosexualität als Zwischenstufe, als drittes Geschlecht zwischen Frau und Mann - ein fehlgeschlagener Versuch, den Homosexuellen das geläufige Krankenimage zu ersparen, erkauft mit der assoziativen Nachbarschaft zu den konstitutionellen Mißbildungen
- Homosexualität als gesellschaftliche Entartung, Dekandenz, die den Zerfall von Welt-
reichen verursacht oder begleitet, wie es nicht nur faschistische Sexualtheoretiker behaup tet haben
- Homosexualität als biologisch und sozial zwecklos oder auch als Abnormität
- Homosexualität als Laster, moralische Verkommenheit und Schuld (so die vatikanische Theologie), resultierend zum Beispiel aus einer Fehlentwicklung des Charakters oder aus sexueller Übersättigung
- Homosexualität als Symptom von Krisen in kapitalistischen Gesellschaften, so daß gefragt werden kann, "ob Homosexualität in einer freien Geselleschaft 'abstirbt'"47
- Homosexualität als unvollkommene Sexualität, die ein Zeichen der Unreife und eigentlich nur eine Art wechselseitiger Masturbation ist
- Homosexualität als bloße Ersatzform für 'echte' Sexualität, die vor allem in Mängelsitua tionen auftritt und "immer unter Männern, die sich Frauen und Kinder nicht leisten können, häufig ist"48
- Homosexualität als Störung der Persönlichkeit, als 'Sexualneurose'
- Alle Homosexuellen als mehr oder weniger neurotisch, auch über ihre bloße Sexualorientierung hinaus oder sogar unabhängig von dieser Orientierung -eine übertriebene Darstellung der Schwierigkeiten homosexueller Menschen

Daran schreibt Lautmann im Anschluß: "Das ist gewiß eine imposante Reihe von Hypothe sen, und so wenig jede einzelne zu überzeugen vermag, so sehr wird das Gesamtbauwerk manchen beeindrucken; die geheime Botschaft von der Pathologisierung erreicht durch massierte Kommunikation ihr Ziel. Jede von diesen Spielarten der Pathologisierung besitzt ihre eigene Entwicklung, verdiente eine ausführliche Darstellung und Kritik. Mit einem sol chen (unerfreulichen) Geschäft ließe sich wohl leicht ein Buch füllen: eine Ideengeschichte des Krankheitsmythos Homosexualität, zu schreiben als Reflex der Sozialgeschichte anti homosexueller Repression."49 Zu dieser durchaus treffenden Aussage sei ergänzend gesagt, daß die Pathologisierung von Homosexualität immer als ein Versuch betrachtet werden kann, unkonventionelles Verhalten als 'krank' zu definieren, so daß auf diese Art und Weise die Gesellschaft (und der Staat) in die Lage versetzt wird, Druck und Diskriminierung aus- zuüben: "Pathologisierung motiviert und legitimiert die Stigmatisierung homosexueller Frauen und Männer."50

Die geschilderte Einstellung der institutionalisierten Psychoanalyse und einiger VertreterIn nen einer Psychoanalyse, die immer wieder ihre nicht-wertende Haltung zur Homosexualität betont, scheinen jedoch in einem Punkt einig zu sein: Die 'Umpolarisierung' eines Patienten könnte im Rahmen einer Therapie doch noch erreicht werden. So stellt sich zum Beispiel Quinodoz (1989) als Ziel einer erfolgreichen Therapie lesbischer Frauen ausdrücklich die Stärkung der heterosexuellen Tendenzen in den Vordergrund; Siegel (1992) führt aufgrund ihrer psychoanalytischen Erfahrung mit acht Lesben einen ganzen Katalog von psychopa thologischen Merkmalen an, die von einem "unvollständigen Körperbild, insbesondere mangelnde Schematisierung des Genitalbereichs" und damit einhergehendem "Mangel an stabilen Objektbeziehungen" über "narzistische Verletzungen" und "kognitive Entwicklungs hemmungen" bis zum "unbewußten Verleugnen der Geschlechstsunterschiede" reichen. Auch Schellenbaum (1980) berichtet mehrfach mit spürbarem Stolz von "gelungenen" The rapien, in denen schwule Männer zunehmend Interesse an Frauen bekundeten und später eine Ehe eingingen: "Zur gleichen Zeit verliebte sich M. zum ersten Mal in seinem Leben in eine Frau: Katharina. Der Zusammenhang zwischen Ms. ganzheitlicher Wahrnehmung des heterosexuellen Freundes und seiner wachsenden Liebesfähigkeit zur Frau war unüberseh bar. In der Analyse wurde er bestätigt und geklärt."51 Die 'Nicht-Veränderbarkeit' der se xuellen Orientierung Homosexueller wird heute noch von vielen Psychotherapeuten damit kommentiert, daß sich das 'Idealziel' der Heterosexualität trotz großer Bemühungen leider nicht habe erreichen lassen.52

Diese Aussage impliziert meiner Meinung nach die Frage, worauf sich eine solche Einstel lung - zum menschlichen Konzept von Sexualität - stützt, ob die Ausgrenzung homosexuel len Empfindens auf eigene, verdrängte sexuelle Wünsche zurückzuführen ist und inwieweit eine Angst im Zusammenhang mit einer Ablehnung oder 'Verbesserung' homosexueller Tendenzen steht. Doch die Frage, woher diese Angst vor Homosexualität kommt, soll in Kapitel V ausführlich erörtert werden.

III.2. Der naturwissenschafltiche Forschungsansatz

In der zweiten Hälfte des 19. Jhs., als die Beschäftigung mit der Homosexualität noch nahe zu die alleinige Angelegenheit der Psychiatrie war, herrschte die Vorstellung vor, Homose xualität sei angeboren oder vererbt. Diese Annahme ging davon aus, daß vor oder mit der Geburt übernommene Syndrome bei der Entwicklung der Homosexualität eine Rolle spie len. Die einzelnen wissenschaftlichen Auffassungen divergierten allerdings auch zur damali gen Zeit stark: Während etwa Westphal53 und von Krafft-Eibing54, letzterer auch Umwelt einflüsse geltend machend, anhand von Fallstudien nachzuweisen suchten, daß homosexuel les Verhalten pervers und unnatürlich sei, benutzte Ellis55 die Hypothese angeborener Ho mosexualität, um damit ihre Natürlichkeit nachzuweisen.56 Seit der Entdeckung der inner sekretorischen Drüsen, ihrer Funktion und verschiedener Hormone wurde immer wieder die Auffassung laut, Homosexualität sie die Folge einer endokrinen Unausgeglichenheit.57 Die Konstitutionsforschung glaubte also, daß Homosexuelle eine 'besonders geartete Gruppe' seien, deren Schicksal von Geburt her durch ihre Körperform bedingt sei. Die 50er und frühen 60er Jahre unseres Jahrhunderts waren von einem biologistischen Diskurs geprägt: Schlegel war ein typischer Vertreter, der mit einem konstitutionsbiologischen Ansatz die These einer Vererbbung der Homosexualität vertrat. Er teilte den Menschenty pen in vier Grundformen ein - den asthenischen, athletischen, gynäkomorphen und andro- morphen Typus.58 Diese Argumentation entspricht der Auffassung während der Zeit des Nationalsozialismus und soll hier nicht weiter ausgeführt werden, sondern nur ergänzend erwähnt sein.

Die Frage nach der biologischen Verursachung wird heute, in den 90er Jahren, zum Bei spiel aufgrund von Gehirnforschungen festzustellen versucht. Dabei gehen jene Ansätze da von aus, daß heterosexuelles Verhalten natürlich sei und enstprechend als sexuelle Leitnorm zu gelten hat. Dieser traditionalistische Ansatz bedient sich weitgehend repressiver (und da her auch medienwirksamer) Methoden, um damit das Bedürfnis von vielen, eine Abgren zungserklärung für Homosexualität zu finden, stillen zu können. Dabei können heute noch naturwissenschaftlich orientierte Ansätze zu einer anhaltenden Bestätigung diskriminierender Grundhaltungen führen. Einige diesbezügliche medienwirksamen Ansätze sollen auch hier kurz aufgezeigt werden:59

"Der Schock im Mutterleib": Am 26.05.1990 berichtet das Hamburger Abendblatt über die Forschungsergebnisse des Biochemikers KAPLAN, auch unter dem Begriff des gleich namigen Buches "Mona-Lisa-Syndrom" bekannt, das für die Entstehung der Homosexuali tät "eine unzulängliche Konzentration des männlichen Hormons Testosteron während der 13. bis 15. und der 20. bis 25. Schwangerschaftswoche" verantwortlich sei. Schlußfolgerung daraus ist, daß es dann "zuverlässige Möglichkeiten" gäbe, "die Disharmonie zwischen Körper, Geist und Fühlen während der entscheidenden Schwangerschaftswochen medikamentös zu manipulieren, also einer homosexuellen Veranlagung vorzubeugen". Aufgrund von Gehirnforschungen glaubt man der Frage nach der biologischen Verursachung und Vererbung nachgehen zu können, wobei zu erwähnen ist, daß die Gehirne von an Aids verstorbenen homosexuellen Menschen untersucht wurden. So heißt es in einem Bericht vom 08.08.1992 in der Zeitung "Die Welt":

"Zwei amerikanische Forscher haben ebenfalls eine Besonderheit im Gehirn gleichge schlechtlich orientierter Männer gefunden. Bei ihnen soll allerdings ein Nervenstrang, der beide Großhirnhälften verbindet, die sogenannte vordere Kommissur, besonders ausge prägt sein".

[...]


1 Vgl. hierzu V. Sommer (1990), S. 29: "Der typische Fall war die Verbindung zwischen einem älteren, i dealerweise 25jährigen Mann mit einem jüngeren, etwa 15jährigen. Es war offenbar selten und ungehö rig, daß gleichaltrige Männer sich ineinander verliebten. Der Jüngere wurde als Eromenos bezeichnet, ein Terminus, der sich von eran, "verliebt sein in..." ableitet, der Ältere als Erastes, "Liebhaber". Zur Rolle der Erastes gehörte es, starke sexuelle Gefühle gegenüber dem Eromenos zu empfinden ... Die Rolle des Knaben jedoch war anders; von ihm wurde keine Erwiderung der sexuellen Gefühle erwartet, sondern Bewunderung für seinen älteren Liebhaber, zu dem er als zu einem Vorbild und Lehrer aufschauen und den er glücklich machen sollte."

2 Sommer (1990), S. 29f : "Vasenbilder zeigen, daß nur der Penis des Erastes erigiert ist, während er den Eromenos bedrängt und umwirbt. Hat die Werbung Erfolg gehabt, stehen die beiden einander von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Der Erastes umfaßt den Oberkörper des Eromenos, legt seinen Kopf auf dessen Schulter, beugt die Knie und stößt seinen Penis gerade unterhalb des Hodensacks zwischen dessen Oberschenkel, um eine Ejakulation zu erzielen."

3 K. J. Dover (1978): Greek Homosexuality, S.9 -15: "The five most important sources of material on homo-sexuality are late archaic an early classical homosexual poetry; Attic comedy, particularly Aristophanes and his contemporaries; Plato; a speech of Aiskhines, the Prosecution of Timarkhos; homosexual poetry of the Helle-nistic period."

4 Borneman zitiert Freud in: Ullstein (1990) Enzyklopädie der Sexualität:" Bei den Griechen, wo die männlichsten Männer unter den Invertierten erscheinen, ist es klar, daß nicht der männliche Charakter des Knaben, sondern seine körperliche Annäherung an das Weib sowie seine weiblichen seelischen Eigenschaften, Schüchternheit, Zurückhaltung, Lern- und Hilfsbedürftigkeit die Liebe des Mannes ent zündeten. Sobald der Knabe ein Mann wurde, hörte er auf, ein Sexualobjekt für den Mann zu sein, und wurde etwa selbst zum Knabenliebhaber. Das Sexualobjekt ist also in diesem Falle, wie in vielen ande ren, nicht das gleiche Geschlecht, sondern die Vereinigung beider Geschlechtscharaktere, der Kom promiß etwa zwischen einer Regung, die nach dem Manne, und einer, die nach dem Weibe verlangt, mit der festgehaltenen Bedingung der Männlichkeit des Körpers (der Genitalien), sozusagen die Spiege lung der eigenen bisexuellen Natur.", S. 340

5 Vgl. V. Sommer (1990), S. 37: "Im Jahre 346 v. Chr. wurde nämlich gegen den athenischen Politiker Timarchos ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Er wurde angeklagt, sich gegenüber einem anderen Manne homosexuell prostituiert zu haben." Siehe dazu auch K.J Dover (1978), S. 19-23

6 E. W. Stegemann: Antihomosexualität bei Paulus. In: H. Puff (Hg.) (1993): Lust, Angst und Provokation. Homosexualität in der Gesellschaft, S. 70

7 E. W. Stegemann: Antihomosexualität bei Paulus. In: H. Puff (Hg.) 1993): Lust, Angst und Provokation. Homosexualität in der Gesellschaft, S. 71

8 Vgl. G. Denzler (1988): Die verbotene Lust. 2000 Jahre christliche Sexualmoral, S. 16-20.

9.Selbst Zeus, der Gottvater, liebte schöne Jünglinge. "Der göttergleiche Ganymed war der schönste aller Sterblichen; ihn raubten die Götter, damit er wegen seiner Schönheit dem Zeus als Munschenk diene." Vgl. Homer, Ilias, XX, 231-235, zit. in: Dover (1978), S. 196.

10 Siehe dazu: H. Licht: Sittengeschichte Griechenlands 1926 Bd. II, S. 134. und S.R. Dunde (Hg.) (1992): Handbuch Sexualität: "Sokrates führt aus, daß Freundespaare im Kampf um so tapferer wären, da sie sich vor ihrem Freund nicht bloßstellen wollten. So bestand die heilige Legion Thebens nur aus Freun despaaren...". S. 69.

11 V. Sommer (1990), S. 40.

12 G. Bleibtreu-Ehrenberg (1978): Homosexualität. Die Geschichte eines Vorurteils. S. 184.

13 V. Sommer (1990), S. 40.

14 E. Borneman (1990), S. 353.

15 W. Kroll: Römische Erotik. In: A.K. Siems (Hg.) (1988): Sexualität und Erotik in der Antike. S. 91.

16 E. Borneman (1990), S. 353.

17 Nach Dio Cass. 69,II,2 f. soll der in Bithynien geborene Antinoos und Hadrians Geliebter 130 n.Chr. bei einer Nilfahrt, um dem Kaiser das Leben zu retten, ertrunken sein.

18 V. Sommer (1990), S. 40.

19 Die Historia Augusta ist eine Sammlung von 39 Biographien römischer Kaiser einschließlich der Ceasaren und Usurpatoren. Sie beginnt mit Hadrian (117-138) und endet mit Carus (282-283). Sie ist gegen Ende des 4. Jh. entstanden.

20 Siehe dazu: R. Schlösser (1992): Die Homosexualität Kaiser Hadrians in der biographischen Literatur der Antike. S. 121-133.

21 Stichwort Aischrologie: "Aussprechen des Häßlichen". Derbe, bis zur Zote gesteigerte Schelte scheint, als Mittel zur Abwehr des Bösen, ein altes Element der Fruchtbarkeitskulte zu sein. Aus: Lexikon der Alten Welt Band 1. 1990, S. 79

22 A. K. Siems (1988): Sexualität und Erotik in der Antike. S. 5.

23 M. Foucault (1989): Der Gebrauch der Lüste. Sexualität und Wahrheit, Bd. II., S. 237-239.

24 Siehe dazu: G. Denzler (1988): Die verbotene Lust. S. 16-20.

25 Die einzelnen Strafbestimmungen der Römischen Gesetzgebung bezüglich 'homosexueller Vergehen sind bei G. Bleibtreu-Ehrenberg (1978): Tabu Homosexualität. Die Geschichte eines Vorurteils. S. 183 f.

26 H. Cancik: Zur Enststehung der christlichen Sexualmoral. In: A.K. Siems (Hg.) (1988): Sexualität und Erotik in der Antike. S. 347-374.

27 G. Denzler (1988): Die verbotene Lust. S. 18.

28 V. Sommer (1990), S. 51.

29 V. Sommer (1990), S. 41-45.

30 Dazu: Lev 20,13: "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Greueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen." und Ri 19,22 24:"Während sie sich' s nun wohl sein ließen, umringten plötzlich einige Männer aus der Stadt, übles Gesindel, das Haus, schlugen an die Tür und sagten zu dem alten Mann, dem Besitzer des Hauses: Bring den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist; wir wollen unseren Mutwillen mit ihm treiben. Der Besitzer des fHuases ging zu ihnen hinaus und sagte zu ihnen: Nein, meine Brüder, so etwas Schlimmes dürft ihr nicht tun. Dieser Mann ist als Gast in mein Haus gekommen; darum dürft ihr keine solche Schandtat begehen."

31 Die Begriffe 'Natürlich' bzw. 'Widernatürlich' in diesem Zusammenhang werden eingehend von V. Sommer (1990) in: Wider die Natur? Homosexualität und Evolution. S. 47 erörtert.

32 Röm I, 26f.

33 Ausführlicher wird dieser Aspekt von E. W. Stegemann :Antihomosexualität bei Paulus. In: H. Puff (Hg.) (1993): Lust, Angst und Provokation. S. 67-77, behandelt.

34 Zu der sogennanten Zweckbestimmung von Sexualität schreibt Sommer: "Die Beschäftigung mit der Biologie macht allerdings unmißverständlich klar, daß auch und gerade im Tierreich ( ) Sexualität und Befruchtung keines-wegs Synonyma sind, da die verschiedensten Varianten "nicht-reproduktiver" Se xualität existieren: Masturbation, Verkehr mit nicht-geschlechtsreifen Individuen, Kopulation während unfruchtbarer Tage des Zyklus, während Schwangerschaft oder Stillzeit, nach dem Klimaterium - vom gleichgeschlechtlichen Sex ganz zu schweigen." Aus: V. Sommer (1990): Wider die Natur? Homosexu a lität und Evolution. S. 163.

35 Vgl. C. Socarides: Homosexuality. In: S. Arieti (1974): American Handbook of Psychatry. S. 291 und

W. Müller (1986): Homosexualität - eine Herausforderung für Theologie und Seelsorge. S. 19 f.

36 Vgl. W. Müller (1986), S. 21.

37 U. Rauchfleisch: Psychoanlayse und Homosexualität. In: H. Puff (Hg.) (1993): Lust, Angst und Provokation. Homosexualität in der Gesellschaft. S. 165. Zu den jeweiligen Forschungsansätzen der genannten Psycho-analytiker siehe W. Müller, S. 23.

38 Nach Freud sind die Ursachen für eine Entwicklungshemmung auf frühkindliche, zumeist in der ödipalen Phase sich ereignende, unausgeglichene und pathologische Beziehungsverhältnisse zwischen Kleinkind und Eltern.

39 W. Müller (1986), S. 22.

40 R. A. Isay (1990): Schwul sein. Die psychologische Entwicklung des Homosexuellen. S. 28.

41 Anmerkung wie oben.

42 N. Zillich: Gegenwärtige Homosexuellenforschung in Deutschland. In: R. Lautmann (Hg.) (1993): Homosexualität. Ein Handbuch der Theorie- und Forschungsgeschichte. S. 354.

43 U. Rauchfleisch: Psychoanalyse und Homosexualität. In: H. Puff (Hg.) (1993): Lust, Angst und Provokation. Homosexualität in der Gesellschaft. S. 171 f.

44 P. Schellenbaum (1992): Homosexualität im Mann. Eine tiefenpsychologische Studie. 2. Auflage.

45 Wie Anmerkung 43, S. 178 f.

46 Zur Geschichte der Sexualforschung vor dem Hintergrund verschiedener Erklärungsansätze für die Homo -sexualität siehe u.a. K. Pacharzina/K. Albrecht-Désirat (1979): Homosexualität und Psychiatrie. Zur Geschichte der medizinischen Vorurteile. In: E. Borneman: Sexualität. Materialien zur Sexualfor schung. S. 203-227.

47 R. Reiche (1971): Sexualität und Klassenkampf. S. 118.

48 G. Heinsohn/R. Knieper in: Krit. Justiz. (1974), S. 14.

49 Aus: R. Lautmann (1979): Seminar: Gesellschaft und Homosexualität. S. 128-129.

50 R. Lautmann (1977), S. 135.

51 Aus: U. Rauchfleisch (1994): Schwule. Lesben. Bisexuelle. Lebeweisen-Vorurteile-Einsichten. S. 158 161.

52 Ausführlicher zum Thema: "Zur therapeutischen Behandlung homosexueller Menschen" siehe u.a.:

W. Müller (1986): Homosexualität - eine Herausforderung für Theologie und Seelsorge. S. 43-55.

53 Carl Friedrich O. Westphal gründete zusammen mit Meyer und Griesinger das Archiv für Psychatrie und Nervenerkrankungen, das programmatisch gegen die konservative Allgemeine Zeitschrift für Psychatrie und psychisch-gerichtliche Medizin gerichtet war. Hier erschien auch WESTPHALs Artikel zur Homosexualität: "Die conträre Sexualempfindung" (1869). Dazu: Lautmann (1993), S. 39-41.

54 Seine wesentlichen Theorien zur Homosexualität veröffentlichte KRAFFT-EIBING im Jahr 1877. Im Sinne einer darwinistisch verstandenen Evolution sah er den Zweck menschlicher Sexualität einzig in der Fortpflanzung und defnierte jede Abweichung von dieser Zweckmäßigkeit als Zeichen einer funktionellen Degeneration. Dazu: Lautmann (1993), S. 48-53.

55 Ellis (1859-1939) war britischer Pionier der Sexualforschung. In "Das konträre Geschlechtsgefühl" wurde Homosexualität weder als Sünde oder Verbrechen noch als Krankheit oder Degeneration behan delt. Das Buch lieferte eine breite und umfassende Übersicht über die Literatur zur Homosexualität im Tierreich, bei primitiven Menschenrassen, in der klassischen Antike, in Gefängnissen etc. Dazu: Laut mann (1993), S. 73.

56 W. Müller (1986), S. 20-21.

57 Ebenda S. 20.

58 Vgl. Lautmann (1993), S. 239 f. und Borneman (1990), S. 337.

59 Vgl. Th. R. Hofsäss (1995): Homosexualität und Erziehung. S. 35 f.

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Homosexualität und Erziehung. Erziehungshaltung von Familie, Schule und Gesellschaft zur gleichgeschlechtlichen Liebe
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Erziehungswissenschaftliches Seminar)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
97
Katalognummer
V6879
ISBN (eBook)
9783638143516
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homosexualität, Erziehungen, Betrachtugen, Erziehungs-, Sexualitätskonzept, Berücksichtigung, Erziehungshaltung, Familie, Schule, Gesellschaft, Liebe
Arbeit zitieren
Tatiana Distler (Autor), 1998, Homosexualität und Erziehung. Erziehungshaltung von Familie, Schule und Gesellschaft zur gleichgeschlechtlichen Liebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6879

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