»Die nach dem Zweiten Weltkrieg durch Zerstörung und Flüchtlingsströme ausgelöste Wohnungsnot war Anlaß, die Stadtentwicklungspolitik bis Anfang der 70er Jahre darauf auszurichten, für möglichst viele Menschen innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Diese Neubautätigkeiten waren neben den Wiederaufbau zerstörter Stadtteile geprägt durch die Neugründung
von Stadtteilen sowie Schaffung von zusätzlichem Wohnraum für eine wachsende Bevölkerung (…). «
Auch die Stadt Oldenburg war geprägt durch diese Stadtentwicklungspolitik, allerdings gab es im Gegensatz zu den meisten Städten keine größeren Zerstörungen von Wohnraum. Es wird davon ausgegangen, dass es nur geringere Zerstörungen gab. Besonders betroffen war Oldenburg jedoch von einem starken Bevölkerungsanstieg durch Flüchtlinge und Vertriebene. Die Zahl der Einwohner Oldenburgs erhöhte sich drastisch.
In dieser Hausarbeit möchte ich mich daher mit der Fragestellung „Wie wurde der starke Bevölkerungsanstieg durch Vertriebene und Flüchtlinge in Oldenburg städtebaulich bewältigt?“ auseinandersetzen.
Ich möchte diese Thematik gerne unter dem Begriff „Integration“ betrachten. Von Seggern spricht über „Phasen der partiellen Integration“ der Flüchtlinge in Oldenburg. Er beschreibt drei Stufen der Integration: Zunächst die „ökonomische Integration“, die Vertriebene sollten in dieser Phase in den Oldenburger Arbeitsmarkt aufgenommen worden sein. Die nächste Phase ist die „soziale Integration“, in dieser Phase stand die Schaffung von Wohnraum im Mittelpunkt. Die letzte Phase sollte die „politische Integration“ sein. In meinen Ausführungen werde ich mich in erster Linie mit der sozialen Integration und deren Schwerpunkt „Schaffung von Wohnraum“ beschäftigen.
Bevor ich mich dieser eigentlichen Fragestellung widme, stelle ich zwei Exkurse voran. Der Erste soll einen Überblick über die generelle Thematik „Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg“ schaffen. Im zweiten Exkurs werde ich kurz auf die Situation von Oldenburg nach dem Zweite Weltkrieg eingehen. Diesen Exkursen folgt dann der Hauptteil dieser Arbeit, dort versuche ich die Leitfrage dieser Arbeit zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg
2.1 Erste Pläne für eine Vertreibung
2.2 „Wilde Vertreibungen“
2.3 Kommunike / Potsdamer Abkommen
2.4 Umgang mit deutschen Minderheiten in Jugoslawien und Rumänien
2.5 Gesamtbetrachtung
3. Oldenburg am Ende des Zweiten Weltkrieges
4. Flüchtlinge und Vertriebene in Oldenburg
4.1 Unterbringung in bereits vorhandenen Gebäuden
4.1.1 Unterbringung in Privatquartieren
4.1.2 Unterbringung n Lagern und Massenunterkünften
5. Schaffung von neuem Wohnraum
5.1 Förderung durch öffentliche Träger
5.1.1 Sozialer Wohnungsbau-Fonds als Maßnahme der Kommune
5.1.2 Maßnahmen von Bund und Land
5.2 Private Initiativen
5.3 Städtebauliche Umsetzung
5.3.1 Kleinsiedlungsbau
5.3.2 Sozialer Wohnungsbau
5.3.3 Gartenstadt (Ohmsteder Esch)
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie die Stadt Oldenburg den massiven Bevölkerungsanstieg durch Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg städtebaulich bewältigte, wobei der Schwerpunkt auf der sozialen Integration durch die Schaffung von neuem Wohnraum liegt.
- Analyse der Flucht- und Vertreibungsgeschichte nach 1945
- Untersuchung der Wohnraumsituation in Oldenburg nach Kriegsende
- Evaluierung der staatlichen und privaten Wohnungsbauförderung
- Betrachtung städtebaulicher Modelle wie Kleinsiedlungen und Gartenstädte
- Integration der Neubürger durch gemeinsame Bauprojekte und Infrastrukturausbau
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Unterbringung in Privatquartieren
Die Vertriebenen wurden häufig in unterbelegten Privatwohnungen untergebracht. Die Militärregierung legte Wert darauf, dass die Neuoldenburger nicht von den Altoldenburgern isoliert leben sollten. Trotz ständiger Appelle der Stadt, Flüchtlinge aufzunehmen und auch durch Zusammenrücken „das letzte Wohnzimmer zur Verfügung zu stellen“, nahmen die Altoldenburger meist die Flüchtlinge nicht freiwillig auf. Die Vertriebenen wurden zwangszugeteilt. Durch die geringe Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen war die städtische Wohnraumverwaltung auch zu harten Schritten bereit. Im Dezember 1945 kündigte die Stadtverwaltung in der lokalen Presse an, dass »die Zuweisung von Flüchtlingen (…) unter allen Umständen, nötigenfalls mit den schärfsten Zwangs- und Strafmaßnahmen durchgeführt [wird]. « Da der Wohnraum eng bemessen und viele Oldenburger nicht bereit waren Flüchtlingen aufzunehmen, kam es häufiger zu Konflikten zwischen Flüchtlingen und aufnehmenden Familien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, des Forschungsstandes und der Fokussierung auf die städtebauliche Bewältigung des Bevölkerungsanstiegs in Oldenburg.
2. Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg: Überblick über die historischen Hintergründe, die Potsdamer Konferenz und die Umsiedlungsmengen.
3. Oldenburg am Ende des Zweiten Weltkrieges: Beschreibung der Ausgangslage der Stadt Oldenburg hinsichtlich Zerstörungsgrad, Einwohnerzahl und Infrastruktur bei Kriegsende.
4. Flüchtlinge und Vertriebene in Oldenburg: Analyse des Zuzugs der Vertriebenen und der verschiedenen Phasen der Unterbringung, von der Notaufnahme bis zum Kasernenwohnen.
5. Schaffung von neuem Wohnraum: Detaillierte Betrachtung der Finanzierungsmodelle (öffentliche Förderung, private Initiativen) und der verschiedenen städtebaulichen Siedlungstypen.
6. Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die Leitfrage zur städtebaulichen Bewältigung des Bevölkerungsanstiegs durch rasche, kostengünstige Wohnraumbeschaffung.
Schlüsselwörter
Flüchtlinge, Vertriebene, Oldenburg, städtebauliche Integration, Wohnungsbau, Nachkriegszeit, SoWoFo, Kleinsiedlungsbau, Gartenstadt, Integration, Wohnraummangel, Kasernenräumung, GSG, Sozialer Wohnungsbau, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen, die der starke Bevölkerungsanstieg durch Flüchtlinge und Vertriebene nach 1945 für die Stadt Oldenburg mit sich brachte, insbesondere in Bezug auf die städtebauliche Integration und Wohnraumversorgung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die historischen Hintergründe der Vertreibung, die Wohnraumsituation im kriegszerstörungsarmen Oldenburg sowie die verschiedenen staatlichen und privaten Lösungsansätze zur Wohnraumsicherung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Leitfrage zu beantworten, wie Oldenburg den massiven Zustrom an Neubürgern städtebaulich bewältigte, ohne dabei auf einen langfristigen, ganzheitlichen Masterplan zurückzugreifen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine historische Analyse, gestützt auf Fachliteratur, städtische Satzungen, zeitgenössische Berichte und bauliche Auswertungen, um die städtebauliche Entwicklung aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Unterbringung in Bestandsgebäuden und Kasernen sowie die detaillierte Darstellung der Förderung und Umsetzung von Neubauvorhaben, wie Kleinsiedlungen und Gartenstadtelemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Flüchtlinge, Vertriebene, Wohnungsbau, städtebauliche Integration, soziale Wohnraumförderung und die städtische Entwicklung Oldenburgs in der Nachkriegszeit.
Warum war Oldenburg als Ziel für Vertriebene besonders attraktiv?
Aufgrund der geringen Kriegszerstörungen und der agrarisch geprägten Struktur Niedersachsens verfügte die Stadt über eine vergleichsweise bessere infrastrukturelle Ausgangslage für die Aufnahme von Flüchtlingen.
Was war das Besondere am "SoWoFo" in Oldenburg?
Es handelte sich um ein in Deutschland einmaliges Modell, bei dem die Stadt Oldenburg mittels einer Wohnraumsteuer einen eigenen Fonds zur Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus schuf.
Welche Rolle spielte die Hindenburg-Kaserne?
Sie diente über Jahre als zentrale, jedoch häufig problematische Unterbringungsmöglichkeit, entwickelte sich jedoch zu einer eigenen Lebensstation mit Gewerbebetrieben, bevor sie im Rahmen der Kasernenräumung wieder militärisch genutzt wurde.
- Quote paper
- Gabriele Dammers (Author), 2005, Flüchtlinge und Vertriebene in Oldenburg und ihre städtebauliche Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68867