Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter am Beispiel von Borderline


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

21 Seiten


Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Persönlichkeitsstörungen
3.1 Einordnung in Klinische Psychologie
3.2 Persönlichkeitsstörungen
3.3 Persönlichkeitsstörungen in Kindheit und Jugend

4 Die Persönlichkeitsstörungen „Borderline“
4.1 Ein historischer Rückblick
4.2 Definition nach ICD 10
4.3 Definition nach DSM IV
4.4 Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
4.5 Epidemiologie

5 Spezielle Betrachtung von Borderline bei Kindern und Jugendlichen
5.1 Ursachen für die Borderline-Persönlichkeitsstörung
5.2 Interventionen

6 Abschließende Worte

7 Literatur

8 Internetadressen

2 Einleitung

(häufig gegensätzliche) Eigenschaften und Tatsachen, die mich ausmachen (manchmal sogar gleichzeitig):

* grausam * glaubensunfähig * untot * impulskontrollgestört * misstrauisch, selbst den Meinen gegenüber * zärtlich * abgeklärt * unkonzentriert * bitterböse * zuckersüß * strahlend * düster* FIGHTER * unglaublich liebens- und leidensfähig * unlovable (auf lange Sicht) * hilfsbereit * hilfsbedürftig * sarkastisch * Extremschläferin * verloren * selbstgefällig * ungebildet * extrem selbstzerstörerisch * verlassen * untherapierbar * exzessiv * provozierend * Raucherin * emotional vernachlässigt * misshandelt * traumatisiert * ich-dyston * unreal * Außenseiterin * neige zu Übertreibungen * wild * atheistisch * selbstverliebt * selbsthassend * verzweifelt * kreativ * extrem ehrlich * neurotisch * emotional instabil * dominant * direkt * lieb * masochistisch * kindlich * himmelhochjauchenzend * rasend eifer- und geltungssüchtig * weise (nur selten) * plötzlich ewig weit weg (geistig offline) * UNBERECHENBAR * wankelmütig * kämpferisch * Fluchtschläferin * zutodebetrübt * Tagträumerin * Teilzeit-Irre * todesmutig gelegentlich schüchtern * lasse keinen Fettnapf aus * erfolglose Selbstmörderin * Wiederholungstäterin * häufig unsicher * verletzend * dissoziativ * verletzbar * nicht zähmbar * paranoid * Raucherin*

Mit diesen Worten beschrieb sich eine Freundin von mir in einer Internetplattform.1Als ich sie kennen lernte, war mir die Krankheit „Borderline“ nicht bekannt. Dies änderte sich als sich unserer Freundschaft entwickelte. Sie erzählte mir nach und nach von ihrer Erkrankung und wie sie diese erlebte. Natürlich habe ich auch am eigenen Leib erfahren, wie sich eine solche Persönlichkeitsstörung auswirkt.

Betrachtet man diese Selbstbeschreibung zeigen sich einige deutliche Kennzeichen der Borderline Krankheit, wie: Schwierigkeiten mit der Spannungsregulation und Selbstkontrolle, Ichdystonie, emotionale Instabilität, Selbstzerstörungstrieb, negatives Selbstbild und Suizidalität.2

In dieser Hausarbeit werde ich mich mit dem Borderline im Kindes- und Jugendalter auseinandersetzen. Dazu werde ich zunächst Persönlichkeitsstörungen allgemein beschreiben und dann auf die Krankheit Borderline näher eingehen. Diese Darstellung wird beschreiben, welche theoretischen Erklärungsansätze es zur Entstehung der Krankheit gibt, den Verlauf, die Häufigkeit und die Symptome der Krankheit.

3 Persönlichkeitsstörungen

3.1 Einordnung in Klinische Psychologie

Eine Persönlichkeitsstörung gehört neben Störungen der Dissoziation, der Sexualität, der Angst, den Affekten sowie Schizophrenien zu den psychischen Störungen. Psychische Störungen liegen nach Zimbardo und Gerrig dann vor, „wenn die normale Funktionsweise der kognitiven und emotionalen Prozesse und des Verhaltens ernsthaft beeinträchtigt ist, so dass die betroffene Person darunter leidet und bei der Erreichung wichtiger Ziele beeinträchtigt sind.“3

Wie andere Erkrankungen lassen sich auch psychische Krankheiten klassifizieren. Zunächst gibt es die ICD (International Classification of Diseases and Related Health Problems), es handelt sich dabei um eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen.4Die aktuelle Ausgabe der ICD wird als ICD-10 bezeichnet.5 Psychische Krankheiten werden im "Kapitel V: Psychische und Verhaltensstörungen" aufgeführt.6Neben dem ICD gibt es noch das DSM 4 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders), welches im Gegensatz zum ICD 10 ein nationales Klassifikationssystem ist. Beim DSM 4 gibt es fünf Achsen:

Achse I: Klinische Störungen Symptome oder Muster von Verhaltensauffälligkeiten und psychischer Probleme, die auch schon im Säuglingsalter, Kindheit und Jugend auftreten können.

Achse II: Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderung unangemessene Wahrnehmungsmuster und Verhaltenswesen.

Achse III: Allgemeiner medizinischer Zustand körperliche Probleme, welche bedeutsam für die ersten beiden Achsen sein können.

Achse IV: Psychosoziale und Belastungen durch die Umwelt Faktoren, die Einfluss auf die Diagnose, Behandlung und Genesung haben.

Achse V: Genereller Funktionszustand der Person Person7

3.2 Persönlichkeitsstörungen

Wie der Begriff "Persönlichkeitsstörung" schon andeutet, haben diese psychischen Störungen mit der Persönlichkeit der Betroffenen zu tun. Für "Persönlichkeit" gibt es verschiedene Definitionen. Grundsätzlich versteht man darunter die Summe der psychologischen Merkmale einer Person, insbesondere die typischen und konsistenten Verhaltensmuster. Aber wo ist die Grenze zwischen einer "normalen“ und "gestörten" Persönlichkeit? Im ICD 10 werden Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen beschrieben als „klinisch wichtigen, meist länger anhaltenden Zustandsbildern und Verhaltensmustern. Sie sind Ausdruck des charakteristischen, individuellen Lebensstils, des Verhältnisses zur eigenen Person und zu anderen Menschen.“8

Diese Zustandsbilder und das Verhalten können bereits in der Kindheit und Jugend entstehen oder im Laufe des Lebens erworben werden, sie sind tief verankert in der Persönlichkeit und andauernd. Sie äußern sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und gesellschaftliche Lebenssituationen. Bis hier hin, kann man nicht unbedingt von einer "Störung" sprechen. Wichtig ist, dass sie sich gegenüber der Masse der Menschen deutlich in der Wahrnehmung, Denken, Fühlen und in den Beziehungen zu anderen unterscheiden. Dies hat häufig zwei Konsequenzen: persönliche (in Form von Leiden wie z.B. Depression) und soziale Beeinträchtigungen, wie z.B. wenige Freundschaften oder Liebesbeziehungen.9

Abbildung 1: Persönlichkeitsstörungen nach ICD 10

Quelle: http://www.uni-saarland.de/fak5/krause/psyst-Dateien/img6.html

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch im DSV IV werden Persönlichkeitsstörungen benannt, sie werden der zweiten Achse

(Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderung) zugeordnet und zeichnen sich durch unpassende Wahrnehmungsmuster und Verhaltenswesen aus. Genauer definiert spricht man von einem „überdauernden, um sich greifendes Muster innerer Erfahrungen und des Verhaltens, das von den Erwartungen der Kultur, in der die Person lebt, abweicht.“10Fiedler führt dazu noch aus „Wir sprechen von einer Persönlichkeitsstörungen nur dann, wenn Persönlichkeitszüge unflexibel und wenig angepasst sind und die Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen oder zu subjektiven Beschwerden führen.“11

Abbildung 2: Persönlichkeitsstörungen nach DSM IV

Quelle: http://www.uni-saarland.de/fak5/krause/psyst-Dateien/img14.html

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Saß & Jünnemann gehen davon aus, dass international etwa 10 % der Bevölkerung an einer Persönlichkeitsstörung erkrankt sind. In klinischen Studien ist die Zahl deutlich höher, weil sich diese Menschen bereits in einer psychiatrischen Behandlung befinden.12

3.3 Persönlichkeitsstörungen in Kindheit und Jugend

Die kennzeichnenden Verhaltensmuster von Persönlichkeitsstörungen lassen sich meist schon während der Kindheit und Adoleszenz diagnostizieren. Auch wenn man schon Kennzeichen für eine Persönlichkeitsstörung bei Minderjährigen feststellen kann, so kann man nicht automatisch von einer Persönlichkeitsstörung sprechen. Um dies zu tun, sind zwei Bedingungen zu erfüllen:

Von den Kriterien einer Persönlichkeitsstörung muss die vorgeschriebene Mindestanzahl erreicht werden, die Störung muss stabil sein - nach DSM IV mindestens ein Jahr.13 Bei Erwachsenen sind Persönlichkeitszüge meist schon verfestigt, in der Kindheit und Jugend ist dies anders. Man kann davon ausgehen, dass sich die Persönlichkeit noch stark wandeln kann. Daher besteht bei einer möglichst frühen Intervention die Möglichkeit die "kranken" Persönlichkeitszüge an einer Verfestigung zu hindern und mit den jungen Menschen angemessenere Verhaltensmuster einzuüben. Man spricht daher oft auch von Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung.14 Adam und Peters beschreiben weiterhin, dass Kinder und Jugendlichen bei denen eine Auffälligkeiten auftreten, welche auf eine Persönlichkeitsstörung schließen lassen, fast immer schon im frühen Alter Probleme hatten. So können sie Schreikinder gewesen sein, im Kindergarten und in der Schule haben sie häufig Probleme mit ihren Altersgenossen.15 Ihre Probleme zeigten sich in mehreren Bereichen: vor allem die zwischenmenschliche Beziehungen sind belastet, aber auch die Wahrnehmung und Bewertung von Ereignissen, die Impulskontrolle, Gefühle und Stimmungen sowie die Bedürfnisbefriedigung sind beeinträchtigt.16

Bisher gibt es nur wenig Befunde, die sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern. Mehrere Studien belegen allerdings, dass es im Alter von 12 - 14 Jahren einen ersten Häufigkeitsgipfel gibt.17

4 Die Persönlichkeitsstörungen „Borderline“

4.1 Ein historischer Rückblick

"Borderline" stammt aus dem Englischen und wird übersetzt mit "Grenzlinie" Diese Bezeichnung wurde in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingeführt, um den Fälle im Grenzbereich zwischen Neurose und Psychose zu benennen.18Der Begriff "Neurose" wird im ICD - 10 und im DSM IV nicht mehr aufgeführt, sondern mit dem Begriff "Psychose" zusammengeführt. Unter Neurosen wurden „relativ verbreitete psychologische Probleme angesehen, bei denen keine Anzeichen von Hirnanamolien vorliegen, keine schwerwiegenden Erscheinungen irrationalen Denken zu beobachten sind und die betroffene Person keine grundlegenden Normen verletzt, aber dennoch eine subjektive Belastung empfindet“.19Von einer Psychose bzw. Schizophrenie spricht man, wenn die erkrankte Person unter einem zeitweiligen weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs leidet. Im Gegensatz zur Neurose erleben die Erkrankten ihre Umwelt als verändert statt sich selbst, dabei können sie auch unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen leiden.20

In den 1960iger Jahren wurden erste Theorien zu Borderline von psychoanalytisch orientierten Psychotherapeuten entwickelt. Diese stellten fest, dass zwar keine klar definierte Borderline- Krankheit gibt, aber bestätigte Merkmale gibt.21Mittlerweile ist man zu der Übereinkunft gekommen, es mit einem eigenständigen, in sich relativ stabilen Komplex zu tun zu haben. Wesentlich dafür war Kernbergs Veröffentlichung „Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus“ aus dem Jahre 1975.22So wurde 1980 Borderline-Persönlichkeitsstörung in das DSM-III (dem Vorgänger von DSM IV) aufgenommen und im 1991 ins ICD - 10.

Das sich nicht um eine Psychose handelt, lässt sich damit begründen, dass der Bezug zur Realität erhalten bleibt. Von der Neurose unterscheidet sich Borderline durch Intensitätsschwankungen. Während bei Neurosen das Leiden stets auf einem ähnlichen Niveau ist, so ändert sich bei Borderline die Höhe des Leidens immer wieder im Laufe der Krankheit.23

[...]


1Ich habe hier eine Selbstbeschreibung gewählt, weitere Dinge die ich ausführe habe ich ihrer Krankenakte und Erzählungen sowie eigenen Erlebnissen entnommen.

2 Möhlenkamp (2004), 59ff.

3Zimbardo / Gerrig, 2003, 602

4Fiedler, 2001,33 ff.

5Zimbardo / Gerrig, 2003, 604 f.

6http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm

7 Zimbardo / Gerrig, 2003, 604 f. sowie Fiedler, 2001,31 ff.

8http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm

9 http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm sowie http://www.uni-saarland.de/fak5/krause/vorps0506.pdf, S.13 sowie Fiedler, 2001,38 ff.

10Zimbardo / Gerrig, 2003, 608

11Fiedler, 2001,37

12 Adam / Peters, 2003, 112

13Fiedler, 2001,40

14Adam / Peters, 2003, 45

15Adam / Peters, 2003, 19

16Adam / Peters, 2003, 20

17 Adam / Peters, 2003, 113

18Möhlenkamp, 2004, 9

19Zimbardo / Gerrig, 2003, 606

20Zimbardo / Gerrig, 2003, 620

21Möhlenkamp, 2004, 10

22Gunderson, 2005, 27 ff.

23 Fiedler, 2001, 240

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter am Beispiel von Borderline
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V68868
ISBN (eBook)
9783638618830
Dateigröße
3446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeitsstörungen, Kindes-, Jugendalter, Beispiel, Borderline, Psychische, Störungen
Arbeit zitieren
Gabriele Dammers (Autor), 2006, Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter am Beispiel von Borderline, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68868

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