Das Prinzip der Lokalität in den russischen Essiv-Sätzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Syntaktische Grundlagen und Begriffe

2. Die Untersuchungsmethode

3. Das Prinzip „Lokalität“
Die Lokalisator – Stelle im Essiv – Satz
Das Essiv – Verb
Das Essiv – Objekt
Zusammenfassung

4. Fazit

5. Quellen

0. Einleitung

Die russische Sprache als be - Sprache hat ein besonderes Prinzip des Ausdrucks gedanklicher Konstruktionen beziehungsweise Zustände. Sowohl in der Literatur- als auch in der Alltagssprache treten Sätze mit Anzeichen für dieses Ausdrucksprinzip auf. Es ist das Prinzip der „Lokalität“ – etwas wird, als an/in einem Ort befindlich, zu einem Ort zugehörend, ausgedrückt. Es scheint so, als ob das nichts besonderes wäre, jedoch ist dieses „Lokalitätsprinzip“ das in der russischen Sprache mit am meisten gebräuchliche Ausdrucksprinzip und bildet somit ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber have – Sprachen[1]. (Zum Beispiel: Er hat Gäste. [U nego gosti.})

So soll der Gegenstand dieser Arbeit dieses Phänomen der „Lokalisierung“, dessen Erscheinungsformen und dessen inhaltlicher Aspekt sein. Drücken Lokalitäten wirklich dieselben Verhältnisse aus, die in anderen Sprachen in weniger abstrakter Art ausgedrückt werden, oder liegt dem sprachlichen Ausdruck der Lokalität ein vollkommen anderes Welt – Konstrukt zugrunde? Die Fragewörter WAS und WIE bestimmen den Hauptteil der Arbeit, auf das WARUM soll im letzten Teil eingegangen werden. Jedoch sollen zuerst Begriffe und Grundlagen erörtert werden, mit denen in dieser Arbeit argumentiert werden soll, es soll geklärt werden, welcher Theorien sich hier bedient wird.

1. Syntaktische Grundlagen und Begriffe

Da der Gegenstand dieser Arbeit der Satz ist, soll zuerst erklärt werden, welche Satz – Definition zugrunde gelegt wird. Da die formal-grammatische Richtung den hier untersuchten Satztyp als „ungrammatisch“ bezeichnet, weil in Essiv – Sätzen nicht immer ein (flektiertes) Verb vorhanden ist[2], soll von anderen Definitionen ausgegangen werden. In der logisch-semantischen Strömung, die schon Aristoteles vertrat, wird davon ausgegangen, dass der Satz als Ausdruck eines logischen Urteils zu verstehen ist und dadurch untrennbar von ihm ist. Demnach besteht der Satz aus zwei Komponenten:

a) subiectum: das, wovon etwas ausgesagt wird;
b) praedicatum: das, was (davon) ausgesagt wird.

Das Subjekt (subiectum) wird mittels einer Aussage darüber (praedicatum) erweitert, was als Prädikation bezeichnet wird. Das Verb ist hierzu nicht immer notwendig[3].

Puškin – poэt. Sollen jedoch Zeitverhältnisse ausgedrückt werden, kommt man nicht um ein Verb herum. Puškin byl (!) russkij poэt[4].

Die Subjekt – Prädikat – Einteilung hängt direkt mit der Theorie der kommunikativen Richtung zusammen, welche den Satz nach Thema und Rhema unterteilt.

a) Thema: das Bekannte, Gegebene, der Ausgangs- und Anknüpfungspunkt;
b) Rhema: das Neue, mitzuteilende, das über das Thema Auszusagende.

Jedoch ist Thema nicht immer Subjekt, und Rhema nicht immer Prädikat, denn die Expressivität des Satzes kann mittels Intonation und Satzteiltausch die Reihenfolge verändern[5].

Dieses kommunikative Satz - Modell wird, zwar unter anderen Bezeichnungen der Satzteile, jedoch in der gleichen Bedeutung, von der psychologischen Richtung vertreten. Hier ist das psychologische Subjekt eine im Bewusstsein des Sprechenden zuerst vorhandene Vorstellungsmasse, ihr schließt sich das psychologische Prädikat an. Das psychologische Subjekt ist das, worüber der Sprechende den Zuhörer etwas denken lassen will, das psychologische Prädikat ist das „Etwas“, das der Zuhörer darüber denken soll[6].

Die für die vorliegende Arbeit wichtigen Begriffe sind Thema, Rhema und Subjekt, Prädikat, grammatische und morphologische Einzelheiten werden nur an relevanter Stelle miteinbezogen. (Bei der Zerlegung des Satzes wird hier das Prädikat als Einheit von Objekt und Prädikat gesehen.)

2. Die Untersuchungsmethode

Moderne Theorien geben oft sehr genaue und komplizierte Systeme zur Einteilung von Sätzen nach Satzarten, diesen Systemen liegen immer bestimmte Annahmen zugrunde. Das hier Verwendete System beruht auf der Annahme, dass einer Äußerung immer ein Bezug zur Realität (Referenz), ein kommunikativer Zweck und eine Syntaxanwendung mittels Lexik vorangeht; ein logisch – semantischer Ansatz also[7]. Diese Theorie teilt die russischen Sätze in drei Typen auf, welche den menschlichen Gedanken Ausdruck verleihen:

1) Essiv – Sätze; 2) Identitätssätze; 3) Prädikat – Sätze (mit vielzähligen Prädikat – Typen).

Die Bezeichnungen verraten eigentlich schon die auffälligsten Unterschiede: In Essiv – Sätzen wird das Gegebene (Ort, Objektklasse) als Thema vorgegeben, und darin die Existenz des Rhemas ausgedrückt. Im zweiten Typ wird zwischen Thema und Rhema eine Identitätsbeziehung hergestellt und der dritte Satztyp versieht das Thema mit Prädikaten (das Rhema besteht aus der dem Thema angehörigen Eigenschaft)[8].

Im Folgenden soll anhand einiger Beispiele der Aufbau, die Funktionsweise und das Zusammenwirken der einzelnen Elemente der Essiv – Sätze erklärt werden.

3. Das Prinzip „Lokalität“

Das Prinzip „Lokalität“ in den Essiv – Sätzen des Russischen ist ein sehr verbreitetes Phänomen, es findet in nahezu allen Bereichen des sprachlichen Ausdrucks von Gedanken Anwendung. Hierbei wird eine gedankliche Konstruktion der Welt (beziehungsweise, wie sie angenommen wird) auf die syntaktische Ebene übertragen. Die gedankliche Welt – Konstruktion erscheint in der Psyche des Sprachproduzenten folgendermaßen:

- Ein Thema wird als bekannt vorgegeben, es ist als räumlich-konkret (Welt, Weltteil, Person, Innere Sphäre der Person, Äußeres der Person) , gedanklich-abstrakt (Produkt menschlichen Schaffens, Ereignis, Erscheinung, Zustand) und anzahlmäßig (Objektklasse) größer zu verstehen, als das
- Rhema (Objekt), welches, als im Thema befindlich angenommen wird.

Das rhematische Objekt wird als Bestandteil des Rhemas gesehen, jedoch nicht als einziger Bestandteil. Abstrakter betrachtet ist das Rhema der Ort, an dem sich etwas befindet, und das Rhema ist das, was sich dort befindet[9].

V lesu jest` griby. (Im Wald gibt es Pilze.) sagt zwar aus, dass es im Wald Pilze gibt, dass der Wald jedoch nur und überall aus Pilzen bestehen soll, wird nicht übermittelt. Es gibt also noch andere Dinge im Wald, außer Pilzen, jedoch sind Pilze auch da[10] !

Als gegeben wird der Ort angenommen, und das neu Mitgeteilte ist ein Teil des Ortsinhalts[11].

Es gibt zwei Klassen, in die man die Essiv – Sätze im Russischen einteilen kann. Sie unterscheiden sich durch ihre Struktur (jedoch besonders durch die Lokalisator – Stelle) :

- Lokalisator – Essiv-Verb – Objekt; V mire jest` mnogo udivitel`nogo, V эtom lesu jest`griby, U vas net sovesti.
- Objektklasse – Essiv-Verb – Objekt; Sredi moich druzej byli očen` sposobnyje rebjata.[12]

An dieser Stelle bietet es sich an, die Struktur dieser beiden Satzklassen, zu zerlegen und die Elemente, einzeln zu beleuchten.

[...]


[1] Hand – Out zum Gastvortrag „Russkij jazyk i kartina mira“ von N. D. Arutjunova an der FSU Jena vom Jahr 2002

[2] Panzer, B., Das Russische, München 1995, S. 232

[3] Panzer, B., Das Russische, München 1995, S. 229 und S. 236

[4] Ebenda, S. 237

[5] Ebenda, S. 229 - 232

[6] Ebenda, S. 229 - 230

[7] Arutjunova, N. D./Širjajev, E. N., Russkoje predloženije. Bytijnyj tip: struktura i značenije. – M., Russkij jazyk 1983, S. 13

[8] Arutjunova, N. D./Širjajev, E. N., Russkoje predloženije. Bytijnyj tip: struktura i značenije. – M., Russkij jazyk 1983, S. 7

[9] Vgl. Ebenda, S. 14 - 17

[10] Vgl. Ebenda, S. 8

[11] Vgl. Ebenda, S. 12

[12] Arutjunova, N. D./Širjajev, E. N., Russkoje predloženije. Bytijnyj tip: struktura i

značenije. – M., Russkij jazyk 1983, S. 14

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Prinzip der Lokalität in den russischen Essiv-Sätzen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V68880
ISBN (eBook)
9783638611862
ISBN (Buch)
9783638776936
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prinzip, Lokalität, Essiv-Sätzen
Arbeit zitieren
Anton Reumann (Autor), 2004, Das Prinzip der Lokalität in den russischen Essiv-Sätzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68880

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