Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Linguistics

Was ist eigentlich ein Soziolekt? Der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache

Title: Was ist eigentlich ein Soziolekt? Der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache

Seminar Paper , 2006 , 27 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Holger Schröder (Author)

German Studies - Linguistics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In der Arbeit wird der Frage nachgegangen, was eigentlich ein „Soziolekt“ ist. Denn der Begriff selbst ist noch nicht für den Untersuchungsbereich, der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache, festgeschrieben und es werden synonym auch andere Begriffe verwendet. Ferner wird näher in den Untersuchungsbereich hineingegangen und die spezifischen sozialen Faktoren benannt sowie dargestellt. Des Weiteren wird auch geklärt, welche Einflüsse diese Faktoren nun auf die Sprache ausüben.
Die Soziolinguistik möchte ja den Zusammenhang von Sprache in Bezug auf die gesellschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen erforschen und dabei klären, ob Zusammenhänge vorliegen und wenn ja, ob bei defizitärer Sprachausstattung eine Förderung möglich sei. Dieser Arbeitsbereich erlebte insbesondere in den 60er und 70er Jahren eine Blüte (siehe auch Ammon; Simon, 1975: 9-29). Dies ist wenig verwunderlich, wenn man die (Bildungs-) politische Situation jener Zeit mit betrachtet, denn diese war von einer linken und aufgeklärten Strömung geprägt. Als Folge versuchte man eben auch den ‚unteren Schichten’ eine entsprechende Förderung anzugedeihen.
Um das schwindende Interesse an der Soziolinguistik zu erklären lohnt es sich das Vorwort zur Zweiten Auflage des Buches „Soziolekt und soziale Rolle“ von Wolfgang Steinig heranzuziehen. Dieses lieferte einen Erklärungsansatz, warum das Interesse an der Soziolinguistik so rückläufig sei. Denn die Auseinandersetzung mit dem kreativen und innovativen Potential der Bernsteinschen Gedanken habe die einseitiger werdende Soziologie, seiner Meinung nach, nicht akzeptieren wollen. Dies wiederum habe dazu geführt, dass sich kaum noch Erzieher, Bildungspolitiker und auch Laien dafür interessieren würden. Sicherlich hat Steinig damit recht, dass es durch einen ‚Richtungsstreit’ innerhalb dieser Disziplin zu einer abflachenden Rezeption kam. Doch muss man auch den gesellschaftlichen Wandel, der auch zu einem Wandel in der Bildungspolitik führte, in Betracht ziehen. Konservative und zum Teil auch reaktionäre Strömungen traten wieder verstärkt auf. Eine Konsequenz hiervon war, dass die (durchaus kritisch zu betrachtenden) Förderprogramme zum kompensatorischen Sprachunterricht abgeschafft und Gesamtschulen aufgelöst wurden. Der ‚Elitegedanke’ rückte wiederum in den Vordergrund, an einer Förderung nach dem Prinzip – die besten Chancen für alle – war man nicht mehr interessiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführende Bemerkungen zum Thema der Arbeit

2. Die Anfänge der Soziolinguistik – ein historischer Abriss

2.1 Die Prägung der Sprachwissenschaft durch de Saussures und Chomsky

2.2 Die Kode-Theorie von Basil Bernstein

2.3 Die Differenzkonzeption William Labovs

2.4 Die ‚neuere’ Soziolinguistik

3. Begriffliche Schwierigkeiten – Soziolinguistik als Varietätenlinguistik

3.1 Der Begriff Soziolekt

4. Die Bedeutung außersprachlicher Parameter und ihre Auswirkungen auf die Sprache

5. Reflexion und rückblickende Betrachtungen

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff des Soziolekts innerhalb der Soziolinguistik, um dessen inhaltliche Definition sowie die zugrunde liegenden sozialen Einflussfaktoren auf das menschliche Sprachverhalten kritisch zu beleuchten.

  • Historische Entwicklung der Soziolinguistik
  • Analyse der Defizit- und Differenzhypothesen (Bernstein vs. Labov)
  • Begriffliche Abgrenzung von Varietäten und Soziolekten
  • Einfluss außersprachlicher Parameter (Schicht, Alter, Geschlecht, Rolle, Situation)
  • Gesellschaftliche Relevanz der Sprachsoziologie

Auszug aus dem Buch

2.2 Die Kode-Theorie von Basil Bernstein

Nachdem Chomsky seinen Blick auf die Untersuchung homogener Sprachsysteme gelegt hatte, öffnete sich der Blickwinkel nun und neben der Funktion der autonomen Sprache wurde nun auch deren Einbettung in Handlungszusammenhänge untersucht. Einen der vielleicht bedeutendsten Vorstöße, die Sprache mit außersprachlichen Handlungszusammenhängen (hier: sozialstrukturellen Aspekten) in Verbindung zu bringen, gebührt wohl dem englischen Soziologen Basil Bernstein. Durch seine Arbeiten konnte die Soziolinguistik erst entwickelt beziehungsweise weiterentwickelt werden.

Bernstein stellte die Theorie der sprachlichen Kodes auf, wonach „der Sozialerfolg von Mitgliedern einer Gesellschaft und ihr Zugang zu gesellschaftlichen Privilegien entscheidend vom Grad der Wohlorganisiertheit ihrer Sprachverwendung abhängt.“ Er bezog sich dabei auf die Theorie de Saussures und übernahm die Unterscheidung von „langue“ und „parole“. Dies bedeute, dass „die Sprache mit allen Möglichkeiten, die sie bietet, getrennt von dem, was in der Verbalisierung des einzelnen verwirklicht wird“ abhängig von der Sozialstruktur sei. Bernstein behauptete in diesem Zusammenhang, dass die Sprechgewohnheiten der Unterschicht infolge niedrigen Einkommens und Einflusses, in Syntax und Semantik sich von den Sprechgewohnheiten der Mittelschicht unterscheide. Ferner sei die Unterschicht durch deren Ausdrucksverhalten im Vergleich mit der Mittelschicht sozial benachteiligt. Als Standard der Sprachverwendung werde dabei die der Mittelschicht angesehen. Aus der Sichtweise heraus, dass die Unterschichtsprache gegenüber der Mittelschichtsprache ‚Defizite’ aufweise, wird die Hypothese Bernsteins durch den Terminus „Defizithypothese“ zum Ausdruck gebracht. Diese angeblich bestehenden Unterschiede in der Form des Sprachgebrauchs von Unterschicht und Mittelschicht versuchte er nun zu benennen. Er trennte dabei eine „formale“ von einer „öffentlichen“ Sprache, die er später durch die Bezeichnungen „elaborierter“ und „restringierter“ Kode ersetzte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführende Bemerkungen zum Thema der Arbeit: Der Autor führt in das Thema Soziolinguistik ein und begründet sein Interesse an der Untersuchung des Begriffs Soziolekt unter Berücksichtigung sozialer Faktoren.

2. Die Anfänge der Soziolinguistik – ein historischer Abriss: Dieses Kapitel zeichnet den theoretischen Weg von Saussure und Chomsky über die Defizithypothese Bernsteins bis hin zur differenzierenden Soziolinguistik Labovs nach.

3. Begriffliche Schwierigkeiten – Soziolinguistik als Varietätenlinguistik: Es werden die methodischen Herausforderungen bei der Definition des Begriffs Varietät und insbesondere Soziolekt erörtert sowie deren Einbettung in die soziale Realität diskutiert.

4. Die Bedeutung außersprachlicher Parameter und ihre Auswirkungen auf die Sprache: Das Kapitel analysiert verschiedene Faktoren wie Schicht, Alter, Geschlecht und Situation, die maßgeblich zur Ausprägung soziolektaler Varietäten beitragen.

5. Reflexion und rückblickende Betrachtungen: Der Autor resümiert die Bedeutung der Soziolinguistik als historisch gewachsene Disziplin und plädiert für eine Fortführung der wissenschaftlichen Diskussion an Hochschulen.

6. Literatur: Auflistung der im Text verwendeten Quellen und weiterführenden wissenschaftlichen Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Soziolinguistik, Soziolekt, Sprachvarietäten, Defizithypothese, Differenzhypothese, Basil Bernstein, William Labov, Sprachcode, Schichtung, Kommunikationstheorie, Sprachsoziologie, Varietätenlinguistik, soziale Faktoren, Sprachbarrieren, Standard-Varietät.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Teildisziplin der Soziolinguistik und untersucht insbesondere, wie soziale Faktoren die Sprache beeinflussen und wie der Begriff Soziolekt wissenschaftlich zu definieren ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der Soziolinguistik, die Debatte zwischen Defizit- und Differenzhypothese sowie die Bedeutung außersprachlicher Parameter für die sprachliche Varietätenbildung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Begriff Soziolekt im Kontext der modernen Soziolinguistik zu klären und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Bedingungen und Sprachstrukturen miteinander verknüpft sind.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der existierende soziolinguistische Theorien – insbesondere von Bernstein, Labov und Steinig – kritisch gegenübergestellt und reflektiert werden.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss der Theoriebildung, die Auseinandersetzung mit der Varietätenlinguistik und eine detaillierte Betrachtung der außersprachlichen Faktoren wie soziale Schicht, Alter und Geschlecht.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Konzepte sind Soziolekt, linguistische Codes, soziale Ungleichheit, Sprachvariation und der Einfluss gesellschaftlicher Strukturen auf die Kommunikation.

Warum wird die Theorie von Basil Bernstein so ausführlich diskutiert?

Bernsteins Theorie gilt als wegweisend für die Soziolinguistik, da sie den ersten Versuch unternahm, soziale Bedingungen mit Sprachmustern in einer umfassenden Theorie zu verbinden, auch wenn sie heute als kritisch zu betrachten ist.

Welche Rolle spielt die Differenzhypothese von William Labov in der Arbeit?

Labov dient als wichtiger Kontrapunkt zur Defizithypothese, indem er betont, dass sprachliche Varietäten funktionsäquivalent sind und soziale Benachteiligung eher durch Erwartungshaltungen als durch sprachliche Mängel entsteht.

Excerpt out of 27 pages  - scroll top

Details

Title
Was ist eigentlich ein Soziolekt? Der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache
College
University of Education Heidelberg  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik)
Course
Seminar Sprachliche Varietäten
Grade
2,0
Author
Holger Schröder (Author)
Publication Year
2006
Pages
27
Catalog Number
V68925
ISBN (eBook)
9783638612081
ISBN (Book)
9783638768573
Language
German
Tags
Soziolekt Einfluss Faktoren Sprache Seminar Sprachliche Varietäten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Holger Schröder (Author), 2006, Was ist eigentlich ein Soziolekt? Der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68925
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  27  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint