Die innerfamiliale Arbeitsteilung im internationalen Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Innerfamiliale Arbeitsteilung
2.1. Der ressourcentheoretische Ansatz
2.2. Der ökonomische Ansatz der Familie
2.3. Der Zeitbudget-Ansatz (time availability hypothesis)
2.4. Der Geschlechtsrollen-Ansatz

3. Innerfamiliale Arbeitsteilung in Deutschland
3.1. Einfluss der Erwerbstätigkeit der Frau
3.2. Einfluss einer Elternschaft
3.3. Wer macht was? Aufgabenteilung in deutschen Haushalten

4. Innerfamiliale Arbeitsteilung im internationalen Vergleich
4.1. Pionierland Dänemark
4.2. Patriarchat Spanien
4.3. Ausnahme Irland?
4.4. Fazit und Ausblick

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wohl kaum ein Thema birgt in einer Partnerschaft ein so großes Konfliktpotenzial wie die Frage nach der innerfamilialen Arbeitsteilung. Dabei stellt die Vereinbarkeit von „Familien- und Berufsrolle“ (Schmidt 2002: 188) für beide Geschlechter die wohl größte Herausforderung dar. Das bislang vorherrschende, traditionelle Modell der innerfamilialen Arbeitsteilung weist dem Mann die Funktion als finanzieller Versorger der Familie, der einer in der Regel außerhäusliche Erwerbstätigkeit nachgeht, und der Frau die Rolle als Hausfrau zu, die für die Erledigung der Hausarbeit verantwortlich zeichnet. Eine an diesem Modell orientierte Organisation des Haushalts wurde lange Zeit gesellschaftlich nicht in Frage gestellt. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung war Mitte der sechziger Jahre erreicht, die gemeinhin auch als „golden age of family“ bezeichnet werden. So war 1964 der geburtenstärkste Jahrgang nach dem Krieg und die Frau „herrschte“ uneingeschränkt über den Haushalt.

Doch dieses Modell hat seit einigen Jahrzehnten enorm an Wichtigkeit eingebüßt, im Zuge dieses Prozesses hat die traditionelle Rolle des Vaters als Familienoberhaupt stark an Bedeutung verloren und ein Modell „egalitärer familialer Arbeitsteilung“ das patriarchalische Muster „im Familienverständnis vieler junger Frauen“ abgelöst (Künzler 1996: 115). Die „Ausbreitung der unselbständigen Erwerbsarbeit“, die „feministische Bewegung“, die „Studenten-bewegung“, die „Bildungsexpansion der siebziger Jahre“ und die damit einhergehende steigende Partizipation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt legen die Vermutung nahe, dass mit der damit verbundenen Veränderung der Geschlechtsrollen auch die innerfamiliale Arbeitsteilung einem grundlegenden Wandel unterliegt (Peuckert 1991: 139).

Diese Arbeit versucht zunächst, Antwort zu geben auf die Frage, welches die in der Familiensoziologie vorherrschenden Erklärungsansätze für die bestehenden Verhältnisse sind. In einem zweiten Arbeitsschritt wird die generelle Situation in Deutschland fokussiert und die entscheidenden Faktoren für die Reduktion der Hausarbeitszeit seitens der Frau skizziert. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Grad der männlichen Beteiligung an der unbezahlten Hausarbeit und auf den etwaigen Veränderungen der Rolle des Mannes, die sich auf dem Hintergrund des verstärkten weiblichen Rückzugs aus dem Haushalt in den letzten Jahrzehnten ergeben haben.

Diese Ergebnisse für Deutschland werden anschließend in einen internationalen Vergleich eingebettet. Erkenntnisziel ist dabei, inwieweit der Prozess in der Bundesrepublik exemplarisch ist für Europa und in welchen Ländern der Prozess einer innerfamilialen Enttraditionalisierung am weitesten fortgeschritten ist. Abschließend wird ein Ausblick auf neuere Ansätze der Familienforschung gegeben, die sich bislang auf Erklärungen auf Mikro-Ebene beschränkte und Einflüsse der Makro-Ebene auf die innerfamiliale Arbeitsteilung weitestgehend ausblendete.

2. Innerfamiliale Arbeitsteilung

„Der weibliche Charakter und das Ideal der Weiblichkeit, nach dem er modelliert ist, sind Produkte der männlichen Gesellschaft" – Theodor W. Adorno

Die Notwendigkeit, die im Haushalt anfallende Arbeit zwischen Mann und Frau aufzuteilen, ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts. Es stellte sich Paaren durch die sich in diesem Jahrhundert ergebende Trennung von Arbeits- und Wohnstätte die Frage, wer für die häuslichen Produktions- und Versorgungsleistungen und wer für die außerhäusliche Erwerbstätigkeit zuständig sein sollte. Dabei knüpften die sich daraus ergebenden Ausprägungen der Arbeitsteilung „fraglos an die tradierten Regeln der bäuerlichen und handwerklichen Gesellschaft an“ (Hill/Kopp 2002: 240). Durkheim sah die Geschlechterarbeitsteilung 1893 als „Modell für organische Solidarität in der Gesamtgesellschaft“ (zitiert nach: Garhammer 1997: 30) an. Diese spezifisch am Geschlecht ausgerichtete Form der Arbeitsteilung gründet auf einer traditionellen Rollenteilung, die dem Mann die außerhäusliche Arbeit und der Frau die Rolle als Hausfrau und Mutter zuschreibt. Gestrich belegt diesen Prozess mit dem Stichwort der „Domestizierung“ (1999: 99). Dem Mann oblag also die finanzielle Versorgung der Familie „qua in der Regel außerhäuslicher Erwerbstätigkeiten“, während sich die Partnerin den „ganzen Rest“ widmete: der Hausarbeit, der Betreuung und Erziehung der Kinder, „kinkeeping“ und „emotion work“ (Künzler 1996: 115).

Die frühere Familiensoziologie sah diese Aufteilung der Rollen als funktional notwendig an und legitimierte sie durch die biologisch begründete Einschätzung, dass die Separation von Mutter und Kind Nachteile für das Kind mit sich brächte. Dieser Ansatz ist jedoch heute überholt, da sich aus diesem Faktum keine „dauerhafte traditionelle Arbeitsteilung legitimieren“ lässt (Hill/Kopp 2002: 240). Außerdem sprechen die gestiegene Bildung und Ausbildung der Frauen und die stark steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen dafür, dass dieses Modell in der Auflösung begriffen ist oder zumindest einen starken Bedeutungsverlust hinnehmen musste (vgl. Peuckert 1991: 139). Aufgrund dieser Dynamik erfährt die innerfamiliale Arbeitsteilung als Bereich der familiensoziologischen Forschung ein immer größeres Maß an Beachtung.

Dennoch gilt es festzuhalten, dass das traditionelle Modell der familialen Arbeitsteilung empirisch immer noch dominant ist und Männer nur in Ausnahmefällen auf eine Erwerbstätigkeit verzichten. Frauen hingegen übernehmen nach wie vor den überwiegenden Teil der Hausarbeit, das gilt auch bei einer Erwerbstätigkeit seitens der Frau. An dieser ungleichen Verteilung hat sich auch im Lauf der Zeit nichts geändert (vgl. Peuckert 1991: 141). Künzler (1996: 121) konstatiert bei einem Vergleich von internationalen Studien zum zeitlichen Umfang der von Frauen geleisteten Hausarbeit eine Spannweite von ca. 17 bis 60 Wochenstunden. Gershuny und Robinson (zitiert nach: Hill/Kopp 2002: 241) haben die Veränderungen der Hausarbeitsteilung in den letzten Jahrzehnten folgendermaßen charakterisiert:

„Clearly much other than housework has been changed over this period. More women have paid jobs, more men are unemployed, and families have gotten smaller on average. Even having controlled for such sociodemocrafic changes, we conclude that ( ... ) women in the 1980s do substantially less housework than those in equivalent circumstances in the 1960s, and that men do a little more than they did (although still much less than women).“

Es lässt sich also ein Befund vorwegnehmen: Das von Frauen in die Hausarbeit investierte Zeitvolumen sinkt kontinuierlich, wohl auch „durch den Einsatz zeitsparender Haushaltstechnologie, der Senkung des Anspruchsniveaus und die Externalisierung von Haushaltsarbeiten“ (vgl. Hill/Kopp 2002: 241); das von den Männern in den Haushalt eingebrachte Engagement ändert sich dagegen nur geringfügig. Wenn beide Partner erwerbstätig sind, lässt sich ein nur schwacher Trend zu mehr Beteiligung der Männer an der Hausarbeit feststellen; tendenziell ist die Beteiligung der Männer in traditionellen Single-Earner-Haushalten, in denen nur der Mann berufstätig ist, sogar rückläufig (vgl. Hill/Kopp 2002: 242).

In Bezug auf die innerfamiliale Arbeitsteilung werden insgesamt vier Erklärungsansätze diskutiert: der ressourcentheoretische Ansatz, die ökonomische Theorie der Familie, der Zeitbudget-Ansatz und geschlechtsrollentheoretische Überlegungen. Diese Ansätze sollen im Folgenden kurz beschrieben werden.

2.1. Der ressourcentheoretische Ansatz

Blood und Wolfe (1960) legen ihrem Ansatz die Überlegung zugrunde, dass „die Machtverteilung in einer Ehe von den verfügbaren externen Ressourcen und den außerehelichen Alternativen der Ehepartner abhängig ist“ (zitiert nach: Hill/Kopp 2002: 243). Hausarbeit gilt demnach als unangenehme Tätigkeit, die ausschließlich Kosten verursacht und demjenigen, der sie ausführt, nur geringen Nutzen bringt. Die konkrete Arbeitsteilung ist das Ergebnis eines Verhandlungsprozesses, der als Abbild der innerehelichen Machtverteilung betrachtet werden kann (Hill/Kopp 2002: 244). Fuwa (2004: 753) charakterisiert die auf diese Weise ausgehandelte Arbeitsteilung als „outcome of negotiation between husbands and wives who use whatever valued resources they can to strike the best deal on behalf of self-interest“. Es wird sich also derjenige Partner durchsetzen, der über die „relativ bessere externe Ressourcenausstattung“ verfügt, die Hauptlast der Hausarbeit wird demgemäß der hinsichtlich der Ressourcen unterpriveligierte Partner tragen (vgl. Hill/Kopp 2002: 244). Als entscheidende Ressource werden dabei Einkommen, Berufsstatus und Bildung angesehen. So ist zu erwarten, dass die „Beteiligung des Mannes umso geringer ist, je größer ihr Einkommensvorsprung gegenüber den Frauen ist“ (Hill/Kopp 2002: 244).

Hier setzt auch die Hauptkritik am Ressourcen-Ansatz an, da weitere Ressourcen nicht als machtgenerierend betrachtet und nicht berücksichtigt werden. Darüber hinaus nivelliert der Ansatz, dass Hausarbeit unter Umständen auch als „befriedigende Tätigkeit“ (Hill/Kopp 2002: 244) eingeschätzt werden könnte, sondern postuliert im Gegenteil, dass Hausarbeit per se eine unbefriedigende Tätigkeit darstelle. Diese Unterstellung ist nicht haltbar. Mederer (1993: 135) bemerkt dazu: „Resource theory has not considered how the translation of resources into power might vary depending upon how housework is defined.“ Vielmehr sei es nach Hill und Kopp (2002: 244) so, dass ein Großteil der Frauen – trotz der Doppelbelastung durch Arbeit und Haushalt – mit seiner Tätigkeit zufrieden ist und die Arbeitsteilung als fair empfindet.

2.2. Der ökonomische Ansatz der Familie

Hier steht nicht der Eigennutzen eines jeden Akteurs im Vordergrund, sondern „das Kollektivinteresse an der Wohlfahrtsmehrung für alle im Haushalt lebenden Akteure“ (Hill/Kopp 2002: 245), das heißt, dass die Arbeitsteilung primär im Hinblick auf die gesamtfamiliale Wohlfahrtsmaximierung erfolgt und die Mitglieder der Familie persönliche Interessen denen der Familie unterordnen. Demnach kommt es, je nach Marktlohnsätzen, zu einer Spezialisierungsgewinne schaffenden Arbeitsteilung, wenn derjenige die Hausarbeit übernimmt, der die geringere Marktproduktivität erzielt (Hill/Kopp 2002: 245). In den meisten Fällen betrifft das die Frauen, „weshalb sie sich auf die Hausarbeit spezialisieren“ (Hill/Kopp 2002: 245). Diesem Ansatz folgend, lassen sich folgende Erwartungen formulieren: Die Beteiligung der Männer an der Hausarbeit müsste mit steigendem Einkommen abnehmen; andererseits, hätten Frauen die bessere Bildung, Ausbildung und berufliche Qualifikation, wäre die gegenteilige Arbeitsteilung sinnvoll.

Solange Frauen jedoch außerdem einer geschlechtsspezifischen Sozialisation unterliegen, die ihnen vor allem eine Rolle als Mutter und Hausfrau suggeriert und sie mit einem Vorsprung an entsprechendem Know-How ausstattet, scheint es bei gleichem Einkommenspotenzial zudem sinnvoll, dass sie aufgrund dieses „spezifischen Humankapitals“ (Hill/Kopp 2002: 245) auch die Arbeit im Haushalt übernehmen.

Es muss allerdings kritisch angemerkt werden, dass der ökonomische Ansatz die Konflikte um die konkrete Lösung der Aufteilung nicht berücksichtigt, außerdem beschränkt sich die Betrachtung weitgehend auf die Frage, wer die Erwerbstätigkeit ausüben soll (vgl. Hill/Kopp 2002: 245). Darüber hinaus wird übersehen, dass ein Gehalt nicht die einzige Motivation für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit der Frau ist – hinzu kommen außerdem berufliche und soziale Anerkennung, größere finanzielle Unabhängigkeit und ein gesteigertes Selbstwertgefühl (vgl. Hill/Kopp 2002: 245). Dieser Theorie zufolge ist die Arbeitsteilung nur dann effektiv, wenn im Haushalt eine ganze Arbeitskraft eingesetzt werden kann: In modernen Gesellschaften „mit geringer Fertilität, hoher Bildung der Frau, die eine Erwerbstätigkeit ertragreicher erscheinen lässt, und fortgeschrittener gesellschaftlicher Arbeitsteilung, die die Möglichkeit schafft, ehemals familiale Funktionen zu externalisieren“ (Hill/Kopp 2002: 246), ist das jedoch nicht mehr gegeben. Deswegen wird dem ökonomischen Ansatz der Familie nur noch begrenzte und vor allem historische Gültigkeit zugeschrieben.

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die innerfamiliale Arbeitsteilung im internationalen Vergleich
Hochschule
Universität zu Köln  (Forschungsinstitut für Soziologie)
Veranstaltung
Familie im internationalen Vergleich
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V68940
ISBN (eBook)
9783638612227
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsteilung, Vergleich, Familie, Vergleich
Arbeit zitieren
Benedikt Niederschmid (Autor:in), 2005, Die innerfamiliale Arbeitsteilung im internationalen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68940

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