Neapolitanisch-Napoletano-Nnapulitano


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtseinordnung

3. Der neapolitanische Dialekt - Sprecher und Autoren

4. Dialektale Kennzeichen
4. 1. Morphologie
4. 2. Phonologie: Vokalismus und Konsonantismus

5. Untersuchung einiger dialektaler Texte

6. Schlussbemerkung

7. Anhang

8. Bibliografieangabe

1. Einleitung

’A robba bella se fa avvede’ (Le belle cose devono essere mostrate)[1]

Nach Rom und Mailand ist Neapel die drittgrößte Stadt Italiens und die Hauptstadt der Region Kampanien. Mit der süditalienischen Stadt verbindet man vor allem Pizza, die Mafiaorganisation Camorra und (’O sole mio) Musik.

Obwohl die Musik auch eine kleine und nicht ungewichtige Rolle in meiner Arbeit spielen wird, beabsichtige ich, mich hauptsächlich mit dem neapolitanischen Dialekt in der italienischen Literatur auseinander zu setzen. Er zählt zu den bekanntesten und lebendigsten Mundarten des Landes, was er vor allem den mannigfaltigen Musikkompositionen und dem Auftreten in Filmen zu verdanken hat.

Beginnen werde ich mit einer kurzen Erläuterung zu der Geschichte Neapels, welche, als eine Art Basis, für ein besseres Verständnis der Sprach- beziehungsweise Mundartentwicklung fungieren soll, denn in der neapolitanischen Sprache sind bis heute Spuren von allen Geschichtsperioden zu finden.

Danach sollen prägnant die wichtigsten Kennzeichen des Dialektes vorgestellt werden, die abschließend noch einmal, anhand verschiedener Textbeispiele neapolitanischer Autoren, deutlich gemacht werden.

2. Geschichtseinordnung

Die Geschichte der Stadt Neapel ist von einem ständigen Wechsel ihrer Besetzung durch verschiedene Stämme und Nationen geprägt (gezeichnet?)[2].

Man vermutet, dass sie im 8. Jahrhundert v. Chr. durch Einwohner der griechischen Kolonie Cumae gegründet wurde. Aus diesem Grund lautet ihr ursprünglicher Name auch Neapolis, was übersetzt ‚neue Stadt’ bedeutet. 328 v. Chr. wird ein Krieg zwischen Neapel und Rom entfacht, woraufhin die Stadt unter römische Herrschaft gerät. Im 6. Jahrhundert n. Chr. kommt es aufgrund des Versuches, das gefallene Weströmische Reich wieder zu errichten, zu einer Besetzung durch die Byzantiner. Im Jahr 1039 fällt Neapel in die Hand der Normannen und wird zugleich Bestandteil des Königreichs von Sizilien. Friedrich II. (1194-1250) wird im Alter von vier Jahren zum König von Sizilien ernannt und im Jahre 1220, in Rom, zum Kaiser gekrönt. 1224 gründet der Staufenkaiser die Universität von Neapel. Im Jahr 1266 übergibt der Papst Neapel und das Königreich Sizilien an den französischen König Karl I. von Anjou, der die letzten Staufererben besiegt beziehungsweise ihre Ermordung beauftragte. Außerdem verlegt er die Hauptstadt des Königreichs von Palermo nach Neapel.

Im Jahr 1284 erfolgt eine Zweiteilung des Reiches, wobei beide Teile den Anspruch erheben, Königreich von Sizilien genannt zu werden.

Es dauert über fünf Jahrhunderte lang, bis es schließlich im Jahr 1816 zu einer Vereinigung beider Teile, zum Königreich beider Sizilien, kommt.

Nach 1284 kommt es unter Anderem zu Besetzungen durch die Spanier, Österreicher (1707-1734) und Franzosen (1798-1816).

Im 17. Jahrhundert gilt Neapel, mit seinen rund 300.000 Einwohnern, nach Paris, als zweitgrößte Stadt Europas.

Im September 1860 erfolgt der Eintritt Garibaldis in Neapel. Im nachfolgenden Monat wird in einem zweitägigen Plebiszit das Ende des Königreichs Sizilien und die Gründung des Staates Italien beschlossen.

3. Der neapolianische Dialekt - Sprecher und Autoren

Das Neapolitanische, eine Mundart Kampaniens, wird, laut des Schemas des Sprachwissenschaftlers Carlo Tagliavini, der Gruppe der Mittel- und Süditalienischen Dialekte zugeordnet.[3] Sie ist aus einer Mischung des Lateinischen, Griechischen und durch den Einfluss verschiedener Populationen entstanden[4], worauf heute noch mannigfaltige Termini hinweisen.

Wer meint, es werde nur in Neapel und in Kampanien Napoletano gesprochen, muss letztendlich enttäuscht werden. Obwohl es bestimmte Isoglossen gibt, die versuchen, die Dialekte in einem gewissen Grad örtlich zu bestimmen und einzugrenzen, gibt es doch schwer erfassbare Abweichungen (durch die Mobilität der Menschen) die ständig untersucht und aufgezeichnet werden (müssten). So kann man die Mundart Neapels teilweise auch in Kalabrien, in der Basilicata, in Apulien, im Molise, in Latium, in den Abruzzen und in anderen Teilen Süditaliens antreffen.[5] Neapolitanisch ist jedoch nicht gleich neapolitanisch, denn von dem Dialekt selbst gibt es wiederum zahlreiche Varietäten, die sich minimal voneinander unterscheiden. Mitte der 70er Jahre zählte man etwa sieben Millionen Muttersprachler.[6]

Im Gegensatz zu den anderen Dialekten Italiens, hat das Napoletano eine große und reichhaltige literarische Tradition, die seit Beginn des 17. Jahrhunderts mit unzähligen Schriftstücken belegt ist. In den nachfolgenden Epochen entstanden außerdem literarische Werke hohen Niveaus, wie zum Beispiel die Dramen und Gedichte von Salvatore Di Giacomo oder Eduardo De Filippo.[7]

Nicht zu vergessen ist auch die typisch neapolitanische Musik, deren orientalische Klänge traditionell durch Mandolinen, Gitarren, Trommeln, Tamburine und weitere Instrumente erzeugt werden. Die Anfänge dieser sehr großen musikalischen Tradition machte, im Neapel des 17. und 18. Jahrhunderts, die sogenannte Neapolitanische Schule. Sie bestand aus einem Kreis von Komponisten, der unter Anderem die opera buffa schuf.[8]

Bekannte Liedautoren und Sänger neapolitanischer Stücke sind Enrico Caruso, Renzo Arbore, Renato Carosone, Pino Daniele, Mario Merola oder Gigi D’Alessio. Und Lieder wie ’O sole mio, Guaglione oder Tu vuo’ fa’ l’americano hat man sicher schon einmal gehört.

4. Dialektale Kennzeichen

Bei der Betrachtung der morphologischen und phonologischen Aspekte wird zum Vergleich zwar immer die italienische Standardsprache herangezogen, jedoch sollte man nicht vergessen, dass sich alle Dialekte Italiens aus dem Lateinischen entwickelt haben. An einigen Stellen wird dies gut zu erkennen sein.[9]

4.1. Morphologie

Die bestimmten Artikel, die im Italienischen il, lo und la (Singular) lauten, werden im Neapolitanischen zu ’o, ’o (ll’) und ’a verkürzt. Dasselbe geschieht im Plural: i wird zu ’e, gli zu ll’, und le transformiert zu ’e beziehungsweise ll’.[10] In der älteren neapolitanischen Mundart kann man die Artikel lo, lu und ’u (auch el) für das eigentliche, dialektale ’o, und la für ’a und le oder li für ’e finden. Heute kommen diese Ausnahmen nur noch in einigen kleinen Gebieten vor.[11]

Die unbestimmten italienischen Artikel un, uno, una und un’ lauten im Neapolitanischen nu, no, na und n’.[12] Manchmal findet man in Texten auch ’nu oder ’na, wobei das Apostroph auf den im Lateinischen vorangegangenen Buchstaben ‚u’ (unum) verweist.[13]

Eine Besonderheit der Mundart Neapels ist, dass die Pluralmarkierung am Ende der Nomen, aufgrund der Abschwächung des Auslautvokals (außer durch Umlautwirkung), fehlt (vgl. Dauses, 1992, 68). Man muss also auf den Artikel achten, um die Mehrzahl zu erkennen. Oftmals kommt es bei der Pluralbildung eines Feminums, dessen erster Buchstabe ein Konsonant ist, zu dessen Verdoppelung (’a città > ’e ccittà).[14]

Die Präpositionen dello, della, degli u.s.w. werden im neapolitanischen Dialekt extrem verkürzt: d’’o, d’’a, d’’e u.s.w.[15]

Der absolute Superlativ fehlt im Neapolitanischen, und anstatt eines –issimo wird er mit assaje ausgedrückt (bellissimo > assaje bello). Oftmals benutzt man auch das Mittel der Wiederholung: man sagt nicht grassissimo, sondern chiatto, chiatto oder anstelle von bassissimo benutzt man curto, curto.[16]

Das die neapolitanischen Personalpronomina, im Gegensatz zu denen des Standarditalienisch leicht differieren, kann man an der Verbalflexion des Hilfsverbs essere sehr gut erkennen.[17] Diese Beispielflexion zeigt außerdem sehr deutlich, wie auffällig der Unterschied zur Standardsprache ist.

Die dialektalen Possessivpronomina mio, tujo, sujo, nuosto, vuosto und loro werden stets nachgestellt (li piedi suoje).[18]

Sehr ausgeprägt ist im Neapolitanischen außerdem die Benutzung von stare anstelle von essere (im Sinne von „sich befinden“) und tenere für habere (lat.) beziehungsweise avere (vgl. Dauses, 1992, 90f). Häufig kann man in den neapolitanischen Texten für die Präposition in ein dinto a finden.[19]

[...]


[1] http://www.vesuvioincoming.com/tradizioni/proverbi.htm

[2] Die Äußerungen basieren hauptsächlich auf den zwei Internetseiten http://de.wikipedia.org/wiki/Neapel und http://freeweb.supereva.com/neapolisweb/index.htm?p

[3] Vgl. Geckeler, Horst/Kattenbusch, Dieter. Einführung in die italienische Sprachwissenschaft (Romanistische Arbeitshefte, 28). Max Niemeyer Verlag. Tübingen 1992. S. 22f.

[4] http://it.wikipedia.org/wiki/Dialetto_napoletano

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Neapolitanisch

[6] Ebd.

[7] http://it.wikipedia.org/wiki/Dialetto_napoletano

[8] Der Brockhaus. In einem Band. 7. neu bearbeitete Auflage. Leipzig 1996. S. 630, Sp. 1.

[9] Im Großen und Ganzen sind die Merkmale (auf mehr oder weniger gleiche Weise) in einschlägiger Literatur zu finden. Ich beziehe mich bei den Darstellungen hauptsächlich auf: Geckeler/Kattenbusch (1992) und August Dauses. Die italienischen Dialekte im Überblick. Auszug aus dem Matthäusevangelium. Mit philologischen Kommentaren. Franz Steiner Verlag. Stuttgart 1992. Andere benutzte Quellen zum Thema erscheinen in der Fußnote.

[10] http://www.napoletanita.it/napoli.htm

[11] http://www.duesicilie.org/Nnapulitano.html

[12] http://www.napoletanita.it/napoli.htm

[13] http://www.duesicilie.org/Nnapulitano.html

[14] Ebd.

[15] http://www.napoletanita.it/napoli.htm

[16] http://www.napoletanita.it/napoli.htm

[17] Im Anhang zu finden.

[18] Dauses, 1992, 68.

[19] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Neapolitanisch-Napoletano-Nnapulitano
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Italienische Dialekttexte
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V68956
ISBN (eBook)
9783638600842
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neapolitanisch-Napoletano-Nnapulitano, Italienische, Dialekttexte
Arbeit zitieren
Susann Rabe (Autor:in), 2005, Neapolitanisch-Napoletano-Nnapulitano, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68956

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