In dieser Hausarbeit wird das Libretto des amerikanischen Musicals My Fair Lady von Alan Jay Lerner mit seiner literarischen Vorlage, George Bernard Shaws Theaterstück Pygmalion, A Romance in Five Acts vergleichen.
Dabei werden solche Abwandlungen und Veränderungen der litera¬rischen Vorlage betont, die durch ihre musicalspezifische Besonderheit aus dem Theaterstück Pygmalion das Musical My Fair Lady entstehen ließen. Hierbei werden insbesondere die Büh¬nengestaltung, die Songs und die Anzahl der mitwirkenden Charaktere berücksichtigt. Zu den größten Verschiebungen in My Fair Lady führt jedoch die veränderte Darstellung einiger Cha¬raktere, worauf im punktuellen Vergleich besonderes Gewicht gelegt wird. Auf die geringfügigen Änderungen, die für das Verständnis eines amerikanischen Publikums vorgenommen werden mußten, wird hingewiesen werden.
Einleitend wird die Figur des Pygmalion beschrieben, wie sie sich in der Literatur von der griechischen Antike bis in die Moderne darstellt, wobei berücksichtigt wird, wie sich die verschiedenen Werke sowohl auf Shaws Pygmalion, wie auch auf Lerners My Fair Lady auswirken.
Gliederung
1. Einleitung
2. Die Figur des Pygmalions
3. Vergleich von Shaws Pygmalion und Lerners My Fair Lady im Einzelnen
3.1. Bühnengestaltung
3.2. mitwirkende Charaktere
3.3. Songs
3.4. charakterliche Veränderungen
3.5. London-Broadway
4. Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht das Libretto des Musicals "My Fair Lady" von Alan Jay Lerner mit seiner literarischen Vorlage, dem Theaterstück "Pygmalion" von George Bernard Shaw, um die durch die musicalspezifische Umsetzung bedingten inhaltlichen und charakterlichen Verschiebungen zu analysieren.
- Analyse der bühnentechnischen und szenischen Anpassungen für das Musical.
- Untersuchung der motivischen und dramaturgischen Funktion der Songs.
- Gegenüberstellung der Charakterentwicklung von Eliza und Higgins in beiden Werken.
- Bewertung des Einflusses des amerikanischen Zeitgeschmacks auf die Interpretation des Ausgangs.
Auszug aus dem Buch
3.1. Bühnengestaltung
Da das Musical von je her auf ausgefeilteste Bühnentechnik der Broadway-Theater rechnen konnte, und das New Yorker Publikum auch, was die Bühnenbilder angeht, mit außergewöhnlicher und extravaganter Gestaltung verwöhnt war, war es nicht nur möglich, sondern sogar zwingend notwendig, die eher schlicht gehaltene Bühnengestaltung von Shaws Pygmalion in ein bemerkenswert auffälliges Spektakel mit raschen Bildfolgen umzugestalten, damit das Musical My Fair Lady überhaupt eine Chance hat, sich am Broadway zu behaupten.
Insgesamt wurden aus fünf Akten achtzehn Szenen in zwei Akten, woraus man bereits auf die schnelle Bildabfolge in My Fair Lady schließen kann. Um diese zu ermöglichen bediente sich Lerner mehrerer Tricks.
Im Wesentlichen hat er die Szenen gestückelt. So schafft er es z.B. den 5. Akt des Pygmalions, welcher nur im Salon der Mrs.Higgins spielt, in fünf verschiedene Szenen mit entsprechenden fünf verschiedenen Bildern zu fächern. Dieses ermöglicht nicht nur eine farbenprächtige Abwechslung sondern verleiht dem Stück auch das hohe Tempo, welches in der Regel dem Musical eigen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel der Hausarbeit vor, die Unterschiede zwischen Shaws "Pygmalion" und Lerners "My Fair Lady" insbesondere im Hinblick auf Bühnengestaltung, Charakterdarstellung und musikalische Elemente zu beleuchten.
2. Die Figur des Pygmalions: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Pygmalion-Figur von der griechischen Antike über Ovid bis hin zu Rousseau und von Suppé nach und ordnet Shaws Professor Higgins in diese Traditionslinie ein.
3. Vergleich von Shaws Pygmalion und Lerners My Fair Lady im Einzelnen: Dieser umfangreiche Hauptteil untersucht detailliert die strukturellen und inhaltlichen Anpassungen, die für die Transformation vom Theaterstück zum Musical notwendig waren.
3.1. Bühnengestaltung: Hier wird analysiert, wie die Bühnentechnik und szenische Ausschmückung das Tempo und die visuelle Attraktivität des Musicals im Vergleich zur schlichten Vorlage steigern.
3.2. mitwirkende Charaktere: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Erweiterung des Personals im Musical zur optischen Unterstützung sowie den Wegfall gesellschaftskritischer Nebenfiguren.
3.3. Songs: Die Untersuchung zeigt auf, wie die Songs dramaturgisch eingebettet sind und zur Charakterisierung der Figuren beitragen oder Handlungsstränge raffen.
3.4. charakterliche Veränderungen: Der Fokus liegt hier auf der Anpassung der Charaktere, insbesondere Higgins und Freddy, an die Erwartungshaltung eines Broadway-Publikums und die Entschärfung sozialkritischer Züge.
3.5. London-Broadway: Dieser Abschnitt thematisiert die sprachlichen und kulturellen Anpassungen für das amerikanische Publikum, wie die Ersetzung spezifischer Londoner Ortsangaben durch allgemeinere Begriffe.
4. Schlußbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Lerner eine kurzweilige, künstlerisch eigenständige Adaption schuf, die jedoch durch den Fokus auf Unterhaltung die ursprüngliche sozialkritische Schwere von Shaws Vorlage weitgehend aufgab.
Schlüsselwörter
My Fair Lady, Pygmalion, Alan Jay Lerner, George Bernard Shaw, Musical, Literaturvergleich, Bühnengestaltung, Charakterentwicklung, Sozialkritik, Broadway, Adaption, Libretto, Eliza Doolittle, Professor Higgins, Musiktheater.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen George Bernard Shaws Theaterstück "Pygmalion" und der daraus adaptierten Musical-Version "My Fair Lady" von Alan Jay Lerner.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Veränderungen in der Bühnengestaltung, die Charakterisierung der Hauptfiguren, der Einsatz musikalischer Nummern sowie die sozio-kulturellen Anpassungen für das Broadway-Publikum.
Welches ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum das Musical durch strukturelle Änderungen von der literarischen Vorlage abweicht, um den Anforderungen eines populären Unterhaltungsmediums gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem textbasierten Literaturvergleich, bei dem ausgewählte Textpassagen und dramaturgische Konzepte beider Werke gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der technischen Inszenierung, der Rollenerweiterung und -kürzung, der Funktion der Lieder sowie der psychologischen Umgestaltung der Protagonisten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Adaption, Charakterveränderung, Broadway-Inszenierung, Libretto-Analyse und sozialkritische Reduktion aus.
Wie verändert sich die Figur des Professor Higgins durch die Adaption zum Musical?
Während Higgins in Shaws Vorlage als behaftet mit einem Ödipuskomplex und als unverbesserlich dargestellt wird, verliert er im Musical diese kindisch-naive Note, was die Zuschaueridentifikation erleichtert.
Warum spielt das Happy End eine so zentrale Rolle für die Charakteränderungen im Musical?
Das für das Broadway-Musical der fünfziger Jahre erwartete Happy End erforderte eine romantische Annäherung der Figuren, was die gezielte charakterliche Anpassung von Higgins und Freddy notwendig machte.
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- Eva Maria Mauter (Author), 1996, Pygmalien von George Bernard Shaw - My Fair Lady von Alan Jay Lerner: ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68962