Ciceros Kritik an Sulla


Seminararbeit, 2002

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Darstellung, Fragestellung, Vorgehensweise
2. Quellenlage und Stand der Forschung

II. Hauptteil
1. Ciceros politische Haltung zur Zeit Sullas
2. Sullas Diktatur und die Neuordnung des Staates
a) Biographische Voraussetzungen
b) Die sullanische Diktatur und Staatsordnung
3. Ciceros Kritik an Sulla in der Rede Pro Sexto Roscio Amerino

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis
1. Quelle
2. Sekundärquellen

I. Einleitung

1. Darstellung, Fragestellung, Vorgehensweise

Thema dieser Hausarbeit ist die Einstellung Marcus Tullius Ciceros zu Lucius Cornelius Sulla. Obwohl beide Lebensläufe zu unterschiedlichen Zeiten ihren Höhepunkt erreichten und Cicero in den 80er Jahren gerade erst zu Beginn seiner politischen Karriere stand, während Sulla schon lange Zeit die Macht des Staates in eigenen Händen hielt, gibt es eine wichtige Schnittstelle im Leben der beiden Politiker: die Verteidigung des Sextus Roscius aus Ameria. In dieser zeitgenössischen Stellungnahme setzt Cicero sich zusammen-hängend, wenn auch indirekt, mit Sulla und seinen politischen Maßnahmen auseinander. Ausgehend von der Fragestellung: Welche Kritik übt Cicero an Sulla? soll anhand dieser Rede hauptsächlich untersucht werden, wie Cicero Sulla noch zu dessen Lebzeiten beurteilte.

Die Arbeit ist folgendermaßen gegliedert:

Zunächst werde ich Ciceros politisches Weltbild in den 80er Jahren näher erläutern, welches in direktem Zusammenhang zu Sullas Reformwerk und den Auswirkungen von Sullas Politik steht. Diese sollen ebenfalls dargestellt werden, um dann in einem letzten Schritt das direkte Zusammentreffen Ciceros und Sullas im Bezug auf die Fragestellung zu untersuchen.

2. Quellenlage und Stand der Forschung

„[...], dann wird man annehmen dürfen, daß Sulla in seiner eigenwilligen Persönlichkeit und Politik offenbar schon seinen Zeitgenossen ein Rätsel war.“[1] Dieses Zitat Diehls macht deutlich, dass der Charakter des Sullas sowohl damals wie auch heute einige Fragen aufwirft und von daher schon lange Objekt der Untersuchungen ist.

Die Beziehung Cicero – Sulla, vor allem im Hinblick auf die Rede Pro Sexto Roscio Amerino wurde dagegegen immer sehr differenziert gesehen:

Buchheit[2] untersuchte hauptsächlich die scheinbar positiven Bemerkungen Ciceros zu

Sulla und bezeichnet sie als „raffiniert eingebrachte Kritik.“

Hinard hingegen „hebt zu Recht die Beobachtung hervor, daß Cicero bei den Proskriptionen weniger die Blutbäder, ihre Rituale und Opfer in Erinnerung ruft als vielmehr die Konfiskationen und Sullas skandalösen Umgang mit dem Eigentum seiner Mitbürger.“[3]

Ridley zieht nach Auswertung aller Zitate Ciceros über Sulla folgendes Fazit: „Cicero´s historical judgement was too often influenced by his political position.“[4]

Inwieweit diese verschiedenen Gesichtspunkte in der Rede Pro Sexto Roscio Amerino herauszuarbeiten sind, wird sich im Folgenden zeigen.

II. Hauptteil

1. Ciceros politische Haltung zur Zeit Sullas

Diehl bringt Ciceros politisches Weltbild mit den Worten „Seiner Substanz nach war er nobilitäts – orientiert und konservativ, seinem Anspruch nach idealistisch und elitär und seiner politischen Zugehörigkeit nach optimatisch, wenn auch in eigener Auslegung dieses Begriffs.“[5] auf den Punkt. Diese Behauptungen Diehls werde ich im Folgenden näher þberprüfen.

Da Cicero in den 80er Jahren hauptsächlich noch sehr beschäftigt war, seinen philosophischen, rhetorischen und juristischen Studien nachzugehen und er vor der Verteidigung des Sextus Roscius im Jahre 80 v. Chr. erst eine uns þberlieferte Prozessrede für Publius Quinctius in einer privatrechtlichen Streitigkeit 81 v. Chr. gehalten hatte, muss als erster Anhaltspunkt, ausser diesen beiden Reden, sein bisheriger Lebenslauf in Betrachtung gezogen werden.

Am 3. 1. 106 v. Chr. in eine konservative Ritterfamilie geboren, beließ er es nicht dabei, das beschauliche Leben eines begüterten Mittelständlers zu führen, sondern strebte nach einer politischen Karriere. Seine Erziehung wurde früh geprägt durch Politiker wie M. Licinius Crassus und M. Aemilius Scaurus.

Eine juristische Ausbildung absolvierte er bei Q. Mucius Scaevola und Q. Mucius Scaevola Pontifex. Diese Männer werden zweifelsohne dem jungen, ehrgeizigen und bildungswilligen Cicero in ihren politischen Überzeugungen ein Vorbild gewesen sein. Besonders beeindruckte ihn der als letztes genannte Scaevola Pontifex „der bestrebt war, politische Konflikte durch auctoritas und consilium zu lösen und nicht durch Gewalt.“[6] Genau dieses Prinzip verfolgte auch Cicero sein Leben lang. Fuhrmann erläutert die daraus folgende Konsequenz mit den Worten: „Cicero hat aus seiner gänzlich unsoldatischen Natur keinen Hehl gemacht – wenngleich er damit eingestand [...], daß er im Zeitalter der Bþrgerkriege und Revolutionsführer nie eine selbständige Politik würde treiben, nie eine wirklich maßgebliche Rolle würde spielen können.“[7] Einen Weg sieht Cicero jedoch als homo novus, als Neuling, der aus dem Ritterstand in die Senatsaristokratie aufsteigt, den berühmte Männer, wie C. Marius schon vor ihm beschritten hatten. In der Rosciana wird Ciceros Meinung deutlich, wenn er sagt: „... nostri isti nobiles nisi vigilantes et boni et fortes et misericordes erunt, iis hominibus in quibus haec erunt ornamenta sua concedant necesse est.“(139)[8]

Ein zweites wichtiges Prinzip in Ciceros Staatsdenken, welches für ihn keinen Gegensatz zum homo novus bildet, wird hierbei genannt – die Nobilität. „Nobilität als das Ergebnis persönlicher Anstrengungen und Leistungen und als die für alle Leistungswilligen offene Führungsschicht der res publica.[9] Als eine solche Leistungselite ist die Nobilität nach Ciceros Meinung für jeden Strebsamen zugänglich. Durch den Senat, in dem zahlreiche Mitglieder der Aristokratie Magistraturen bekleideten, übte die Nobilität ihre Macht aus. Im Senat sah er die Hoffnung für ein Fortführen der res publica, die gerade im letzten Jahrhundert innenpolitisch stark zerrüttet worden war.

Von diesem Elitedenken lässt sich jedoch auch klar Ciceros optimatische Haltung ableiten. Seit der Zeit der Gracchen, die als Volkstribunen in den Jahren 133 – 123 v. Chr. Ackergesetze gegen den Willen des Senats durchsetzen wollten, wird zwischen popularer und optimatischer Politik unterschieden, welches vielmehr als Richtung denn als Parteizugehörigkeit bezeichnet werden kann. Trotz der Existenz einer „Optimaten – Republik“[10], wie Gelzer den Zustand der vom Senat bestimmten Staatsführung nennt, kann man Cicero als Idealist betrachten, denn auch im Senat herrschte schon seit langem

keine Einigkeit mehr und Ausnutzungen der Ämter schienen an der Tagesordnung zu sein. Diehl geht sogar so weit, Ciceros politische Überzeugung als „Selbsttäuschung“ zu kennzeichnen, denn „in romantischer Verklärung projiziert er seine konservativen Ideale in die Vergangenheit und nimmt sie von dort als Norm für die Gegenwart wieder zurück.“[11]

[...]


[1] Diehl, H., Beiträge zur Altertumswissenschaft. Bd. 7: Sulla und seine Zeit im Urteil Ciceros, Olms u.a. 1988, S. 2, (im folgenden zitiert als Diehl, H., 1988)

[2] Buchheit, V., Ciceros Kritik an Sulla in der Rede für Roscius aus Ameria, Historia 24, 1975, S. 570-591

[3] Hinard, F., La Naissance du Mythe de Sylla, Revue des Études Latines 62, 1962, S. 81-97

[4] Ridley, R. T., Cicero and Sulla, Wiener Studien NF Bd. 9, 1975, S. 108

[5] Diehl, H., 1988, S. 21

[6] Diehl, H., 1988, S. 19

[7] Fuhrmann, M., Cicero und die römische Republik, München 42000, S. 31, (im folgenden zitiert als Fuhrmann, M., 42000)

[8] Cicero, M. T., Pro Sexto Roscio Amerino, Vers 139, (im folgenden nur durch Versangabe zitiert)

[9] Diehl, H., 1988, S. 32

[10] Gelzer, M., Cicero. Ein biographischer Versuch, Wiesbaden 1969

[11] Diehl, H., 1988, S. 31

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ciceros Kritik an Sulla
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Cicero und seine Freunde
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V69034
ISBN (eBook)
9783638808880
ISBN (Buch)
9783656740261
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ciceros, Kritik, Sulla, Proseminar, Cicero, Freunde
Arbeit zitieren
Dörte Ridder (Autor), 2002, Ciceros Kritik an Sulla, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69034

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