Was Buddhisten glauben - Es gibt einen Weg aus dem Leiden


Hausarbeit, 2007

21 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Allgemeine Fakten
1.1 Siddharta Gautama
1.2 Lehre

2 Vergänglichkeit und das Rad der Wiedergeburt
2.1 Reflektionen des Todes
2.1.1 Der Kreislauf des Samsara
2.1.2 Das Nirvana
2.2 Der Sterbeprozess
2.2.1 Der Urstoff der Festigkeit
2.2.2 Der Urstoff der Feuchtigkeit
2.2.3 Der Urstoff der Wärme
2.2.4 Der Urstoff des Windes
2.2.5 Der Zwischenzustand
2.2.6 Wiedergeburt

3 Trauer, Wünsche und Hoffnung der Hinterbliebenen
3.1 Sterbebegleitungen, Bestattung und Zeremonien
3.2 Sterbliche Überreste
3.4 Trauer und deren Bedeutung

4 Abschlussbemerkung

0 Einleitung

Der Tod - das unlösbare Mysterium einer Weltgeschichte. Getrieben von Abscheu und Faszination beschäftigen sich Menschen seit Jahrhunderten damit, dem Geheimnis der letzten Reise auf die Spur zu kommen. Der Tod durchkreuzt alle Bereiche des Lebens, klammert sich an Kunst, Poesie und Literatur, begleitet den Menschen seit der Geburt und erinnert uns mit verlässlicher Zufälligkeit an die Begrenztheit unserer Existenz. Er ist der große Gleichmacher, vor dem jeder Hochmut hinsichtlich Herkunft, Position, Wohlstand oder Macht weichen muss. Ohne irgendwelche Unterschiede zwischen Konfession, Kaste oder Rasse zu treffen, stellt er unser akribisch zusammen gesammeltes Wissen auf eine harte Probe. Alles Können, alle Kenntnisse des Menschen, seine Errungenschaften und Erfindungen werden von der Frage „Was passiert mit uns nach dem Tod?“ in den Schatten gestellt. Dies ist der Punkt an dem die Religion ansetzt. Sie versucht durch die Vermittlung von Verhaltensweisen und Verstehensmustern dem Leben einen Sinn zu verleihen, gibt Kraft um den Tod zu akzeptieren und tröstet, mit Hilfe von Jenseitsvorstellungen, über Ungerechtigkeiten hinweg. Zur unentbehrlichen Nahrung der Menschheit gehört die Hoffnung. Auf der Suche nach dieser Stärke bildeten sich in unserer Geschichte die unterschiedlichsten Glaubenssysteme heraus. Verstärkt in der westlichen Welt dominiert die Vorstellung, dass das weltliche Leiden zwar nicht auf Erden, aber in einem "Jenseits" beendet werden würde. Dagegen wartet auf die Gläubigen insbesondere im Osten der ewig andauernde Zyklus des Lebens, bis sie die Leistungen erbringen, um aus dem Kreislauf aussteigen zu können. Aber ob nun Atheist oder Gläubiger - wir alle müssen uns früher oder später dem Tod beugen und erkennen, dass selbst er auch nur ein Kreislauf der Natur ist.

In den folgenden Absätzen meiner Arbeit, möchte ich auf diesen Kreislauf aus Sicht des Buddhismus eingehen.

1 Allgemeine Fakten

1.1 Siddharta Gautama

Der historische Begründer des Buddhismus Siddharta Gautama wuchs vor mehr als 2.500 Jahren als Sohn königlicher und reicher Eltern des Shakya-Clans, einer Hindu-Kriegerkaste, in Indien auf. Zahlreiche Bilder und Geschichten berichten von seiner wundersamen Geburt (Abb. 1, Anhang). Eine Überlieferung beschreibt dieses bedeutende Ereignis wie folgt: „ Einst lebte eine schöne Königin namens Maya, die von einem weißen Elefanten mit sechs Stoßzähnen träumte, der in ihre Seite eindrang. Danach war sie überglücklich, als sie merkte, dass sie schwanger war, denn sie und der König hatten sich sehnlichst ein Kind gewünscht. Eine Stimme sagte ihr, ihr Sohn würde ein großer Führer werden. Einige Monate später gebar sie schmerzlos in einem Park und das Kind wurde von vier Göttern in einem goldenen Netz aufgefangen. Es wurde auf eine weiße Lotosblüte gelegt. Sofort erhob sich der Knabe, machte sieben Schritte und sprach: „Ich bin das Haupt der Welt. Dies war meine letzte Geburt. Nun wird es keine Existenz mehr geben.“[1]

Aufgezogen von der Schwester seiner bei der Geburt gestorbenen Mutter, wuchs der Prinz wohlbehütet und in großem Reichtum auf. Aber eine Prophezeiung, die Siddhartas Vater Shuddhodana dargelegt wurde, besagte, dass sein Sohn entweder ein Welteroberer oder ein Welterleuchter werden würde. Um letzteres auszuschließen, hielt man den jungen Mann unter strenger Bewachung, um jegliches Leid von ihm fernzuhalten. Nur so, dachte Shuddhodana, könne er Gautama von seinem vorausgesagten Schicksal bewahren.

Dennoch gelang es Siddharta mit 29 Jahren aus seinem goldenen Käfig zu entkommen und die Welt außerhalb der ihn umgebenden Mauern kennen zu lernen. Einer Legende zu Folge wurde er bei diesen 4 heimlichen Ausfahrten das erste Mal mit der harten Welt außerhalb seines Elternhauses konfrontiert.

Bei der Begegnung mit einem Greis, einem Kranken und einem Leichnam erkannte er, dass Alter, Schmerz und Tod das Leben bestimmen und dass alles vergänglich ist.

Bei der 4. Ausfahrt traf er auf einen Mönch. Siddharta begriff, dass dieser Bettelmönch in der Heimatlosigkeit ein selbstbeherrschtes Leben führte, frei von Leidenschaften und Hass.[2] Durch diesen Gedanken der Weltüberwindung angeregt, verließ er mit 29 Jahren seine Familie und zog in die `Hauslosigkeit ` ein, um Ursache und Heilung des Übels in der Welt zu finden und um das Leiden zu überwinden.[3]

Auf seiner geistigen Suche konnten ihm weder Gurus, noch schmerzvolle Kasteiung und strenges Fasten weiterhelfen. Sechs Jahre lang widmete er sich härtester Askese, musste aber erkennen, dass er auf diesem Weg nicht zur Erkenntnis vordringen konnte. Es wird erzählt, dass er im 7 Jahr seines Asketentums, als er ohne Zwang und Druck unter einem Feigenbaum meditierte, die Erleuchtung erreichte und zum Buddha, dem „Erwachten“, wurde. Trotz Versprechungen und Warnungen des teuflischen `Mara` beendete Siddharta sein Streben nach Wahrheit nicht, sondern widerstand der Versuchung, welche die Dämonen auf ihn ausübten (Abb. 2, Anhang) . Statt gleich ins Nirvana einzutreten blieb Siddharta auf der Erde, um anderen Menschen einen Weg aus dem Leiden heraus zu zeigen.[4]

1.2 Lehre

Die Wahrheit über das Leiden, seine Entstehung und Aufhebung wird in Buddhas Lehre durch Gespräche, Gleichnisse und Reden vermittelt. Vorausetzung, um das gewünschte Heil zu erlangen, ist die Kenntnis über die 4 edlen Wahrheiten. „Das menschliche Leben ist voll Leiden oder Dukka. Der Mensch erzeugt selbst das Leiden, indem er an weltlichen Genüssen hängt. Das Entstehen dieses Anhaftens wird Smaodaya genannt. Wer seine Gefühle befreit und alle materiellen Hoffnungen aufgibt, macht dem Leiden ein Ende und erreicht den Zustand des Nirodha. Der 8-fache Pfad oder Magga ist der Weg, auf dem sich der Mensch vom Leiden befreien kann“.[5]

Diese 4 Wahrheiten nicht zu kennen, führt eine Kettenreaktion mit sich, die auch unter dem Namen der 'Bedingten Entstehung' bekannt ist. Als eine der vermutlich wichtigsten Lehren des Buddhismus, ist sie sogleich eine der am schwersten zu Verstehenden. Unwissenheit im Allgemeinen ist immer gefährlich. Die 'Nicht-Kenntnis' der 4 edlen Wahrheiten hindert den

Menschen daran, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Aus diesem Grund handelt er auf mannigfaltige Art und Weise. Willentlich erzeugte Handlungen jedoch sind Vorraussetzung für die Bewusstseinsbildung eines gegenwärtigen Lebens. Dieses Bewusstsein, auch 'Wiedergeburt-Bewusstsein' genannt, gilt als der geistige oder mentale Faktor, der sich bei der Vereinigung von Vater und Mutter mit dem Sperma und dem Ei verbindet, zu Geburt, Alter und Leid führt.[6]

Weder ein Lebenswandel in Ausschweifung und Lust, noch eine übertriebene Selbstpeinigung, sondern nur der mittlere Weg einer maßvollen Weltentsagung führen aus dem Leiden heraus. Diese Lehre heißt `Dharma` und beinhaltet auch das Gesetz von Ursache und Wirkung. Das `Karma` beschreibt, dass alles Tun Vergeltung nach sich zieht, dass es je nach positivem oder negativem `Karma` zur entsprechenden guten oder schlechten Wiedergeburt kommt.[7]

Buddhistische und hinduistische Vorstellungen über das `Karma` unterscheiden sich hierbei. Von Bedeutung im Buddhismus ist, ob die Absicht Glück oder Leid hervorrufen sollte. Entsteht die Absicht hinter einer Handlung aus einer positiven inneren Haltung, bringt sie auch positives `Karma` mit sich, selbst wenn ungewollte negative Ereignisse Folgen wären.[8]

So verschieden Handlungen sein können, so unterschiedlich sind auch deren Resultate. Aus diesem Grund sterben Menschen auch unter verschiedenen Gegebenheiten auf unterschiedliche Arten. Jede Ursache hat ihre bestimmte Wirkung. Deshalb wird im Buddhismus der Tod eines Menschen nicht auf eine willkürliche Macht zurückgeführt. Jede Situation, jeder Zustand ist eine Folge aus Vorhergehenden. Durch unsere Taten tragen wir zu einer ständigen Entwicklung bei. Resultate entstehen auf Grund unserer eigenen Handlungen. Die Anhäufungen von Karma sind damit also Ursache des Todes, der Wiedergeburt und des Leidens.

Der Kreislauf der Wiedergeburt wird im Buddhismus `Samsara` genannt und wiederholt sich, bis ein geeignetes Karma den Eintritt ins Nirvana ermöglicht. Nur durch Einhaltung des 8- fachen Pfades, d.h. der rechten Erkenntnis oder Anschauung, der rechten Gesinnung, der rechten Rede, der rechten Tat, dem rechten Lebenserwerb, der rechten Anstrengung, der rechten Achtsamkeit und der rechten Sammlung erlangt man die Erleuchtung.[9] Siddharta Gautama soll sich einmal wie folgt über diesen Umstand geäußert haben:

„Dies ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden. Mit Unlieben vereint sein ist Leiden. Von Lieben getrennt sein ist Leiden. Nicht erlangen, was man begehrt ist Leiden. Kurz, das Gebundensein an die fünf Objekte des Ergreifens (- die da sind: physische Phänomene, Gefühle, Sinneswahrnehmung, Reaktion, Bewusstsein-) ist Leiden. Dies ist die edle Wahrheit von der Entstehung des Leidens: Es ist der die Wiedergeburt erzeugende Durst, begleitet von Wohlgefallen und Begier, der hier und dort seine Freude findet: nämlich der Durst nach Lust, der Durst nach Werden und Dasein, der Durst nach Vergänglichkeit. Dies ist edle Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: die Aufhebung des Durstes durch restlose Vernichtung des Begehrens, ihn fahren lassen, sich seiner entäußern, sich von ihm lösen, ihm keine Stätte gewähren. Dies ist die edle Wahrheit von dem Weg, der hinführt zur Aufhebung des Leidens: Es ist dies der edle achtfache Pfad.“[10]

Ein Ausgangspunkt von Buddhas Lehre ist die Erkenntnis, dass der Mensch kein einheitliches Ganzes darstellt, sondern eine Kombination aus Einzelbestandteilen von Körperlichem, von Wahrnehmungen und Vorstellungen, von Empfindungen, von Triebkräften und von Bewusstseinsakten ist. Wandeln sich diese Faktoren, wandelt sich auch dementsprechend die Wahrnehmung des Menschen über sich selbst. So verändern wir uns über die Jahre hinweg und sind vor dem Tod andere als kurz nach der Geburt. Noch deutlicher wird diese Vorstellung im Tod: Das aus den Daseinsfaktoren (Skandas) gebildete "Ich" bzw. "Selbst" löst sich in seine Bestandteile auf, die sich in Wiedergeburten zu neuen Individuen zusammensetzen. Die Vermutung, dass jene ewig währen, wird von Buddha aber abgelehnt.[11] Erst wenn man die überlieferten Ansichten eines Selbst aufgeben kann, und sein „Ich“ auszulöschen vermag, ist ein Eintritt in die die sorglose „Existenz“ des Nirvana möglich.[12]

In einem Text von Glasenapp ist dies folgendermaßen beschrieben:

[...]


[1] Karen Farrington, Weltreligionen, Wien 2000. S. 92.

[2] Helmuth von Glasenapp, Die fünf Weltreligionen, Kreuzlingen/ München 2001. S. 79.

[3] Glasenapp, Die fünf Weltreligionen. S. 80.

[4] E bd., Seite 81.

[5] Farrington, Weltreligionen. S. 94.

[6] http://www.bodhibaum.net/tod-im-buddhismus/verstaendnis/tod-theravada.htm

[7] Georg Schwikart, Tod und Trauer in den Weltreligionen, Gütersloh 1999. S. 77.

[8] http://www.religion-online.info/buddhismus/themen/info-wiedergeburt.html#top

[9] Schwikart, Tod und Trauer in den Weltreligionen. S. 77-78.

[10] Ebd., S. 76

[11] Glasenapp, Die fünf Weltreligionen. S. 91

[12] Farrington, Weltreligionen. S. 98.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Was Buddhisten glauben - Es gibt einen Weg aus dem Leiden
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Ernst- Moritz- Arndt- Universität Greifswald
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V69052
ISBN (eBook)
9783638618434
ISBN (Buch)
9783640330591
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buddhisten, Leiden, Ernst-, Moritz-, Arndt-, Universität, Greifswald
Arbeit zitieren
Anja Frank (Autor), 2007, Was Buddhisten glauben - Es gibt einen Weg aus dem Leiden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69052

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