In den Tiefen des Fegefeuers - Zur Vorstellung eines Fegefeuers


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Vorwort

1 Die Geschichte

2 Die katholische Glaubenslehre
2.1 Etymologie
2.2 Die Anfänge
2.3 Vom Gebet zur Ablasspraxis
2.4 Vorstellungen des Fegefeuers und Begründung in der Bibel

3 Kritik an der Idee des Fegefeuers- die Reformation

4 Die heutige Vorstellung vom Fegefeuer

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetseiten

0 Vorwort

Das Fegefeuer ist ein beliebtes Thema, dass nicht nur von altertümlichen Kunstwerken oder Büchern aufgegriffen wird. Nein, selbst in unserer heutigen stark atheistisch orientierten Welt spielt dieser Ort eine große Rolle. Ob in Kinofilmen oder im Fernsehen, die Idee ist präsent. Das Fegefeuer ist tief in dem Bewusstsein der Menschen verankert und findet auch im Glauben immer noch seine Bedeutung. Es stimmt, dass viele Kritiker die Vorstellung vom Fegefeuer als Betrug und Schwindel der Kirche ansehen. Aufgeklärt und vernünftig verweisen sie auf die Bibel, in der nur entfernt ein solcher Ort hineininterpretiert werden könnte. Doch obwohl die Kritiker und Skeptiker die Idee des Fegefeuers belächeln und verhöhnen, gibt es dennoch kaum Menschen, die nicht dankbar sind, wenn man ihnen verspricht nach ihrem Tod an sie zu denken und für sie zu beten. Agnozisten, Anhänger der neueren religiösen Strömungen, ja selbst manche Protestanten ziehen die Existenz des Fegefeuers durchaus in Betracht. Man steht halt gern auf mehreren Füßen.

Letztendlich wird man die Existenz des Fegefeuers nicht beweisen können, aber die Idee, die hinter den schmuckvollen Ausschmückungen, den jahrelangen Erpressungen, den fürchterlichen Ängsten und den dennoch immerwährenden Hoffnungen versteckt liegt, verdient es, beachtet zu werden. Nicht nur weil sie schon älter ist als die christliche Kirche selbst, sondern auch weil sie eine moralischen Tiefe in sich birgt, mit der man sich wenigstens einmal beschäftigen sollte. Die Frage nach dem Fegefeuer kann man vorbehaltlos akzeptieren oder ins Absurde ziehen, um so einer ernsthaften Diskussion auszuweichen. Man kann aber auch versuchen die verschiedenen Ansichten und Vorstellungen der Menschen zu verstehen und nebeneinander zustellen, um so ein komplexeres Bild erhalten zu können.

Diese Seminararbeit versucht die Bedeutung des Fegefeuers, unter dem Aspekt der jeweiligen Zeitepoche herauszufiltern, zu präsentieren und von verschiedenen Blickwinkeln, z.B. dem der Protestanten, zu beleuchten.

1 Die Geschichte

Die Idee eines Fegefeuers ist schon immer recht weit verbreitet gewesen. Ob Antike oder Modere, Gebete für die Toten nahmen seit je her einen Platz im Herzen der Menschen ein. In Griechenland zum Beispiel war die Lehre vom Fegefeuer bei den Philosophen fest verwurzelt. In Platos Gespräch über das zukünftige Totengericht hebt er zwar die Befreiung aller heraus, betont aber, dass die Verurteilten zunächst in einem unterirdischen Platz gerichtet und bestraft werden würden. Andere dürften dagegen gleich in einen bestimmten himmlischen Ort auffahren, um "ihre Zeit in der Art zu verbringen, wie sie ihr Leben in Menschengestalt gelebt haben."[1]

Auch im heidnischen Rom gab es die Vorstellung eines Fegefeuers. Vergil beschreibt diese wie folgt:

- „Weder kann das kriechende Gemüt,
- im dunklen Verließ der Gliedmaßen eingesperrt,
- einen Anspruch auf den heimatlichen Himmel geltend machen
- oder dessen himmlisches Wesen besitzen.
- Noch kann selbst der Tod ihre Flecken völlig abwaschen;
- doch lange angehäufter Schmutz bleibt selbst in der Seele,
- sie tragen die Überreste von hartnäckigem Laster,
- und Flecken unanständiger Sünde sind in jedem Gesicht zu sehen.
- Dafür werden verschiedene Bußen auferlegt,
- und einige werden zum Bleichen in den Wind gehängt,
- einige werden ins Wasser getaucht, andere im Feuer gereinigt,
- bis all der Abschaum verzehrt ist und jeder Rost vergeht.
- Alle haben ihre Manes, und diese Manes leiden.
- Die wenigen so Gereinigten begeben sich zu diesen Wohnstätten
- und atmen in weiten Feldern die milde elysische Luft.
- Dann sind sie alle glücklich, wenn im Laufe der Zeit
- die Kruste jeden begangenen Verbrechens abgetragen wurde;
- keiner ihrer gewöhnlichen Flecken ist übrig,
- sondern der reine Äther der Seele bleibt."[2]

Man kann also davon ausgehen, dass die Idee vom Fegefeuer Trost spenden sollten. Wie es aber leider in der Natur des Menschen liegt, werden gut gemeinte Ideen und Hoffnungen oft missbraucht und ausgenutzt. In Griechenland wurde "das größte und teuerste Opfer das geheimnisvolle Opfer Telete" , daß, so Plato, "für die Lebenden und die Toten geopfert wurde und von dem angenommen wurde, es befreie sie von all dem Übel, weswegen sich die Bösen zu verantworten haben, wenn sie diese Welt verlassen."[3] Auch in Ägypten wurden die Gebete und Wünsche für die Toten bald die Haupteinnahmequelle der Priester, denn kein Gebet konnte ohne sie wirksam sein. Das Tor zu allen Arten der Erpressung war eröffnet, die Priesterliche Herrschaft weitete sich aus, trieb Handel mit den Gefühlen der Verwandten.[4] Aber auch in anderen Religionen setzte sich diese Praxis durch. Immer öfter forderten die Priester Zahlungen von den Bürgern für das Begräbnis, die Zeremonie und die jährlichen Gedenken. Noch heute gibt es in Indien die Sradd’has Trauerfeierlichkeiten bei denen eine "Spende an Vieh, Land, Gold, Silber und anderer Dinge" unablässig ist.[5]

Es ist offensichtlich, dass die Idee des Fegefeuers schon seit vielen Jahrhunderten in der Vorstellungskraft der Menschen Bestand hat. Wohin wir auch immer schauen, die Sehnsucht, dass wir dem Tod nicht ganz ohnmächtig entgegen treten und die Hoffnung der Gläubigen, dass das Jenseits nicht das Ende aller Dinge darstellt sind all gegenwärtig.

2 Die katholische Glaubenslehre

2.1 Etymologie

Während im ersten Teil einige geschichtliche Punkte angesprochen wurden, muss nun als nächstes auf die Etymologie eingegangen werden, insbesondere da es für das Verständnis des Themas von großer Bedeutung ist. Das Wort „Fegefeuer“ als solches mag zwar als Bild durchaus seine Berechtigung haben, aber im kirchlichen Sinne spricht man vom „Purgatorium“. Purgatorium ist lateinisch und entstammt dem Wort „purgare“, was übersetzt soviel wie „reinigen“ bedeutet[6]. Das Purgatorium ist also in erster Linie ein Reinigungsort, bzw. ein Ort der Läuterung.

2.2 Die Anfänge

Wie bereits beschrieben, ist die Vorstellung eines Fegefeuers schon seit vielen Jahren und bei vielen unterschiedlichen Religionen bekannt. Auf Grund der engen Verbindung zum Judentum kann man aber davon ausgehen, dass im Christentum die Idee des Fegefeuers primär aus den sich im Spätjudentum entwickelten Bräuchen, d.h. aus der Tradition heraus entstand. Schon damals war es üblich für die Toten zu beten.[7] Als Vorläufer des Fegefeuers könnte man das „refrigerium interum“ sehen. Tertulian (2./3.Jahrhundert) ist hier einer der Ersten, der von einem Ort spricht, an dem sich die Gerechten nach ihrem Tod erfrischen und auf das Jüngste Gericht warten können.[8] Das „refrigerium interum ist gleichbedeutend mit Abrahams Schoß, d.h. dass die Seelen an diesem Ort schlafen, keine Qualen erleiden und bis zur Auferstehung dort bleiben.“[9] Augustinus (354-430), sah einen solchen Weg der Reinigung sogar in der Bibel begründet. Gemäß 1.Kor. 3,13 ("so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren.")[10] könnte demnach die Läuterung der gläubigen Seelen durch ein Feuer geschehen, um das Irdische aus ihnen heraus zu brennen. Gebete, gute Werke und das eucharistische Opfer würden als Fürbitte für die Toten dienlich sein. Detaillierter Angaben über den Reinigungsort führte er aber nicht an.[11]

Ein Mann, der die Vorstellungen des Fegefeuers aber mit am Nachhaltigsten beeinflusst hat, war Papst Gregor der Große (540-604). Im 6 Jahrhundert knüpfte er an Augustins Ideen an und baute die Vorstellung eines Fegefeuers detailliert aus. Papst Gregor der Große machte das Abendmahl zur mächtigsten Komponente, da in ihm Christus erneut geopfert wird und für die Sünden der Menschen stirbt.[12] Auch er ist sich der Existenz eines Purgatorium gewiss und glaubt, dass geringe Sünden dem Gläubigen in dieser Welt, bzw. in einer anderen Welt nachgelassen werden können. So wird er im römisch- katholischem Katechismus unter Nummer 1031 wie folgt zitiert:

"Man muß glauben, daß es vor dem Gericht für gewisse leichte Sünden noch ein Reinigungsfeuer gibt, weil die ewige Wahrheit sagt, daß wenn jemand wider den Heiligen Geist lästert, ihm ´weder in dieser noch in der zukünftigen Welt` vergeben wird (Mt 12,32). Aus diesem Ausspruch geht hervor, daß einige Sünden in dieser, andere in jener Welt nachgelassen werden können.[...] Jedoch muss man, wie bemerkt, glauben, dass dies nur bei geringen, ja ganz kleinen Sünden stattfinde, wie häufiges unnützes Gerede, unmäßiges Gelächter oder eine Sünde in der Leitung des Hauses, die kaum bei denen ohne Sünde abgeht, die wissen, wie man der Sünde vorbeugen kann; dasselbe gilt von einem Fehler in Unkenntnis in einer nicht bedeutenden Sache. Alles dies belastet die Seele noch nach dem Tod, wenn keine Nachlassung in diesem Leben erfolgte ... Auch dies muss man wissen, dass dort niemand, selbst nicht für die geringsten Sünden, Reinigung erlangen wird, der sich dies nicht durch gute Werke im Voraus verdient hat. Man muss wissen, dass das heilige Opfer nur jenen Verstorbenen nützen kann, die es in diesem Leben verdient haben, dass ihnen auch im Tode noch die guten Werke nützen, welche hier auf Erden für sie geschehen ... Man muss ... bedenken, dass es sicherer ist, das Gute, das einer nach dem Tode von anderen erhofft, bei Lebzeiten selbst zu tun."[13]

[...]


[1] Alexander Hislop, Von Babylon nach Rom, Bielefeld 1997, Seite 153.

[2] Ebd., Seite 153.

[3] Alexander Hislop, Von Babylon nach Rom, Bielefeld 1997, Seite 154.

[4] Ebd. 1997, Seite 154.

[5] Ebd., Seite 154.

[6] J.M Stowasser u.a., Stowasser, Wien, Seite 418.

[7] Georg Schwikart, Tod und Trauer in den Weltreligionen, Gütersloh 1999, Seite 47.

[8] Horst Robert, TRE / Band 11 Berlin/ New York 1983, Seite 70.

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Fegefeuer

[10] Bibel, Lutherübersetzung 1 Kor 3,13-15

[11] Prof. Dr. Thomas Ruster, Himmel, Hölle, Fegefeuer, Dortmund 2005, Seite 15.

[12] Hans Schwarz, Die Christliche Hoffnung, Göttingen 2002, Seite 106.

[13] http://www.padre.at/katechismus_glaube_katholisch.htm

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
In den Tiefen des Fegefeuers - Zur Vorstellung eines Fegefeuers
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Eschatologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V69066
ISBN (eBook)
9783638612517
ISBN (Buch)
9783640330621
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tiefen, Fegefeuers, Eschatologie
Arbeit zitieren
Anja Frank (Autor), 2006, In den Tiefen des Fegefeuers - Zur Vorstellung eines Fegefeuers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69066

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